Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 40 (25.9.1936)
- Date
- 1936-09-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 40 — 25. September 1936 Seite 3 be- Ihre. sich smäß weimilünne und und disti- [tiähtut. ^^OTcii^0i2eii£o£^J an dieser istigen indem imt. In fänger ig aus fragt, rs, die raels", ht. Die eit im g von Spen- :n, der ärspürt stillen? 'astenn Fest tgefühl ne und welke gleichet ist. Fasten en die sfreude Herbst :h eine eich- ihren ier zur;n Arm ifhören. in Volk Wie die „J. T. A." meldet, ist am Mittwoch im 75. Lebensjahre der Bürgermeister von Tel Aviv Meir Dizengoff, eine der populärsten Persönlichkeiten des jüdischen Palästina und Gründer von Tel Aviv, an einer schweren Lungenentzündung gestorben. Die Nachricht hat im Jischuw, der den Verewigten überaus verehrte, größte Trauer ausgelöst Der energische und tatkräftige Mann konnte auf eine reiche, oft abenteuerliche Vergangenheit zurückblicken. 1861 in Akimowzi, Bessarabien, geboren, war Dizengoff zuerst in der russischrevolutionären Bewegung tätig, schloß sich dann unter dem Eindruck von Pinskers „Autoemanzipation" den Chowewe-Zion und später dem politischen Zionismus an. 1893 zog en im Auftrage Rothschilds nach Palästina und gründete in Tantura, in der Nähe von Haifa, eine Glasfabrik, 1897 kehrte er nach Odessa zurück, wo er in den Vorstand der Chowewe-Zion gewählt wurde. 1905 machte er auf seiner zweiten Palästinareise bei Jaffa die ersten Bodenkäufe für „Geulla" und die „Achusat bajith" und Heß sich sodann endgültig in Palästina nieder. Dizengoff gehörte zu den Hauptinitiatoren der Gesellschaft „Achdut bajith", die 1906 geschaffen wurde, um eine rein jüdische Siedlung ins Leben zu rufen und die im selben Jah r den Grundstein legte, auf dem späterhin Tel-Awiw aufgebaut wurde. Seit dem Bestehen der Stadt war Dizengoff dort Bürgermeister. Er war auch Präsident der Logen des Ordens B'nei Brith in Tel-Awiw, sowie Vizepräsident de* Großloge von Palästina und seit 1928 belgischer Konsul in Tel-Awiw. Während des Weltkrieges trat er mit großer Energie dem türkischen Oberbefehlshaber in Palästina, Dschemal Pascha, gegenüber, weshalb er des Landes verwiesen wurde. Nach der Eroberung Palästinas durch die Engländer übernahm er neuerlich das Bürgermeisteramt von Tel-Awiw. Die höchsten Ehren der Bevölkerung wurden ihm S" jüngst bei den feierlichen Eröffnung des neuen Hafens von Tel-Awiw, dessen Bau wie die Gründung der Stadt auf seine Initiative zurückzuführen ist, zuteil. Eine der letzten politischen Taten Dizengoffs war sein sensationeller Offener Brief an den High Commissionär Wauchope. „Ich frage diejenigen, die uns heute regieren", sagte Dizengoff in diesem Briefe, „was sie mit ihrer Politik bezwecken wollen? Wollen sie die jüdische Einwanderung stoppen und schämen sie sich, dies offen einzugestehen? Die Juden sind in das Land gekommen im Vertrauen auf die Rechte, die man ihnen gab, und auf den Schutz, den ihnen die Mandatarmacht England zugesichert hat. Wenn Ihr nun nicht fähig seid, Leben, Eigentum und Ehre derjenigen zu schützen, die eurem Wort vertrauen, so gebt das offen zu. Die Durchführung der Balfour-Deklaration und des vom Völkerbund verbürgten Mandats habt Ihr Kolonialbeamten anvertraut, die Gegner der Idee des Jüdischen Nationalheims sind. Wollt Ihr mit dieser Politik fortfahren, so schreibt an die Tore Palästinas die Warnung: „Ihr Juden, die Ihr das