Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 44 (23.10.1936)
- Date
- 1936-10-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 44 — 23. Oktober 1936 Seite 5 Durch Nationalität zur Bestialität Die Wiener Jüdischnationalen haben diesen Weg schon zurückgelegt« „J U G E N D - U N I O N" Jugendgruppe der „Union östorr. Juden" Sekretariat u. Halm : Wien l.>Senottenrlngas,Tel. A18-2-7T Samstag, den 24. Oktober 1936, um 9 Uhr abends im groBen Saale des Heimes Wien I., Schottenring 25 GESEUSCHJ&nSADEND MIT TANZ Auftreten prominenter Künstler untfr Conference Gustav Breyer Ab 11 Uhr Tanz: Kapelle fukswitty vexers Regiebeitrag 1.50 Jeden Hillweet 8 Dir igeids: Vertrl|e Bit aaieklltleedcm Hiiaeaend (Send, PHi-P«nj, Taez) .Die. jüdischnationale „Stimme" schrieb letzthin schlicht und bieder: „Die Wiener „Unionisfen" freuen sich über jeden Schuß, den die Araber auf einen Juden abgeben und über jede Bombe, die jüdische Kinder und Frauen zerreißt . . ." Welcher Abgrund pseudo-nationaler Verkommenheit! Der erste Impuls, den ein Jude, gleichviel welcher Parteirichtung, beim Lesen dieser phantastischen, blutrünstigen, ganz dem Julius Streicher abgeguckten Ungeheuerlichkeit fühlt, ist der, sich von jeder Gemeinschaft mit Menschen, die solche Dinge über die Feder bringen, loszusagen, ihnen das Recht abzusprechen, sich Juden zu nennen, das Wort Judentum für ihre völkischen, Streicherischen Exzesse zu mißbrauchen. Aber letzten Endes kann man nicht die Geistesart der großen Masse der Jüdischnationalen mit der Verkommenheit solcher Führer identifizieren, die derartige Roheiten teils verüben, teils dulden. Letzten Endes muß man doch einen Unterschied machen zwischen diesen Führern, die mit so blutrünstigen Methoden arbeiten — Unionjuden, die sich über die von Bomben zerrissenen Frauen und Kinder freuen!!!! —, Methoden, neben denen die Scheußlichkeiten der erdichteten „Protokolle der Weisen von Zion" die harmloseste Jugendlektüre bilden, man muß eben einen Unterschied machen zwischen solchen „Führern" und den Geführten, die doch ein Ideal, das jüdische Leben in Palästina, haben. Letzten Endes muß es doch auch im jüdischnationalen Lager eine menschliche Solidarität mit den anderen Juden geben, eine Solidarität, die solche Führer, die den Weg von der Nationalität Es wird immer toller. Die Angst vor dem kommenden Wahltag, der für die Jüdischnationalen Wiens auch ein Gerichtstag werden dürfte, treibt unsere Völkischen dazu, die Masken vollends fallen zu lassen. Und was die grenzenlos konsternierten Wiener Juden nach dieser Demaskierung zu sehen bekommen, ist eine nazistisch-arabische Fratze, in der man vergeblich irgendetwas Jüdisches, jüdische Humanität, jüdische Gerechtigkeit, jüdische Solidarität, sucht. Wir mußten uns heute an anderer Stelle mit den mazedonischen „Bomben"-Argumenten unserer jüdischnationalen Presse-Komitatschis befassen und sehen uns hier angeekelt einer andern „Aktion" der Wiener Jüdischnationalen gegenüber, einer Aktion, deren Sinn und Zweck „Kauft nicht bei „Union"-Juden!" ist. Die „Neue Welt" Robert Strickers, Vorkämpferin eines Judenstaats, von dessen Geist uns Robert Stricker hier eine böse, aber authentische Kostprobe gibt, rempelt die auf der Liste der „Union" stehenden Kandidaten in rüdester Weise an, wobei sie ihnen kaum mehr vorwerfen kann