Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 37 (4.9.1936)
- Date
- 1936-09-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064606-3064642--20810-3086096- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 Nr. 37 — 4. September 1936 DIE WAHRHEIT DIE WA Anläßlich der hohen Feiertage findet wie alljährlich der FESTGOTTESDIENST im „AOge Gottes" IX., Nußdorferstraße 75. Statt- Kartenverkauf an Sonn- und Feiertagen 9—12 Uhr, an Wochentagen v. 3—5 Uhr. Karten v. S 4.— auf w. Vorstand des Tempelvereines IX., Müllnergasse Vorstand Bikur Chaulim IX., Liechtensteinstr. 113 Im Zeichen der Olympiade ereigneten sich in Berlin auch Fälle, die einer gewissen Komik nicht entbehren. Sn brachte die „BZ am Mittag" vom 24. Juli 1936 eine große Anzeige: „Kaffee Berolina. früher Kaffee Braun, Alexanderplatz. — Neue arische Direktiion: Erich Krumm." In den großen Städten, in denen man das äußere Qesicht zu wahren wünscht, werden die stilleren Methoden angewandt. Auf dem flachen Lande und in den kleinen Orten, in die sich nur selten ein Fremder verirrt, geht es im alten Stile weiter. In vielen kleinen Gemeinden in Bayern herrscht weiter der passive Boykott. So wurde den Juden in einem bayrischen Orte jede Hilfeleistung durch einen Handwerker verweigert Brot, Fleisch, Gemüse, Milch wurde ihnen nicht geliefert, auch nicht für die Kinder. Ein Kaufmann, der mit einem Juden in geschäftlichen Beziehungen kleinster Art stand, wurde auf einem gedruckten Handzettel, der die Ueberschrifl „An den Pranger" trug, als ,-Judenknecht" bezeichnet und vor ihm öffentlich gewarnt Wovon lebt ein jüdischer Jurist in Deutschland? Besonders tragisch und wenig beachtet in der Oeffentlichkeit ist das Schicksal der jüdischen Juristen. Von den etwa 2000 jüdischen Anwälten und Richtern, die bereits 1933 aus ihren Berufen vertrieben wurden, hat nur ein relativ kleiner Teil auswandern können. Im Gegensatz zu den Medizinern, die ihren Beruf in einem anderen Lande viel leichter fortsetzen können, ist der Jurist viel ortsgebundener. Auch die Anwälte, die zugelassen blieben, haben eine ständige Verschlechterung ihrer wirtschafttlichen Lage erlebt Der Entzug des Notariats, der für alle jüdischen Rechtsanwälte im Herbst 1935 erfolgte, bedeutete eine weitere schwere Einnahmeverminderung. Noch viel trauriger aber war und ist das Schicksal der jüdischen Juristen, die jetzt mit systematischer Grausamkeit aus allen Erwerbszweigen vertrieben werden, in denen sie eine Zuflucht gesucht hatten. Am 1. Juli 1936 war die Frist abgelaufen, bis zu der Juden als Rechtsberater tätig sein durften. Dieser Begriff wird ungeheuer weit gefaßt. Es fällt darunter nicht nur die rechtliche Beratung, sondern auch die Buch ha 11 ung s p r üf u ng, soweit sie der Vorbereitung für die Steuererklärung dient, und das tut jede geschäftliche Buchhaltung, ferner die Einrichtung von Inkassobüros zur Eintreibung geschäftlicher Außenstände für Auftraggeber, selbst die Tätigkeit als Stundenbuchhalter. Also auch die stundenweise bezahlte Ueberwachung und Einrichtung der Geschäftsbuchhaltung wird als Rechtsberatung angesehen. In all diesen Erwerbszweigen hatten Hunderte von früheren Anwälten eine letzte Zuflucht gefunden, um notdürftig ihr Leben aus bescheidensten Einnahmen fristen zu können. Mit dem 1. Juli hörten für sie alle diese Erwerbsmöglichkeiten auf. Das Schlimmste dabei ist die allmähliche moralische Zermürbung dieser Menschen. Sie werden nach den andauernden Fehlschlägen allmählich willenlos, ergeben sich ohne Energie m ihr Schicksal und sinken in kurzer Zeit zu Wohlfahrtsempfängern herab. u. franz. Orig. engl. STOFFE ambeSen Tuch haus Tabak I., Salzgries 5 HERBST-NEUHEITEN für Damen und Herren zeitgemäB billig Vor Torschluß. In der am Mittwoch stattgehabten Kabinettssitzung in London ist die für diesen Termin erwartete Lösung des Palästinakonfffikts noch nicht erfolgt. Aber deshalb besteht noch immer die Gefahr, daß über kurz oder lang eines der katastrophalsten Ereignisse der jüdischen Geschichte unserer Tage Wirklichkeit werde: