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Die Wahrheit · 1936-10-16 · Heft 43 (16.10.1936) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 43 (16.10.1936)
Date
1936-10-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seile 2 Nr. -?3 — 16. Oktober 1936 DIE WAHRHE17 An meine Parteifreunde f Viele Gesinnungsgenossen haben ihrem Befremden Ausdruck segeben, daß ich in der von der „Union österreichischer Juden" dem Kultusvcrstand vorgelegten Vorschlagsliste an 25. Stelle der Wahlwerber eingereiht bin. Sie vermeinen, daß diese Reihung im schärfsten Widerspruche zu der führenden Stellung, welche ich seit dem Jahre 1907 in der „Union" eingenommen habe, stehe. Allen meinen Parteifreunden diene nun zur Antwort, daß diese Einreihung über mein dringendes Ersuchen eriolgte. ich habe die mir a ngebotene Listenführerschaft abgelehnt und schriftlich die Bitte gestellt, daß von meiner Kandidatur überhaupt Umgang genommen werde. Dieses Ersuchen ist in meinem höheren Alter begründet. Dieses Alter legte mir die Erwägung nahe, mich nicht mehr den Mühen, welche das Amt des Kulturvorstandes auferlegt, zu unterziehen, und die mit diesem Amte verbundenen Arbeiten jüngeren tatkräftigen Freunden zu überlassen. Ich habe jedoch dem mich ehrenden Wunsche des Präsidiums und des Kandidierungskomitees, daß mein Name — wenn auch an wenig aussichtsreicher Stelle — dennoch in die Vorschlagsliste aufgenommen werde, gerne entsprochen. Denn ich will selbst öffentlich bezeugen, daß ich nach wie vor zu den Grundsätzen der „Union", für die ich so lange gekämpft habe, stehe und daß ich mich immer bestreben werde, an der Erreichung der hohen Ziele der „Union" mitzuarbeiten. Ich werde mit Freude meine Stimme für die Wahlwerber der „Union" abgeben und richte an alle meine Parteifreunde den dringenden Appell, alles aufzubieten, um durch die Wahl den Bestrebungen der „Union" zum Siege zu verhelfen. Dr. Jakob Ornstein, Ehrenpräsident der „Union österr. Juden". Der LfigenwahUeldzag der JOdisdinattonalen. Das als Flugzettel zur Verteilunggelangende Pamphlet der Jüdischnationalen aus der .,S t i mm e" fiele unter die Bestimmungen eines Gesetzes gegen die Schund- und Schmutzliteratur, wenn wir in Oesterreich ein solches besäßen. Nur um Gottes Willen sich in keine sachliche Auseinandersetzungen einlassen. Nur schimpfen und den Gegner mit Kot bewerfen. Das ist die erfolgreiche Methode der deutschen Nationalisten, sie soll auch die Gehirne der österreichischen Juden verwirren und umnebeln. Die Bestellung des Vizepräsidenten Dr. Löwenlierz zum Amtsdirektor nach vorausgegangener Besetzung der Stelle des Bibliothekars durch den Kultusvorsteher Moses Rath, die Bereicherung dieser jüdischnationalen Mitglieder des Kultusvorstandes aus öffentlichen Mitteln, die schamlose Verkündigung des Grundsatzes an die jüdischnationalen Funktionäre der Gemeinde: „Enrichissez-vous!" (Bereichert Euch), nennen die Jüdischnationalen sehr verschämt einen „nichtigen Vor wand" für die Unionisten, im Februar 1936 ihre Mandate zurückzulegen. Haben die Unionisten gegen ihr politisches Interesse nicht vorher aile Mittel erschöpft, um die Jüdischnationalen davon abzuhalten, die Ehre und das Ansehen der Kultusgemeinde in ihrem Erwerbstrieb hemmungslosen Menschen, wie Löwenherz und Rath, auszuliefern? Sind die Unionisten nicht vielleicht viel zu weit gegangen, um den Skandal Löwenherz nicht öffentlich werden zu lassen, indem sie den Jüdischnationalen erklärten, keinen Einwand dagegen zu erheben, wenn Löwenherz zum pauschalierten Rechtsanwalt der Gemeinde mit Monatsbezügen von S 1000.