als daß sie eine andere Meinung haben über das, was die Juden in Oesterreich tun und lassen sollen als Robert Stricker. ÜNIONISTEN! Stellt euch in den Dienst für den Wahlkamp! um die Kultusgemeinde! Wer noch nicht in seinem Bezirk eingeteilt ist, melde sich ehestens beim Zentralwahlkomitee der „Union österreichischer Juden", I„ Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. zur Bestialität so restlos zurückgelegt haben, mit Verachtung und mit dem Entsetzen, das ihnen jene einflößen müssen, die eine nie mehr überbrückbare Kluft zwischen Juden und Juden graben wollen. Die „Union österreichischer Juden", Trägerin des jüdischen Gedankens in Wien seit vielen Jahrzehnten, faktisches Rückgrat des Funktionierens jeder Kultusgemeinde, auch einer zionistischen, in Wien, und vor allem finanzieller Garant für das Wohlergehen besonders der Frauen und Kinder der bedürftigen jüdischnationalen Wähler, die „Union", seit jeher Förderin des Gedankens einer jüdischen Heimstätte für heimatlose Juden in Palästina, diese „Union österreichischer Juden" lehnt es ab, sich weiterhin mit diesen ,.Bombenargumenten" der getreuesten, wenn auch nicht der begabtesten Schüler Julius Streichers auseinanderzusetzen. „Die Union österreichischer Juden" ist der Meinung, daß sie heuer ihren Wahlkampf damit beenden könnte, daß sie allen Wiener Juden ohne Unterschied der Parteirichtung dieses document inhumain übergibt, dieses unmenschliche Dokument einer Bestialität, von deren Existenz wir bei Streicher-Leuten und arabischen Beduinen wußten, die aber wohl in den Jahrtausenden jüdischer Geschichte bei Juden selbst zum erstenmal auftaucht! Die Wiener Juden werden dieses Dokument, diese absolvierte Marschroute von der Nationalität zur Bestialität gebührend zu würdigen wissen. Dieser Vorwurf ist jedoch garnicht der eigentliche Zweck dieses Angriffs, sondern ein reichlich bei den Haaren herbeigezogener Vorwand, während die journalistische und pressetechnische Aufmachung dieses Angriffes etwas ganz Besonderes bezweckt, nämlich wirtschaftlich tätige Menschen, die auf Käufer, auf Bestellungen, usw. angewiesen sind, an den Parteipranger zu stellen, um sie wirtschaftlich zu schädigen, um sie vom weiteren Kampf abzuhalten und um den anderen Parteigenossen der „Union" den Mut zu nehmen, öiientlich und bei der Wahl gegen d& Wiener Jüdischnationalen aufzutreten . . ., denn sie greifen die in Frage kommenden Personen wörtlich und mit Fettdruck in ihren Berufen und in ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit als Textilhändler, als Händler mit technischen Artikeln, als Malermeister und Anstreicher, als Schuhwarenverkäuier, als Juweliere, als Eisenhändler, als Nähmaschinenhändler, als Warenhaus, als . Wirkwarenhändler, u. s. a. an, wobei sie nicht nur die Branche in Fettdruck setzen, sondern auch den Bezirk, in dem sich der betreifende Betrieb befindet. Was hat die so genaue Branche und der Betriebsbezirk der betreifenden Herren bei Angriffen auf deren Weltanschauung, und gar in Fettdruck, in der Zeitung zu suchen? Man merkt nicht nur die Absicht und wird verstimmt, sondern man sagt: Pfui Teufel! Ulljp-Pädagoüln Opern- und Konzertsängerin Frau ELLA HESS unterrichtet zu mäßigen Bedingungen. Stimmbildung, Opern-, Operetten- und Konzertgesang. III., Untere Vlmduktgasae 41. /. St. Ist es im allgemeinen