Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 43 (16.10.1936)
- Date
- 1936-10-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7 OSTIRMICHISCHI sP'iMPif zym ÄUPiÄy w>ur w NAME OES SPENDERS:. WOHNORT: _ LETZTE POSI.- FUR SPENDEN IM BETRAGE VON 1 SCHILLING | AUr'VARTS ERHALT CIS SPENCtR EINE DANKES. KAfE DES STAATSSEKRETÄRS FÜR LANDES- VERTEIDIGUNG ALS EMPfANGSBTATiGUNG > \ I I! | HIER IST DER GESPENDETE BETRAG!! t 1 Ot»«i*n IN GEWÖHNLICHEN | BRIEFMARKEN i AUfZUKteBENi i i i! I 3n Das Öunößsmimftettum Tür landes&erteiöigung i tS'^flttipcnil) Wim l ©tub«nring t t i i; j i I i I SPENDEN VON 5 SCHILLING AUFW. i i SIND MITTELS ERLAGSCHEINES AUF l DAS FLIEGERS PEN DEN-SAMMEli KONTO NR. 74.000 EINZUZAHLEN DIU SPJEWIDlEEfjK AKTIE den letzten Kongressen einem Einfluß auf die Leitung zu gewinnen. So wurde denn von zionistischer Seite der gesamten Organisation, die dazu berufen ist, die offizielle Trägerin des Aufbauwerkes in Palästina zu seio, ein roter Stempel aufgedrückt und diese des „Marxismus" geziehen, ungeachtet dessen, daß diese 'Kennzeichnung gerade in den letzten Jahren in vielen Ländern einen gefährlichen Klang hat. So wurden denn die eigenen Parteigenossen, ja die eigene Parteiorganisation vor aller Welt gefährlicher Tendenzen denunziert! Aber der Mann, der dies Jahre hindurch zur größten Empörung seiner eigenen Parteigenossen tat, darf jüdischer „Führer" sein und auf die höchsten Ehrenstellen Anspruch erheben! Das ist krasse moral insanity! Hier aber tut es nichts, denn es geschieht ja unter weißblauer Flagge! Ein „einiges Judentum" predigen die Herren! Aber unter „Einheit" verstehen: sie bloß, daß sich alle anderen Gruppen ihnen unterordnen, sie schalten und walten lassen. Wer dagegen ist, wird als „Spaltpilz" verfemt. Wie sieht es nun mit dieser „Einheit" aus? Als der überparte&che „Bund jüdischer Frontkämpfer" die Initiative ergriff, angesichts der heutigen ernsten Lage des Judentums einen Wahlkampf zu vermeiden und eine Einheitsliste zu schaffen, wurde innerhalb dieses Bundes derart intrigiert, gehetzt und terrorisiert, bis sich die anständigen Initiatoren dieser Aktion angewidert zurückzogen. Aber selbst im eigenen Lager ist es mit der „Einheistliste" höchst eigenartig bestellt. Zunächst nahm der Streit um die erwartete Beute derartige Formen an, daß die Verhandlungen sich zerschlugen und jede Gruppe eine eigene Liste präsentierte. Die Angst um den Gerichtstag vom 8. November ließ es jedoch ratsam erscheinen, eine „Vergatterung" unter allen Umständen zustande zu bringen, und da setzte ein Handeln und ein Schachern ein, wie es widerwärtiger nicht sein könnte. Die Radikalen Zionisten, bzw. ihr Führer Herr Dr Plaschkes, forderten nicht nur 2 Mandate und ein Mandat im Vertreterkollegium, sondern auch noch eine schriftliche Zusicherung, daß spätestens sechs Wochen nach Konstituierung des neuen Vorstandes die Statuten dahin abgeändert werden würden, daß ein gewählter Vertreter weder in der laufenden noch während der nächsten Kadenz ein besoldetes Amt in der Kultusgemeinde annehmen dürfe. Daran scheiterten zunächst die Verhandlungen und. Herr Dr. Plaschkes verkündete, nun seinen eigenen Weg zu gehen. Schließlich kam doch eine Einigung zustande: die Radikalen erhalten 2 Mandate sowie eine Vertretung in allen Kommissionen. Was mit der moralischen Forderung geschehen ist, darüber wird Stillschweigen beobachtet. Wenn Herr Dr. Plaschkes versichert, seine Belange durchgesetzt zu haben, so nehmen wir ihn beim Wort und werden ihn daran zu erinnern wissen! Aber von der Moral darf ja bei den Jüdischnationalen keine Rede sein. Noch grotesker ist das Spiel mit den Misrachisten. Der bisherige Vertreter der religiösen Zionisten, Herr Dr. Rosenberg, erklärte, erbittert und empört über den auf ihn im Fall Löwenherz ausgeübten Druck, nicht mehr