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Die Wahrheit · 1936-10-16 · Heft 43 (16.10.1936) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 43 (16.10.1936)
Date
1936-10-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Julius Streicher anscheinend humaner ais Oskar Grünbaum. Die traurigen Lorbeeren Julius Streichers ieBen auch einen der Nationalsten unserer Nationalen, Dr. Oskar Grünbaum, nicht ruhen und so forderte er am vergangenen Freitag in einer in der zionistischen Sektion! Prater gehaltenen, giftgeschwollenen Rede, man müsse die Union-Juden in der Kultusgemeinde „ausräuchern". Oskar Grünbaum wünscht Juden auszuräuchern, während sein Ausrottungskollege Julius Streicher mehr für die blutige, also immerhin humanere Methode ist. Wae immer wir hier zu wählen haben, ob Ausrottungssystem Grünbaum oder System Streicher, — Wahl macht Qual. Oktober 1936 Seite 9 Zu Grünbaums Ausrottungsprogramra Strickers nordische List. Beide Herren hielten am vergangenen Freitag im Cafe Hietzingerhof einen „Oneg Sabath" ah. (Herr Grünbaum ist also zu Fuß von Hietzing i" den Prater gegangen.) Was diese Freigeister bei einem Oneg Sabath zu suchen haben — außer man denkt an die ftdeie Bar im Hietzingerhof — ist unerklärlich, denn hatte Stricker je einen Oneg Sabath im Reichenberger Beisel veranstaltet? . Aber endlich — auf seine alten Tage — erfährt Robert Stricker, was eigentlich so ein Oneg Sabath ist, nämlich ein Trick, um das staatliche Versammlungsverbot zu umgehen . . . Aber darüber wird noch zu sprechen sein. Zionistische Phantasien und britische Wirklichkeit. Unter dem Titel „Der Judenstaatszionismus dringt durch" bringt Robert Stricker einen wirren, heute mehr denn je phantastisch anmutenden Artikel, in dem es von Ausdrücken wie Piro 13zionismus, Kleinzionismus usw. nur so wimmelt und dessen Tenor dahin geht, daß — endlich — Prof. Weizmann eine jüdische Majorität in Palästina fordert. Gleichzeitig meldet die JTA aus Warschau, daß die dortigen jüdischen Stellen jetzt verständigt wurden, daß die 6000 Einwanderungszertifikate nach Palästina, auf die die jüdischen Arbeitslosem in Polen warten, nicht erteilt werden! So sieht die zionistische Phantasie, so sieht die britische Wirklichkeit aus! 6000 enttäuschte Leichtgläubige mehr, aber das beeinträchtigt den zionistischen Illusionsbetrieb kaum. Polen, dem Land der periodischen Pogrome, durchzuführen. Es beschließt die Betrachtung der Absicht der polnischen Regierung, 1K- Millionen polnische Juden wie eine Viehherde geschlossen aus dem Land, wenn möglich nach Palästina, zu jagen, mit folgenden irrsinnigen Worten: „,Es ist allerdings nicht zu übersehen, daß sich für die jüdische Politik ein neuer Weg öffnet und daß wir nicht mehr isoliert gegen England ciastehen." So leichtfertig, so haarsträubend gewissenlos hasardieren die Jüdischnationalen, die Zionisten, mit dem Schicksal armer, gequälter jüdischer Massen! Eine Partei von Führern. Auch das gibt es. Natürlich bei Stricker. Wo denn sonst? So erzählt in. der „Neuen Welt" ein Parteikollege Strickers, daß sich seine Argumente auf „Gespräche mit minderten führenden Revisionisten gründen!" Hunderte Führer! Da können natürlich nur Dutzende von Geführten übrigbleiben. Die von der Dolchstoß-Legende. Man sah immer wieder, wie unsere Jüdischnationalen ihre nationalen