üblich, die genaue Branche und den Betriebsort politischer Gegner zu betonen, gar dort, wo es sich um alles andere als um eine Branchenpolemik handelt? Nein, im allgemeinen ist das nicht üblich, aber üblich ist so etwas in antisemitischen Zeitungen, wenn sie den Boykott jüdischer Geschäftsleute predigen und üblich ist so etwas, wie wir sehen, auch in jüdischnationalen Blättern, wenn sich ihnen die Chance bietet, den Boykott gegen verhaßte Union-Juden zu predigen! Und wie sich in den Tagen nach Hitlers Machtergreifung für manchen haßerfüllten Nazi die lang ersehnte Gelegenheit bot, auch gänzlich Unbeteiligte durch Denunziation ins Konzentrationslager zu bringen, so hat geistesgegenwärtig irgendein Betont-Nationaler aus dem Kreis der „Neuen Welt" noch schnell in jene Boykottliste eine Firma Löwy hineingeschmuggelt, die gar nichts mit der Kandidatenliste der „Union" zu tun hat. Heimtückische, kaltschnäuzige Boykotthetze gegen jüdische Kaufleute und Gewerbetreibende ist es und nichts anderes, was hier eine der Hauptstützen der „Zionistischen Liste" treibt. Dqr große Tag Hitlers nach seiner Machtergreifung war jener l. April 1933, da er vor jedes jüdische Geschäft einen Boykottposten aufstellte. Unsere jüdischen Nazis stellen schon vor der Entscheidung — und aus Angst vor ihr — publizistische Streikposten vor den Betrieben der »monistischen Juden auf! Sie wollen eben den "Kampfgeist der Wiener Juden, die auf dem Boden der „Union" stehen, brechen, indem sie die Vorkämpfer der „Union" wirtschaftlich zu schädigen versuchen. Und hierin liegt der psychologische Irrtum, den ja zwangsläufig die Partei der Proiit-Juden Löwenherz, Rath, Stricker usw. begehen muß, denn man trifft nicht das Herz von „Union"-Juden, wenn man sie wirtschaftlich schädigt, denn ihr Herz ist am rechten Platz und nicht bei der Geldbörse und für sie ist ihr Judentum alles andere als eine Profit-Angelegenheit, sondern eine Herzens¬ und Ueberzeugungssache, für die man Opfer, Opfer und immer wieder Opfer bringt. So werden die durch die jüdischnationale Boykottpropaganda bedrohten Union-Juden auch dieses Opfer für ihre Weltanschauung, für ihr Judentum bringen, den jüdischen Kaufleuten und Gewerbetreibenden Wiens aber mag diese neue „Aktion" der Wiener jüdischen Betont-Nationalen als Maßstab dessen dienen, was sie an Druck und Brandschatzungen zu erwarten hätten, gäbe man den Wiener Jüdischnationalen Gelegenheit und Macht, in ein Stricker-Kunschak'sches jüdischnationales Ghetto gezwängte Wiener Juden zu verwalten und auszubeuten. Jüdische Kaufleute und Gewerbetreibende Wiens! Denkt am 8. November an den Sinn und Zweck dieser neuesten jüdischnationalen „Aktion"! Sie bedeutet im Grunde genommen nichts anderes als „Kauft nicht bei nichtnationalgesinnten Juden!". fötieffcasten. Konfuser Zeitgenosse. Sie verwechseln offenbar Josef Löwenherz mit Richard Löwenherz, denn nur dieser ist nach Palästina gezogen und auf der Rückreise gewaltsam in Oesterreich festgehalten worden. Den Josef L. hält niemand hier zurück, aber er zieht nicht nach Palästina. An einen Anonymus. Ihr Schreiben von Dienstag, den 20. d. M. Wollen Sie gefälligst sich mit Herrn Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim persönlich in Verbindung setzen. Kauft nidii bei „Union •Juden? Judenbonhott durcti die Jttdlsdinanonalen f