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Die Wahrheit · 1936-09-04 · Heft 37 (4.9.1936) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 37 (4.9.1936)
Date
1936-09-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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RHEI Llll£ che! rlha IE WAHRHEIT Nr. 37 — 4. September 1936 Seite 3 rein Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich,unbegrenzt halt* bar und kann von jedem Streng« gläubigen ohne Bedenken zur Zu* bereitung von Milch- und Fleisch* speisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergesteilt wird. \mmm Das100%reine Kokosnußfeff Nur echt in Originalpackung! und Buchhändler wird es immer schwerer gemacht, Bücher vom Verleger zu beziehen. Manche Verleger weigern sich bereits, jüdischen Buchhändlern Bücher zu Meiern, mit der Begründung, daß ihre Firmen nicht mehr in dem von der Buchhändlervereinigung herausgegebenen Firmenkatalog stehen. Die jüdischen Buchhandlungen erhalten alle Augenblick den Besuch eines Beamten der Gestapo, der ihre Bücherbestände aui nicht zugelassene Bücher durchsieht. Was zugelassen odei nicht zugelassen ist, weiß kein Mensch mehr. Von dem 25prozentigen Rabatt für Lieferungen deutscher Bücher ins Ausland sind die jüdischen Buchhandlungen ausgeschlossen. Zur Exportabgabe, aus deren Erträgnissen diese Rabatte für den deutschen Dumpingexport bestritten werden, zieht man jedoch die jüdischen Buchhändler, soweit sie gleichzeitig Verleger sind, heran. In den Kreisen der jüdischen Buchhändler besteht heute die starke Befürchtung, man werde ihnen die neuen Ausweise, die sie für die Ausübung ihres Berufes unbedingt benötigen, entweder verweigern oder mit solchen Verzögerungen zustellen, daß ihre Firmen inzwischen einen nicht wieder gut zu machenden Schaden erlitten haben. iffib Vernichtung ohne Geräusch. Der antijüdische Wirtschaftskampf in Deutschland. Von informierter Seite.;nKa j; rür ka/fü he dij' enossei under;.' remacll n des etroff :) Die deutschen Nationalsozialisten haben immei en Ei 'l*r erkannt, daß sie ihr Ziel, Vernichtung der jüdiill Ai'^'en Gesamtexistenz in Deutschland, auch erreichen r \Ve! > inen, wenn sie auf geräuschvolle Außen- Olt g'.i opaganda dabei weitgehend verzichv; n. Durch den ins Kleinste ausgebauten Parteiapparat l", d# nn ein viel stärkerer und nachhaltigerer Zwang ausdie ji?UDt werden als durch laute Reden. So geht der Druck ZU de" verschiedenen Wirtschaftsverbände, insbesondere iren. 'er Deutschen Arbeitsfront, auf H. 0. Verkauf der jüdischen Firmen nverändert weiter. Handelt es sich um kleine und rempehittlere Geschäfte, erfährt die Oeffentlichkeit überaupt nichts davon; wird eine größere Firma verkauft,;libt es eine Zeitungsnotiz von 2 Zeilen. Und doch beeiltet jeder derartige Geschäftsverkauf einen schwe- 2n und nicht wieder gut zu machenden Schaden. i hohe :der n 2 bi >se jüdische ge noc d 15 bi öße Angestellte werden automatisch entlassen, erdienende Gemeindemitglieder verwandeln sich in Voblfahrtsunterstützungsempfänger. nn leb ta]er l immej ur Seit •rt Apostejuteü en. Da andere egt )b der;rs ode wahre große Sekenne jgraphii Malet olzer erschüt Birn streng :hef de: olitischi In den nichtjüdischen Firmen wird die Lage der jüdischen Angestellten immer unhaltbarer. So ist die Dresdner Bank, die unter 8000 Angestellten noch etwa 80 Juden beschäftigt, in den letzten Wochen dazu übergegangen, ihnen zum größten Teil zu kündigen, darunter alten Angestellten, die bereits seit 15 und 20 Jahren dort beschäftigt sind. Ein anderes System zur Vernichtung jüdischer Wirtschaitspositionen ist die Erschwerung des Warenbezuges. Man hat diese Methode im Frühjahr 1936 zuerst bei den Eierhändlern ausgeprobt und konnte damals in den Zeitungen triumphierend darauf hinweisen, es sei nur durch die Sperrung der Ware gelungen, diesen von Juden in überragendem Maße besetzten Erwerbszweig vollkommen judenfrei zu machen. Augenblicklich scheint der Holzhandel der nächste Erwerbszweig zu sein, der mit der gleichen Methodik „entjudet" werden soll. Aber auch im Buchhandel bereiten sich ähnliche Entwicklungen vor. Dem jüdischen Sortimenter Immer mehr Berufe judenfrei. Beruf für Berui wird systematisch judenfrei gemacht. Eines der neuesten Opfer sind die Lotteriekollekteure in Hamburg. „Das Schwarze Korps" hatte einen Artikel veröffentlicht, der sich mit den Methoden der Werbung für die Hamburger Lotterie befaßte, Methoden, die ganz auf das Konto der Lotteriedirektion gehen. Der Effekt dieses Angriffes war nicht etwa eine Auseinandersetzung mut der Direktion, sondern eine Mitteilung in der nächsten Nummer des „Schwarzen Korps", in der befriedigt festgestellt wurde, daß nunmehr alle jüdischen Lotteriekollekteure in Hamburg gekündigt seien. Nach .dem Gesetz über die Befähigung zum höheren bautechnischen Verwaltungsdienst werden zum Vorbereitungsdienst für den Beruf der Regierungsbaumeister, Reichsbahn- oder Postingenieure usw. „nur Diplom-Ingenieure deutschen