Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 44 (23.10.1936)
- Date
- 1936-10-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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V. b. b. Seite 8 Nr. 44 — 23. Okiober 1936 DIE WAHRHEIT Kalender-, Sidra-, Perek-, Omer- und Haftorah-Tafel Oebstatonflen Chesohw&un 5697 Oktober 1936 frflb abds. 7.15 Cheschwaun«. 4.55 ( Lech-lecho \ (J. B. M.) 8. Haftora ß «n Lomo saumar 1 - ,n 830 Meworchim V°"° scheniwachamischi l Rorcbi Nafschi / 7.15 „ 9. bis 13. 5.00 abds. Freitag, 23. Okt. 4.45 Samstag, 24. Okt. 5 40 Sonntag,2ö.Okt. b. 1 n Donnerst., 29. Okt. f ' Die Stellungnahme der Orthodoxen zum Wahlkampf. Der „Jüdischen Presse entnehmen wir: Mit Ausnahme des Misrachi, der der Religion immerhin noch einige Bedeutung im jüdischen Leben beimißt, sind alle anderen Parteien religiös indifferent, weshalb deren Kampf um die religiöse Interessenvertretung eines grotesken Beigeschmacks nicht entbehrt. Schon gar nicht von dem Anachronismus zu sprechen, der darin liegt, im heutigen Oesterreich Wahlen nach Parteilisten durchzuführen. Den Jüdischnationalen steht diesmal einzig und allein die Union österreichischer Juden gegenüber. Ihr Ziel ist vor allem die „Kultus"gemeinde davor zu bewahren, daß sie zu einer Volksgemeinde wird, in der sie, die Union, einen Staat im Staate sehen würde, in dem der Primat nicht der Religion, sondern der Politik zufiele. Von dieser Seite wird auch darauf hingewiesen, wie sehr die Kultusgemeinde schon heute zum Tummelplatz jüdischnationaler Aspirationen geworden ist, was am deutlichsten aus der Berufung ehrenamtlicher Funktionäre zu besoldeten Beamten hervorgeht. Wie man also sieht, geht es in diesem Kampf um Grundsätzliches, ja, um Lebensfragen der Wiener Judenlieit. Der 8. November ist ein Schicksalstag ersten Ranges, der von jedem einzelnen Wähler höchtes Verantwortungsbewußtsein und Gemeindesolidarität erfordert. 9emeindecftronif?. Oberhausmitglied Adolf Frankl gestorben. Kurz nach den Feiertagen verschied in Budapest, 77 Jahre alt, der Vertreter der ungarischen Orthodoxie im Oberhause der Gesetzgebung, Adolf Frankl. Frankl, der seinen Stammbaum nach Michelstadt in Deutschland zurückführte und seine Familie deshalb Frankl-Masch (die hebräische Abbreviatur obigen Ortsnamens) nannte, erhielt seine Erziehung in Großwardein, kam aber früh in die Hauptstadt, wo sein vornehmes Aeußeres, sein gewinnendes Wesen und vor allem seine hervorragende jüdische Gelehrsamkeit und Frömmigkeit ihn bald zur führenden Persönlichkeit der Orthodoxie machten. 1905 wurde er ohne Gegenkandidaten zum Präsidenten der orthodoxen Landeskanzlei gewählt, welches Amt er bis vor zwei Jahren inne hatte, da sein gleichbürtiger Schwiegersohn, Samuel Kahan-Frankl, ihm die Bürde der Würde abnahm, er aber noch weiter als Ehrenpräsident in allen politischen und gesellschaftlichen Kreisen, wo er verkehrte, kraft seiner edlen, abgeklärten, weisen Persönlichkeit für die Sache des Judentums und der Orthodoxie nur Freunde warb. Sein Begräbnis