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Die Wahrheit · 1936-09-11 · Heft 38 (11.9.1936) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 38 (11.9.1936)
Date
1936-09-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 38 — 11. September 1936. DIE WAHRHEIT DIE WA loniailänder der schöpferischen Kraft des jüdischen Intellekts und des jüdischen Erwerbsfleißes willig zugänglich gemacht hätte und offen erhalten wollte. Das rückhaltlose Bekenntnis der Mandatarmacht zu diesem unbeirrbaren Willen ist für uns Juden eine freudige Sensation, die sich um so eindrucksvoller auswirkt, je pessimistischer wir, wenig verwöhnt von unserer Umwelt, die Entwicklung der Dinge noch vor ganz kurzer Zeit verfolgt hatten. Es gibt wohl kaum einen Juden auf der Welt, der nicht — er gehöre welcher Partei immer an — diesen jähen Stimmungswechsel mit ganzer Seele miterlebt hätte, und so bildete auch die gesamte jüdische Presse mit ihrer publizistischen Stellungnahme zu den Vorgängen in Palästina eine — wie man glauben mußte — unverkennbare Einheitsfront. Es gehört schon der Schuldkomplex eines schlechten Gewissens dazu, wenn von jü- Caf€ Pension Echstcin Semmering dischnationaler Seite unserem Blatte — Schadenfreude-Jiber die Bedrohung der „jüdischen Heimstätte"' vorgeworfen wird . . . Als uns die ersten Hiobsbotschaften aus dem Dritten Reiche ereilten, als der Nationalsozialismus mit brutalster Rücksichtslosigkeit daran ging, die jüdische Assimilation, die auch den inneren und äußeren Habitus der deutschen Zionistenführer unverkennbar gestaltet hatte, in Dissimilation rückzubilden, da tönte in das allgemeine Entsetzen das Hohngelächter der Jüdischnationalen über die „Niederlage des Mknikri-Judentums". Das war Schadenfreude! Denn welche Beweiskraft hat schon ein Sieg äußerer Gewalt über innere Weltanschauungen? Hat etwa der unseren Ahnen als Schimpf aufgezwungene gelbe Fleck die Freudigkeit und den Stolz ihres Bekenntnisses zum Judentum beeinträchtigt? Ebensowenig können die nationalsozialistischen Enunziationen den deutschbewußten Juden ihre tiefinnerliche Verbundenheit mit dem Deutschtum rauben, mag Dr. Goebbels noch so viele Federn — einschließlich der des jüdischnationalen Führers Kareski — in den Dienst dieses Raubes stellen. Uns wäre es niemals eingefallen, einen Sieg des arabischen Terrors mit kindischer Schadenfreude als Argument gegen die Berechtigung des Zionismus zu werten. Wir dürfen uns daher heute auch das Recht vorbehalten, die äußerliche Wendung zum Guten in bezug auf Palästina nicht als Argument gegen die Berechtigung unserer Bedenken gegen die jüdischnationale Politik gelten zu lassen. Beweist sie doch im Gegenteil gerade, wie recht wir hatten! Wir haben trotz unserer Ablehnung des jüdischen Nationalismus, der zwangsläufig den arabischen Nationalismus zur Abwehr auf den Plan rief, niemals ein Hehl aus unserer aufrichtigen Sympathie mit dem jüdischen Aufbauwerke in Palästina gemacht, aber stets davor gewarnt, alles auf diese eine Karte zu setzen und sie keinesfalls jüdischnational und politisch zu illustrieren. Der arabische Terror hat der jüdischen Heimstätte den Charakter eines trauten Heimes geraubt. Glaubt man, daß die militärischen Gegenmaßregeln, zu denen England jetzt greift, die Lage gemütlicher gestalten werden? Schon hat der Groß-Mufti von Rasiere Dich gn( und billig Oesterrcichisciies uuallläls faDrlhal Ueberau erhältlich Cafe Freiwirth PRATERSTRASSE 11 Als modernes Familien-Cafe vollständig renoviert Jerusalem die arabische Jugend zum Heiligen Krieg gegen die Mandatsmacht aufgerufen. Auf Bajonetten kann man bekanntlich nicht sitzen, aber auch zwischen Bajonetten, die gegen einander losgehen, ist wenig Raum für friedlichen Aufbau. Konstruktive Auswanderungsolitik. Nicht nur Palästina, sondern