Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 41 (1.10.1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 41 — 1. Oktober 1936 Seite? GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE HR. 19 FILIALE! XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für Koscherfleisch unter Aufsicht das ehrw. Rabbinates der Isp. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsonen von ausschließlich Prima-Qualiiät zu den billigsten Marktpreisen Schalom Asch gegen Jabotinsky. Wir haben in unserer letzten Nummer den energischen Protest veröffentlicht, den die J ü d ische Demokratische Volkspartei in Polen gegen die von Jabotinsky neuestens in diesem Lande betriebene „Evakuierungspropaganda" erhob. Nun meldet sich auch der bekannte Dichter Schalom Asch mit einem geharnischtem Protest gegen diesen phantastischen, nur den polraschen Antisemiten überaus willkommenen Plan. Er schreibt u. a.: „Die Vorstellung allein, man könne die Juden wie eine Herde einwaggonieren und irgendwo hinführen, ist für die menschliche Würde des Juden schwer beleidigend. Das bedeutet, daß man zu uns als Menschen und Bürger keinen Respekt hat.' Wenn das die Antisemiten aus dem „Czas" tun, so ist das auch sehr empörend. Wie groß ist aber der Schmerz, wenn Juden selbst kommen und in diesen Chor einstimmen. Sind wir eine wandernde Horde, die mit ihren Zelten jeden Tag den Ort wechselt? Sind wir nicht hier bodenständig, genau so wie alle anderen Bewohner Polens? Sind tausend Jahre zu wenig dazu? Sind wir nicht, wie alle anderen Bürger dieses Landes, mit der polnischen Wirklichkeit fest verbunden, haben wir nicht hier an dem Bau der Städte mitgearbeitet und Industrien geschaffen?" Semeindeihronift. Tempelbesuch des jugoslawischen Gesandten. Anläßlich der jüdischen Feiertage stattete der jugoslawische Gesandte und bevollmächtigte Minister in Wien, Exzellenz Georg Nastasievic, dem Tempel des Verbandes der sephardischen Israeliten einen Besuch ab, um der hiesigen jugoslawischen Kolonie jüdischen Glaubens gleichwie in den Vorjahren seine Glückwünsche auszusprechen. Bei dieser Gelegenheit wurde auf Veranlassung der jugoslawischen jüdischen Kolonie eine Trauerandacht zum Gedächtnis König Alexander Karageorgievic' abgehalten. Israelitisch-Theologische Lehranstalt in Wien. Das Kuratorium der Israel. Theolog. Lehranstalt hat den: seit dem Ableben des Rektors Hofrat Dr. Schwarz als Vorsitzender des Professorenkollegiums fungierenden Herrn Professor Doktor Samuel Krauss, welcher seit drei Jahrzehnten an dieser Anstalt wirkt, zum Rektor der Lehranstalt ernannt. Bei diesem Anlasse hat das Kuratorium dem ebenfalls an der Lehranstalt seit 28 Jahren tätigen Herrn Professor Dr. Vigdor .Apto witzer in Würdigung seiner hervorragenden wissenschaftlichen Tätigkeit und seiner großen Verdienste um die Lehranstalt auf mündlichem und schrifdichem Wege seinen besonderen Dank zum Ausdrucke gebracht. Predigten am Laubhütfenfesf. Am Vorabend und am ersten Hauptieiertag des Laubhüttenfestes werden in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: Mittwoch, den 30. d. M. (Beginn des Gottesdienstes 17,30 Uhr): III. Untere Viaduktgasse 13, Rabbiner Doktor K. Kupfer, IX. Müllnergasse 21, Rabbiner Doktor A. Z. Schwarz. Donnerstag, den 1. Oktober (Beginn des Gottesdienstes 8 Uhr): I. Seitenstettengasse 4, Rabbiner Dr. J. M. Bach; II. Tempelgasse 5, Oberrabbiner Dr. J. Tag Ii cht; V. Siebenbrunnengasse 1 a, Rabbiner Dr. M. G. Mehrer; VI. Schmalzhofgasse 3. Rabbiner Dr J. Drobinsky: VIII. Neudeggergasse Nr. 12, Rabbiner Dr. M. Bauer; X. Humboldtgasse27, Rabbiner Dr. A. Weiner: XIII. Eitelbergergasse 22, Rabbiner Dr. M. Lewin, XV. Turnergasse 22, Dozent Dr. H. J. Zimmels; XVI. Hubergasse 8. Rabbinatskanditat A. Bad ler; XVIII.. Schopenhauerstraße 39, Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz; XX. Kluckygasse II. Rabbiner Dr. B. Murmelstein; XXI. Holzmeistergasse 12, Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Personalnachricht. Der Bundespräsident hat dem Herausgeber des „Neuen Wiener Journals" Oskar Loewenstein das Ritterkreuz erster Klasse des österreichischen Verdienstordens verliehen. Oskat Loewenstein ist Mitbegründer des ..Neuen Wiener Journals", das er in Gemeinschaft mit seinem verstorbenen Freunde Jakob L i p p o w i t z ins Leben gerufen hat. Er hat seit dieser Zeit stets maßgebenden Einfluß auf die Geschicke des „Neuen Wiener Journals" und auf seine politische Richtung genommen. Sein liebenswürdiges Wesenl, seine Noblesse und Herzensgute und nicht zuletzt seine philanthropische Tätigkeit haben Oskar Loewenstein in allen Kreisen der Wiener Gesellschaft zahlreiche Freunde verschafft, welche die Ehrung, die ihm nun seitens des Bundespräsidenten und der Bundesregierung zuteil ««worden ist. mit großer Sympathie begrüßen. Der Chef des österreichischen Bundespressedienstes, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister Eduard L u dw i g hat persönlich die Auszeichnung Oskar Loewenstein mit herzlichen Glückwünschen überreicht. Die besten Eisen WirslibI SelAwai ib 3 mal täglich frisch bei lft6Eh, WiBB II., Pnursirüe 33 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— auhv. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Die jüdische Handelsschule veranstaltet aas Anlaß des am 22. IX. begonnenen Unterrichts am ia. Oktober 1936. im groOen Festsaal des Hotel Bayrischer Hof eine Große Eröffnungsfeier Progr. Einweihung Oberrabb. Dr. Isr. Taglicht, Herr Oberkantor Frankel mit dem Chor des polnischen Tempels. Festreden: Staatsrat Dr. Des. Friedmann, Rabbiner Dr. K. Kupfer u a Künstlerischer Teil: Fritz Grönbauin u. a. F.intrittskarten in der Direktion II., Taborstraße 3!», bis längstens 7. Oktober erhältlich. Todestall. Dienstag, den 22. September starb hier Frau Anna Landau, die Mutter des Präsidenten des Polnischen Tempels und Kulturvorstehers Dr. Leo Landau, nach langem, schweren Leiden. Die Verblichene, welche einem alten jüdischen Geschlechte entstammt und die Tochter eines in der jüdischen Welt allseits anerkannten großen Talmudgelehrten war. wurde am 24. September unter starker Anteilnahme beim I. Tor des Zentralfriedhofes zur ewigen Ruhe bestattet. Die meisten jüdischen Bethausvereine und humanitären Anstalten, in welchen Herr Dr. Landau den Intentionen seiner verblichenen Mutter gemäß wirkt, sandten Deputationen zum Begräbnis. Oberkantor Frankel versah die kantoralen Funktionen ergreifend. Oberrabbiner Dr. T a g l i c h t hielt der Verblichenen einen warmen Nachruf, in dem er insbesondere ihren religiösen und wohltätigen Sinn rühmte. Nach ihm sprach im Namen der Polnischen Schule Vizepräsident l n t r a t e r und zum Schlüsse im Namen der Freunde der Familie Bibliotheksdirektor M. Rat h tiefempfundene Worte des Gedenkens. Im Beth-Hamidrasch „Ohel Awrohom", IX., Griinentorgasse 28, wird „Schemini Azereth", 8. Oktober 19,36. wegen Maskir um 6 Uhr früh und um halb 9 Uhr vorm. gebetet und bittet der Vorstand um recht zahlreichen Besuch. Praktisches Englisch für Auswanderer. Den Interessen vieler Auswanderungswilliger entgegenkommend, hat die Volkshochschule. Wien, Volksheim, II.. Zirkusgasse 48, im vergangenen Schuljahre einen englischen Sprachkurs für Auswanderer in ihren Lehrplan aufgenommen. Die von der Kursleiterin Eugenie Feldmann den praktischen Bedürfnissen angepaßte Lehrmethode hat sich bestens bewährt, und den Kursteilnehmern die notwendigen und gewünschten Sprachkanntnisse vermittelt Der Kurs wird heuer fortgesetzt und findet jeden Mittwoch von 19 bis 21 Uhr an der Volkshochschule Leopoldstadt II., Zirkusgasse 48. statt. Schmncknng you Gruiten and Gräbern LeopoldDßutsciiJienXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhoi I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhoi IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Haltaren Wiener Bet Hamidrasch. Wien II- Tempelgasse 3 Vorlesunsen im Wintersemester 1936/37 (5697) Sonntag 5—6 Uhr: Rektor Dr. Krauss: Geschichte der jüdischen Gemeinden. 