gestaltete sich zu einer imposanten stummen Trauerkundgebung, an der neben Vertretern der Regierung viele jüdische Gemeinden und Institutionen teilnahmen. Trauerreden hatte utr Verblichene sich letztwillig verbeten. F. Sthmüchung von Gruiten und Grfibern Leopold Deutsch v Hien XI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhol I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Zeitungen vom Verleger versendet. Jonrnal expedle par l'edltear. . Falls. Adressat verzogen, nicht nachsenden; mit neuer Adresse zurück an Verlag „Die Wahrheit", Wien II., HelnestraBe 13/12 Leopoldsf&dter Tempeiwereln Aeschel Awrohom Ii., Pazmanuengasse 6, Tel. R 41-0-63 Anmeldungen .». Aufgeboten, Trauungen (und! nnl. lrelem niminel j o. Darmlzwans > artelenverkehr an Werktagen von 2 bla »/«* Uhr nachmittags, an Sonntagen vcn 10 bis 12 Uht vormittag! früh 6.30 Oebetitnnden Cheschwaun 5697 abds. Chescbwaun 7. 4.45 Lech-lecho (1. B. M.) „ 8. Haftora Lomo saumar Meworchim scheni wachamischi Borcbi Nafschi „ 9. bis 13. 4.45 5.40 Radio Wien. Donnerstag, den 29. d. M., 11 Uhr 25 vormittags, spricht Frau Bundesstaatlicher Fürsorgerat Ottilie Politzer im Radio Wien über das Thema „Eltern und Lehrer". Urania. Dienstag, den 27. Oktober 1936, halb 8 Uhr abends, findet im Klubsaale ein von der Urania veranstalteter Liszt-Abend statt. Mitwirkende: Opern- und Konzertsängerin Frau Ella Hess; am Klavier: Kapellmeister Dr. Rudolf Neumann. Karten an der Kasse der Urania zu haben. 70. Geburtstag. Am Sanistag, den 10. d. M., fand anläßlich des 70. Geburtstages des Seniorchefs der Fa. Gesund &. Söhne, Herrn Adolf Gesund, Ehrenpräsidenten des Vereines „Öseh Chesed", II., Schiffamtsgasse 5, und verdienstvollen Vorstandsmitgliedes mehrerer Wohltätigkeitsvereine, im Rahmen des Gottesdienstes im Bethause „Oseh Chesed" eine solenne Feier statt, die eindrucksvoll die große Beliebtheit des in weitesten Kreisen überaus geschätzten Jubilars erwies. Es waren erschienen: Unter Führung des Obmannes Herrn Iro Schächter und des Obmannstellvertreters Komm.-Rat I. Z e i s e 1 der Gesamtvorstand des Bethausvereines, vom Vereine „Ohel Rachel" die Präsidenten des Damenkomitees Frau Henriette Fuchs, der Präsident Herr I. Kessler und der Vize- Präsident Herr P. Fries, vom Tempelvereine „Beth Israel" der Obmann Herr Dr. Leo Landau, vom Vereine „Hachnussas Kaie" der Obmann Herr S. Buchsbaum, vom Vereine „Mathilde" der Obmann Herr A. Weinstock u. v. a. Als Vorbeter fungierte in formvollendeter Weise Herr Eisen. An den als Maftir zur Thora gerufenen Jubilar hielt der Rabbiner des Bethauses Herr Rubinsteiii eine zu Herzen gehende Ansprache, in der ebenso wie der nächstfolgende Redner, das langjährige Vorstandsmitglied Herr Kornraehl die Verdienste des Jubilars um das Bethaus würdigte. Der .Obmann des Vereines „Ohel Rachel" Herr I. Kessler lobte die hingebungsvolle Tätigkeit des Herrn Gesund für diesen Verein. Der Jubilar gab in seinen herzlichen Dankesworten der Versicherung Ausdruck, daß er, solange seine Kräfte es ihm ermöglichen, sich