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Die Wahrheit · 1936-10-23 · Heft 44 (23.10.1936) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 44 (23.10.1936)
Date
1936-10-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 44 — 23. Oktober 1936 Seite 7 Wer einem Wiener Judentum mit reinen Händen und mit klarem Denken zum Sieg verhelfen will, wähle am 8. November JJfflON ÖSTERREICHISCHER JUDEN" die Liste der (LKTENFIMRER: Reg-Raf. Dr. n OPPENHEIM) Kunschak und Czermak machen Propaganda. Für die zionistische Liste und rar das bewuftte Bekenntnis zur zionistischen Nation. In einer christlichsozialen Korrespondenz, die in 10.000 Exemplaren erscheint und den christlichsozialen Politikern als Richtschnur dienen soll und die von den Antisemiten Czermak und Kunschak redigiert wird, sind über die Wahlen in den Vorstand der Wiener Israelirischen Kultusgemeinde folgende Sätze enthalten: „Die „Union" ist tatsächlich überzeugt, daß es ihr gelingen wird, das System der Assimilation wieder zum Sieg zu führen. Die Zionisten, die den Mißerfolg der bisherigen Assimilationspolitik erkannt haben und die Konzentration aller jüdischen Kräfte durch das bewußte Bekenntnis zum eigenen Volk erstreben, sehen mit Verachtung herab auf das Häuflein unentwegter Assimilanten. Wenngleich die Zionisten noch fanatischer als alle übrigen Juden um die Erhaltung aller jüdischen Machtpositionen kämpfen, so lehnen sie doch die würdelose Anbiederung an das Wirtsvolk ab, das in seiner Mehrheit die reinliche Scheidung wünscht." Merk's jüdisches Wien, daß die Antisemiten Kunschak und Czermak in Uebereinstimmung mit den Jüdischnationalen eine reinliche Scheidung zwischen Jud und Christ wünschen? Aber anders denken darüber Bundeskanzler Dr. Schuschnigg, Bundesminister Dr. Pernter, Hammerstein-Equord, der Bundeskommissär Adam etc. und eine unzählige Schar von wahren Christen, und die einzige politische Organisation in Oesterreich, die Vaterländische Front. Sie stehen fest wie die „Union österreichischer Juden" auf dem Boden der Verfassung, auf dem Boden der Dollfuß- Verfassung vom Mai 1934, welche die Gleichberechtigung aller Bürger dieses Staates ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses in der feierlichsten Form verbürgt hat. GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 Filialei xviii., «Ahringerstrasse 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-0-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für Koscherfleisch unter Aufsieht de« ehrw. Rabbinates der Isp. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Den Jadisdraationalen ins Stammbuch. An der Spitze steht wohl überall Ein rücht'ger, erfahrner General. Braucht' die Bibliothek 'nen Leiter, Euch genügte ein — Gefreiter. Sie rufen: „Auf nach Zion!" und bleiben in Wien. Es zieht nicht sie, sie ziehen die anderen hin. Sie loben stets den Palästina-Wein Und nehmen selbst lieber „Grinzinger" ein. Von Woche zu Woche. Robert Strickers lithurgische Gesänge. Wieder einmal wird in der jüdischnationalen Parteipresse ein „Oneg Sabath" angekündigt, Anzeichen eines religiösen Eifers, der, wie man weiß, auf das allgemeine Verbot politischer Versammlungen zurückzuführen ist. Da die bisherige Tarnung sich als ungenügend erwies, wird versucht, die Vernebehing durch den Zusatz „Lithurgische Gesänge" zu verstärken. Verstärkt wird aber nur das Gefühl der Heiterkeit der augenzwinkernd Eingeladenen, wenn sie sich Robert Stricker als Arrangeur, wenn nicht gar als Rezitator hebräischer, lithurgischer Gesänge vorstellen sollen, denn wie leicht kann unser Robert Stricker da das Lechodaudu mit der „Alten Burschenherrlichkeit" verwechseln. Billiges Lob. Die „Stimme" zitiert in ihrer letzten Nummer in großer Aufmachung einige anerkennende Worte Roosevelts über die Leistungen des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina. Worte, nichts als Worte, verbindliche Worte, die ganz unverbindlich sind und gar nichts kosten. Mit solchen „Dutzendphrasen" kann man Zionisten abspeisen, aber nicht uns, denn weitaus lieber als höfliche Komplimente hätten wir eine menschliche Geste des amerikanischen Staatsobehauptes gesehen, und zwar in Form einer Erleichterung der jüdischen Einwanderung nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika! Aber daran sind die Zionisten nicht interessiert; wichtiger als die Möglichkeit, das Los vieler Tausender Juden durch Auswanderung nach Amerika zu lindern, ist ihnen das leere Kompliment eines Staatsmannes, das sie triumphierend in ihr Reklamealbum kleben können. Denn