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Die Wahrheit · 1936-09-11 · Heft 38 (11.9.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 38 (11.9.1936)
Date
1936-09-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 38 — 11. September 1936. Seite 5 Restaurant Stefanie -.: I&D II., TaborstraBe 12 An unsere 9. J. Bezieher f Jene £5*. <F. iOezieAev unser« Reifung, die mit «fem £3eg feien der lOezu^efiiinr im (fliit&~ stände sind, werden geßeten, die fattige ©e- 6ünr /reundlicnst zu fi6ein>ei$en. 3>ie Jldminisftan'on. verschiedensten Formen angenommen hat und in manchen Staaten Gottlob überhaupt nicht existiert. Und was an Aktionen unternommen werden kann, um der Judennnot hier und dort zu steuern, geschieht ohnedies in dankenswert reichlichem Maße von Seiten der bereits bestehenden Organisationen, die, den jeweiligen Erfordernissen ent- Der Hochkommissar für die deutschen Flüchtlinge beim Völkerbund bereitet eine Aktion vor, durch die jenen Emigranten, welche keine gültigen Pässe besitzen oder deren reichsdeutsche Pässe nicht mehr erneuert werden, „Identitätszertiiikate" verschafft werden sollen. Es handelt sich nun darum, einen Ueberblick darüber zu bekommen, wieviele Emigranten solcher Ausweispapiere bedürfen. Es werden daher alle in Wien wohnhaften Deutschlandemigranten, deren deutscher Reisepaß bereits abgelaufen ist oder im Jahre 1936 abläuft, ersucht, ihre Daten der Fürsorgezentrale der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien L, Seitenstettengasse 2, sofort mitzuteilen. Jene Deutschlandemigranten, die überhaupt Mehr als vier Monate dauern nun schon die Unruhen in Palästina. Vier Monate — und kein Tag, an dem nicht Todesopfer zu beklagen wären. Ueberfälle, Bombenwürfe, Marde aus dem Hinterhalt, mit Mitteln ausgeführt, die das Zeitalter der technischen Segnungen einem rasend gewordenen Nationalismus in die Hand gegeben haben. Der in der „Stund e" vom 29. d. M. publizierte Brief eines Wieners, der auf einer Baustelle in Jerusalem arbeitet, läßt in der knappen Form einer erschütternden Aufzählung sichtbar werden, wie sehr der Mord auf offener Straße zum Alltag geworden ist. Der Bericht beginnt mit der Schilderung eines Vorfalles Ende Juli. inziöe Jüdische nandelssdiule Kaufmännische Wirtschaftsschule für Knaben und Mädchen. Unterricht nach dem normalen Lehrplan der Handelsschulen. > Wien I Im TaborstraBe 39 Telephon Nr. A 45-6-57 Aufnahme in der Direktionskanzlei; An Werktagen, auBer Samstag, von 10 bis 12 und 3 bis 5 Prospekte gratis Erstkl. Lehrkräfte „Ein europäisch gekleideter Mann spricht einen altersgebückten Juden an und fragt ihn nach der Tageszeit. Während der Alte nach semer Uhr greift, zieht der Frager einen Revolver aus der Tasche und schießt den Mann nieder. Zeit: halb 12 Uhr mittags. : Tags darauf höre ich um 1 Uhr mittags, ungefähr 150 Meter vom meinem Arbeitsplatz entfernt, einen Revolverschuß und sehe, wie ein Mann in der Richtung zum Araberviertel davonläuft. Ich verlasse meinen Arbeitsplatz und laufe in die Richtung der Schußdetonation. Mitten auf der Straße liegt ein etwa 60jähriger Mann mit einem Kopfschuß. Mit einem Auto bringen wir den Schwerverletzten ins Spital, wo er eine halbe Stunde, später stirbt, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Zur Tür eines jüdischen Siedlungshauses kommen zwei Araber und bitten um einen Trunk frischen Wassers. Als der Siedler ihnen den gefüllten Krug mit beiden Händen entgegenhält, schießen sie ihn nfeder. Er ist schwer verletzt. 