nach wie vor in den Dienst des Judentums und der Menschheit stellen werde. Es war eine schöne, erhebende Feier. „Mathilde." Der auf dem Gebiete der Kinderfürsorge der Oeffentlichkeit bestbekannte Verein „Mathilde", Wien II., Große Sperlgasse 41. will auch heuer zirka 200 Kinder mit Wäsche, Schuhen und Kleidern, welche nach Maß neu angefertigt werden, beteilen. Die vorhandenen Geldmittel reichen nicht aus, um auch nur einen Teil der einlaufenden Gesuche berücksichtigen zu können. Der Verein wendet sich daher an alle Kinderfreunde mit der Bitte, durch Spenden dazu beizutragen, die Not vieler armer Kinder zu lindern. Es wird gebeten, die Geldspenden auf das Postsparkasse'nkonto Nr. 110.720 zu überweisen. Gleichzeitig gibt der Verein „Mathilde" bekannt, daß die Gesuche um Bekleidung bis spätestens 8, November in der Vereinskanzlei. IL, Große Sperlgasse 41, wochentags ab 6 Uhr abends, einzureichen sind. Gesuchsformulare liegen im Vereinslokale auf. Verein treue Brüder. Sonntag, den II. Oktober 1936, fand um 5 Uhr nachmittags eine Simchas-Thora- Feier zugunsten obigen Vereines im Marmorsaal des Cafe National statt, die einen äußerst gelungenen Verlauf nahm. Herr Präsident David Fränkel begrüßte die Anwesenden. Nach verschiedenen Ansprachen fand das Vergnügungsprogramm unter der artistischen Leitung des Herrn Isidor R u n e s statt. Ganz ausgezeichnete Kunstkräfte stellten sich in den Dienst der guten Sache, und kann das Fest als ein gelungenes bezeichnet werden. Die berühmte Jazz-Kapelle Stark spielte ein prachtvolles Tanzprogramm, und die Jugend blieb bis 10 Uhr abends zusammen. Besonderer Dank gebührt auch den Damen und Herren des Vorstandes, die zum Gelingen der Veranstaltung beitrugen. Der ansehnliche Reingewinn wird für die Kohlenaktion zur Beteilung armer Glaubensbrüder verwendet werden, sowfe für Delogierungszwecke. Grabsteineinweihung. Sonntag, den 11. Oktober, fand die Grabsteineinweihung für den verstorbenen Oberrechnungsrat i. P. Moses Weiner.s. A„ langjährigem Obmann und Mitbegründer des Jüd. Witwen-, Waisenhilfs- und Ausspeisevereines im 9. Bezirk statt Die Feier war eine sehr eindrucksvolle und erhebende. Nebst der Witwe des Verstorbenen, welche aus diesem Anlasse die weite Reise aus Palästina nicht scheute, seinen Kindern, Angehörigen und Verwandten waren viele Freunde und Bekannte des Verstorbenen anwesend. Der Vorstand des Jüd. Witwen-. Waisenhilfs- und Ausspeisevereines war vollzählie erschienen, um seinem treuen Mitarbeiter die Ehre zu erweisen. Herr Oberkantor P o s t o 1 o w verrichtete in gewohnt meisterhafter Weise die rituellen Gebete, worauf der Obmann Herr Josef Klein die besonderen Verdienste des Verstorbenen hervorhob. In fast 30jähriger Tätigkeit diente die Arbeit dieses edlen Menschen nur dem Wohle unserer Glaubensbrüder. Er war viele Jahre hindurch Kultusrat, und die Isr. Kultusgemeinde zeichnete diesen Kämpfer für jüdische Interessen durch Beistellung eines Ehrengrabes aus. Herr Obmann Klein versprach namens des Vereines, das Andenken des Verstorbenen stets hochzuhalten, und wird der Name Moses Weiner um seines Lebenswerkes willen im Jüd. Witwen-, Waisenhilfs- und Ausspeiseverein im 9. Bezirk unvergessen bleiben. (Beerdigungen. 