und rassischen Vorbilder im Reiche so getreulich zu kopieren bemüht waren. Bis heute hatte man aber das Gefühl, daß nocli etwas, wenn auch nur eine Kleinigkeit, fehle. Nun ist es erreicht, lückenlos erreicht! Nun haben sie auch ihre „Dolchstoßlegende". Diese Dolchstoßlegende bildet Titel und Inhalt des Leitartikels der letzten „Stimme". So läppisch dieser Artikel auch in seinem Inhalt wirkt, in seiner Form erbringt er wieder Scmnfichnng von Gräften and Gräbern uEopoldfleutschJiEnXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentraiiriedhof 1. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentraüriediioi IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene iiultnren einmal einen kuriosen Beweis der jüdischnationalen restlosen Assimilation an ihre völkischen Vorbilder. Noch ein Memento! Der zionistische Illusiansbetrieb läßt sich eben durch nichts aufhalten. Auch nicht durch Warnungszeichen wie die jetzt folgende Meldung, die man ja kaum in zionistischen Blättern finden dürfte: „Reuter: Der „Daily Express" hat unter seinen Lesern eine Abstimmung über die Einstellung der Bevölkerung zu den Ereignissen in Palästina veranstaltet. Von den nahezu 47.000 Abstimmenden sprachen sich 20.400 für die Unterstützung der Juden aus. 10.000 für die Unterstützung der Araber, während 16.000 dafür eintraten, daß sich Großbritannien in diese Angelegenheit überhaupt nicht mehr einmische und das Palästinamandat aufgibt." Daß bei den 20.000 für die Unterstützung der Juden abgegebenen Stimmen keine jüdischen Stimmen sind, ist nicht wahrscheinlich, daß aber die Mehrheit gegen die jüdische Sache abgestimmt hat, müßte alle „Judenstaatfer" sehr bedenklich stimmen. Ein solches Abstimmungsergebnis im liberalen, relativ judenfreundlichen England! Hohe (aber schwachsinnige) Politik. Durch Tatsachen wie die oben angeführte scheinbar merklich irritiert, beginnt das offizielle Organ der österreichischen Mehrheitszionisten eine geradezu wahnwitzige Schwenkung von England, das immerhin das England Balfours ist, zu Eine gründliche Lektion. Die naive Absicht der Wiener Jüdischnationalen, aus ihren zionistischen Sektionslokalen offizielle Wahllokale zu machen und so schon a priori die Stimmung der zur Wahl Schreitenden zu beeinflussen, ist kläglich mißlungen. Statt dieser Parteilokale hat die Wiener kompetente Behörde, einer selbstverständlichen Beschwerde der ..Union" Rechnung tragend, öffentliche Schulen als Wahllokale bestimmt und damit den arabischen Methoden unserer Jüdischnationalen eine gründliche Lektion erteilt. Einigkeit mit kleinen Fehlern. Neben der „Zionistischen Liste" besteht auch, wie sich jetzt herausstellt, dfc zionistische Konkurrenzliste „Arbeitendes P a 1 ä s t i n a"; in ihrem Wahlaufruf bezeichnet diese Fraktion die Politik Strickers als „eine bankerotte Politik" und begründet diesen Vorwurf mit jener Gründlichkeit, die nur aus dem früheren intimen Zuammenleben im gemeinsamen zionistischen Lager erklärlich und verständlich ist. So sieht die zionistische „Einigkeit" aus! Spectator. Wer einem Wiener Judentum mit reinen Händen und mir klarem Denken zum Sieg verhelfen will, wähle am 8. November „UNION ÖSTERREICHISCHER JUDEN" dae Liste der (LISTENfUHRER: Reg.