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Die Wahrheit · 1936-09-11 · Heft 38 (11.9.1936) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 38 (11.9.1936)
Date
1936-09-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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[En Preis dieser Nummer 40 Groschen isdie (Dothens diriff Dietttahrhcff mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden Erscheint jeden Freitag OiiiffiiiaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiüiiiiniiiiiiiiiiDüiuiiiiiinoiiiiiiiL^ e fimrnimmminnmimiminmmnBomnBimimim^^ in Redaktion und Administration: Wien I!., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkasserkcnto Wien: A ICO 918 52. Jahrgang: Wien, 11. September 1936 Nummer 38 Heiliget Krieg in Palästina. Mitten in unserer Zeit nüchterner Sachlichkeit hat sich ein ganz großes Wunder ereignet. Eine europäische Großmacht hat sich zur Vertragstreue bekannt . . . Als nach vierzig Friedensjahren, in denen sich die allgemeine Ethik segensreich hatte entwickeln können, der Ausbruch des Weltkriegs einen europäischen Staatsmann veranlaßte, Staatsverträge als „Fetzen Papier" zu qualifizieren, hat er durch dieses Wort dem neu heraufziehenden Zeitalter einen moralischen Stempel aufgedrückt. Damals staunte man über diese Wendung, heute ist die Welt bereits so weit, die gegenteilige Auffassung als ein unerhörtes Mysterium verblüffendster Art zu empfinden. Und es muß leider festgestellt werden, daß die Fassungskraft des menschlichen Geistes den Geboten der Sittlichkeit und Moral gegenüber auf einen erschrecklichen Tiefstand gesunken ist. Das erhellt nicht nur unmittelbar aus den blutigen Ereignissen selbst, deren Schauplatz seit fünf Monaten Palästina ist, sondern beinahe noch krasser aus der Beurteilung, die die arabischen Greueltaten im zivilisierten Europa gefunden haben. Man blieb nicht nur angesichts der von fanati&ierten Mohammedanern hingemordeten jüdischen Frauen und Kinder kühl bis ans Herz hinan, sondern fand es auch noch in Ordnung, daß die schwer heimgesuchten Juden die Zeche der arabischen Orgie bezahlen sollten, und verlangte, daß die jüdische Einwanderung nach Palästina verboten werde! Die Vertreter dieser jedem Gerechtigkeitsgefühl hohnsprechenden Forderung fühlten sich nicht im geringsten durch die Tatsache gehemmt, daß die Mandatarmacht über Palästina den Juden gegenüber durch die Balfour-Deklaration vertraglich gebunden ist. *W GLAUBENSGENOSSEN 1 Am 8. November 1936 finden die Wahlen in den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien statt. Nehmet Einsicht in die WÄHLERLISTEN die für die Wahlberechtigten des I. n. III. und XI. IV., V. und X. VI. und VII. VIII. und IX. XII. bis XV. XVI. und XVII. XVIII. und XIX. XX. XXI. aufliegen. ,s Bezirkes: I. Bezirk, Seitenstettengasse 2 (Steueramt), Bezirkes: II. Bezirk, Tempelgasse 3, \ Bezirkes: DI. Bezirk, Untere Viaduktgasse 13, Bezirkes: V. Bezirk, Siebenbrunnengasse 1, Bezirkes: VI. Bezirk, Schmalzhofgasse 3, Bezirkes: IX. Bezirk, Müllnergasse 21, Bezirkes: XV. Bezirk. Turnergasse 22, Bezirkes: XVI. Bezirk, Hubergasse 8, Bezirkes: XVIII. Bezirk, Schopenhauerstraße 39, Bezirkes: XX. Bezirk, Kluckygasse 11, Bezirkes: XXI. Bezirk, Holzmeistergasse 12, Die Wählerlisten können an diesen Stellen nur mehr bis einschließlich Montag, den 14. September 1936, von 9 bis 12 Uhr vormittags und von 2 bis 6 Uhr nachmittags (mit Ausnahme der Samstage), ,von allen Angehörigen der Kultusgemeinde eingesehen werden. ' Es ist sehr wichtig, daß alle nlchtjüdischnational