aus diesem Reklamealbum schlagen sie Kapital---■ Die besten Eisea Herstoi SsMnwii 3 mal täglich frisch bei l»6Et,W!IIIJlil!Ii!ri|!J3 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jtsroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und anßer Haus elegastest ausgeführt. Lügt der Vereinsname oder der Präsident? Triumphierend verkünden es die Jüdischnationalen, daß die „Unpolitische Vereinigung" des Dr. Leo Landau, der auch deren Präsident ist, mit ihnen die Wahlgemeinschaft eingegangen ist und nunmehr für die „zionistisch getarnte jüdischnationale Liste" stimmen wird. Wie darf, muß sich der ehrlich denkende Mensch fragen, eine Vereinigung, die sich „unpolitisch" nennt, eine Wahlgemeinschaft gerade mit den Jüdischnationalen eingehen, deren ganze Existenzbasis und Tätigkeit doch nur Politik, und zwar eine den Juden in Oesterreich schädliche ist? Wer lügt hier eigentlich? Der Vereinsname oder der Präsident? Gottesdienst oder Parteidienst? Im offiziellen Verzeichnis der Agitationslokale der „Zionistischen Liste" findet sich auch als Agitationslokal das Bethaus im III. Bezirk in der Steingasse. Opfert die jüdische Allgemeinheit die Gemeindesubventionen für die Bethäuser, für den jüdischen Gottesdienst oder für den jüdischmationalen Parteidienst? Aus der Nähe betrachtet Die offizielle jüdischnationale „Stimme" (ihre Redakteure können wirklich nicht den Mund halten) meldet, daß das Oberhaupt der 100.000 im Irak lebenden Juden im Namen dieser Gemeinschaft einen feierlichen Protest gegen die jüdischnationalen politisch-zionistischen Bestrebungen in Palästina erhoben bat. Für die in Wien lebenden Juden ist Palästina weit, aber für die Juden in Bagdad ist es nah, sehr nah. Und nun muß man selbst den jüdischen Nachbarn Palästinas, die doch alles aus nächster Nähe sehen, „unionistische Gesinnung" vorwerfen. Das ist bitter! Spectator. Todesurteil legen einen Araber in Palästina. Das Schwurgericht von Jaffa hat am 21. Oktober einen Araber, der beschuldigt war, am 20. April 1. J. zwei Juden ermordet zu haben, zum Tode verurteilt. Dies ist das zweite Todesurteil, das über einen Araber wegen Ermordung von Juden verhängt wurde. Nach Einigkeit der Juden geht ihr Schrei, Sie tun, als ob sie rührten Einigkeitsbrei Und fragen sich wie die Zauberhex4: „Wie machen wir nur 1 aus der Parteien 6?" Laut schreien sie es in alle Winde hinaus: „Wir verwalten mustergültig der Gemeinde Haus!" Wer will zweifeln daran? Mustergültig schon — Aber nur Muster für Schmutz und Korruption. Dr. Holzer. „Unionistisdie Enteignangsmethoden." Unter diesem Titet tischt „Die S t i m m e" vom 16. d. M. in Fettdruck zwei Fülle auf, in denen die „Union" angeblich Mißbrauch zu Parteizwecken mit der Publikation von Namen von Kultuswählern getrieben hätte. Zuerst wagt sie die Behauptung, Chefarzt Dr. Leopold Senatr a n e k (Meklling) hätte ihr mitgeteilt, daß anläßlich der Kultuswahlen Schriitstücke mit seiner Namensfertigung für die „Union" zirkulieren und daß die „Union ihn für die Bezirkskommission aufstelle, während ihn niemand um seine Einwilligung getragt und er selbstverständlich keine Kandidatur annehmen werde. Die Mekllinger Herren, die offenbar „Die Stimme" informiert haben, hätten besser getan, ihrem schlechten Gewissen zu gehorchen, ihre Stimme nicht laut werden zu lassen. Wir kennen die Zusammenhänge und stellen fest: 1. Daß anläßlich der Kultuswahlen Schriftstücke mit der Namensiertigung des Herrn Chefarztes Doktor Leopold Schafranek für die „Union" nicht zirkulieren und daß die „Union" ihn für die Bezirkskommission nicht aufstellte. 2. Daß Herr Chefarzt Dr. Leopold Schafranek das Gegenteil hievon ebensowenig der „Stimme" mitgeteilt hat, wie die ihm in den Mund gelegte Erklärung, es habe ihn niemand um seine Einwilligung gefragt, und er werde selbstverständlich keine Kandidatur annehmen. Vielleicht werden wir Anlaß haben, naen den Wahlen auf diese Sache zurückzukommen. * Zu dem zweiten Fall, der auch in Form einer „Erklärung" in einer in Wieden-Margareten verbreiteten Ausgabe der „Mitteilungen des Zion. Landesverbandes" breitgetreten wird, teilt uns unser dortiges Bezirkswahlkomitee mit: Unseren jüdischnationalen Hauslabgaßlern ins Stammbuch! Napoleon Bonaparte soll es nur einen gegeben haben! Isidor Ronis, Kaufleute, V. Bez., gibt es sogar zwei, und zwar einen in der Schönbrunnerstraße 44, welcher sich selbst als heißer Zionist deklariert, und unseren bewährten Mitarbeiter Herrn Isidor Ronis, V., Qießauigasse 1.

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