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Die Wahrheit · 1936-10-30 · Heft 45 (30.10.1936) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 45 (30.10.1936)
Date
1936-10-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 45 — 30. Oktober 1936 DIE WAHRHEIT Jüdische Frontkämpfer! Habt Ihr dafür geblutet, sind Eure jüdisdien Kameraden dafür gestorben, habt Ihr Euch dafür mit Euren Leibern in die Bresche gegen die feindliche Invasion gestellt, um eines Tages in diesem selben Lande dank den Jüdischnationalen unter Fremdenrecht gestellt zu werden? Denn Minderheitsrecht ist Gastrecht und Gastrecht ist Fremdenrecht! 4. Bekenntnis zur Solidarität und Schick- Saisgemeinschaft des ganzen jüdischen Volkes. 5. Mitarbeit an der Errichtung der nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk. 6. Festhalten an sämtlichen in der gegenwärtigen österreichischen Verfassung festgelegten Sicherungen zum Schutze der bürgerlichen Gleichberechtigung der österreichischen Juden einschließlich der Bestimmungen zum Schutze der Minderheiten. 7. Unterlassung der Anrufung auBerjüdischer Stellen in inneren iüdlsch-poIitischenKätnpfen. 4. Anteilnahme an und Verbundenheit mit dem Geschick der Juden der ganzen Welt. 5. Mitarbeit am Aufbau Palästinas für jene Juden, die in ihren Heimatländern nicht leben können oder wollen. 6. Die „Union" steht «ach wie vor auf dem Boden der österreichischen Verfassung. 7. Wird abgelehnt, da es sonst theoretisch und praktisch möglich wäre, eine jüdisch-politische Gruppe vollständig politisch mundtot zu machen, ohne - daß sie die Möglichkeit hätte, die ihr dagegen gesetzlich zustehenden Mittel zu ergreifen. Den Punkt 7, in welchem die Jüdischnatior nalen die Unterlassung der Anrufung außerjüdischer Stellen im innerjüdisch-politischen Kampfe begehrten, mußten wir ablehnen, weil wir, wie bereits oben erwähnt, auf dem Boden der Gesetze unseres Vaterlandes stehen und sie bei Rechtsverletzungen, mögen sie von wem immer ausgehen, angewendet wissen wollen. Dagegen hat die „Union österreichischer Juden" die folgenden Bedingungen für die Herstellung eines ehrlichen Friedens aufgestellt: Bedingungen der „Union".' 1. Beschränkung der Kultusgemeinde auf die im Gesetze vom Jahre 1890 vorgesehenen Agenden, daher Ablehnung der Ausführung des Beschlusses des Zionistischen Landeskomitees bezüglich der österreichischen Landespolitik, soweit die Kultusgemeinde dadurch mit Aufgaben außerhalb ihres Wirkungskreises befaßt wird. 2. Erziehung der Jugend in österreichisch-jüdischem Sinne. 3. Aufnahme einer Statutenbestimmung, wonach ehrenamtliche Funktionäre der Kultusgemeinde während der Funktionsperiode und fünf Jahre nach Ablaut derselben kein besoldetes Amt in der Verwaltung der Kultusgemeinde erhalten dürfen. 4. Aenderung des Statutes in dem Sinne, daß die religiösen Bedürfnisse der Orthodoxie im vollen Umfange befriedigt werden. 5. Schaffung einer paritätischen Kommission (eventuell durch Statutenänderung), der die Entscheidung in allen Personal- und Subventionsfragen vorbehalten bleibt. 6. Zweijähriges Alternat im Präsidium der Kultusgemeinde; falls ein Jüdischnationaler Präsident wird, wird die Stelle des Obmannes der Schulkommission und die Stelle des Finanzreferenten von der „Union" besetzt und umgekehrt. 7. Sicherung der ganzen Vereinbarung durch paritätische Anzahl der Mandate. 8. Soweit innen- und außerpolitische Fragen hier berührt wurden, sollen sie in die Kompetenz des zu schaffenden Vollzugsausschusses verwiesen werden, in dessen Kompetenz überhaupt in Hinkunft alle politischen, die österreichischen Juden berührenden Angelegenheiten zu fallen haben. Auf diese Bedingungen haben die Jüdischnationalen in allen Punkten eine ablehnende Antwort erteilt. Maßgebend für diese Ablehnung war wohl der Punkt 3, der die Versorgung von Löwenherz und Rath und der übrigen Parteifunktionäre aus der Kasse der Kultusgemeinde von Parteigenossen unmöglich machte,, der Punkt 4, die Forderung nach voller Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der Orthodoxie, der Punkt 5, die Forderung nach Ueberlassung der Entscheidung in allen Personal- und Subventionsfragen einer paritätisch besetzten Kommission, die Punkte 6 und 7, die Garantien für unsere Forderungen, das Alternat im Präsidium der Kultusgemeinde, das die „Union" seit Bestand der Kultusgemeinde seit mehr als 100 Jahren allein und ausschließlich bekleidet hat, die Sicherung der Vereinbammg durch eine paritätische Anzahl von Mandaten, weil wir nach den bisherigen Erfahrungen, die mit den Vereinbarungen mit den Jüdischnationalen gemacht wurden, wissen, daß chne solche Sicherung die Vereinbarungen nicht eingehalten