auch andere Heimstätten für heimatslose Glaubensgenossen. Da ist im P h i l o - V e r l a g in Berlin jüngst eine Schrift von Max Apt erschienen, die allen Glaubensgenossen, aber insbesondere den jüdischnationalen palästinensischen Judenstaatlera zur Lektüre besonders empfohlen ist. Nach einer kurzen Einleitung, welche die Geschichte der großen Ansiedlungsprojekte der Juden behandelt und in Erinnerung ruft, daß sowohl die Vorgänger Theodor Herzls. wie er selbst, zuerst und nicht ausschließlich an Palästina als Kolonisationsgebiet für „Juden, die sich nicht assimilieren können oder wollen" gedacht haben, sondern an Amerika (Dr. Leon P i n s k e r, 1882) an Argentinien und Uganda (Theodor Herzl, 1896 und 1903). weil „Palästina nur die Wiege des Volkes" sei und „die Gottesidee und die Bibel das alte Vaterland zum heiligen Land gemacht hätten und nicht etwa Jerusalem oder der Jordan" (Dr. Leo Pinsker), kommt der Verfasser auf die historische Tatsache zu sprechen, daß zwar auf dem 7. Zianistenkongreß im Jahre 1905 die Begründung einer Heimstätte für die Juden in Uganda abgelehnt wurde, jedoch eine große Minderheit sofort erklärte, nicht in der Lage zu sein, die Verantwortung für einen so schwerwiegenden Beschluß zu tragen. Aus der Mitte der Kongreßmitglieder wurde an Ort und Stelle der jüdisch-territorialistische Organisation gebildet, an deren Spitze der jüdisch-englische Dichter Israel Z a n g w i 11 trat. In dem Programm dieser Organisation heißt es: „Die jüdisch-territorialistische Organisation erstrebt die Erschließung enes Territoriums für Juden, die nicht wollen oder nicht in der Lage sind, in ihren Wohnländern zu bleiben". Apt fügt hier bei: „Aus dieser Fassung geht deutlich hervor, daß die Territorialorganisation nur für diejenigen sorgen will, die aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen genötigt sind, ihr altes Heimatland zu verlass e n". Also Festlegung auf den Grundsatz der „Union", keine Propaganda für die jüdischnationale oder gar Judenstaatsidee in jenen Ländern zu betreiben, in denen unsere Glaubensgenossen ihre Heimat gefunden haben. Wegen des Weltkrieges und der Batfour-Deklaration hat sich die auf dem einzig richtigen Gedanken stehende territoriale Organisation nicht weiter betätigen können. Erst wieder im Sommer 1935 haben, sich in London eine Reihe christlicher und jüdischer Persönlichkeiten zusammengefunden, um die Territorialorganisation wieder zu beleben. Hierbei war die Erkenntnis maßgebend, daß Palästina schon aus räumlichen Gründen nicht in der Lage ist, dem Drange nach Masse n a b w a nd e r mig, . w i e er insbesonders unter 3,5 Millionen osteuropäischer Juden herrscht, zu genügen, sondern daß es nötig ist, neue Einwanderungsländer zufinden und eine Massen Siedlung mit modernsten Kotfeuittetom. „3>ie <&ibet ist mahx". In den letzten zehn, fünfzehn Jahren sind von Forschern verschiedener Nationalitäten die Geschichten des Alten Testamentes, insbesondere der Inhalt der Fünf Bücher Moses, wiederholt und mit besonderem Eifer auf ihre historische Authentizität untersucht worden. Man hat sich früher um diese Dinge nicht viel gekümmert, weil man von vornherein annahm, daß alle in der Bibel enthaltenen geschichtlichen Angaben reine Legende seien. Die neuesten Forschungen sind jedoch zu einem genau umgekehrten Ergebnis gekommen. Es sei bei dieser Gelegenheit daran erinnert, daß die wissenschaftliche Welt jahrhundertelang Homers trojanischen Krieg für einen poetischen Mythos hielt. Man machte nicht einmal den Versach, den sehr präsisen Angaben Homers auch nur nachzugehen. Dann aber kam Schliemann, begann stillschweigend mit seinen Grabungen, und siehe da! Er entdeckte die Ruinen Trojas genau an der Stelle, die Homer beschrieben hatte, er fand alte Waffen, kurzum: der Kampf um