14. Oktober 1936: Julie Friedmann, 81 Jahre, 9. Bez. (I. Tor). — Kart Stöger, 66 Jahre, 13. Bez. (I. Tor). — Lea Rosenbaum, 80 Jahre, 13. Bez. (IV. Tor). — Rosa Toth, 83 Jahre. 3. Bez. (IV. Tor). — Bernhard Schneider, 93 Jahre. 1. Bez. (IV. Tor). — Josef Herzfeld, 18 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor)7 — Therese Kehn, 77 Jahre, 14. Bez. (Floridsdorfer Friedhof). 15. Oktober: Jakob Goldenberg, 74 Jahre, 2. Bez. (I. Tor). — Klara Levissohn, 85 Jahre, 1. Bez. (I. Tor). — Lucy Hahn, 21 Jahre. 4. Bez. (I. Tor). — Irma Grünhut, 70 Jahre, 13. Bez. (I. Tor). — Sigmund Perlstein, 83 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor). 16. Oktober: Sofie Kantor, 67 Jahre, 10. Bez. (IV Tor). — David Friedmann, 73 Jahre, 2. Bez. UV. Tor). — Wolf Schweiger, 60 Jahre, 4. Bez. (IV. Tor). 18. Oktober: Irene Adler. 47 Jahre, 2. Bez. (I. Tor). — Regine Sachs, 70 Jahre, 9. Bez. (I. Tor). — Adolf Leiner. 64 Jahre, 5. Bez. (I. Tor). — Feige Garfunkel, 74 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Sara Kanarienvogel, 89 Jahre, 9. Bez (IV. Tor). — Samuel Schiller, 83 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Rafael Gayduschek, 78 Jahre, 9. Bez. (IV. Tor). — Regine Kolben, 73 Jahre, 3. Bez. (IV. Tor). — Heim Abraham Benmayor, 75 Jahre 3. Bez. (IV. Tor). — Josef Katz, 55 Jahre. 2 Bez. (IV. Tor). — Ernst Gelei, 49 Jahre, 3. Bez. (IV. Tor). — Julie Klein, 66 Jahre, 4. Bez. (IV. Tor). — Samuel Neuhaus, 48 Jahre, 14. Bez. (IV. Tor) — Hermine Neuhaus, 38 Jahre. 14. Bez. (IV. Tor). — Kurt Neuhaus, 16. Jahre. 14. Bez. (IV. Tor). — David Löwit, 84 Jahre, Baden (IV. Tor). — Rosa Nims, 69 Jahre, 3. Bez. (IV. Tor). — Mechel Löwenheck, 56 Jahre, 9. Bez. (IV. Tor). 19. Oktober: Amalia Rotter, 96 Jahre, 9. Bez. (I. Tor). — Johanna Saar, 76 Jahre, 14. Bez. (I Tor). — Josef Weiss. 76 Jahre, 4. Bez. (IV. Tor) —' Rosa Greger, 80 Jahre, 6. Bez. (IV. Tor). — Walter Chiger, 22 Jahre. 14. Bez. (IV. Tor). — Emma Löwy, 72 Jahre, Gmünd (IV. Tor). 20. Oktober: Bertha Thcumann, 55 Jahre, 2. Bez. (I. Tor). — Rosa Fisch, 35 Jahre, 13. Bez. (I. Tor). — Adele Bassa, 79 Jahre. 17. Bez. (Döbl, Friedhof). — Dr. Paul Eichwald, 51 Jahre, 8. Bez. (Döbl. Friedhof). — Hermine Freund, 51 Jahre. 17. Bez. (IV. Tor). — Johanna Lampf, 37 Jahre, 17. Bez. (IV. Tor). — Israel Wolitzer, 75 Jahre, 9. Bez. (IV. Tor). — Bernhard Deutsch. 67 Jahre, 16. Bez. (IV.- Tor). — Olga Brahmer, 34 Jahre. 3. Bez. (IV. Tor). — Emil Münk, 67 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Arthur Goldstein, 50 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Johanna Krumbein, 56 Jahre, 13. Bez. (IV. Tor). — Arnold Lindenbaum, 63 Jahre, 9. Bez. (IV. Tor). Eigentümer, Herausgeber, Verleger und verantwortlicher Schriftleiter: Oskar Hirschfeld, Wien II.,. Praterstraße 29. — Druck: Ignaz Spitz & Söhne, Wien II. Robertgasse 2.