kandidieren zu wollen. Da der Misrachi sonst über keimen geeigneten Kandidaten verfügt, hat die Leitung den Beschluß gefaßt, sich überhaupt am Wahlkampf nicht zu beteiligen. Nun brauchen aber die Jüdischnationalen unibedingt einen „Hechscher", ein Attest, daß sie auch die religiösen Kreise hinter sich haben, und diesen Umstand nützen gewisse misrachistische Elemente aus, um auf eigene Faust ..Einheitsverhandlung" über Geld und Geldeswert zu führen. Zwei Herren, die zufällig auf den Namen L. hören, sind es, die da im Vordergrund stehen. Sie besitzen nicht das Placet ihres eigenen Lagers. Der eine ist wegen seiner persönlich-egoistischen Bestrebungen moralisch gekennzeichnet. der zweite ist ein bekannter Querulant, den selbst die eigenen Gesinnungsgenossen nicht für geeignet erachten, ein öffentliches Mandat zu bekleiden. Trotzdem wird mit diesen Herren verhandelt, da man doch ihren „Koscher"-Stempel braucht. Aber die Jüdischnationalen haben ein Prinzip: wer ein Mandat anstrebt, muß eine Gegenleistung realer Natur mitbringen: entweder einen entsprechenden. Beitrag für den Wahlfonds oder eine gewisse Anzahl von Stimmvieh, das am Wahltage zur Urne geschleppt werden könnte. Die „Kandidaten" des Misrachi können aber keine größere Wählerschar garantieren, und so wird um den klingenden Beitrag geschachert. Das Zentralwahlkomitee verlangt S 3000.—. man bietet vorläufig S 1500.—. Wie der Handel ausgehen wird, wird man bald hören. Aber dann wird man vor aller Welt mit Emphase verkünden: auch düe religiösen Kreise stehen hinter uns! Dabei ist der Preis für die Misrachi-Kandidaten noch .mäßig angesetzt. Andere, die nicht einmal einen „Koscher"-Stempel mitbringen können, müssen mehr blechen. So hat sich ein Herr Dr. F. aus dem Prater um S 5000 — ein Mandat in einer „guten Position" eingehandelt. Und das wird dann heißen: Volksstimme! Ganz eigenartig ist der Fall mit dem „unpolitischen" Dr. Leo Landau, dem Präsidenten der ..Polnischen Schul". Unter dieser Parole konnte Dr. Landau zweimal ein Mandat erlangen. Diesmal fehlt ihm jedoch der Mut, unter dieser Flagge zu segeln, da seine Anhänger bereits erkannt haben, was er unter „unpolitisch" versteht. Außerdem ist er infolge eines tragischen Vorfalles in seiner Familie seelisch außerstande, eine Wahlagitation zu führen, und so hat er es vorgezogen, seine Liste zurückzuziehen und auf der „zionistischen Einheitsliste" zu kandidieren. Hier geht es wiederum einerseits um einen „Hechscher", um eine Stampiglie, daß auch die „Polnische Schul" im Vorstand vertreten ist, anderseits um eine gewisse Anzahl von Anhängern. Herr Dr. Landau bringt also eine gewisse Gegenleistung mit. Aber er scheint doch zu glauben, noch etwas hinzufügen zu müssen und so hat er sich denn ein Stückchen geleistet, das angenagelt zu werden verdient. Am „Simchath-Thora", am „Freudenfest der Thora", das die große Feiertagsserie des Monats Tischri abschließt, wird traditionsgemäß nach Verlesung des letzten Abschnittes der Bibel auch der erste Abschnitt derselben, das Kapitel „Bereschith", zur Verlesung gebracht. Derjenige, der hierzu zur Thora aufgerufen wird, wird als „Chassan Bereschith", als ..Bereschith-Bräutigam" bezeichnet und die Verlesung des Abschnittes erfolgt unter besonderer VOLLSTÄNDIGE AuS&tfdUHQ für OpCr erteilt Bayr. Kammersänger Dr Paul KUHN, QpejgH<J ehem. Mitglied der Staatsopern von Mündien. Konzert Tonfilm Wien und Berlin. Zeirgemäfk Honorare. Wien I, MaMarstr. 