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Die Wahrheit · 1936-09-04 · Heft 37 (4.9.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 37 (4.9.1936)
Date
1936-09-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Zo lisch an, Karlsbad, teilweise wörtlich zitiert hat, in denen er die Forderung nach wissenschaftlicher Untersuchung des Rassenproblems und der darauf basierenden Rasserttheorien erhebt, weil Friede und Kultur, demokratische Prinzipien und freie Forschung auf dem Spiele ständen, heißt es wörtlich: „Bevor Dr. Zollschan selbst wieder das Wort iür seinen internationalen Rassenkongreß ergriff, benutzte die in London erscheinende „Times" die dazwischen liegende Zeit, tun auch von sich aus einen solchen Kongreß mit der Begründung zu fordern, daß der Begriff „Rasse" in pseudowissenschaftlicher Weise gebraucht werde, um damit politische unid nationale Bestrebungen zu begründen. Dem deutschen Rassengedanken wird in diesem Zusammenhang von vornherein jede Daseinsberechtigung versagt. — Derselbe Zollschan kommt im Juni 1936 mit einem neuen Vorstoß und behauptet, daß sich die ganze Auseinandersetzung um den Wert oder Unwert der Rassen gruppiere. Er vergißt dabei, daß wir uns nicht um die Wertigkeit der einzelnen Rassen streiten, sondern nur selbst ungeschoren bleiben wollen, um unsere Art rein erhalten zu können. Nur auf Grund böswilliger Mißverständnisse ist es zu erklären, daß er vorschlägt, „um den Streit um die Höherwertigkeit der einen oder anderen Rasse nicht in offenen Kampf ausarten zu lassen, einen sachlichen Austrag dieses Streites vor einer Instanz, etwa einem mit genügender Autorität ausgestatteten unparteiischen Gerichtshof zur Verhandlung zu bringen, der die Ansprüche auf das Vorrecht bestimmter Rassen gegenüber anderen Menschengruppen zu prüfen und die praktischen Konsequenzen aus dem gewonnenen Ergebnis zu ziehen hätte". Durch das wiederholte Bohren Zollschans und seiner Gevatter kann damit gerechnet werden, daß dieser Kongreß vielleicht noch in diesem Jahre auf die Beine gebracht werden kann, zumal sich neue vatikanische Kreise zu der Anregung zustimmend verhalten." An einer anderen Stelle des betreffenden Aufsatzes wird es als die gefährlichste M e t h od e für eine wissenschaftliche Untersuchung bezeichnet, an die nationalsozialistischen Quellenwerke heramizugehen, und es wird weiter betont, „daß jede Rasse Anspruch darauf hat, von den anderen respektiert zu werden, und daß damit jede aggressive Absicht sich erledigt". Diese letzten Feststellungen sind besonders interessant, da sie in krassem Widerspruch zu den Ansichten stehen, die in den Werken der deutschen Rassenforscher Günther, Gauch, Tirala und vieler anderer vertreten werden. Die Auslassungen des offiziellen rassenpolitischen Organes beweisen die Angst der neudeutschen Rassentheoretiker und Rassenpolitiker vor einer Entlarvung ihres Humbugs durch ein wirklich wissenschaftliches Forum. Diese Angst hinwiederum beweist, wie leicht die Rassentheorie, einer der Hauptpfeiler des Nationalsozialismus, zu erschüttern und wie richtig der von Dr. Zollschan propagierte Vorschlag einer Rassenenquete ist die nicht nur wissenschaftlich, sondern auch praktisch großen Wert haben wird. Einzige jfldisdie Handelsschule Kaufmännische Wirtschaftsschule für Knaben und Mädchen. Unterricht nach dem normalen Lehrplan der Handelsschulen. Wien II., TaborstraBe 39 Telephon Nr. A 45-6-57 Aufnahme in der Direktionskanzlei; An Werktagen, außer Samstag, von 10 bis 12 und 3 bis 5 9 Prospekte gratis Erstkl. Lehrkräfte Zahlen, die man sicft merken muß. Vom 29. Juni bis 1. Juli 1936 fand in Paris zur Feier des zehnjährigen Jahrestages der Gründung der HICEM (HIAS-JCA-EMIGRATION