Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 43 (16.10.1936)
- Date
- 1936-10-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seiie S Werden diese Herren von Jpden. die Anlaß zu Beschwerden haben, um lnterve'itionen ersucht, dann lehnen sie hochmütig ab und reden sich mit Ueberbürdung, Gesundheitszustand aus. oder setzen sich gar in Positur und meinen mit Pathos, das ..Antichambrieren" sei Methode der assimilatorischen ..Schtadlanim". Wenn es sich aber um Parteiinteressen handelt oder um die Sicherung der Macht in der Kultusgemeinde, dann ist das „Antichambriere n" keine Würdelosigkeit, dann wird gekrochen und gebettelt. Nur für Klal-Jisroel oder für Einzelne gibt es keine Intervention, dann ist dies — assimilatorisch! Immer wieder reiben die Herren der Oeffentlichkeit unter die Nase, daß die Aufsichtsbehörde die Beschwerden der „Union" abgewiesen und somit alles in bester Ordnung gefunden hat. Wer die Entscheidung der zuständigen Stelle liest, muß geradezu über die genaue Kenntnis der Einzelheiten des jüdisch-religiösen Lebens staunen! Die Lösung des Rätsels ist aber ganz einfach: die Entscheidung ist ganz einfach eine Paraphrase der Stellungnahme des Kultusvorstandes zu diesen Beschwerden. Das sind die berühmten eingehenden Erhebungen des antisemitischen Bürgermeisters. Sachlich mag dies ein Triumph sein, moralisch liegt aber kein Grund vor, damit zu paradieren, und wenn nun auch die Landesregierung die gleiche Entscheidung getroffen hat, so verheimlichen die Herren der Oeffentlichkeit den Umstand, daß in Wien Magistrat und Landesregierung identisch sind und daß daher eine nochmalige Entscheidung der gleichen Stelle vorliegt! . . . Gesetzmäßig mußte aber dieser Instanzenweg eingehalten werden, und das letzte Wort ist noch nicht gesprochen . . . Das spricht der Bundesgerichtshof. So sind wir denn Zeugen eines Gaukelspieles, eines Schacherns und Handelns um Mandate, wie es abstoßender und widerwärtiger nicht sein kann. Alles dreht sich um Geld. Qualifikationen oder Leistungen spielen gar keine Rolle. Selbst mit dar jahrelang so bekämpften, beschimpften und in den Kot gezerrten „Schiffschul" versucht man Friede zu machen, nur um den Schein zu erwecken, daß diese nun mit der Wirtschaft in der Seitenstettengasse einverstanden ist. Die „Verräter" der „Aguda" und der „Schiffschul" sind nun engelrein, wenn sie nur ihre Opposition zurückstellen . . . Und das soll dann als „Volkstimmung" bezeichnet werden. Fürwahr, die Wiener Juden müßten sich selbst das schändlichste Armutszeugnis ausstellen, wenn sie diesem Gaukelspiel auf den Leim gehen sollten. Wer diesen Zustand verewigen will, der mag am 8. November angeblich zionistisch, de facto aber jüdischnational und für die Volksgemeinde, für den ..Staat im Staate" wählen. Wer etwas auf Reinlichkeit, Würde und Ehre im Judentum hält, stimmt am 8. November für die Liste der „Union österreichischer Juden". Eine schwere tieiahr für das Wiener Jndenfom. Der Staat hat ein Versammlungsverbot erlassen, auf dessen Befolgung er mit Rücksicht auf die hohe politische Bedeutung dieser Verfügung unnachsichtlich bestehen muß. Nicht selten wurden geheime oder geschickt getarnte Versammlungen von Kommunisten oder Naziverschwörern ausgehoben und ihre Veranstalter der verdienten! Strafe zugeführt. Es zeigt sich nun seit Beginn des Wahlkampfes, daß der österreichische Staatsrat Doktor Friedmann, der als Vertreter der Isr. Kultusgemeinde im Staatsrat sitzt und der einzige jüdische Rat der Stadt Wien, Dr. Jakob Ehrlich. Hauptmann