Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 43 (16.10.1936)
- Date
- 1936-10-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064606-3064648--20865-3086157- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WAHRHEIT Nr. 43 — 16. Oktober 1936 Seite 3 20TH CENTURY FOX ZEIGT; ff$'$'|y §j .21 r'M^j JSä^&s! IN SHAKESPEARE'S UNCT"6RBLI CHGf*i LUSTSPIEL RES IE;PAU'_ CZINNEfe. Heute: Burg-, Imperial-, Stafa-, Votivpark-Kino 2S sei, die Hälfte daher 14. d a ß a 1 s o der A u stritt der „U n i o u" keine Verpflichtung mit sich bringe, Neuwahlen auszuschreiben. Was haben die Jüdischnationalen getan, a i s d i e s e r Trick nicht verfing? Sie haben die N e u- \v u h I e n am letzen Tage der zwei M oii a t e ausgeschrieben, und zwar für den 8. November d. J. Im Dezember hätten die normalen Wahlen wegen Ablauf der Funktionspeciode des Kultusvorstandes ohnedies stattfinden müssen. Und da erkühnen sich die Jüdischnationalen, in ihrem offiziellen Blatt davon zu sprechen, daß die „Union" nicht den Mut besaß, an die jüdische Wählerschaft zu appellieren, wo zu Tage liegt, daß die „Union" durch ihren Rücktritt im Kultusvorstande die sofortigen Wahlen erzwingen \v o 11t e. Aber die Jüdischnationalen haben sich gesagt, die Welt hat ein kurzes Gedächtnis, man wird an die Korruptionsanären der Jüdischnationalen im Kultusvorstand bis November vergessen haben, und kommt Zeit, kommt Rat. Sie haben sich aber verrechnet, das jüdische Wien hat in in dem letzten Jahre der Alleinherrschaft der Jüdischnationalen zuviel gelitten unter der rücksichtslosen Partei, und Protektionswirtschait, als daß es hätte vergessen können. Noch eine andere Affäre hat die rücksichtslose Profitgier und Geschäftemacherei der Jüdischnationalen auf Kosten ihrer Glaubensgenossen enthüllt. Die Jüdischnationalen dürfen sich nicht einbilden, daß das vergessen wird. Wie Herr Bundeskommissär Adam durch das Radio verkündete, standen die Jüdischnationalen mit S 500.000.— an erster Stelle auf der Bestechungsliste des „Phönix". Ihre Rechtfertigung war eine beschämende, sie mußten zugeben, wir haben die S 500.000.— aber nicht als Bestechung, sondern als Superprovision bekommen für die Zubringung von Versicherungsgeschäften für unsere Glaubensgenossen an den „Phönix"; wir haben nicht nur eine Superprovision, sondern wir haben noch eine weit höhere Provision bekommen, wir haben diese Provision und Superprovision verdient, weil wir dem „P h ö n i x" u m mehr als 600 Millionen Schilling Geschäfte zugebracht haben!! Was die J ü d i s c h n a t i o n a I e n h i e f ü r verdienen, wollen wir nicht aussprechen. Um diese 600 Millionen Schilling sind unsere Glaubensgenossen, und insbesondere die unglücklichsten unserer Glaubensgenossen, nämlich die deutschen Auswanderer nach Palästina, ärmer geworden. Nicht einen Groschen erhielten die deutschen c;nigranten, die auf diese vom jüdischen 'vitionalfonds vorgeschlagene Weise erhofften, ihr sauer erspartes Geld in die neue Heimat zu retten, von ihrem Vermögen. Aber die Jüdischnationalen b'üsten sich, sie hätten für mehr als 600 Millionen Schilling Versicherungen dem ..Phönix" zugebracht, und streichen Provision und Superprovision ein. von der wir gerne erfahren möchten, wieviel von ihr tatsächlich nach Palästina gesendet wurde und wieviel für die „Erhaltung des Apparates" verwendet wurde In ihrem Wahlaufruf reden die jüdischnationalen Zionismen von einer Hetze der „Union" und des Vorsitzenden ihres Zentralvorstandes, des Herrn Reg.-Rat " Dr. Hermann Oppenheim, gegen den Zionismus und das Aufbauwerk in Palästina, „den Stolz und die Hoffnung des Judentums der ganzen Welt". Alles Lüge. In der Rede Wir warnen schon jetzt unsere Anhänger vor den Machinationen der gegnerischen Wahlagitatoren des Reg.