gesinnten Kultussteuerträger sofort an den angeführten Stellen oder in der „Union" in die Wählerlisten Einblick nehmen, ob sie selbst und auch alle ihre gleichgesinnten Freunde und Bekannten in diesen Listen aufgenommen sind. * Die „Union" (L, Schottenring 25. Telephon Ä 19-2-77) führt Reklamationen unentgeltlich durch. Meldet euch bei uns zur Mitarbeit bei unserem Kampfe gegen den jüdischnationalen Ungeist 1 In Beantwortung mehrfacher Zuschriften und Anfragen teilt das Exekutivkomitee der „Union österreichischer Juden'* mit: Mit Rücksicht auf angeblich im Gange befindliche Versuche für die bevorstehenden Kultuswahlen eine Einigkeit unter der Wiener Judenschaft herbeizuführen, unterbleibt bis auf weiteres jede offizielle Stellungnahme zu den Wahlen. Aus diesem Grunde unterlassen wir auch derzeit jede Bemerkung zu dem in der letzten Nummer der „Neuen Welt" unter dem Titel „Ein übler Anfang" erschienenen Aufsatz. In dieser verfänglichen Situation haben die Engländer die Ehre des Christentums gerettet, indem sie sich zu dessen Gebot bekannten: „Dein Ja sei Ja, dein Nein sei Nein!" Der Kolonialminister Ormsby Gore versicherte dem Präsidenten der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann in einem ausführlichen Briefe klar und eindeutig, daß keine englische Amtsstelle ein Versprechen bezüglich Einstellung der jüdischen Einwanderung abgegeben habe, um dadurch die Einstellung des Streiks und Terrors der Araber herbeizuführen. Dieser Brief erhielt eine wichtige Ergänzung durch eintamtliche Verlautbarung des Kolonialministeriums. Sie gibt eine Darstellung über die Lage in Palästina und die bisher unternommenen Bemühungen, zu einem Frieden zu gelangen, und gipfelt in der Konstatierung, man könne nicht gestatten, daß der Feldzug der Gewalt und der Drohungen mit Gewalt fortgesetzt werde. Es müßten nunmehr wirksamere Maßnahmen getroffen werden, um innerhalb kürzester Frist dem Zustand der gegenwärtigen Unruhen ein Ende zu setzen. Zu diesem Zweck sei eine neue Division nach Palästina entsandt worden. Die britische Regierung betont neuerlich ihren aufrichtigen Wunsch, eine Politik der unparteiischen Gerechtigkeit gegen Araber und Juden zur Anwendung zu bringen und für den Frieden und Fortschritt in Palästina zu arbeiten. Die Note erklärt, daß England nicht daran denke, das Mandat über Palästina zurückzulegen, da es die aus dem Mandat erfließenden Pflichten sowohl den Juden als auch den Arabern gegenüber für erfüllbar halte und daher auch erfüllen wolle, und zwar im Geiste der Versöhnlichkeit. Diese Erklärung muß jeder mit Genugtuung begrüßen, der es mit dem Wunsche ehrlich meint, daß das Heilige Land im Geiste jener moralischen Prinzipien regiert werde, die von dort ausgehend zum sittlichen Fundament des Abendlands geworden sind, und nicht im Sinne derjenigen, die mit der Forderung nach „vorurteilsloser Ueberprüfung" der Lage in Palästina bloß judenfeindliche Aspirationen tarnen, für deren Geltendmachung kein anderer Grund besteht als Treue zu verhängnisvollsten Ueberlieferungen finsterster Zeiten. Zum GKick steht da Tradition gegen Tradition. Das protestantische England hat stets für die jüdische Not ein offenes Ohr gehabt, und zu einer Zeit in der der Kontinent noch in die Finsternis der Glanbenskriege versunken war, den Juden sein Tor, das ihnen seine katholischen Könige verschlossen hatten, wieder weit geöffnet Und es hat viel zu gute Erfahrungen mit seinen jüdischen Bürgern gemacht als daß es nicht auch seine Kc-

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