ASSOCIATION) eine Versammlung unter dem Vorsitz des Herrn Max Gottschalk, Mitglied des Verwaltungsrates der HICEM, statt. Zu Ehren der Feier waren erschienen: Prof. Oualid, der Vizepräsident der Alliance Israelite Universelle, die Pariser Großrabbiner Julien W e i 11 und Maurice Liber, M. Herman, Präsident der HI AS, Louis 0 u n g r e, Generaldirektor der JCA, Bernhard Kahn, Direktor des Joint Distribution Committees, Edouard 0 u n g r e und James Bernstein, Direktoren der HICEM, Lord Duncannon, Repräsentant für den Hochkommissär des Völkerbundes, Herr Heinrich Fuss des Internationalen Arbeitsamtes, Herr Jacques Rubinstein vom Nansen-Institut, Herr B o u v i e r, Leiter des Fremdenverkehrsdienstes im Ministerium des Innern, Herr Paon, Leiter des landwirtschaftlichen Einwanderungsdienstes und des Landwirtschaftsministeriums, und eine große Zahl offizieller und inoffizieller Persönlichkeiten. Die Versammlung wurde durch eine Ansprache des Präsidenten der HIAS, Herrn Herman, eröffnet, der die Bedeutung der Wanderungsbewegung für die Juden hervorhob. Er erinnerte an die Zeit vor der Verbindung der HIAS mit der JCA und stellte fest, daß die Auswanderung eine der konstruktivsten Arten der Hilfeleistung darstellt. „Indem wir die Auswanderer nach anderen Ländern verpflanzen, geben wir ihnen die Möglichkeit, zu sich selbst Vertrauen zu fassen und wieder Mitglieder einer Gemeinschaft zu werden. Sie gehen mit Erfolg einem Erwerb nach und können ihre Verwandten und die, welche sie zurückgelassen haben, unterstützen, bis sie mit ihren Freunden und ihrer Familie in ihrer neuen Heimat sich wieder vereinigen können. So werden die Juden wieder Bürger des Landes, in dem sie eine Zuflucht gefunden haben. Sie sind loyale Mitbürger und werden berufene Zeugen unseres gelungenen Werkes, wie die Einwanderer der Vereinigten Staaten, Argentiniens und Kanadas," Nach einer Rede des Herrn Louis 0 u n g r e, Generaldirektor der JCA, der die Zwecke und Ziele der HICEM dahin zusammenfaßte, daß man den unglücklichen Glaubensgenossen bei der Auswanderung und der Erlangung eines Erwerbes im neuen Heimatland zu Hilfe kommen müsse, wo sie eine ehrenvolle und arbeitsame Existenz unter dem Regime der Freiheit führen dürfen, ergriff der Grand-Rabbin von Paris, Maurice Liber, das Wort und überbrachte den Segen des Großrabbiners von Frankreich, Israel Levi. „Die Hilfeleistung bei der jüdischen Wanderung ist," so sagte er, „eine jüdische Tradition. Unser Patriarch Abraham, der selbst der erste Emigrant war, war zugleich der erste Jude. Er hat die Tugend der Gastfreundschaft geübt. Sein Zelt war ein Heim für Emigranten und die ganze Welt fand hier im weitesten Sinne des Wortes ein Asyl." Zum Schlüsse seiner Rede pries Maurice Liber das Genie Frankreichs, welches die große Heimat der Humanität geblieben, der Herd der Freiheit und Brüderlichkeit. Von höchstem Interesse waren die Ausführungen des Herrn Max Gottschalk, der im Namen des Verwaltungsrates der HICEM ein Resume hielt über zehn Jahre der jüdischen Auswanderung und des Werkes der HICEM. Vor der HICEM, die im Jahre 1927 gegründet wurde, in den Jahren 1881—1925, haben mehr als 3K Millionen Juden Osteuropas nach verschiedenen Bestimmungsländern ihre Wanderung angetreten. Das ergibt einen Durchschnitt von zirka 81.000 Seelen pro Jahr. Trotz der Einwanderungsschwierigkeiten, die vor der Gründung der HICEM sich auftürmten, ist die jüdische Auswanderung im Durchschnitt nicht unter 50.000 pro Jahr in den Jahren 1925—1935 gesunken. Das Programm der HICEM ht sich nicht geändert. In den Ländern der Auswanderung handelt es sich um die Information der Auswanderer, um eine legale Hilfeleistung bei ihrer Ausreise und bei der