Das Einwanderungsverbot für Juden nach Palästina. In einer verstörten Zeit, in der stets wachsende Massen von Juden gewaltsam aus dem Heimatboden entwurzelt werden, bedeutet schon ganz nüchtern betrachtet jede neue Pforte, die sich der Einwanderung von Juden verschließt, ein Unglück mehr. Wer aber vermag sich auf nüchterne Betrachtung zu beschränken, wenn es sich um Palästina handelt, für uns das gelobte Land seit vielen tausend Jahren — nicht erst seit der Balfour-Deklaration, in der Großbritannien die Errichtung einer jüdischen Heimstätte gelobte! Mag man auch, wie wir es immer taten, dieses Gelöbnis von Anfang an mit Mißtrauen aufgenommen haben, so wird doch der Augenblick, da sich dieses Mißtrauen als berechtigt erweist, von jedem Juden als etwas Unfaßbares, Unverständliches und Unausdenkbares empfunden. „Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen." Leider aber in einem weniger erbaulichen Sinne, als Goethe vor mehr als hundert Jahren poetisch verkündete. Das Schicksal der Juden im Okzident schildert Heinrich Mann in einem soeben erschienenen Buche „Es kommt der Tag". Der rühmlichst bekannte Verfasser spricht davon, die deutschen Juden seien in ihrer Geistigkeit mehr deutsch als manche Deutsche, und kommt zu dem Schluß: „Wahrhaftig, die Deutschen nehmen den Weg ihrer Juden, erkennen sich übrigens in ihnen genau. Selbst unterworfen, selbst rechtlos, der äußersten Armut nahe und vernichtenden 'Katastrophen entgegengetrieben — geht eine größere Zahl von ihnen in der sittlichen Entartung weit genug, um das alles zu rächen an den noch Gequälteren. Gerade dies war auch die Absicht ihrer Erzieher." Heinrich Mann schildert den Leidensweg der deutschen Juden folgendermaßen: „Die deutschen Juden werden planmäßig vernichtet, daran* ist nicht mehr zu zweifeln. Vorsichtige ältere Juden sagten vor zwei Jahren: „Wir leben doch in einem Rechtsstaat!". Jetzt glaubt das niemand mehr. Es ist erwiesen, daß das nationalsozialistische Interesse über dem Gesetz steht und daß es Gesetze macht. Recht ist inzwischen geworden, was „dem deutschen Volke nützt", auch das Bösartigste, auch das Infamste." Die Parallele mit Palästina spjringt in die Augen: Vor zwei Jahren konnten die jüdischen Siedler noch sagen: „Wir leben in einer durch die Balfour-Deklarationi rechtlich basierten jüdischen Heimstätte. Jetzt glaubt das niemand mehr. Es ist erwiesen, daß das arabische Interesse, genauer: das Interesse der arabischen Großgrundbesitzer, die ihren ausgebeuteten Fellachen nicht dSse anspruchsvoll machende Berührung mit der europäischen Zivilisation vergönnen, über dem Gesetz steht" Es gilt, was Dizengoff in seinem von uns letzthin zitierten sensationellen „Offenen Briefe" erklärte: „Gesetzlosigkeit ist das Gesetz dieses Landes", dieser „jüdischen Heimstätte", zu deren Etablierung England vom Völkerbund das Mandat über Palästina erhalten hat Man darf neugierig darauf sein, wie der Völkerbund diese merkwürdige Art sich einer von ihm gestellten Aufgabe zu entledigen, aufnehmen wird. Der unglückliche Stefan Lux, der durch seinen Freitod die Aufmerksamkeit des Genfer Weltparlaments auf die Tragödie der deutschen Juden lenken wollte, hat sich von seiner erschütternden Opfertat jedenfalls eine andere Wirkung versprochen, als daß man den Judeni gerade in dem Augenblick, wo das Dritte Reich eine Verschärfung seiner Nürnberger Gesetze plant, das einzige gesetzlich geschützte Einwanderungsland auch noch verschließt! Wäre der Antisemitismus eine Sache ehrlicher Ueberzeugung, dann müßten jetzt die Judenfeinde aller Der Allgemeine Kranken- und Unterstützungsverein „raonfetlore und Nächstenliebe' veranstaltet wie alljährlich, anläßlich der hohen Feiertage, im Hotel „BaUTlSdier Hol" Wien IL, Obere AugarteHStraße 5, einen FESTGOTTESDIEN§T Der Kartenverkauf findet ab 1. September an Wochentagen von 9—12 Uhr vorm. und von 2—6 Uhr nachm., Sonntag von 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends statt. Länder einen Proteststurm gegen die englische Palästinapolitik entfachen, die der