a. D.. die Tarnungsmethoden der Kommunisten und staatsfeindlichem Nazis immer intensiver anzuwenden gewillt sind. Hievon zeugen die schon verschiedentlich abgehaltenen und unter den raffiniertesten Tarnungen maskierten polirischen Wählervermmmlungen der Zionisten, die sie sogar in Bethäusern und dann teils als religiöse Feiern (Oneg Sabath usw.), teils als kulturelle Veranstaltungen (Kulturfilm-Vorführung im Helios-Kino vom 11. Oktober;) abgehalten werden. Zu diesem steten schamlosen Mißbrauch der jüdischen Religion und des jüdischen Kulturlebens für ihre politischen Geschäfte kommt nun der schwerstwiegende Umstand, daß es sich hier nicht mehr um interne jüdische Angelegenheiten handelt, sondern um eine Nichtbeachtung staatlicher Vorschriften und wir wissen alle, daß sehr viele Nichtjuden in Oesterreich gierig darauf warten, einen jüdischen Staatsrat, einen jüdischen Rat der Stadt Wien als Mitwisser und gar Veranstalter von Gesetzesbrüchen zu entlarven. Welche schwerwiegende Folgen eine solche Entwicklung der Dinge für alle Juden Oesterreichs haben müßte, kann man sich leicht vorstellen. Aber was schert das die .Jüdischrationalen? Arifßcr und Mmnsdhak. In unserer Nummer vom 20. März haben wir die Fälschungen enthüllt, die das Blatt des Herrn Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Oberbaurat Stricker, an der Eingabe der „Union" vornahm, die diese an die zuständige Aufsichtsbehörde, an den Magistrat der Stadt Wien, gerichtet hat und die sie im Bewußtsein und in der Ueberzeugung, von der zuständigen Stelle Abhilfe von den Gewaltmethoden der Jüdischnationalen mit Recht verlangt zu haben, selbst veröffentlichte, weil die Jüdischnationalen verleumderische Lügen über den Inhalt verbreiteten. Diese Enthüllung der „Wahrheit" mußte ohne Widerspruch hingenommen werden. Jetzt ist aber wieder etwas Wasser, das Herr Oberbaurat Stricker so ischlecht verträgt, die Donau hinuntergelaufen, und wie immer spekuliert die „Neue Welt" auf das schlechte Gedächtnis der Oeffentlichkeit. Daher kann man wieder die alten Lügen und Fälschungen, die zu ihrer Stütze vorgenommen wurden, hervorholen. Wieder behauptet das Blatt des Herrn Stricker, wider besseres Wissen und gegen die Wahrheit, daß die Eingabe der „Union" die Majorität des Gemeindevorstandes der Vaterlandslosigkeit beschuldigt und die Auflösung des Vorstandes gefordert hat. Wir glauben schon, daß die jüdischnationalen Zionisten, um über das traurige Debakel ihrer Judenstaatspolitik in Palästina hinwegzukommen, am liebsten in Rauschzustände geraten. Damit wären sie aber der Verantwortung nicht dafür ledig, daß •sie trotz aller Warnungen die Palästina-Siedlung propagandistisch auf jüdischnationale und politische Grundlage gestellt haben und so den Arabern die vielleicht willkommene Gelegenheit schenkten, die nationalistischen Instinkte der Bevölkerung gegen die Juden und deren Einwanderung aufzureizen. Auch unter den Folgen der weisen jüdischnationalen Inlandspolitik des Herrn Robert Stricker haben die österreichischen Juden zu leiden. So bleibt unvergessen, daß der Staatsrat Leopold Kunschak in der „Neuen Ordnung" vom 1. Jänner 1936 zur Judenfrage einen Artikel veröffentlicht hat, in dem er Herrn Oberbaurat Robert Stricker, dem Vizepräsidenten der Isr. Wählt am 8. HUtigiioEli zu Eurer Ehre, zu Eurem Wohi die Liste der MI Kultusgemeinde, ein Denkmal setzt, das ihm nicht zum Ruhme gereicht. Leopold Kunschak schrieb: „Nach dem Umsturz, sowohl wie vor und nach den Wahlen im Jahre 1919 war in der Judenschaft