Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 44 (23.10.1936)
- Date
- 1936-10-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr.-44 — 23. Oktober 1936 DJE WAHRHEIT Jiodeatelie* ELISABETH STREIT PARISER CHIC — WIENER AKKURATESSE — OESTERREICHISCHE PREISE WIEN XIII., LEEGASSE 1 — (STADTBAHNSTATION BRAUNSCHWEIGGASSE) — TELEPHON A 55-1-25 sondern zu dem Götzen Löwenherz. Eines sei aber gesagt, die Herrlichkeit Gottes wird ewig bestehen, Löwenherz's Götzentum wird, wenn die Juden Wiens ihre Pflicht erfüllen, am 8. November verschwinden und der Diktator und Usurpator wieder in sein früheres Ich verwandelt. werden, mit der Erinnerung fürs Leben, daß sein Korruptionsfall den Juden Wiens die Augen geöffnet hat und genötigt, die alte Ordnung wiederherzustellen. Juden Wiens, befreit die Kultusgemeinde von dieser egoistischen Diktatur und wählt am 8. November die Liste der „Union österreichischer Juden1' (Listen!Ohrer: Reg.-RalDr. n. Oppenheim.) Der Kampf nm die Wiener KnUnsgemeinde. Als die heutigen Machthaber in der Wiener Kultusgemeinde trotz aller Proteste der Union- Vertreter und trotz aller Warnungen aus dem eigenen Parteilager sich zum „heroischen" Entschluß aufgerafft haben, das Herrn Dr. Löwenherz gegebene Ehrenwort einzulösen und diesen Parteieinpeitscher zum hochbesoldeten Amtsdirektor zu ernennen, löste dieser Skandal in allen jüdischen Kreisen, der zionistischen nicht ausgenommen, die höchste Empörung aus und ein bekannter Zionistenführer konnte nicht umhin, die bezeichnenden Worte zu sprechen: „Die Herren haben die Kultusgemeinde in einen Saustall umgewandelt". Diese Empörung gab den Herren vielfach zu denken und sie waren ob dieser fast einmütigen Verurteilung ihres Vorgehens im höchsten Maße konsterniert. Sie wußten es wohl, daß sie kaum die Kühnheit werden aufbringen können, diesen Korruptionsfall den Wählern irgendwie mundgerecht zu machen und hatten eine heillose Angst vor Neuwahlen, die sie auch möglichst auf die lange Bank hinausschieben wollten, auf das kurze Gedächtnis der Wählerschaft spekulierend. Aber den Seinen gibt es der liebe Gott im Schlafe. Da kam ihnen die Beschwerde der Union österreichischer Juden an die Aufsichtsbehörde zu Hilfe: in dieser fanden sie einige Passagen, die sie w i 11 k ü rlich auslegen konnten, und da rieben sie sich die Hände vor Freude: nun haben wir die richtige Wahlplattform und in diesem Zeichen wollen wir siegen. Die „Union" soll der „Denunziation" geziehen werden, was auf die Wählerschaft den Eindruck nicht verfehlen dürfte"; anderseits der Gegnerschaft zum jüdischen Aufbauwerk in Palästina, womit man die Empörung in den eigenen Reihen begegnen könnte. Seither wird mit dieser Wahlparole operiert und dieser Klepper wird bis zum Exzeß totgeritten. Mangels einer auch nur fadenscheinigen Verschleierung der Skandalaffären Rath-Löwenherz und eines positiven Programmes soll die Unzufriedenheit der Wählerschaft vom eigentlichen Kern der Frage abgelenkt werden. „Sprechen wir von etwas anderem." An dieser Stelle ist die Demagogie, die mit dieser „Plattform" getrieben wird, bereits wiederholt hinlänglich gekennzeichnet worden, und es spricht für die Geringschätzung, die die Herren der Urteilsfähigkeit ihrer Anhänger entgegenbringen, daß sie sich einreden wollen, es könnte auf diesem Wege die Empörung ob der Skandalaffären Rath-Löwenherz gebannt werden. Immerhin aber scheinen die Herren ihrer Sache doch nicht ganz sicher zu sein und so lassen sie alle nur möglichen und unmöglichen Register spielen, um am Wahltage ihre Chancen irgendwie bessern zu können. Da sie auf positive Leistungen kaum hinzuweisen haben, sind