systematischer. Entjudung Europas Einhalt gebietet. Wie sollen die deutschen Nationalsozialisten, die doch nach Hitlers Rede am Grabe Gustloffs keinem Juden ein Haar krümmen, hoffen, ihre Juden loszuwerden, wenn die einzige offizielle •„jüdische Heimstätte" auf der Welt plötzlich ihre Torefür die Juden sperrt? Aber siehe da: Statt leidenschaftlichen Pretests bemerken wir bei den Antisemiten aller Richtungen bloß unverhohlene Genugtuung! Von den nationalen Hakenkireuzlern wissen wir, daß ste die arabischen Greueltaten durch Wort und Tat gefördert haben, und die konfessionellen Judengegner haben dem Völkerbund durch eine Petitiomi beweisen wollen, daß die jüdische Einwanderung in Palästina die heiligen Stätten der Christenheit gefährde. Dieser Beweis ist natürlich nicht gelungen: Die Pertition wurde als „vage" und unstichhältig zurückgewiesen. Umso drastischer ist den Antisemiten der Beweis gelungen, wie. verlogen der Antisemitismus ist Weit davon entfernt, alles zu fördern, was die Auswanderung der Juden aus ihren Ländern begünstigt, sind die Beschimpfer der Juden im Gegenteil bestrebt, der jüdischen Abwanderung Hindernisse in den Weg zu legen, um sich die bestbewährten Sündenböcke für alle politischen Fehlschläge in Reichweit© zu erhalten. Selten hat sich eine Bewegung je selbst so schamlos demaskiert, wie jetzt der Antisemitismus als Weltretter und Volksbeglücker! Gleich ausgiebig ist die Blamage der Jüdischnationalen als monopolisierten Rettern des Judentums. Wie traurig wäre es um dieses jetzt bestellt, wäre es zu seiner Erhaltung wirklich nur auf die „nationale" Heimstätte in Palästina angewiesen! Die Jüdischnationalemi haben durch ihire „nationalen Aspirationen" den nationalen Chauvinismus der nichtjüdischen Palästinenser zur Abwehr aufgestachelt. Sie haben gegen den Liberalismus gewettert weil er die Assimilation fördert, und mußten sich jetzt auf der vollkommen resultatlos verlaufenen Tagung des Zionistischen Aktionskomitees in Zürich von Weitzmann sagen lassen, daß die tragische Zuspitzung der jüdischen Lage ihren Grund darin hat daß der Liberalismus in Europa an Boden verloren hat und nationale Bewegungen sich ungünstig auswirken, was doch auch für die jüdischnationale Bewegung gelten muß. Größte Kurzsichtigkeit war es, wovor wir immer warnten, alles auf die palästinensische Karte zu setzen, in trügerischer Hoffnung auf die heute zerfetzte Balfour-Deklaration. Wird die Balfour-Deklaration erneuert werden? Dies erscheint zweifelhaft. Aber eine Lehre aus der Kapitulation Englands vor den Arabern muß endlich gezogen werdeni: Wenn eine Heimstätte für verfolgte Juden geschaffen werden muß, möge man sich um Garanten kümmern, die sich zur Höhe des biblischen Gebots aufzuschwingen vermögen: „Du sollst nicht falsches Zeugnis ablegen!" Einer Kolonie der Engländer wegen, die uns gerade in der Stundet der höchsten Not wortbrüchig werden, darf eine hoffnungsvolle jüdische Jugend nicht von nationalen Politikern irregeleitet werden. Zum nunmehr detr von sen-En Neues großen A Judentum stehender wissenscl zu führei bekannte) Karlsbad, er die F< suchung sierenden und Kult Forschun; wörtlich: „Bev iiir seine benutzte dazwisch einen so] fordern, < schaftlich politische den. De diesem 2 seinsbere kommt in behaupte! um den Er vergiO tigkeit df selbst un. rein erha Mißverstj schlägt, , der einen Kampf ai trag diess mit geni teiischen & Alle Schulbücher richtige Auflagen, für antiquarische allerbtlligste Preise. Größte Auswahl! Spesenfreie Zusendung. Verzeichnisse umsonst. — Zeit spart, wer kauft im SCHULBÜCHERANTIQUARIAT IHlII^MÄlfM TOCLMllMI^ Wien IL, Ecke Taborsfraße 52 Telephon R 41-4-20 Vom xur Feier iung de ASSOC1/ Vorsitz d des Verv der Feier Vizepräsi die Pari: Maurice HIAS, Lc Bernhard Committe B e rnst cannori des Völki nationale] stein Leiter < sterium c wirtschaf Landwirt offizieller Die V des Präs eröffnet, wegung an die Z< JCA und der kons stellt. „Ii Ländern ichkeit, wieder J Sie gehei nen ihre gelassen Freunder sich wie< den wiec Zuflucht Mitbüi gen un die E; Staate