Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 41 (1.10.1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr.;41 -rl.:Qktober -1R36 DIE WAHRHEIT Deutsche Juden nach der Olympiade. Von einem Engländer, der gegenwärtig in Deutschland lebt, erhalten wir einen längeren Bericht — über London — den wir hier auszugsweise wiedergeben. Auf Wunsch des Berichterstatters kann weder die deutsche Großstadt, noch sonst irgend ein Name genannt werden. Ich wohne bei einer jüdischen Familie, und was die Stadt angeht, in der ich zurzeit bin, gelte ich dort als ein sozial Ausgestoßener! Man kann es sich einfach nicht vorstehen, welche Degradierung die Juden zu erdulden haben, und ich fange an zu begireifein, daß die Zivilisation hier nicht um einen Schritt vorwärts gekommen ist. Ueberau in der Stadt befinden sich jetzt nach der Olympiade wieder Anschriften, weiche die Juden beschimpfen und zum Boykott gegen sie aufrufen. Nach Möglichkeit werden diese Plakate gegen die „filzigen, gemeinen Parasiten" an Häuser befestigt, wo Juden wohnen. Ich wollte die Familie, bei der ich wohne, in meinem Auto mit nach Oesterrejch nehmen. Dasi güngi nicht, man hat allen Juden hier die Pässe gesperrt. Sie können nur dann einen Auslandspaß bekommen, wenn sie ein Dokument unterschreiben, daß sie Deutschland verlassen wollen, um niemals zurückzukommen. Die Geschichte dieser Familie seit 1933 ist eine Elendsgeschichte. Da sie früher wohlhabend war, findet sie sich mit dem Elend schwer ab. Der Vater, der Arzt war, ist gestorben. Der Tochter, die sehr begabt ist, wurde verboten, Musik- oder Sprachenuraterricht zu geben oder sonst eine Arbeit anzunehmen. Sie ist eine ausgezeichnete Reiterin und war als solche früher allgemein geschätzt. Sie darf nicht mehr ausreiten. Ich habe vor einiger Zeit versucht, mit ihr zusammen im Park zu reiten. Das Publikum rief ihr schmutzige, gemeine Redensarten nach und betrachtete mich wie ein© unsaubere Sache. Interessant ist, daß viele Nazis hier den Boykott gegen die Juden nicht mehr mitmachen. Aber sie reden kein Wort dazu. Ich komme häufiger mit einem Reitlehrer zusammen, der ein wütender Nazi war, und ich habe mehrfach über die Judenfrage mit ihm gesprochen. Er hat nicht den geringsten Haß mehr gegen die Juden, nachdem er gesehen, bis zu welchem schamlosen Ausmaß man die Dinge getrieben hat. Ich verbringe sehr viel Zeit damit um die arme, alte Frau, bei der ich wohne, ein bißchen aufzuheitern. Sie sagt, sie lebe immer nur von einem Tag zum andern, ohne zu wissen, wie es weitergehen wird. Alte Juden hier glauben, daß jetzt nach der Olympiade eine neue Terrorwclle gegen sie kommen wird. Die alte Frau hat völlig resigniert, sie sagt, daß der Tod eiu barmherziges Schicksal für sie wäre. Ich wiederhole, im Auslande kann man es sich nicht vorstellen, was diesen unglücklichen Manschen erdulden müssen, besonders an persönlichen Kränkungen, von denen nie auch nur eine Zeüe in die Zeitungen kommt." Die Nürnberger Reden: „Bin Gemisch von Lüge und Aufreizung" Das Americaäii Jewish Committec erließ eine vom Präsidenten Dr. Cyrus Adler und dem Vorsitzenden des Exekutiv-Komitees Sol M. Stroock unterzeichnete Erklärung, in der an Hand von zitierten Dokumenten den von Hitler, Rosenberg und Goebbels auf dem Nürnberger Parteitag der NSDAP aufgestellten Behauptungen, daß Judentum mit Kommunismus identisch sei, mit Entrüstung entgegengetreten wird. Herr Hitler, heißt es in der Erklärung, greift unter dem Deckmantel einer Attacke gegen den1 Kommunismus in Wahrheit die Demokratie und den Weltfrieden an; die Nürnberger Reden seien nichts anderes als ein Gemisch von Lügenhaftigkeit und Aufreizung. Orig. engl. u. franz. STO___ **uEeTtSn Tuchhaus Tabak im I., Salzgries 5 HERBST-NEUHEITEN für Damen und Herren zeitgemäß billig Von Wodke zu Wodke. Heulende Derwische. Auch für Juden, die sich nicht viel mit jüdischen Angelegenheiten befassen, ist der Versöhnungstag ein Tag des inneren Friedens, unter allen Umständen ein Tag, an dem alle Konflikte zwischen den Juden zu schweigen haben. Da sind die Zionisten ganz andere Kerle! In einem der größeren Tempel Wiens kam ein bekannter Jüdischnationaler — unbekannt bei welcher Gebetstelle — in Rage und erklärte mit routinierter Erregung, daß jeder Jude, der kein Zionist (gemeint ist natürlich jüdischnationaler Zionist) ist, „ein Schurke, ein Schuft, ein gemeiner Kerl sei!" Ob solche nach Wien verschlagene heulende Derwische für den Zionismus werben, ist fraglich. -* Der Tempel als Agitationsinkai. Es wäre kaum etwas über solche Exzesse zu sagen, würden die jüdischnationalen Zionisten jetzt nicht planmäßig mit dem Mißbrauch vieler kleiner Tempel für ihre Wählerbesprechungen einsetzen. Für die meisten Führer der Austrozionisten ist schon seit jeher die Religion „Privatsache" gewesen. Woher also sollte in solchen Menschen ein Gefühl