14, 3. Stock. Tür 7 Tel. R 29-7-91 Spredi-elt 3-ä Uhr. Weihe. Die Ehre, „Chassan Bereschith" zu sein, ist nun dem Herren Präsidenten Dr. Desider rriedmann zuteil geworden, wogegen nichts einzuwenden wäre. Schließlich handelt es sich um den Kultuspräsidenten und noch dazu um einen Mann, der imstande ist, den vorgeschriebenen Segenspruch vorzutragen, ohne daß dieser ihm vorgesagt werden müßte (nur sehr wenige jüdischnationale Führer könnten das gleiche, und der angeblich präsumtive Nachfolger des Herrn Dr. Friedmann auf den Präsidentenstuhl in der Seitenstettensasse. Herr Oberbaurat Stricker, darf sich rühmen, nicht einmal das hebräische Alphabet hersagen zu können). Aber Herr Dr. Landau scheint sich dazu hergegeben zu haben, diesen feierlichen Akt zu einer widerwärtigen Groteske ausarten zu lassen. Am Eingang der Synagoge wurde nämlich ein Plakat angebracht, durch welches verkündet wurde, daß Herr ..Staatsrat Präsident Dr. Friedmann" am Simchat-Thora „Chassan-Bereschith" sein wird und die jüdischen Massen wurden aufgefordert, zu dieser ..Amtshandlung" (!) zahlreich zu erscheinen, denn — „berauw Am hadrath melech" (je größer die Anwesendenzahl, desto größer die Ehre für den König ) . . . Ja. „König", billiger geht es nicht. Warum denn auch nicht? Wenn sich Herr Jabotynsky zum „Nassi", zum „Fürsten" krönen ließ, wenn Herr Robert Stricker zum „Führer" und Kronprätendenten avancierte, dann muß Herr Dr. Friedmrann zumindest eine Königskrone tragen . . . Und nun bedenke man: nach der jüdischen Tradition gilt Simcliath-Thora nicht nur als Freudentag der Thora, sondern bildet auch den Abschluß der „Jaumim tiauroim". der „furchtbaren Tage", Neujahr und Versöhnungstag: an diesem Tage werden die Beschlüsse der Göttlichkeit vom Jaum Kipur endgültig bestätigt und ratifiziert. Deswegen trägt auch der Vorbeter einen weißen Kittel und deswegen werden auch die Gebete und das Vorlesen der Thora mit der gleichen Melodie wie am Versöhnungstag vorgetragen. Es handelt sich also um einen Tag von besonderer religiöser Weihe, der unter keinen Umständen für Purimscherze geeignet ist. Und nun wird da ein solcher Hokus pokus aufgeführt, wird ein Akt von höchster religiöser Weihe zu einer „Amtshandlung" herabgewürdigt! Das ist doch höchste Blasphemie! Hatte Herr Dr. Friedmann — der sonst angeblich etwas auf Takt und guten Geschmack zu geben pflegte — gar kein Verständnis, für diese Entweihung, für dieses widerwärtige Gaukelspiel, zu dem die Massen wie zum Auftreten eines Bänkelsängers eingeladen wurden? Allerdings, man darf sich darüber nicht sonderlich wundern. Die Herren vom zionistischen Wahlkomitee haben sich überhaupt darauf verlegt, die Bethäuser und die Gottesdienste für ihre Wahlagitation zu mißbrauchen. Gerade während der Gottesdienste an den hohen Feiertagen erschienen Parteiredner in verschiedenen Bethäusern, die den erstaunten und empörten Andächtigen ihre Weisheiten aufdrängten und außerdem noch Haß und Feindschaft gegen die Andersgesinnten predigten. Ein besonders eifriger Parteigenosse ließ es sich sogar nicht nehmen, in einem Bethaus im IX. Bezirk am Schemini-Azereth au der Bundeslade ein Schimpf-„Gedicht" gegen die „Union" anzubringen, was die höchste Empörung aller Anwesenden auslöste. So wird mit dem Heiligsten Mißbrauch getrieben und Menschen aller Kreise werden gezwungen. Reden anzuhören, die nicht ins Gotteshaus gehören. Die Bethausvorstände müssen dies zulassen, denn sonst drohtihnen der Entzug der Subvention! Und das wird man nachher tals „Volksstimme" ausposaunen! Widerwärtiger und abstoßender ist noch nie eine Wahlkampagne geführt worden. Immer wieder paradieren die Herren mit dem „Staatsrat" und mit dem „Rat der Stadt Wien", um den jüdischen Massen zu imponieren. Wie diese Herren zu diesen Würden gekommen sind, ist bekannt. Aber wir fragen vor aller Welt: was haben diese Herren die ganze Zeit hindurch getan, um sich dieser Würden würdig zu erweisen? Der Herr „Rat der Stadt Wien" hat ein einziges Mal eine Rede gehalten, gewissermaßen um sich ein Alibi zu schaffen, und hat die nichtssagende und unrichtige Antwort des Bürgermeisters widerspruchslos „zur Kenntnis genommen". Der Herr Staatsrat schweigt überhaupt.