Oesterreichs eine sehr starke nationale Bewegung im Gange. Der Führer dieser Bewegung, Robert Stricker, wurde am 16. Februar 1919 zum Mitgliede der konstituierenden Nationalversammlung gewählt." Und gleich danach erzählt Kunschak von seinem eigenen Beruf zum Gesetzgeber, daß die Lösung der Judenfrage von ihm darin erblickt werde, die Judenschaft durch Gesetz zur eigenen Nation zu erklären und ihre Rechte als Nation genau zu umschreiben. Es sei noch der § l und § 2 des Strickerisch-Kunschakischen „ungeistigen" Erzeugnisses des Gesetzentwurfes über die Rechtsverhältnisse der jüdischen Nation in Erinnerung gebracht: I. Zusammensetzung und Verzeichnung der jüdischen Nation. § 1: Die jüdische Nation ist in der Republik Oesterreich als solche anerkannt und in ihrer Gesamtheit mit der Rechtsstellung und allen Rechten einer geschützten nationalen Minderheit im Staate ausgestattet. § 2: Angehörige der jüdischen Nation im Sinne dieses Gesetzes sind: a) alle Mitglieder der israelitischen Religicnsgesellschaft als Bekenner der mosaischen speziellen Nationalreligion des jüdisch-israelitischen Volkes. (!!) b) Alle jene, die sich, ohne der israelitischen Religionsgesellschaft anzugehören, dennoch zur jüdischen Nation gehörig erklären, sowie deren minderjährige Kinder, insolange diese Erklärung nicht widerrufen wird. Damit wäre das Novum einer jüdischen Zwangsnation in Oesterreich unter den Auspizien des Herrn Stricker geschaffen gewesen. So wäre ohne Rücksicht auf Sprache, Gefühl, Bekenntnis, gemeinsamen Kulturkreis. Vaterland, gemeinsame Geschichte, nur auf der Grundlage des Glaubensbekenntnisses aus dem Kunschak-Strickerischen alchimistischen Gesetzeskessel in Oesterreich eine jüdische Nation hervorgezaubert worden. Die „Neue Welt" und Herr Stricker sollen die Wiener und die österreichischen Juden mit ihren Experimenten gefälligst in Ruhe lassen. Sie haben durch die des Judenstaates in Palästina und durch gelehrige Schüler des Herrn Vizepräsidenten Stricker ä la Kunschak in Oesterreich genügend zu leiden. Streicher wird zufrieden sein. Zum Abschluß der von der Reichsfachgruppe Hochschullehrer NS.-Rechtswahrerbund veranstalteten Tagung über „Die Juden in der Rechts wisse tisch a i t" sandten die Teilnehmer ein Telegramm au Reichsminister Dr. Frank, in dem sie gelobten, sich rücklialtslos im Kampf gegen das Judentum und für die Erfüllung der von Reichsminister Frank aufgestellten Forderungen einzusetzen. Sie geben das Versprechen ab, „bei ihren wissenschaftlichen Arbeiten jüdische Schriftsteller nur, soweit dies zur Vermeidung eines Plagiats notwendig ist, und nur mit der ausdrücklichen Erwähnung, daß es sich um Juden handelt, zu zitieren und dasselbe auch von ihren Studenten zu verlangen, an einer lückenlosen und verläßlichen Bibliographie sämtlicher jüdischer Schriftsteller auf dem Gebiete der Rechts- und Wirtschaftswissenschaft mitzuarbeiten, in den Büchereien und Seminaren der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultäten die Trennung der Schriften deutscher und jüdischer Autoren durchzuführen und die auf dieser Tagung begonnene Zusammenarbeit der Rechts- und Wirtschaitswissenschafter zur Erforschung der Geschichte des Judenrums und seiner Kriminalität, sowie des Eindringens des Judentums in das deutsche Volksleben fortzusetzen." Gauleiter Julius Streicher, der wegen seiner Teilnahme an der Kundgebung auf dem Bückeberg verhindert war, der Tagung der Hochschullehrer beizuwohnen, hatte ihr in einem Telegramm einen erfolgreichen Verlauf gewünscht.