Troja hat stattgefunden. Und es ist nach den weiteren Entdeckungen kaum mehr daran zu zweifeln, daß Homers Angaben bis in die Einzelheiten korrekt waren. Zu ähnlichen Ergebnissen sind jetzt auch die Gelehrten über den geschichtlichen Inhalt des Alten Testaments gekommen. In der Hauptsache ist diese Feststellung dea Professoren und Archäologen Sir Charles Marston, Garstang, Sir Flinders Petrie, Dr. Woolley, Dr. Langton, Professor Virolleaud und anderen zu verdanken, die jeder für sich in den verschiedensten Gebieten ihre Untersuchungen vornahmen. Marston hat alle diese Ergebnisse in einem aufsehenerregenden Werk zusammengefaßt, das „Die Bibel ist wahr" betitelt ist Vor allem hat man festgestellt, und zwar aui Grund von Toninschriiten, die man in Mesopotamien fand, daß die semitische Rasse bereits von Anfang an im Gegensatz zu den sie umgebenden Völkern dem monotheistischen Kult huldigte, und daß sie bereits in den Uranfängen ihrer Geschichte lesen und schreiben konnte. Das war also in der Zeit der sogenannten „Patriarchen*'. Dann aber kam, wie es in der Bibel heißt, die große Sintflut, die alles vernichtete. Gab es wirklich eine Sintflut? Nun, man hat -vor kurzem in der Gegend der uralten Stadt K'ish nachgegraben und ist dabei auf zwei völlig verschiedene Tonschichten gestoßen, und in jeder dieser Tonschichten fand man wichtige Spuren vergangener Zeiten. Die Fragmente, die man fand, waren allerdings völlig verschiedenartig, und eine nähere Prüfung ergab, daß es sich um Werkzeuge und Gegenstände zweier nicht miteinander zusammenhängender Zivilisationen handelte. Wie aber ist es möglich, daß in der Gegend von Kish überhaupt angeschwemmte Tonerde gefunden wurde? Sie kann nur von ungeheuren Wassermassen in diese Gegend transportiert worden sein. Da die Archäologen in dieser Frage nicht weiter kamen, traten die Geologen in Aktion und stellten fest, daß mit allergrößter Wahrscheinlichkeit ursprünglich ein großer Ozean zwischen dem Kaukasus und der Mongolei gewesen sei, dessen Wasser sich durch eine vulkanische Eruption in das Schwarze Meer ergossen hätten. Vielerlei Spuren beweisen jedenfalls diese Naturkatastrophe, die damals alle jene Länder überschwemmte, von denen die Bibel spricht. Das also war die Sintfiut, die tatsächlich alle Kultur in jenem großen Becken zwischen Kleinasien und dem Himalaya-Gebirge vernichtete. Was Jahrhunderte später dann wieder kam, war eine ganze neue Zivilisation. Nicht minder präzis sind die Angaben der Bibel über das Leben Abrahams und Moses. Die Funde bei der Stadt U r im Lande der Chaldäer haben die meisten Einzelheiten aus dem Leben Abrahams wissenschaftlich bewiesen. So hat tatsächlich die Zerstörung von Sodom und Gomorra im Jahre 2061 vor Christi stattgefunden. Man hat auch das Grabmal Sarahs, der Frau Abrahams, entdeckt. Den Forschungen Sir Flinders Petrie ist es ferner gelungen, festzustellen, daß die Stadt Jericho tatsächlich zerstört wurde, und zwar während der Regierungszeit des Königs Amenophis III., also zwischen 1413 und 1377 v. Chr. Schließlich hat man festgestellt, daß der geschichtliche Moses ungefähr im Jahre 1520 v. Chr. geboren sein muß, jedenfalls in jenem Jahr, als die Prinzessin Hatshepsut den Thron der Pharaonen bestieg und eine der glorreichsten Epochen der ägytischen Geschichte einleitete. Die Bibel erzählt, daß Moses von einer ägyptischen Prinzessin gefunden, adoptiert und vierzig Jahre lang am Königshof in Gunst stand. Tatsächlich hat die Prinzessin Hatshepsut genau vierzig Jahre lang regiert und hatte während dieser Ze'it gegen schwere Intrigen der ägyptischen Prinzen-Fronde zu kämpfen, die dann später Moses und die Juden vertrieb. Also auch in diesem Punkt hat die Bibel die Wahrheit gesprochen. MTP.

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