— bestellt werde? Aber Löwenherz bestand auf seinen Shy lockschein. Die Jüdischnationalen hatten sich durch Ehrenwort gebunden, ihn zum Nachfolger Fuchsgelbs zu bestellen. Erst der Wunsch des Alagistrats nach dem Austritt der Unionisten, daß keine definitive Bestellung erfolgen möge, hat Löwenherz gezwungen, von dem Tipferl auf dem I abzusehen und sich vorläufig mit seiner „provisorischen Bestellung" zu begnügen. Warum öffnet nicht der schwache Präsident der Kultusgemeinde, Herr Dr. Desider F r i e d m a n n, die Siegel des großen Geheimfaszikels Löwenherz, aus dem er vertrauten Besuchern Protokolle und Aktenstücke vorliest um zu beweisen, wie er Löwenherz flehentlich gebeten habe, ihm seiii Ehrenwort zurückzugeben? Mit welchen gemeinen Schimpfworten, wie sie sonst nur der „Union" gegenüber gebraucht werden, wurde der .„alte Herr" und „Ehrenbursch" von seinen Kommilitonen belegt, weil er im jüdischnationalen Klub schüchtern zu äußern wagte, man möge den Vorschlag der „Union" annehmen und froh darüber sein, daß die Schande nicht „am Tage bloß" gehen müsse. Vor mehr als dreißig Jahren hätten solche Beleidigungen nach deutschem Brauchtum bei den jüdischnationalen Nichtassimilanten nur mit Blut abgewaschen werden können. Aber heute klappt der Präsident vor dem Terror des Löwenherz und seiner Kumpane zusammen. Er hatte es doch so leicht zu sagen: Zu so einem schmaclivollen Handel mit Ehrenämtern gebe ich mich nicht her, eher demissioniere ich. Nein, er nimmt leider die ganze Schuld an der Einbuße in der Ehre und im Ansehen der Israelitischen Kultusgemeinde auf sich und jammert nur in der camera jedem, der es hören will, vor: „Ich habe es nicht gewollt, ich war dagegen". Aber äußerlich, da tritt er für seinen Busenfreund Löwenherz mit dem Brustton der Ueberzeugung ein. da stimmt er und dirimiert er für ihn, wo er kann, da paktiert er sogar mit seinem besten Feind Stricker und macht ihn, wiewohl ihm davor „graust", zum Vizepräsidenten der ehrwürdigen Gemeinde. Aber die „Union" hätte den schmutzigen Handel mit öffentlichen Aemtern mitmachen, sie hätte C&FE FüIfWIItTÜ! PRATERSTRASSE 11 f Als modernes Familien-Cafe vollständig renoviert ihre Mandate aus so „nichtigem Vorwand" nicht zurücklegen dürfen; sie hätte sich gegen den schändlichen Vorgang bei der zuständigen Aufsichtsbehörde nicht beschweren dürfen, obwohl dieser Kampf gegen die jüdischnationale Korruption in der Kultusgemeinde mit allen gesetzlichen Mitteln von ihr rechtzeitig angekündigt war, das ist Denunziation, Verleumdung und weiß Gott, was an Schmutz in den Kübeln des jüdischnationalen Unrats noch enthalten ist. aber der schäbige Wucher mit den Würden und Aemtern der Gemeinde heißt bei den Jüdisch nationalen in ihrem Wahlaufruf „der Kampf um die jüdischen Recht e", „die Führung auf neuen verheißungsvollen Wegen", „die zielbewußte Ausgestaltung der Gemeind e", „der schwere Kampf um die Auton o m i e", während die „Union" meint, daß die Autonomie, die die Jüdischnationalen meinen, in Wahrheit nur die Alleinherrschaft des Amtsdirektors Löwenherz bedeutet. Das Lügen haben sich die Jüdischnationalen zur Gewohnheit gemacht. So behaupten sie kühn, wir hätten die Auflösung der Kultusgemeinde und die Einsetzung eines Regierungskommissärs verlangt. W i r haben unsere Eingabe an den Magistrat veröffentlicht, weil wir nichts zu verbergen haben und mit loyalen Waffen kämpfen. Jeder kann sich daher überzeugen, ob darin ein Wort von Auflösung der Gemeinde oder vom Regierungskommissär vorkommt. Wir haben nur Abhilfe verlangt gegen die Vergewaltigung, durch welche nur 17 von 36 Kultusvorstehern sich anmaßen, als Rumpfvorstand die Gemeinde schwer materiell und moralisch belastende Entscheidungen, wie die Bestellung des Doktor Löwenherz zum Amtsdirektor. zu treffen. Unsere Beschwerde wurde vom Magistrat zurückgewiesen auf Grund von „Erhebungen", die in einer schriftlichen Anfrage an die Gemeinde und in einer Antwort derselben bestanden. Was stand in dieser Antwort? Warum veröffentlicht nicht die judisch- Vollständig renoviert und vergrößert! aum i 2. Bezirk, Kleine Pfarrgasse 21, Tel. A 43-5-19 j Eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges I nationale Partei, pardon, die Gemeinde, diese Antwort? Nach der Art und Weise, wie diese Antwort zustande gekommen ist, können wir auf ihren Inhalt verzichten. Herr Präsident Friedmann hat sie in seiner Rechtsanwaltskanzlei seinem Schreibfräulein unter Klausur diktiert. Also nicht im Dienstwege durch die Kanzlei der Gemeinde ist die Anfrage des Magistrats ordnungsmäßig erledigt worden, nein, wie ein Alchimist hat Doktor Friedmann in seinem Privatlaboratorium die Antwort „löwenbeherzt" gebraut. An der Erledigung des Magistrats, die wir schon wegen der Merkwürdigkeit der „Erhebungen", Befragung des Beschuldigten, der nach allen Strafrechten die Rechtswohltat der Unwahrheit besitzt, vor dem Bundesgerichtshof angefochten haben, kann man die Friedmann'sche Frucht erkennen. Und auf einmal ist der „antisemitische Bürgermeister", wie er wiederholt vor Herablangen der ernstinstanzliclien Entscheidung genannt wurde, ein „ehrenwerter Mann", der der „Union" aus Sympathie für die Juden eine „Ohrfeige" gegeben hat. Auch den Bürgermeistern Schmitz, Lahr und Kresse dürften die Jüdischnationalen, die von Absonderung, Judenstaat in Palästina und Minoritätsrechten schwärmen, lieber sein, als d i e U n i o n isten, die von ihrer Gleichberechtigung nicht ein Jota aufgeben werden. Und nun muß die angebliche Einstellung der „Union" gegen den Zionismus, ihr „krankhafter Hall" gegen die zionistische Bewegung als Wahlschlager herhalten. Die „Union" und die „Unionisten" haben die Schaffung von Heimstätten in Palästina für heimatlose und religiöse Juden gefördert, bevor Theodor H e r z 1 noch das Licht der Welt erblickt hatte. In der Kultusgemeinde besteht ein lange vor dem Auftreten Herzls von Unionisten geschaffener Fonds für die Unterstützung der Auswanderung nach Palästina. Baron Hirsch und Rothschild, die die ersten Kolonien in Palästina schufen, waren vom jüdischnationalen und politischen Zionismus soweit entfern wie die „Union" und die Unionisten. Die Maske und der Mantel des Zionismus vermögen die jüdisch nationalen Defekte nicht zu decken. Die Welt und die Wiener Juden wissen — und das ist ein Verdienst der „Union" — welch sonderbare Spielart von Zionisten die Austrozionisten sind. In Zionismus „machen" sie nicht für sich selbst, sondern für andere Glaubensgenossen und durch ihren jüdischen Nationalismus in der Heimat schädigen sie die politische und bürgerliche Stellung der österreichischen Juden und treiben nur Wasser auf die Mühlen der Antisemiten ä la Kmischak, Czermak und der übrigen deutschnational betonten Freunde von der anderen „Nation". Die größte Kühnheit und der Versuch der Beschwßtzung und Vemeblung der Wähler liegt in der Behauptung, daß die „Union" es nicht vorgezogen habe, gegen die Korruptionswirtschaft in der Kultusgemeinde. wie sie sich in dem Fall Löwenherz besonders kraß und unverschämt ausdrückte, „a ii die jüdische Wählerschaft zu appellieren". Warum haben also die unionistischen Alandatare in der Kultusgemeinde, deren Zahl durch die Intrigen des Herrn Staatsrates Dr. Desider Friedmann von 15 auf 11 herabgesetzt wurde, ihre Mandate niedergelegt? Weil nach den Bestimmungen der Statuten Neuwahlen auszuschreiben sind, wenn die Zahl der Vorstandsmitglieder der Kultusgemeinde auf die Hälfte der ursprünglichen Zahl gesunken ist. Die ursprüngliche Zahl war 36, die Hälfte davon ist 18, wenn also die Zahl der Mandatare auf 18 sinkt, müssen Neuwahlen ausgeschrieben werden, und zwar innerhalb zweier Monate. Da die Gesamtzahl der Ende Dezember des Jahres 1935 vorhandenen Mitglieder des Kultusvorstandes 28 war. so mußte durch den Austritt der 11 Unionisten die Mandatszahl lauf 17, also unter die Hälfte, sinken. Die Jüdischnationalen haben zuerst den Dreh versucht, den Behörden weismachen zu wollen, daß die ursprüngliche Mandatszah! nicht 36, sondern Qaii J$uchs&

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