werden, weil die Jiidischnationalen noch nie eine Vereinbarung eingehalten haben. Und dennoch wollen die Jüdischnationalen glauben machen, daß die Unionisten die Friedensstörer sind, und lassen Friedensschalmeien in Moll ertönen. Jeder Unbefangene muß sich aus dem Vorstehenden das objektive Urteil bilden, daß die „Union österreichischer Juden" nicht die Verantwortung dafür trägt wenn es zu diesem bedauernswerten Kampfe gekommen ist. Wir sind durch die politischen Machenschaften der Jüdischnationalen, durch ihre korrumpierende Verwaltung in der Kultusgemeinde, durch die Ablehnung aller unserer Vorschläge, welche vielleicht geeignet gewesen wären, einen ehrlichen Frieden herbeizuführen, zu dem Kampfe genötigt geworden. Der Ausgang des Kampfes wird beweisen, daß unsere Vorschläge tatsächlich ein Entgegenkommen waren, wenn wir uns bereit gefunden haben, uns in der Verwaltung der Kultusgemeinde mit den Jüdischnationalen zu teilen und nur Garantien dafür verlangten^ daß mit der bisherige!! Parteiwirtschaft in der Kultusgemeinde, die unter der Aegide des Dr. Löwenherz steht, ein für allemal gebrochen wird. Den Juden Wiens rufen .wir zu: Macht reinen Tisch, verjagt die Schacherer mit Aemtern, Stellen und Würden aus der Kultusgemeinde! Kehret zurück zur Tradition unserer Väter, zu deren gut jüdischen und österreichischen Einstellung, brandmarket das verächtliche Assimilantentum der Jüdischnationalen, die so wie ihre Führer in ihrer Jugend sich nach deutschem Brauchtum mit Bändern, Mützen und Schlägern schmückten, und sich in Kneipen und auf Mensurböden statt in Hörsälen aufhielten, sich jetzt in perverser Nachahmung des deutschen Nationalsozialismus in jüdischem Nationalismus nicht genug tun können. Juden Wiens! Ebnet nicht den Antisemiten den Weg zur Absonderung und Abschließung der Juden von unserem österreichischen Vaterlande, von unserer wahren Heimat, zum jüdischen Ghetto und wählet daher am 8. November die Liste der „Union ftsterreidiisdier Joden" LlslenlOhrer: Reg.-Rat Dr. Herrn. Oppenheim J udm laäMm „Union" @as ist Aeste Jxaditian! Awiso an unsere Freunde? Sonntag, den 8. November 1936 ist Wahltag 1 1. Die Stimmenabgabe erfolgt von 8 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags ohne Unterbrechung, also auch in den Mittagsstunden. 2. Sie erscheinen zur Wahl mit der amtlichen Wahllegitimation der Kultusgemeinde, außerdem mit einem Identitätspapier, tunlichst mit Lichtbild (Reisepaß, Straßenbahn-Legitimation, Geburtsschein, Gewerbeschein, Erkennungskarte) und mit den beiden Stimmzetteln für die Liste der „Union österreichischer Juden". 3. Zwei Stimmzettel, wir wiederholen: zwei Stimmzettel der „Union österreichischer Juden" Iiaben Sie in das Wahlkuvert zu legen, nämlich: a) den Stimmzettel der „Union österreichischer Juden" für die Wahl in den Kultusvorstand und bi) den Stimmzettel für die Wahl in die Bezirks- Steuer-Kommission (Vertrauensleute) desjenigen Bezirkes, in dem Sief wohnen. Ächtung 1 Achtung! Für die Wahl des Kultusvorstandes gibt es für alle Bezirke nur einen einheitlichen .Stimmzettel der „Union österreichischer Juden". Die Abgabe des Stimmzettels für die Bezirks- Steuer-Kommission (Vertrauensleute:) ist ebenso wichtig, wie die Abgabe des Stimmzettels für den Kultusvorstandes. Achten Sie, bitte, darauf, daß der von Ihnen abgegebene Stimmzettel für die Bezirks-Steuer- Kommission der richtige Stimmzettel ist, d. h. der Stimmzettel für die Steuer-Kommission Ihres Bezirkes. Denn, wenn Sie einen für einen anderen als Ihren Bezirk bestimmten Stimmzettel für die Wahl in die Bezirks-Steiier-Kommission abgeben, ist er ungültig 1 4. Am Wahltage ist in der Kultusgemeinde Seitenstettengasse (im Steueramt und in der Amtsdirektion) Journaldienst. Ein Wahlberechtigter, der in der Wählerliste nicht enthalten ist, oder die amtliche Wahllegitimation nicht erhalten hat, kann sich in den nächsten Tagen, auch am Wahltage, im Steueramt, bzw. in der Amtsdirektion der Kultusgemeinde nachträglich die Wahllegitimation beschaffen. 5. Gehen Sie bitte, schon in den ersten Vormittagsstunden, möglichst bis ^10 Uhr vormittags, zur Wahl. Sie vermeiden dadurch längeres Warten und Sie erleichtern unseren Mitarbeitern in Ihrem Agitationslokale unendlich die Erfüllung ihrer freiwillig auf sich genommenen Aufgabe. Je früher Sie an-der Urne erscheinen, desto mehr sichern Sie den Erfolg der Liste der „Union Österreichischer Juden" (Listeninnrer: Reg-Rai Dr. H. Oppenheim.) Vollständig renoviert und vergröBert! Cafe ^ßuchsAaum 2. Bezirk, Kleine Pfarrgasse 21, Tel. A 43-5-19 Eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges

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