sie auf das Verzweiflungsmittel gefallen, sich selbst ein Ehrenzeugnis auszustellen. Zum Beweis für die „großartigen Errungenschaften" der zionistischen Herrschaft in der Seitenstettengasse wird nichts weniger als eine — Rede ihren Herrn Präsidenten den p. t. Wählern präsentiert. Damit soll die Kritik der bösen Unionisten in Grund und Boden gebohrt werden: Höret und staunet, was ein so ehrenwerter Mann, wie Herr Staatsrat Dr. Friedmann, Präsident der Wiener Kultusgemeinde, über die Leistungen derselben, über seine eigenen Leistungen, zu sagen hat! Wenn eine so hervorragende Persönlichkeit in der Kultusgemeinde alles in Ordnung findet. — was gibt es da noch zu nörgeln und zu kritisieren! Pittoresker und absurder wurde noch nie die eigene Zeugenschaft eines Angeklagten zur Reinwaschung desselben anführt! Die Herren spotten ihrer selbst und wissen nicht wie! Allerdings scheinen sie ihre Wählerschaft bloß als Stimmvieh zu behandeln, dem man das ungenießbarste Zeug vorsetzen darf — sonst hätten sie eine solche „Tat" kaum gewagt. Wie sagt denn die heilige Schrift: „Der Gerechte kennt die Seele seines Viehs . . . ." Diese geringschätzige Beurteilung der geistigen Urteilsfähigkeit ihrer Anhänger geht auch aus der Aufmachung ihrer Kandidatenliste hervor. Daß die Herren Dr. Friedmann und Dr. Ehrlich als „Staatsrat" und „Rat der Stadt Wien" para~ dieren, ist nur natürlich. Aber daß Herr Dr. Grünbaum den Kultuswählern als „Inhaber des Eisernen Kronenordens mit den; Schwertern und der Kriegsdekoration" vorgeführt wird, wirkt denn doch schon ein wenig grotesk. Die Leistungen, für die sich Herr Dr. G. diese Auszeichnung verdiente, in allen Ehren; aber was hat dies mit der Qualifikation als Kandidat für die Kultusgemeinde zu tun? Es sei denn, um dem „misere plebs", dem „gemeinen Volke" zu imponieren und ihm unter die Nase zu reiben: da könnt ihr sehen, welche große Männer wir euch als Kandidaten präsentieren! „Große Männer" haben allerdings ihre Schwächen — aber bei manchen dieser Herren sind nur die Schwächen erkennbar... Von Herrn Dr. G. ist nur bekannt, daß er trotz einer Stellung als Präsident des Zionistischen Landeskomitees — welche Position merkwürdigerweise in dem langatmigen Titel fortgelassen — immer nur den .jungen Mann" der Herren Dr. Friedmann und Dr. Löwenherz abgab und jeden ihren Befehl getreulich vollführte. Bei Herrn Dr. Leo Landau wird gleichfalls eine lange Liste seiner Ehrenstellen angeführt und in einer besonderen Notiz wird hervorgehoben, daß er trotz der Aufnahme auf die zionistische Einheitsliste seine „Sonderstellung" sich bewahrt hat. Diese „Sonderstellung" bestand nur die ganze Zeit darin, daß dieser „Unpolitische" der getreue Ekkehard der Herren Dr. Friedmann und Löwenherz war, mit denen er durch dick und dünn ging und dem das „unpolitische Mäntelchen" nur als — Feigenblatt diente. Weiters figuriert Herr Dr. Rosenberg als Kandidat trotz seiner ausdrücklichen Ablehnung und trotz des Beschlusses des „Misrachi", diesmal in die Wahlkampagne nicht direkt einzugreifen. Aber man mußte ja einen „Parade-Orthodoxen" haben, und so muß dieser nolens volens herhalten .... Welche unerhörte Pressionen dabei geübt wurden, davon soll noch gesprochen werden. So wird die „zionistische Einheitsliste" urbi et orbi präsentiert, wobei verschwiegen wird, daß eine der stärksten zionistischen Gruppen, diejenige des „Bnjan Haaretz", des „Arbeitenden Palästina" selbständig ihre eigenen Wege geht und zur „Einheit'* nicht gehört . . . Allerdings kursieren in den letzten Tagen verschiedene Gerüchte, die auch in eine christlichsoziale Korrespondenz Eingang gefunden haben, wonach diese