14. August. Zwei Arabelr schießen durch das offenstehende Fenster eines jüdischen Siedlungshauses am Tiberia-See in eine Wohnung. Die Hausmsasseln werfen sich zu Boden. Einer der Araber schleudert eine Bombe durchs offene Fenster. Der Vater und zwei Kinder sind tot, zwei Kinder schwier und; die.Mutter leicht verletzt Tags sprechend, teils regional arbeiten, teils aber, wo dies zweckmäßig erscheint, die Juden der ganzen Welt heranziehen. Neben diesen Organisationen und Einrichtungen hat ein sogenannter Weltkongreß keinen Platz und er kann nicht rasch genug das Feld räumen, um nicht noch mehr Unheil und Verwirrung zu stiften. keinen Paß haben, mögen dies ebenfalls der Kultusgemeinde schriftlich mitteilen und gleichzeitig angeben, aus welchem Grunde sie keine Dokumente besitzen. Der Hochkommissär legt weiters Wert darauf, zu erfahren, wie viele deutsche Flüchtlinge in den einzelnen europäischen Ländern weilen. Jene in Oesterreich weilenden jüdischen Emigranten, die bisher bei der Kultusgemeinde Wien nicht registriert wurden, sowie jene, die seit mehr als einem Jahre daselbst nicht vorgesprochen haben, werden ersucht, Namen, Adresse, Staatsangehörigkeit, Beruf, Geburtsdaten und eventuelle Auswanderungswiinsche schriftlich bekanntzugeben. in Palästina. darauf stirbt eines der zwei schwerverletzten Kinder.*) Am gleichen Tag findet ein Autobus auf derr. Weg nach Haifa die Straße durch Steine versperrt. Als die Passagiere aussteigen, um beim Wegräumen des Hindernisses zu helfen, werden sie von allen Seiten unter Feuer genommen. Drei Männer und ©ine Frau werden getötet. 15. August. Auf dem Strand von Tel-Aviv finden Badegäste um halb 12 Uhr mittags zwei Höllenmaschiircen und können sie unschädlich machen. Die Uhren sind auf 12 Uhr eingesteht, für jene Zeit, in der Zehntausende von Gäster. auf dem Strand sind. 16. August. Der aus Haifa kommende Zug passiert um 12 Uhr mittags einen Bahnschranken in der Herzlstraße von Jerusalem. Hinter dem geschlossenen Schranken steht eine Menge von Leuten. Plötzlich wirft ein Araber aus dem fahrenden Zug eine Bombe in die Menge und gleichzeitig werden aus einem Coupefenster mehrere Schüsse abgegeben. Ein achtjähriges Kind ist! tot, elf Personen sind schwer, neun leicht verletzt. Am gleichen Tag: Ein Auto fährt aus Tel- Aviv in eine der Kolonien und wird auf offener Straße beschossen. Der Chauffeur ist auf der Stelle tot, das führerlose Auto stürzt über die Böschung, überschlägt sich Und zwei Mitreisende werden schwer verletzt. Seit Wochen ist das jetzt so. Schüsse bei Tag und Nacht, manchmal 2wei und drei Stunden lang. Sie alarmieren uns nicht mehr. Wir haben zum Glück Eisenladen vor unseren, Fenstern und Türen, so daß wir zu Hause nicht im unmittelbarer Gefahr sind. Man ist auch schon abgestumpft. Wir nehmen Nachrichten von Ueberfällen in anderen Kolonien mit einem Gleichmut! hin, über den wir hinterher erschrecken. 16. August, 10 Uhr nachts. In unmittelbarer Nähe wird wieder geschossen. Gewehr- und Maschinengewehrfeuer. Was werden wir morgen hören?" * : Eine Greisin schreibt an den High Commissioner. Die Schwiegermutter des in Safed ermordeten Alter Unger und Großmutter seiner gleichfalls ermordeten drei Kinder, Ella Lipschiz, die bei dem Angriff auf das Haus Ungers ebenfalls verletzt wurde und einen Nerveazusairunen- *) Siehe den untenstehenden erschütternden Brief einer Greisin an den High Commissioner. Hugo u. Julie Herlinger, geb. Zöllner Bekannt