6—7 Uhr: Rektor Doktor Krauss: Mebo Hatalmud. Montag 6—7 Uhr: Rektor Dr. Krauss: Geschichte der jüdischen Gemeinden. 7—8 Uhr: Rabb. Zikier: Arnos. Dienstag, 6—7 Uhr: Rabb. Zikier: Mischne Thora, I. Buch. 7—8 Uhr: Oberrabb. Dr. Taglicht: Aus der jüdischen Religionsphilosophie. Mittwoch 6—7 Uhr: Rabb. Dr. Rose a marin: En Jakob (Sanhedrin). 7—8 Uhr: Rabb. Lektor Doktor Rubin: Midrasch. Donnerstag 6—7 Uhr: Rabb. Dr. Rosen mann: Sprüche Salomos. 7—8 Uhr: Rabb. Lekter Doktot Rubin: Talmud Megilla. Samstag 11—12 Uhr: Rektor Dr. Krauss: Mebo Hatalmud. 4—5 Uhr: Rabb. Lektor Dr. Rubin: Bibe' vortrag. Die feierliche Eröffnung des Wintersemesters findet Sonntag, den 11. Oktober, um halb 7 Uhr abends. im kleinen Tempel, II.. Tempelgas.se 3 statt und w rd durch einen Vortrag des Herrn Rabb. Lektor Doktor Rubin über „Der Totenkultus der Aegvpter und die Bibel" eingeleitet. Der Vorstand- Ernst Vogel m. p. Dr. Jakob Ornstcin m. p. Schriftführer Präsident Maimonides-Institut, Wien IL, Praterstraüe 11 (Leitung: III., Obere Weißgärberstraße 24). Die Eröiinung des Wintersemesters findet Samstag, den 1». Oktober, 4 Uhr nachmittags, im Hörsaale, Ii., Praterstraße II, durch einen Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. A. Kaminka statt. Die Vorlesungen werden weiter wie folgt gehalten werden: jeden Montag, Rabbiner Dr. M. Bauer, 0 bis 7 Uhr. En Jakob: 7 bis 8 Uhr Albo's Religionssystem: jeden Dienstag, 6 bis 7 Uhr. Dr. Sal. Rappaport. Midras, 7 bis S Uhr Aus Geschichte und Literatur: jeden Mittwoch, Rabbiner M. Zikier, 6 bis 7 Uhr, Aboth des R. Nathan: 7 bis 8 Uhr Rambani; jeden Donnerstag, Rabbiner Dr. A. Kaminka, 6 bis 7 Uhr, Die Bücher Samuel: 7 bis 8 Uhr More Nebuchin: jeden Samstag, 4 Uhr. Vortrag im Anschluß an die Sidra. Jiunst und Siteratm. Konzert jüdischer Lieder. Jüdischer Liederabend J. Segal-Rosenbach, Konzert- und Radiosänger (Tenor) Samstag, 3. Oktober 1936, halb 9 Uhr abends im Konzertsaal „Post", I.. Fleischmarkt 24. Am Klavier: Lili Riegler. Mitwirkend: Gesamtchor des Wiener Jüdischen Gesangvereines. Dirigent: Dr. Kurt Pahlen. Am Klavier: Kapellm. Rudolf Beck. J. Segal-Rosenbach bringt auch u. a. mehrere neue, in Wien noch nicht gehörte Gesänge. Eintrittskarten: Von 80 g bis S 2.—. Kartenvorverkauf: Jüdische Kulturstelle, Wien I., Franz Josefs-Kai 3, Tel. R 2S-2-36. In der Ankündigung „Jüdisches Festbuch" in Nr. 4ii der „Wahrheit" ist durch ein technisches Versehen der Name des Verfassers der angeführten Beiträge Chanukka, Purim, Rosch Chodesch, Lag Beomer. Beschneidungs-, Hochzeits-, Trauerbräuehe usw.. Dr. Max G r u n w a 1 d, ausgefallen. „Visionen des Prinzen Assir-Scnaltiel. Sohn des Königs Jechonja und Juda." Ein rekonstruiertes hebräisches Buch aus der alten Prophetenzeit (verfaßt im sechsten vorchristl. Jahrh.). Im Verlag „Dvir" in Tel Aviv ist soeben in Prachtvoller Ausstattung ein Buch erschienen, das ein einzigartiges Schicksal in der Literatur des Altertums hatte und in seinem zum erstenmal von Dr. A. K am i n k a auf Grund minutiöser wissenschaftlicher Forschungen wiederhergestellten Urtexte eine Bereicherung des klassischen althebräischen Sehriittums darstellt. Es handelt sich um das Apokryphen-Werk. das bis jetzt lateinisch unter dem Titel „Liber Esdrae Öuartus", bei den griechischen Kirchenvätern als „Prophet Esra" bekannt war. von dessen hebräischen Urtext schon im Altertum keine Spur geblieben war, während von einer griechischen Uebersetzung nur einzelne Zitate aus dem zweiten Jahrhundert erhalten sind. Die ganz erhaltenen alten Uebersetzungen. eine lateinische, eine syrische, eine armenische, eine arabische unC eine äthiopische, strotzen von krassen Fehlern, die zumeist durch Mißverständnis des hebräischen Urtextes