-Rntes Dr. Oppenheim, die er anläßlich der Wahl zum Präsidenten der „Union" Mitte März 1935 hielt und die von der „Stimme" wie von schlechten Advokaten halb und unvollständig zitiert wird, in dieser Rede hat er auch das alte Programm der „Union" und ihre Stellung zum Zionismus präzisiert. „Ueber unser einziges Vaterland Oesterreich wollen wir Palästina nicht vergessen. Palästina ist und bleibt für uns die geweihte und heilige Stätte unserer religiösen Erinnerung. Aber auch darüber hinaus wollen wir Palästina fördern iür diejenigen, die ihre religiöse Sehnsucht hiniührt, und auch für jene unserer Glaubensgenossen, die sich nicht assimilieren wollen oder assimilieren können oder die, wie wir jetzt leider hinzufügen müssen, sich nicht assimilieren dürfen. Aber wir verbinden mit Palästina keine politischen Aspirationen, wir halten es für die Ruhe und für den Frieden unserer Glaubensgenossen dort und auf der ganzen Welt für erstrebenswerter, daß die politische Ruhe des Landes Israel durch jüdisch-politische Wünsche und Bestrebungen nicht gestört werde." Den Zweck des Aufbauwerkes Palästinas hat also Dr. Oppenheim mit den Worten des Apostels des Zionismus, Theodor Herzl, umschrieben: Eine Heimstätte für diejenigen, die sich nicht assimilieren wollen oder nicht assimilieren können, und hat hinzugefügt, und sicli jetzt leider nicht assimilieren dürfen. Wie recht er mit seiner Warnung vor den pol tischen und nationalen Tendenzen im Zionismus hatte, bewies der — ungefähr ein Jahr nach dieser Rede — ausgebrochene Aufstand der Araber in Palästina, der sich, man kann und darf die Welt nicht täuschen, nur g eg e n die nationalen und politischen As'pli raitionen der J ü d i sc h n a t i onalen gerichtet hat. Und der Friede in Palästina, der jetzt nach vielen Monaten und nach hunderten von beklagenswerten Opfern unter bewunderungswerter Zurückhaltung und Selbstdisziplin der palästinensischen Juden zustande gekommen ist, kann und wird nur dann ein dauernder sein, wenn die politischen und nationalen Aspirationen der Jüdischnationalen zurückgedrängt werden, und wenn der Aufbau Palästinas erfolgt auf dem Grundgedanken des gleichen Rechtes und der gleichen Liebe der Araber und Juden für das neue Vaterland. Die „Stimme" als Sprachrohr der Jüdischnationalen führt zum Beweis eines angeblich krankhaften Hasses der „Union" und des Reg.- Rates Dr. Oppenheim gegen Palästina aus der erwähnten Antrittsrede eine Stelle an, für deren Verbreitung die „Union" den Jüdischnationalen nur dankbar sein muß. Wir wollen aber doch diese aus dem Zusammenhang gerissene Stelle der Rede des Dr. Oppenheim vervollständigen: „Eine weitverbreitete Meinunjc, die in den letzten Tagen, nach den Zeitungsnachrichten auch im Bund Katholischer Akademiker ausgesprochen wurde, ist die, daß die Juden überhaupt, insbesondere aber auch die Juden Oesterreichs, von einer radikalen umstürzlerischen Gesinnung erfüllt seien, daß sie wie die Römer das ausdrückten, rerum novaruin cupidi sunt. Diese Meinung ist, soweit die österreichischen Juden in Betracht kommen, eine unrichtige. Aus der bald iünizigjährigen Geschichte der ..Union", der einzigen österreichischen Vereinigung, die sich bis zum Abkommen der jüdischnationalen zionistischen Partei in Oesterreich ausschließlich mit jüdisch-politischen Fragen befaßte, ist nachweisbar, daß die große Masse der jüdischen Bevölkerung im alten Oesterreich bürgerlich gesinnt war und daß die scheinbar für das Gegenteil sprechende Erscheinung, daß eine verhältnismäßig große Zahl von Führern der linksgerichteten sozialdemokratischen Partei jüdischer Abstammung waren, auf die bedauernswerte Tatsache zurückzuführen ist, daß nach dem Niedergang der liberalen Partei alle politischen Parteien in Oesterreich ausnahmlos den Antisemitismus ausgesprochen oder unausgesprochen zu einem Bestandteil ihres Programmes gemacht haben. Ehrgeizige jüdische Intellektuelle konnten also ein Feld für ihre politische Betätigung und