Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 39 (16.9.1936)
- Date
- 1936-09-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 39 — 16. September 1936 DIE WAHRHEIT Die Ereignisse in Palästina. i f Unterredung Wauchopes mit arabischen und jüdischen Führern. High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat den Großmufti Haj Amin el Husseini zu einer Unterredung geladen. Es heißt, der High Commissioner habe im Laufe des Gesprächs bemerkt, es würde bald eine Neuwahl des Obersten MosJernitischen Rates notwendig werden. Damit soll er dem Mufti seine bevorstehende Absetzung angedeutet haben. Nach dem Mufti empfing der High Commissioner den Führer der Arabischen Verteidigungspartei, Ragheb Bey Nashashibi, und den Leiter des Streikkomitees, Auni Bey Abdul Hadi. Eine Beratung des Obersten Arabischen Ausschusses wurde bis zur Beendigung der Unterredung des High Commissioner mit den arabischen Führern unterbrochen. Die Regierung hält den Verlauf der 'Aussprachen streng geheim. Nachdem der Oberste Arabische Ausschuß beschlossen hat, die Parole zur Fortsetzung des Streiks auszugeben, erhielten, wie verlautet, der Mufti Haj Amin el Husseini und der Führer der sogenannten arabischen Freiheitsparte5, Ragheb Bey Nashashibi von der Regierung die ernste Warnung, » der ihnen Deportation aus Paläsitina angedroht wird, falls die Streikparole nicht zurückgezogen und der Terror nicht eingestellt wird. Nach den Gesprächen mit den arabischen Führern empfing der High Commissioner den Leiter des politischen Departements der Palästinaexekutive, Mosche Shertok. Die Unterredung dauerte eine Stunde. Wetzmann zu Verhandlungen bereit mit den Arabern In einer Zuschrift an die „Times" erklärt der Präsident der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann, er habe am 1. September dem Kolonienminister Ormsby-Gore mitgeteilt, die jüdischen Führer seien jederzeit bereit, sich in einer unter der Leitung der englischen Regierung stehenden Konferenz mit den arabischen Führern über die bestehenden Differenzen auszusprechen. Wieder zwei jüdische Tote. Am vergangenen Freitag morgen wurden in einem Orangenhain südlich von' Ramleh zwei jüdische Arbeiter erschossen aufgefunden. Sie wurden das Opfer eines nächtlichen Feuerüberfalls auf die Plantage seitens arabischer Schützen. Damit erhöht sich die Zahl der jüdischen Toten seit Beginn der Unruhen auf 87. Wie später festgestellt wurde, waren bei der Erschießung der zwei jüdischen) Arbeiter auch Lockspitzel am Werke. Die im Orangenhain arbeitenden Juden wurden von draußen, jenseits des Zauns, mit Namen angerufen. Sie glaubten, daß Bekannte sie sprechen wollen, und kamen an den Zaun heran, woraufhin sich ein Kugelregen über sie ergoß und sie auf der Stelle getötet wurden. Offenbar waren ehemalige arabische Plantagenarbeiter, die die jüdischen Arbeiter kannten, mit im Komplott. 343 Tote, 2% Millionen Pfund Sachschaden und Verluste. Eine Bilanz der nun seit 22 Wochen andauernden Unruhen in Palästina ergibt ein erschreckendes Bild des durch arabischen Terror und Vandalismus verursachten Verlustes an Menschenleben und der Vernichtung von Werten. Es wurden seit Beginn der Unruhen bis 8. September — wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur zuverlässig mitgeteilt wird — 34 Engländer. 84 Juden und 225 Araber getötet. Verwundet wurden 144 Engländer, 276 Juden und 640 Araber. In- Die besten Eisea Hirslib! Selfevarei 3 mal täglich frisch bei HELM LMM*8 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. zwischen haben sich die Verluste an Menschenleben weiter erhöht. 