Jüdische Nationalheim in Palästina für euer Volk aufzubauen wünscht, laßt alle Hoffnungen fahren!" Worauf freu'n sich die Leute am Sonntag? Auf den „Morgen" mit dem „Blauen Montag"! Kein Tag ohne Kaffee Trinken Sie Meinl-Kaffee! Gegen Jabotinskys „Evakuierungspropaganda* Die Exekutive der Jüdischen Demokratischen Volkspartei (Folkisten) in Polen hat eine scharfe Resolution gegen die von der Neu-Zionistischen Organisation unter Führung Wladimir Jabotinskys betriebene „E v akuierungspropagand-ä" gefaßt. In der Entschließung heißt es: In Anbetracht dessen, daß diese Aktion dazu angetan ist, die öffentliche Meinung zu desorganisieren, und auf die jüdischen Rechte in Polen sich verhängnisvoll auswirken kann, hält es die Exekutive der Jüdischen Demokratischen Volkspartei für ihre Pflicht, festzustellen, daß 1. keine jüdische Gruppe die Revisionisten bevollmächtigt hat, irgend welche phantastische, nicht durchdachte und schädliche Pläne einer „jüdischen Evakuierung" aus Polen vorzulegen; 2. die jüngste revisionistische Aktion in ihren Grundlagen nicht aufrichtig ist, da sie die polnische öffentliche Meinung und maßgebende Kreise durch den seltsamen Plan, die Judenfrage in Polen durch Evakuierung zu lösen, irreführt; Restaurant Stefanie HW II., TaberstraB« 19 Hugo u. Julie Her Unser, geb. Zellner Bekannt gute Küche, gepflegte Getränke, aufmerksamste Bedienung, zeitgemäße Preise, reichhaltige billige Menüs, sowie alle Spezialitäten, schöner schattiger Garten 3. das Jabotinsky-Projekt auch dadurch schädlich ist, daß es bei den jüdischen Massen die Illusion erwecken kann, als könnte nur Massenauswanderung aus Polen zu normalen Beziehungen zu der polnischen Bevölkerung führen und als sei jeder Kampf um unsere vollständige Gleichberechtigung auf politischem, nationalem und wirtschaftlichem Gebiet von vornherein zum Mißerfolg verurteilt, überflüssig und hoffnungslos. Die Jüdische Demokratische Volkspartei, die auf dem Standpunkt steht, daß das polnische Judentum durch Schweiß und Blut, durch generationslange Arbeit den Anspruch auf vollständige Gleichberechtigung erworben hat und daß niemand das Recht des polnischen Judentums auf Existenz, Arbeit und Brot in seiner Heimat in Frage stellen kann, bringt ihren schärfsten Protest gegen das Auftreten Herrn Jabotinskys zum Ausdruck, durch das die nationaldemokratische Judenfeindschaft und die Bestrebungen, die Juden in Polen um jeden Preis los zu werden, neue Nahrung finden. Die Jüdische Demokratische Volkspartei in Polen brandmarkt aufs schärfste die revisionistische Aktion, die in vollständigem Widerspruch zu den Interessen der jüdischen Massen steht, und fordert diese auf, den Kampf um ihr Lebens- und Existenzrecht mit hartnäckiger Ausdauer fortzuführen. Sie bringt die Ueberzeugung zum Ausdruck, daß alle demokratisch und staatstreu denkenden Teile der polnischen Gesellschaft das unverantwortliche Vorgehen der Revisionisten nach Gebühr einschätzen werden. Alter und neuer Terrltorlallsmus. Von Frank Warschauer. jüdischer Hochschulausschuß, IX* Alserstraße 26. ewährte Hofmeister, Hauslehrer für alle M'ittelschulypen mit Kenntnissen fremder Sprachen, Hebräischlehret sowie Uebersetzer für hebräisch, englisch, französisch, polnisch, russisch, vermittelt prompt und unentgeltlich der Jüdische Hochschulausschuß, Wien IX., Alserstraße 26, Tel. A 25-2-28. Territorialismus war einmal eine Schicksalsfrage der