für die Würde des Tempels leben? Man darf nicht zu viel verlangen . . . * Bei Strickers kein Jörn Kippur ohne „serbische Rostspezialität". Sie können eben nicht aus ihrem Dunstkreis heraus, aus diesem Dunstkreis des Reichenberger 2Jie MädUte thmmec junseces föCattes erscheint xun QouHez&taq., den 8. OfUa&ec [Sxhemud Azetetfi) Beisels, gesättigt mit Spanferkel und Schweinskarree. So leben sie, so essen sie und so machen sie natürlich — ihre Zeitung! Da liegt vor uns die Jörn Kippur-Nummer der „Neuen Welt" von Robert Stricker. Seite 5: Neben einem tief gefühlten Gedicht von Alfred Werner „Am Versöhnungstag" steht die große Eröffnungsanzeige des Woja Radenkovic, der seine serbischen Rostspezialitäten ankündigt. Jeder bessere austrozionistische Führer und Unterführer weiß natürlich, daß diese serbische Rostspezialität „Spanferkel am Rost" bedeutet . . . Welche übereinstimmende Meinung haben die Herren Woja Radenkovic und Robert Stricker von den Lesern der „Neuen Welt", da sie ihnen als versöhnlichen und verheißungsvollen Ausklang des Jörn Kippur Spanferkel am Rost ankündigen. Arabische Methoden. Aber weit über diese kulinarischen Liebhabereien der austrozionistischen Führer geht es hinaus, daß — und hier hat der Protest der „Union eingesetzt — als Wahllokale für die kommenden Gemeindewahlen Lokale mit ausgesprochenem jüdischnationalen Charakter bestimmt wurden, so z. B. das zionistische Sektionslokal im Prater und für einige Sprengel der Bezirke VIII/IX das Lokal der jüdischnationalen Judäa . . . Das sind arabische Methoden, die hier nicht durchdringen werden . . . Die glücklichste Judengemeinde der Welt. Wer in den letzten Monaten in der Bibliothek der Wiener Kultusgemeinde zu tun hatte, konnte bemerken, daß in diesem öffentlichen Lokal der jüdischen Gemeinde naturgemäß auch Sammelbüchsen aufgestellt sind, aber es gibt dort nur eine Wohltat (ürjeden ohne Badezimmer 1 ohne Badeofen! ohne Abflußrohr! Eine praktische, billige und vollkommene Badegelegenheit IStetilC hjag-Badewanne mit od. ohne Gasheizung und Entleerapparat Verlangen Sie Prospekt B 14 von i. A. JOHN Aktiengesellschaft, Wien XX., Pater Abelplatz 12, Tal. A 41-2-30 oder besuchen Sie unsere Stadtniederlage Wian VIII., Lanaaaaa&e «3, Tel. B-4S 2 SO einzige Art von Sammelbüchsen, die für den Keren Kajemeth! Sollten dort noch andere vorhanden sein, dann sind sie eben sehr diskret angebracht. Gewiß darf in keinem öffentlichen Lokal der Wiener Kultusgemeinde auch die Büchse für den Keren Kajemeth fehlen, aber neben diesen haben die Wiener Juden auch Büchsen für ihre anderen Institutionen, für die jüdischen Blinden, die jüdischen Waisen, die jüdischen Kranken Wiens. Oder haben alle Wiener Juden nur die alleinige und ausschließliche Sorge für den Keren Kajemeth? Gehört auch diese Willkür nicht zu den arabischen Methoden, die man hier einführen will? * Besser ein gesunder Präsident als ein verletzter Held? Als Begleitmusik zum Abmarsch der neuen englischen Division für Palästina, die die Juden im zionistischen Palästina zu schützen hat, wurden in London Flugzettel mit der Beschimpfung „Dirty Jews!" (Schmutzige Juden) verteilt, in denen den Juden vorgeworfen wurde, daß die englischen Soldaten ihr Blut für sie vergießen müßten, während sie selbst sich feige verstecken. Jedermann weiß, wie ungerechtfertigt dieser Vorwurf ist — soweit die jüdische Masse, vor allem die jüdische Jugend Palästinas in Frage kommt. Die Welt aber will wenigstens eine Geste sehen und wer wäre zu einer solchen Geste mehr verpflichtet als die jüdischnationalen zionistischen Führer? Nur einem einzigen zionistischen Führer — Jabotinsky — verwehren die Engländer die Einreise nach Palästina, aber unsere „Führer" Löwenherz, Friedmann, Stricker, Ehrlich, Grünbaum usw. hätten sie nicht, statt den Sommer im kühlen, sichern Oesterreich zu verbringen, ein paar Wochen als Touristen im heißen, unsichern Palästina, dem Land ihrer Träume, verleben können? Hätten sie nicht in der Stunde höchster Gefahr für die von ihnen Geführten gerade bei ihnen sein sollen? Hätten die österreichischen oder die anderen jüdischnationalen Führer ein solches Beispiel gegeben, eine solche Geste getan, könnte man die Flugblätter „Dirty Jews" ruhiger ertragen. Da sie es selbst sagen .... Aus dem unzufriedenen Bericht der ,J^euen Welt" Strickers über die Züricher Tagung des Zionistischen Aktionskomitees: „Bei der Proklamierung der neuen Geldaktion ist es lebendig geworden. Da wollte man alle hören. Das Klingen der Geldtassen ermuntert und ermutigt." Ja, wenn abgesammelt wird ... So urteilt der Judenstaatszionist Stricker über den Majoritätszionisten Friedmann. Es geht nichts über Offenheit. Spectator. 1-2 STUDENTINNEN halber Pension in bürgerlichem Hause aufgenommen. Zuschriften unter: „Familienanschluß" an die Administration des Blattes. werden in ganzer oder