250.000 Bäume wurden ausgerodet, in 280 Fällen Brandstiftungen verübt, 48 Brücken gesprengt, in 300 Fällen Telephonleitungen durchschnitten, 32 Zugentgleisungen hierbeigeführt und 130 Sabotageakte anderer Art verübt. Die Verluste der Regierung werden auf 450.000 Pfund geschätzt In, 28 Fällen wurden Kollektivstrafen verhängt, die eine Gesamthöhe von 18.000 Pfund erreichten. Die der jüdischen Siedlung Achusa Herbert Samuel auferlegte Strafe ist hiebei nicht eingerechnet. In elf Ortscliaften wurde der Ausnahmezustand verkündet. Die Versicherungsgesellschaften schätzen den Schaden, den die Juden unmittelbar und mittelbar durch die Unruhen erlitten haben, auf 1% Millionen Pfund, den der Araber auf 800.000 Pfund. 420 Araber wurden in' Konzentrationslager gebracht, 2000 verhaftet. Von diesen wurden 40 Prozent auf Grund der Notverordnungen abgeurteilt 130 Bomben sind zur Explosion gebracht worden, 400, darunter die zum Versand nach Tel Awiw bestimmten Höllenmaschinen, wurden beschlagnahmt. Ferner sind bei Arabern 35 Tonnen Gewehre, Revolver, Munition und Sprengstoff gefunden worden. fe Lage der Juden in Schweden. Die judenieindüche Propaganda in Schweden geht hauptsächlich von den Nationalsozialisten aus; es herrschen jedoch besonders in den äußersten Rechtskreisen seit jeher gewisse antisemitische Ansichten, denen es zuzuschreiben ist, daß heute ein Teil der schwedischkonservativen Elemente zwar nicht die Judenpolitik Hitlers der Form nach billigt, sich aber doch gesinnungsmäßig den antijüdischen Strömungen der Zeit zuneigt und sich tatsächlich einreden läßt, daß die Ausscheidung der Juden aus dem deutschen Volke als die Notwehr eines Gastgebers gegenüber einem Gaste aufzufassen sei. Man darf also den schwedischen Antisemitismus nicht nur bei den nationalsozialistischen Parteien Schwedens suchen. Die Zahl der Antisemiten in Schweden ist, an der Gesamtzahl der Bevölkerung gemessen, sehr klein. Im schwedischen Abgeordnetenhaus, dem Reichstag, ist noch kein einziges Mandat in nationalsozialistischen Händen; eine parteimäßige Vertretung des Antisemitismus ist im Parlament noch nicht vorhanden. Wohl aber ist dies der Fall in den gewählten Körperschaften der Kommunalverwaltung; hier ist es in einigen Provinzorten den Nationalsozialisten gelungen, einigen ihrer Leute zu Wahlerfolgen zu verhelfen. Immerhin sind auch diese Erfolge auf dem Gebiet der Kommunalwahlen bis jetzt noch klein: der bedeutendste unter diesen Erfolgen ist der Gewinn zweier Sitze von den insgesamt sechzig Sitzen im Stadtparlament von Gothenburg. Vorläufig ist es noch sehr fraglich, ob eine der drei nebeneinander existierenden nationalsozialistischen Parteien bei den kommenden Herbstwahlen für die Zweite Kammer des Reichstages ein Mandat erobern wird, das hängt zum Teil von Wahlbündnissen und Wahlabmachungen ab, die gegenwärtig noch schweben. Es dürfte sich da aber um höchstens einen einzigen nationalsozialistischen Abgeordneten der Hauptstadt Stockholm handeln. Die Methoden der Nationalsozialisten in Schweden gleichen in weitestgehendem Maße ihrem deutschen Vorbild aus der Zeit vor der Machtergreifung Hitlers. Man hält in Schweden die Nationalsozialisten allgemein für ziemlich ungefährlich und läßt sie deshalb das deutsche Spiel mehr oder weniger ungestört treiben. Es ist ihnen zwar gesetzlich verboten, die politischen Uniformen truppweise zu tragen, aber sie wissen dieses Verbot gut zu umgehen. Daß der schwedische nationalsozialistische Antisemitismus eine genaue Kopie des deutschen nationalsozialistischen Antisemitismus ist, das erkennt man schon aus den unzähligen Einzelheiten und Kleinigkeiten, die er nachahmt. Die ganze Ideologie, die ganze Gesinnung, alle praktischen Aeußerungen sind dem deutschen Original nachgebildet. Die schwedischen Nationalsozialisten bemühen sich lediglich, durch einige wenige Aenderungen dem von ihnen übernommenen, in Deutschland schon als erfolgreich erprobten Programm einen einheimischen Anstrich zu geben. Dies ist ihnen bis heute völlig mißlungen, weil die deutschen Verhältnisse sich in keiner Weise auf die schwedische Volksgemeinschaft übertragen lassen. Das dürfte auch die stichhaltigste Erklärung für die geringen bisherigen Erfolge der schwedischen