Ansiedlung im neuen Land. In den Ländern des Durchzugs müssen die Auswanderer befürsorgt werden; In den Ländern der Einwanderung werden sie empfangen und beraten, damit sie sich so rasch als Restaurant Stefanie l£b II., Taborstraft« 12 Hugo u. Julie Herlinger, geb. Zöllner Bekannt gute Küche, gepflegte Getränke, aufmerksamste Bedienung, zeitgemäße Preise, reichhaltige billige Menüs, sowie alle Spezialitäten, schöner schattiger Garten möglich in das wirtschaftliche Leben des neuen Landes einschalten können. Es wurde eine große Anzahl von Resolutionen beschlossen, von denen wir die nachstehenden besonders hervorheben wollen: Die Konferenz nimmt Kenntnis davon, daß trotz aller Beschränkungen mehr als 538.000 Juden während der letzten zehn Jahre aus den Ländern Ost- und Zentraleuropas nach Westeuropa und nach Uebersee ausgewandert sind. Von diesen 538.000 Menschen gingen 100.000 nach Westeuropa, 177.000 nach Palästina und 261.000 in die verschiedenen übrigen überseeischen Länder. Die Konferenz stellt mit Befriedigung fest, daß es in Südamerika noch immer Möglichkeiten des Erwerbes für bestimmte Kategorien jüdischer Emigranten gibt, unter der Bedingung, daß sie vom Standpunkt ihres Gewerbes und der Sprache gut vorbereitet sind. Die Konferenz nimmt mit der größten Befriedigung Kenntnis von den Mitteilungen betreffend die Vereinigten Staaten, Australien und Südafrika, nach welchen günstige Entwicklungen der Wiederbelebung der Einwanderung ins Auge gefaßt werden können. Aus den vorstehenden authentischen Ziffern ergibt sich die angesichts der unverhältnismäßigen jüdischnationalen Propaganda für Palästina überraschende Tatsache, daß in den letzten zehn Jahren nicht einmal ein Drittel der jüdischen Wanderungsbewegung sich auf Palästina bezogen hat. Das bestätigt den immer wieder von uns vertretenen Standpunkt, daß man über Palästina, dessen Bedeutung und Wichtigkeit gewiß nicht unterschätzt werden darf, an die anderen in der Endsumme zahlenmäßig weit bedeutenderen Gelegenheiten, heimatlosen Glaubensgenossen eine Heimstätte zu verschaffen, nicht vergessen darf. mm<& Pension HIRSCH, FQrstenhoff Zu den Herbstfeiertagen geöffnet Gottesdienst. Mäßige Preise. Wiener Jude Musikdirektor in Japan. Dieser Tage ist Generalmusikdirektor Joseph Rosenstock von Wien nach Tokio abgereist, wohin er als Leiter des 80 Mann starken National Symphonie Orchesters (N. S. O.) berufen wurde. Gleichzeitig hat der berühmte Dirigent einen zweijährigen Vertrag bei der japanischen Radiogesellschaft erhalten. Damit hat die sensationelle Karriere dieses erst 40jährigen Künstlers eine besondere Krönung erfahren. Rosenstock, ein gebürtiger Wiener, hat die österreichische Staatsakademie für Musik mit sehr großem Erfolge absolviert, seine Lehrer waren Prof. Laiewitsch (Klavier) und Prof. Franz Schreker (Komposition), zu dessen Lieblingsschülem er übrigens gehörte. In jungen Jahren bekam er Dirigentenverträge nach Darmstadt, Stuttgart, Wiesbaden und Mannheim. Es wurde ihm der Titel eines Generalmusikdirektors verliehen. Er unternahm Gastspielreisen in die ganze Welt, dirigierte mit riesigem Erfolg an der Metropolitan-Oper in New York, kam dann wieder nach Deutschland zurück und wurde hier der musikalische Leiter desi jüdischen Kulturbundtheaters in Berlin. Hier wurde ihm die ehrenvolle Berufung nach Tokio zuteil, wo ihn besondere Aufgaben erwarten. So soll er im nächsten Jahre anläßlich der Pariser Weltausstellung mit seinem Orchester über eine Einladung Thibauts ein Gastspiel in Paris absolvieren. Die größten japanischen Zeitungen widmen dem Künstler begeisterte Begriißungsartikel an besonderer Stelle mit Bildabdruck.

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