für ihren Ehrgeiz nirgends anderswo finden als 'in jener Partei, deren Programm die allgemeine Gleichheit predigte und bei Auswahl ihrer Mandatare prinzipiell keinen Unterschied in den Konfessionen machte. Etwas ähnliches gilt von dem Vorwurf, daß die linksgerichtete sozialdemokratische Partei so viele Anhänger in den Kreisen der jüdischen Bevölkerung gefunden hatte. Es konnte wohl den Juden nicht zugemutet werden, Vertreter von Parteien zu wählen, die die Bekämpfung des „zersetzenden jüdischen Einflusses" in ihr Programm aufgenommen hatten, oder die Vac läsiigec Vecfäcbmg sckiiizt3kce%äkne< w/ # ZAH NPASTA Erzeugt nach den von der W. V. d. Zahnärzte Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Konirolle der zahnärztl. und pharmakognostischen Institute der Univers, in Wien. gar, wie die deutschnatiouale Partei, die Juden, als angeblich zu einer fremden minderwertigen Rasse zugehörig, ächten wollten. Die Juden standen also immer vor dem Dilemma, bei den Wahlen entweder überhaupt ihre Stimme nicht abzugeben oder wenigstens eine Partei zu wählen, durch welche die verfassungsmäßig gewährleistete Gleichberechtigung im Falle eines Angriffes voraussichtlich verteidigt würde. Das primäre wirtschaftliche Programm der sozialdemokratischen oder gar der kommunistischen Partei wurde von der Majorität der österreichischen Juden immer perhorresziet. Traditionsgemäß stehen und standen die österreichischen Juden auf dem Boden des Privatkapitals und lehnen jede Art der Vergesellschaftung des Eigentums an den Produktionsmitteln ab. Seit dem Niederbruch der liberalen Partei haben sich aber auch die Juden in wirtschaftlicher Hinsicht von den orthodoxen Lehren des Individualismus und Liberalismus abgewendet. Die große Mehrheit hat ein wirtschaftliches Programm vertreten, das dem der eliristüehsozialen Partei am nächsten steht. Durch die Auflösung der politischen Parteien und durch die Verankerung der politischen Rechte der jüdischen Bevölkerung in Oesterreich in der neuen Verfassung sind die Hemmungen beseitigt worden, die einer freien Aeußerung der wahren politischen und wirtschaftlichen Gesinnung der österreichischen Juden bis dahin im Wege standen. Soweit die Mitglieder der „Union österreichischer Juden" und die ihnen nahestehenden Kreise in Betracht kommen, so anerkennen sie als die wesentlichste Voraussetzung für die Gewährung der Gleichberechtigung das uneingeschränkte und unbedingte Bekenntnis zum Vaterlande Oesterreich. Wir treten der Auffassung jener unserer Glaubensgenossen entgegen, die neben dem Vaterlande Oesterreich zumindest noch ein zwtrtes Vaterland Palästina und ein politisches Ziel, das Wir nicht mit unseren christlichen Mitbürgern teilen können, den Judenstaat Palästina, anerkennen. Die Beziehung zu unserem Vaterlande schließt jedes gleichartige Verhältnis zu einem anderen Lande aus. Die menschliehe Seele ist zu eng, um mit gleicher, echter, wahrer Liebe und Hingabe zwei Vaterländer — die Mehrzahl ist auch eine grammatikalische und phonetische Unmöglichkeit — zu umfassen. So wie die früher zitierte Stelle beweist auch die hier folgende ein vollständiges Erfassen der sozialen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lage des österreichischen Judentums seitens der „Union" und ihres Präsidenten. Die ..Stimme" glossiert den letztzitierten Absatz mit den Worten: „Es sind das dieselben Gedankengänge, welche schon in der berüchtigten Kundgebung der sogenannten deutschen .Protestrabbiner' enthalten waren". Mit Verlaub. Ihr Herren, diese Oedankengänge beruhen auf Aeußerungen der jüdischnationalen Führer und des offiziellen Organs des zionistischen Landesverbandes für Oesterreich. In der „Stimme" vom 18. August 1932 sind anläßlich der Propagierung des Jüdischen Weltkrongresses, der im heurigen Worauf freu'n sich die Leute am Sonntag? Auf den „Morgen" mit dem „Blauen Montag"!