zionistischen Organisation. Im Jahre 1903 hatte der englische Kolonialminister Josef Chamberlain den Vorschlag gemacht, Uganda in Britisch-Ostairika für eine autonome jüdische Siedlung zur Verfügung zu stellen. Es war das erste Mal, daß sich eine Gelegenheit ergab, eine jüdische Heimstätte großen Stils zu schaffen, wenn auch nicht auf jüdischem Boden. Dieser Vorschlag hatte zur Folge, daß sich in der zionistischen Organisation der schärfste Konflikt ergab, den sie seit ihrer Gründung durchmachen mußte. Im Grunde handelte es sich um Imponderabilien, welche die westlichen Delegierten nicht im entferntesten als so schwerwiegend empfanden wie die östlichea Auf dem Charkower Kongreß forderten die Ostjuden unter der Führung von Ussischkin nicht nur die definitive Ablehnung des Projektes, sondern sie verlangten auch, daß Herzl überhaupt niemals mehr Pläne vorlegen sollte, die nicht Palästina beträfen. Als sie auf dem siebenten Kongreß gesiegt hatten, der mit großer Mehrheit jede kolonisatorische Tätigkeit außerhalb Palästinas und seiner Nachbarländer ablehnte, trat ein Teil der Minorität aus der zionistischen Organisation aus und begründete unter der Führung von Israel Z a n g w i 11 die „ J e w i s h Territorial Organisation", deren Programm war: „ein Territorium auf autonomer Basis für diejenigen Juden zu finden, die in den Ländern, in denen sie jetzt leben, nicht bleiben können oder wollen". Die ,Ito" wie sie abgekürzt genannt wurde, verhandelte über Konzessionen in Mesopotamien, Galveston in Texas, Portugiesisch-Angola, aber sie konnte keine praktischen Erfolge erzielen. Nach der Balfourdektaration erklärte sie sich zur Mitarbeit am Aufbau Palästinas bereit. 1925 wurde sie aufgelöst. Zehn Jahre später aber tauchen die Gedanken, von denen ihre Gründer erfüllt waren, wieder auf, werden wieder umkämpft, wieder höhnisch abgewiesen — und doch steht bereits ein großer Teil der Bemühungen, die Emigration der deutschen und der östlichen Juden zu organisieren, in ihrem Zeichen. Man kann an dieser Frage unter allen Umständen nur praktisch herangehen. Wer auf dem Standpunkt steht, daß man um einer nationalen oder sozialen Ideologie willen Massen jüdischer Menschen zu Grunde gehen lassen kann, mit dem ist keine Diskussion möglich. Als die Territorialisten ihre Pläne formulierten, waren die Juden in einer Situation, die heute relativ günstig erscheint. Wenn auch Hunderttausende zumal in Rußland und Rumänien gezwungen waren, das Land, das sie bisher bewohnt hatten, zu verlassen, so standen doch ihrer Emigration keine Hindernisse im Wege. Auf der einen Seite verbot man ihnen nicht, auszuwandern, und auf der andern Seite fanden sie in den meisten Ländern, die für sie in Betracht kamen, weit geöffnete Tore. Nach Angabe von Lestschinsky wanderten von 1880 bis 1914 aus Osteuropa nicht weniger als drei Millionen Juden aus, davon kamen mehr als zwei Millionen in die Vereinigten Staaten. Im Oanzen verließen Europa in den Jahren 1830 bis 1930 vier Millionen Juden. Davon kamen nach Nord- und Süd-Amerika zusammen 3,28 Millionen, darunter 175.000 nach Argentinien und 130.000 nach Kanada. Als die Vereinigten Staaten die Einwanderung unmöglich machten, bildeten sich außerdem an vielen Sellen in Süd- und Mittelamerika, in Chile, Paraguay, Uruguay, Venezuela „jüdische Inseln". Bis zum Kriege stieg die jüdische Emigrationswelle dauernd an; im Durchschnitt verließen in den