Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 41 (1.10.1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 41 — 1. Oktober 1936 Seite 3 PaBäslinafragen vor dem Völkerbundsrat. In der Sitzung am Samstag, dem1 26. September, abends schritt der Völkerbundsrat zur Behandlung der Mandate. In der Hauptsache wurden das französisch© Mandat in Syrien, das jetzt liquidiert wird, und das englische Mandat in Palästina behandelt. Der Vertreter Frankreichs im Völkerbundsrat erstattete Bericht über das Abkommen zWischern Frankreich und Syrien, wonach das französische Mandat liquidiert wird und Syrien Unabhängigkeit erlangt. Im Verlauf der Debatte begrüßte der türkische Außenminister Ruschdi Aras Frankreichs Entschluß, Syrien die Freiheit zu geben, rühmte die Erfolge der französischen Mandatsverwaltung und wies darauf hin, daß England, welches Irak die Unabhängigkeit gegeben habe, mit gutem Beispiel vorangegangen war; es handle sich um wichtige Präzedenzfälle, die sich auf die Gestaltung der Zukunft der übrigen Mandatsländer positiv auswirken werden. Zu Beginn der Palästinaaussprache im Völkerbumdsrat gab der britische Außenminister Anthony Eden eine eingehende Erklärung ab, in der er Entstehen und Verlauf der Unruhen im Mandatsland Palästina schilderte und auf den Beschluß der englischen Regierung hinwies, eine Königliche Kommission mit Lord Peel an der Spitze nach Palästina zu entsenden, die an Ort und Stelle die Ursachen und die Folgen der Unruhen studieren, die Wünsche und Beschwerden der Juden und Araber, soweit sie sich auf das Funktionieren des Mandats beziehen, entgegennehmen und der Regierung Vorschläge machen soll. Die Kommission werde auch Mittel und Wege suchen, wie das ganze Verhältnis zwischen Arabern und Juden auf eine gesündere Basis zu stellen sei. Leider aber — so fuhr Minister Eden fort — könne er den Zeitpunkt der Abreise der Kgl. Kommission nicht genau angeben, da die Unruhen in Palästina fortdauern. Die Unruhen erfordern immer neue Menschenopfer. Das könne nicht so weiter gehen. Die englische Regierung habe eingesehen, daß ein rascher Eingriff not tue, und habe militärische Maßnahmen von einer Art ergriffen, die es wohl möglich machen werde, daß die Arbeit der Kommission bald beginnen und in Ruhe geführt werden könnte. Nach Eden sprach der Berichterstatter der Mandatskommission des Völkerbundes, der darauf hinwies, daß die Mandatskommission am 27. Oktober zusammentreten werde und den Wunsch hege, bis dahin einen Bericht der Königlichen Kommission zu erhalten. Da nun die Unruhen fortdauern und die Entsendung der Kommission sich verzögert, sei die Besorgnis gerechtfertigt, daß die Mandatskommission bei ihrem Zusammentreten keine hinreichenden Erklärung en werde erhalten können. In seiner Antwort gab Minister Eden die Erklärung ab, daß die Sorgen Palästinas gleichzeitig die Sorgen Englands seien und daß sich England seiner Verantwortung bewußt sei. Zum Schluß ermächtigte der Völkerbundsrat die Mandatskommission, jederzeit einen Bericht von deT englischen Mandatarmacht zu verlangen. Militärische Vollmachten in Palästina. Aul Grund einer am 26. September in Balmoral Castle abgehaltenen Konferenz des Geheimen Staatsrates ist Dienstag abends eine Kabinetts-Ordre veröffentlicht worden, die es dem Oberkommissär gestattet, den kommandierenden General der Streitkräfte in Palästina die Vollmacht zu übertragen, Anordnungen zurGewährleistung der Sicherheit und der Verteidigung Palästinas zu treffen. Der Oberkommissär wird im Einvernehmen mit General Dill den Augenblick bestimmen, an dem die neue Proklamation veröffentlicht werden soll, die notwendig ist, um dem Oberkommandanten die in der Kabinetts-Ordre vorgesehenen Vollmachten zu übertragen. Die neue Ordre wird als wirksames Mittel angesehen, der gegenwärtigen Lage in Palästina zu begegnen. Der Appell der Araberkönige. Dem Londoner „Daily Telegraph" zufolge ist der Vertreter König Ibn Sauds, Scheik Kemel Ouassab. aus Kairo nach Jerusalem zurückgekehrt, um einen Appell zu überbringen, auf den sich die vier arabischen Könige, nämlich 1 b n Saud, König Q h a z i von Irak, der Imam J o h i a von Jemen und Emir Abdullah von Transjordanien, geeinigt haben. Dieser Appell soll die Aufforderung an die palästinensischen Araber enthalten, den Streik einzustellen. Auch Genf soll durch den Außenminister von Irak, Nissim Pascha, ständig auf dem laufenden gehalten worden sein. Die Araber glauben, daß die Intervention der Könige auf Versicherungen beruht, daß von britischer Seite eine Suspendierung der Einwanderung und eine Amnestie geplant sei. -lÄto Restaurant Stefanie ISO II., TaborstraO« 12 Hugo ii. Julie Herlinger, geb. 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Ihr hörtet sogar am geheiligten Orte Aus Gottes Mund selbst die zehn ewigen Worte. Sah't das Volk das verheissene Land betreten, Sah't Richter, Könige und Propheten. Ihr sähet leiden, kämpfen und siegen, Sah't den Mächt'gcn dem Schwachen unterliegen. In herrlichen Liedern und Psalmenweisen Ihr hörtet Gott danken und ihn preisen. Sah't Paläste und Tempel statt Hütten ersteh'n. Sah't sündigen, ach! und untergeim. Ihr lieben Sternlein, sehet auch heut" Auf eurer Reise viel Länder und Leu'.'