Liste aus politischen Gründen annulliert werden soll. Wir wissen nicht, welche Bewandtnis es damit hat und ob da nicht der Wunsch der Vater des Gedankens ist. Aber wir möchten daran erinnern, wer 1934 daran interessiert war, daß die Mandate der Poale Zion und der „Werktätigen" kassiert wurden und daß, falls es tatsächlich zu einer solchen Annullierung kommen sollte, die Frage „cui bono?" sehr leicht eine Beantwortung finden könnte. Die Herren verschweigen auch, daß es außer der „Zionistischen Einheitsliste" noch, eine solche des Adolf Stand-Klubs gibt, ferner eine Sonderliste der zionistischen Jugendverbände, daß somit weite, zionistische Kreise keineswegs mit dem Monopol des Zionismus, das die Herren Dr. Friedmann usw. für sich in Anspruch nehmen, einverstanden sind. So wird diesmal Wahlpolitik betrieben, mit Lügen und Verdrehungen gegenüber der „Union" mit einer Irreführung der eigenen Anhänger, mit Augenauswis*cherei (und dabei haben die Herren noch den traurigen Mut, von einer „moralischen Seite" der Wahlkampagne zu sprechen). Wo ist bei den Jüdischnationalen die Moral zu finden? Wenn die Herren auf ihre positiven Leistungen in der Kultusgemeinde hinweisen, so gehen sie immer wieder damit krebsen, daß sie die Subventionen für die diversen Bethausvereine erhöht haben, sie unterlassen es aber, daran zu erinnern, daß diese Subventionen in erster Reihe dazu dienen, die Vorstände und die Rabbiner der Bethäuser dazu zu zwingen, ihnen willenlos Folge zu leisten, da sonst der Entzug der Subventionen droht. Sie heben das Gleichgewicht im Gemeindehaushalt hervor, das notorisch und von ihnen selbst wiederholt zugegeben, der frühere Finanzreferent der Gemeinde, Herr Reg.-Rat Dr. H. Oppenheim hergestellt hat, erzählen aber nichs von der rücksichtslosen und rigorosen Exekutionspolitik, mit der die Steuern trotz der schweren Wirtschaftskrise nur von Unionisten oder Nichtnationalen eingetrieben werden. Sie rühmen die Gründung der Kreditkasse, erzählen aber nicht, wie parteiisch mit diesen Geldern gewirtschaftet wird, wie lange Kredilsucher auf eine Erledigung warten müssen und wie karg bemessen die gewährten Kredite sind, wenn es sich nicht um Parteigenossen handelt. Und dabei haben sie noch die Kühnheit, von einem finanziellen Druck der „Union" auf einen Teil der Wähler zu erzählen. Sie wissen ferner zu erzählen, daß sie die „berechtigten Wünsche" der Schiifschul erfüllt haben, um den Frieden in der Gemeinde zu erhalten. Das ist doch sicher der Gipfel der Unverschämtheit. Seit Jahr und Tag wurden die Herren der Schiffschul, der Hadas-Isroel, wegen dieser Forderungen mit allen Hunden gehetzt, alle Leidenschaften wurden gegen sie aufgepeitscht. Haß und Vernichtung gepredigt — jetzt aber sind es „berechtigte Wünsche", die erfüllt werden konnten, als man eine Augenauswischerei brauchte. Jetzt verspricht Herr Dr. Friedmann Subventionen, die er nicht zu geben gedenkt. Ueberall gleiche Methode der Korruption. Und mit diesen Mitteln und Mittelchen wollen die Herren am 8. November ihren „großen Sieg" erringen! Nun, sie mögen die Wähler so einschätzen. Wir aber haben eine bessere Meinung von der politischen Reife der Kultuswähler; wir sind überzeugt, daß diese den Weizen von der Spreu zu säubern verstehen werden, und daß jeder Einsichtige am 8. November seine Stimme der Liste der „Union österreichischer Juden" (Listenführer Reg. - Rat Dr. Hermann Oppenheim) geben wird. Orig. engl. u. franz. STOFFE kauft man am besten Tuchhaus Tabak I., Salzgries 5 HERBST-NEUHEITEN für Damen und Herren zeitgemäß billig Cafe Freiwirth PRATERSTRASSE 11 Als modernes Familien-Cafe vollständig renoviert