gute Küche, gepflegte Getränke, aufmerksamste Bedienung, zeitgemäße Preise, reichhaltige billige Menüs, sowie alle Spezialitäten, scliöner schattiger Garten brach erlitt, hat sich nun etwas erholt und hat an den High Commissioner General Sir Arthur Wauchope ein Schreiben gerichtet, in welchem sie ausführt: „Haben Eure Erzellenz wirklich nicht genug Macht, um das Leben friedlicher Bürger, die die Gesetze achten, zu schützen, und ist in diesem Lande auch das unschuldige Kind Freiwild? Als die Mörder in unser Haus eindrangen, meinen Schwiegersohn und zwei seiner Kinder eirmordeten, warf ich eine Decke auf das dritte und letzte Kind und setzta mich davor, um es zu beschützen, der Mörder aber schoß auf mich, riß mich zur Seite, zerrte die schützende Decke vom Kind und erschoß es vor meinen Augen und vqr den Augen der unglücklichen Mutter, die unablässig flehte, man möge ihr wenigstens ein Kind lassen. Eure Erzellenz haben als General gewiß schon genug Blut gesehen; aber haben Eure Exzellenz schon gesehen, wie man das Blut des Kindes in der Wiege, des Säuglings in der Mutter Schoß vergießt? Wenn nicht, so kommt nach Safed in die dunklen Gassen, ich führe Euch in eine kleine armselige Stube, und Ihr werdet das Blut von Märtyrern sehen, das Blut reiner unschuldiger Kinder, welches von Mördern und durch die Schuld der englischen Großmacht vergossen wurde. Vielleicht, wenn Ihr das sehen werdet, werdet Ihr mit einer einzigen Handbewegung dem Morden Einhalt gebieten, und die heilige Erde wird nicht mehr das Blut Unschuldiger trinken, Kinder werden nicht mehr ihre Eltern und Eltern nicht mehr ihre Kinder beweinen, und im Lande der Propheten wird Frieda herrschen." SEMMEIRDIMCh Pension HIRSCH, Fürsten hol Zu den Herbstfeiertagen geöffnet. Gottesdienst. Mäßige Preise. Christliche Bewegung in Polen gegen den Antisemitismus. In Lodz, einem der Hauptzentren des Judenhasses in Polen, ist nach dem Muster der Harrand-Bewegung in Oesterreich eine christliche Bewegung gegen den Judenhaß entstanden, die von Studenten, Arbeitern und Geistlichen getragen wird. Die Bewegung gibt ein Wochenblatt heraus, das den Titel „Der freie Mensch" führt. In der ersten Nummer veröffentlicht u. a. der bekannte Lemberger Gelehrte Prof. Zaderecki, der ein Werk über den Talmud geschrieben und die Unwissenheit judenfeindlicher Talmudautoritäten vom Schlage eines Pater Trzeciak öffentlich gebrandmarkt hat, einen Aufsatz, in dem er die wahren Absichten der Judenfeinde enthüllt Ungeachtet heftigster Gegenpropagandader nationaldemokratischen Kreise, die die Führer der neuen Bewegung und die Herausgeber des Wochenblatteis mit Drohbriefen überschütten, gelingt es dem neuen Gedanken, in weiteren Schichten und vielen anderen Städten und Ortschaften Fuß zu fassen. In der israelitischen Kinderbewabranstalt. IL, SchilSamtsgasse 15. findet, wie alljährlich, so auch heuer, diesmal in den neurenovierten Räumen, anläßlich der Hohen Feiertage, ein feierlicher Gottesdienst statt. Karten sind im Sekretariat erhältlich. Telephon A 45-0-79. Unsere geschätzten Leser werden auf die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat!) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher, diese antiquarisch zu sehr ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbücherei eröffnet Gebühr 10 g pro Tag. Keine Nebeogebühren!: Für Anfragen Telephon R 41-4-20. Ausweispapiere für Emigranten. Der Mltag des JKotdens

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