. Ihr sehet der Menschen Ringen und Müh'n, Seh't der Liebe und auch des Hasses Glüh'n. Ihr sehet in Zion die Brüder in Not, Von Feinden verfolgt, am Leben bedroht. Flch't, Sternlein, um Frieden aus Schöpiers Hand Für Zion, unser gelobtes Land. Flora G r ii n w a 1 d. Pension Eckstein am Semmering bleibt in der Zeit vom 1. Oktober bis 15. Dezember wegen vollständiger Renovierung des bekannten Hauses geschlossen. (schwimmen gehen, eine Seereise machen). Keine Meinungsverschiedenheit kann über „mauscheln" bestehen; zweifellos hat es seine Herkunit vom hebräischen Möschen (Moses) ebenso wie „Mauschel", ein Schimpfname für Jude. Die meisten dieser Worte haben einen verächtlichen Sinn und kommen, wie z. B. auch Schmus und schmusen (vom hebräischen schmuo Gerede), im Rotwelsch vor, in der Gauner- und Bettiersprache. Der Anteil des Hebräischen an diesem Idiom dürfte die folgenden zwei Gründe haben. Die verachteten, sozial tief gestellten Juden waren als Auswürflinge der Gesellschaft meist auf die niedrigen Stufen der zigeunernden „Schnorrer" verwiesen, die den „Mauschel" als ihresgleichen ansahen und daher auch bei seiner Sprache Anleihen machten. AuGerdem ist die rotwelsche Mundart ein Mischmasch aus verdorbenen Sprachbrocken „fahrender Leute" ohne Unterschied der Rasse und der Religion. Zusammen mit den nicht seßhaften Juden finden sich da Studenten („fahrende" Schüler), Handwerksburschen, Soldaten, Schiffer, „fliegende" Händler Zigeuner, Bettler, Vagabunden usw. Daher hat sich Ave-Lallemant, ein hervorragender Sachverständiger auf diesem Dialektgebiete, folgendermaßen geäußert: „Die Annahme einer besonderen jüdischen Gaunersprache, die es ebensowenig gibt wie ein besonders jüdisches Gaunertum, ist eine nur durch Unwissenheit veranlaßte Verwechslung und Gleichsetzung des jüdisch-deutschen Dialektes mit der Gaunersprache, einer durchaus deutschen Vokssprache, die ihren Zufluß aus allen deutschen Mundarten und, je nach der mehr oder minder starken Berührung und Vermischung der verschiedenen verbrecherischen Elemente unter einander, aus fremden Sprachtypen empfangen hat." Darüber, daß sich darin auch „jiddische" Wendungen finden, darf man sich nicht ^wundern, und daraus einen Rückschluß auf die jüdische Moral zu ziehen, ist schon deshalb unberechtigt, weil in der gaunerdeutschen ebenso wie in der hochdeutschen Sprache die meisten Worte zur Kennzeichnung verwerflicher Handlungen und strafbarer Personen ohne irgendeine Beziehung zum Hebräischen oder Jiddischen entstanden sind. Worte aus dem jüdisch-deutschen Jargon können nur dann Beispiele für mein Thema sein, wenn sich Einwirkungen und das gehobene Deutsch auf die Schriftsprache, feststellen lassen. Das ist u. a. auch bei dem wiederum kriminalistischen Worte „Kassiber" möglich: es entwickelte sich aus dem jüdischen kossaw schreiben. Ein Kassiber ist ja die heimlich geschriebene Verständigung eines Gefangenen mit der Außenwelt. Auch kapores ist der Judensprache entnommen; das Muster dafür ist der hebräische Plural kapparot die Sünhopfer. Man dreht sich Hähne als Sühnopfer um den Kopf. Ich habe mich bei diesem vulgären, mundartlichen Wort aufgehalten, weil Jean Paul und Bürger es in ihrer Dichtersprache benutzen, bei gebauchen den Ausdruck ..kapores gehen" im Sinne von „kaput gehen". -----. »«•^jr-; - Es handelte sieh bei manchen meiner Beispiele um Benennungen ordinärer und frivoler Vorgänge, um Schuld und Sühne. Das ist nicht befremdlich; denn in einer Landstreichersprache müssen natürlich die Bezeichnungen unedler Dinge um den Mittelpunkt des Interesses kreisen. Das nicht kriminell angekränkelte Sprachgut hebräischen Ursprungs erscheint in der gehobenen deutschen Umgangs- und Schriftsprache durt, wo es ohne den Umweg über das entstellende Rotwelsch unmittelbar aus der Bibel herkommt. Ich gehe hier nicht aui die vielen biblischen Redewendungen ein, die „geflügelte Worte" geworden sind und beweisen, wie tief das Alte Testament auch in nichtjüdischen Gedankenkreisen eingewurzelt ist, sondern ich beschränke mich auf Sach- und Eigennamen, die als hebräische Spuren in der Spruche der Deutschen und anderer Kulturvölker deutlich erkennbar sind. Es seien nur die folgenden erwähnt: Schibboleth („Aehre" als Losungswort) Menetekel (Warnungsruf), Tohuwabohu („wüst und leer", Wirrwarr), Eden (Lust, Wonne; Garten, Paradies), Ninircd (1. Moses 109: „ein gewaltiger Jäger vor dem Herin. wie Nimrod), Mammon, Rotte Korah (Polterer und Schreier). Jeremiade, Hiobspost. Uriasbriet, Kainszeichen, Sodom und Gomorrha, Cherub, Satan (Widersacher), Beelzebub (eigentlich .Fliegenfürst"), Pharisäer, Krethi und Plethi (Kreter und Philister1 in Davids Leibwache, Gesindel), Philister, Leviten.