-Raf. Dr. H. OPPENHEIM) Jius dem jüdisdkmationateva!Dsdfinm&et. In aller Stille hat sich dieser Tage ein Kampf abgespielt, dessen Notwendigkeit die ..Union", obwohl sie ihn restlos gewonnen hat, mit tiefster Beschämung erfüllt. Mit tiefster Beschämung als aufrechte Menschen und als gute Juden. Denn ein anderes Gefühl kann man. auch wenn man in der Sache selbst gesiegt hat, nicht empfinden, wenn man sich in einem zwischen Juden geführten Walilkampf gegen Methoden zur Wehr setzen muß. die an die wildesten Balkansitlen der Vorkriegszeit erinnern. Die Jüdischnationalen unter Führung des Staatsrates Dr. Desider Fried mann hatten es sich unbedingt vorgenommen, schlicht und bieder .,b e i >.-: i c h z u H a u s e" wählen zu iassen, das he:L'i '•■ n i h r e n eigenen S e k t i o n s l <> k al e n. eine Methode, die von dem eigentlichen Symbol einer geheimen Wahl, der Unparteilichkeit, so entfernt ist wie die Lebensart eines Dschungeinieiisehen von der eines kultivierten Europäers. Es würde zu weit führen, hier alle die Schliche und Vorwände aufzuzählen, mit denen .gegen das selbstverständliche Verlangen der ..Union", die Wahl in neutralen Lokalen durchführen zu lassen, manövriert wurde: man kann den Lesern nicht zumuten, in dein Schlamm miizuwaien. durch den man schreiten mußte, um endlich gegen alle Intrigen der von der ..Staatskunst" des Staatsrates Dr. Friedmann inspirierten Jüdischnationalen die Zuwckiang neutrale.- Lokale durchzusetzen. Mit einemmal waren an Stelle der traulichen zionistischen Lokale einwandfreie, neutrale .städtische Schuibkaie für die Stimmenabgabe zur Verfügung und damit war ein Kampf beendet, der den Wiener Juden eine Idee von den moralischen Unbegreitlichkeiten geben muß. mit denen man bei den Wiener Jüdischnationalen zu rechnen hat. Eine Kundgebung der jüdischen Legitimisten. Am Sanistag, den lU. d., fand im Festsaal des Hotel Continental eine massenhaft besuchte Versammlung statt, welche vom Bundeskanzleramt im Einvernehmen mit der Vaterländischen Front genehmigt war. Der Vorsitzende Hauptmann a. D. Kommerzialrat Hugo Loewin konnte den geschäitsiührenden Präsidenten des „Eisernen Ringes" Exz. Dr. Friedrich Ritter v. VV i e s n e r, den Leiter der Zentralkanzlei der legitimistischen Organisationen Oesterreichs Freiherrn v. Mirbach, ferner Vertreter des „Relchsbundes der Oesterreicher", iür die Vaterländische Front den Werbeleiter des II. Bezirkes Oskar Koszik, ferner in Vertretung der Israelitischen Kultusgemeinde die Vizepräsidenten Oberbaurat Stricker und Rat der Stadt Wien Dr. Ehrlich sowie Amtsdirektor Dr. L.öwenherz, den Präsidenten der „Union österreichischer Juden" Reg.-Rat Dr. Oppenheim. Reg.-Rat Dr. Lenk. Jen Präsidenten des Zionistische» Laiiüeskomitees Dr. Uriinbaum. den Präsidenten der Union der Zionisteu-Revisionisten Dr. Perl, das Präsidium des Hilisvereins jüdischer Kriegsopfer u. v. a begrüßen. Der Buiidesiiüircr des „Reiehsverbandes jüdischer Legitimisten Oesterreichs" Generalmajor Emil Siimm e r entwickelte in seiner Begrüßung das einfache Programm der unter dem Ehrenprotektorate Ottos von Habsburg stehenden Organisation: den österreichischen Juden ohne Unterschied ihrer jüdisch-programmatischen Einstellung das offene Bekenntnis zu Kaiser und Vaterland in Gemeinschaft rrfit den christlichen Mitbürgern zu ermöglichen. Gegenüber dem Hause Habsburg darf es nur eine Front geben.

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