Nazi sein. Den meisten Schweden ist es völlig klar, daß jenes Programm, welches das deutsche Volk auf sein derzeitiges sittliches und kulturelles Niveau herabgezwungen hat, weder des schwedischen Volkes würdig wäre, noch sich mit dem aus ältester Zeit stammenden Freiheitsgefühlen des einzelnen Schweden vereinigen ließe. Neben diesem durch Jahrhunderte gepflegten und behüteten Freiheitsideal, das die Denk- und Handlungsfreiheit jedes schwedischen Staatsbürgers, ob er Christ oder Jude ist, unbedingt hochhält, ist aber auch die geringe Anzahl der schwedischen Juden ein Erklärungsgrund dafür, daß der nationalsozialistische Antisemitismus sich unter den Schweden bis jetzt nicht ausbreiten konnte. Auch ist ihnen die streicherhafte Art der wöchentlich erscheinenden Naziblätter, von denen es nicht weniger als sechs gibt, zuwider. Die Lügenpropaganda dieser antisemitischen Blätter ist derart grotesk, daß es selbst dem Einfältigsten einleuchten muß, daß die Darstellungen zu 99 Prozent Erzeugnisse einer Haßphantasie sind. Die oben erwähnten nicht-nationalsozialistischen Antisemiten aus den Rechtskreisen halten und lesen diese Zeitungen nicht. Sie entnehmen statt dessen gewissen nur halb judenfeindliohen großen Zeitungen den „feineren" Antisemitismus, der ihnen zusagt. In keinem anderen nordischen Lande stehen die nationalsozialistischen antijüdischen Flugblätter auf einer so niedrigen Stufe wie in Schweden. Ihr Text und ihre Zeichnungen geben dem Leser gleich das Empfinden, daß sie nirgendwo anders als in der geistigen Nachbarschaft der Redaktion des „Stürmer" verfaßt sein können; und das dürfte auch der Fall sein, denn aus sich selbst heraus können schwedische Nationalsozialisten wohl kaum eine derartige Pornographie hervorbringen. Drei nationalsozialistische Parteien gibt es zur Zeit in Schweden. Die Bewegung ist also reichlich zersplittert; nur im Judenhaß sind sich die drei Parteien ziemlich einig. Im übrigen gibt die Spaltung dem schwedischen Nationalsozialismus ein besonders verworrenes Gepräge. Es fehlt ihm auch an gesellschaftlich geachteten Führern. Dieser Mangel wird stark bemerkt und er wird als Grund dafür betrachtet, daß es der Bewegung an innerer Kraft und Konzentration fehlt Der Streit, den die verschiedenen Führer untereinander auskämpfen, hält gleichfalls viele Schweden ab, sich einem dieser Demagogen anzuschließen. Nur was den Antisemitismus betrifft, sind alle drei sich bekämpfenden Gruppen als ein einheitlicher Block zu betrachten. Jeder Nazi vertritt einen betonten Judenhaß. Die großen Massen des Volkes zeigen aber für die Aeußerungen des Judenhasses wenig Interesse. In weiten Kreisen des großen Landes haben die Leute überhaupt nie einen Juden gesehen. Das bringt aber gerade die Gefahr mit sich, daß viele Schweden de Juden nur durch die antisemitischen Blätter kennenlernen und ihn nach den Lügen, die sie dort antreffen, einschützen. Aber das schwedische Reich befindet sich finanziell wie sozial in einer guten Stellung, das Volk ist überwiegend liberal, und die verhältnismäßig wenigen Juden des Landes haben in den Augen aller rechtlich denkenden Schweden so viel für ihr Land geleistet und waren ihrem Lande immer so treu, daß die meisten Schweden glauben, daß der Judenhaß selbst mit deutscher Unterstützung hier nicht ausschlaggebend werden kann. Kareski abgesägt. Auf der kürzlich stattgehabten Reichstagung det Kulturbünde wurde mit Billigung Hinkeis eine neue Exekutive des Reichsverbandes der jüdischen Kulturbünde, bestehend aus Dr. Kurt Singer als Präsidenten, ferner aus Dr. Benno Cohn, Dr. Max Wiener und Dr. Werner Levie eingesetzt. Als eine Sensation hat es gewirkt, daß Georg K a r e s k i, der Führer der Staatszionisten (Revisionisten) in Deutschland, der seinerzeit von H'inkel, ohne daß die jüdischen Kreise befragt wurden, an die Spitze der Kulturbünde berufen wurde, auf der Liste der neuen Exekutive fehlt.