und artverwandten Blutes zugelassen, dio die Gewähr dafür bieten, daß sie jederzeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat eintreten". Die Laufbahn der Verw.iltungstechniker bleibt den Juden also auch verschlossen. Auch im Gastwirtsgewerbe kommt es zu immer schärferen Trennungen zwischen den Unternehmungen die Juden und Nichtjuden gehörea In Mannheim ist kürzlich von dem Bezirksrat dem jüdischen Pächter des Logenrestaurants nur unter der Bedingung die Konzession erteilt worden, daß an dem Betrieb ein deutlich sichtbares Schild „rein jüdisches Unternehmen" angebracht wird. Die nationalsozialistische Tageszeitung Mannheims „Hakenkreuzbanner" schrieb hierzu in ihrer Ausgabe vom 31. Juli 1936: „Man hätte nur wünschen mögen, daß die Hetzer im Ausland, die immer wieder Greuelmärchen wissen, der Sitzung beiwohnen und sehen konnten, wie korrekt der Fall behandelt wurde, und wie man den Juden auch Gelegenheit zur Aeußerung gab." unpedeutung besaß, selbst ein universeller Geist, ein hochebildeter und tiefschürfender Schriftsteller, Dichter und verkündet darin die einzigartige Bedeutung riel Birnbaums, verkündet sie mit einer Entchiedenheit und Unbedingtheit, wie sie wohl kaum jeunfaals einem Großen unserer Erde bei seinen Lebzeiten geworden. Durch meisterhafte ökonomische Anordnung seines toffes versteht es der Verfasser auf dem, in Verhältnis um Umfang seines Gegenstandes karg bemessenen e$aume, die wichtigsten biographischen Daten B i r naums festzuhalten, die Höhepunkte seines tragischen ebenslaufes, den Sinn und die Bedeutung seines über- Mannejeitlichen und doch so brennend zeitnahen Wirkens, die eligiösen, moralischen, künstlerischen und politischen endenzen, die seinem unfaßbar gigantischen Lebenserk zugrunde liegen. Kein merkwürdiger Wendepunkt dieses einmaligen ebensweges entgeht ihm, was umso wichtiger erscheint, Is für alles dies in den Schöpfungen Birnbaums seinen ünstlerischen Niederschlag gefunden hat. So ist beispielsweise auch der Gattin des Künstlers irwähnung getan, der tapferen und stets opferwilligen iefährtin, deren Name für ewige Zeiten mit goldenen ettern in der Geschichte dieses Lebens verzeichnet leiben wird. Dazwischen geben zahlreiche, äußerst;lücklich gewählte Meisterproben seines literarischen md bildnerischen Wirkens (das Buch ist mit Reprodukionen von Bildern des Künstlers in entzückender, ästhetisch wirksamster Weise geschmückt) dem Leser Gelegenheit, auch unmittelbar mit den Werken U r i e 1 Birnbaums in Verbindung zu treten. Obwohl nun all d'ies in denkbar knappster, systematischer und streng sachlicher Weise abgehandelt wird, bleibt man verwirrt vor der überreichen Fülle dieser künstlerischen Ernte. Dann versteht man erst das Wort des Autors, daß vom Werk Uriel Birnbaums nicht der Eindruck einer einzelnen Person ausgehe, vielmehr der einer ganzen Literatur. Dann aber merkt man erst, daß es sich hier nur um eine Skizze handeln konnte, um einen kurzen Abriß von allerdings grundlegender Bedeutung für den späteren Literatus und Kunsthistoriker für den künftigen Erforscher Birnbaumscher Kunst und Literatur. Aber der gräfliche Verfasser berührt auch noch eine andere Seite des Birnbaumschen Problems, eben jenes hier eingangs erörterte traurige und tief beschämende Problem seines dornenvollen Lebenskampfes. In nichtmißzuverstehenden Weise gibt er seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß an dieser, obwohl allseits anerkannten Persönlichkeit allerhöchsten Formates in so merkwürdig unbegreiflicher Gleichgültigkeit auch von hierzu berufener, ja verpflichteter Seite vorübergegangen wird. Er appelliert denn auch mit aller Eindringlichkeit an die gesamte Weltöffentlichkeit — es schweben übrigens inzwischen bereits Verhandlungen mit den Verleihern des Nobelpreises — das moralische und künstlerische Kapital, das der Name Birnbanm bedeutet, zu nützen; im besonderen aber richtet er, der christliche Katholik, seinen Appell an die jüdische Oeffentlichkeit, ohne Unterschied ihrer Parteizugehörigkeit, an die engere Glaubensgenossenschaft Uriel Birnbaums, ihm endlich jenen Rang und jene Stellung zuzuweisen, auf die er, seit langem schon, unzweifelhaft berechtigtesten Anspruch hat Hoffen wir, daß dieses Buch, das zum erstenmal das Schaffen B i r n b a u m's in umfassender Weise behandelt, jenen Wendepunkt herbeiführen wird, der unseren großen Dichter, Maler und Denker, dessen ganzes bisheriges Leben und Wirken nichts anderes bedeutet, denn ein fortgesetztes Fortschreiten zu den höchsten Stufen moralischer Erkenntnis und sittlicher Tat, auch auf die ihm gebührende hohe Stufe äußerer Anerkennung führen wird. An uns aber liegt es, dem selbstlosen Autor dieses so bedeutungsvollen Buches, dem Weggefährten des Künstlers, seinem Freund und Förderer in des Wortes reinster und edelster Bedeutung die Ehrenschuld unseres Dankes schon jetzt abzustatten. Denn er hat durch sein Buch eine Tat gesetzt, für die ihm alle Freunde des Künstlers und im erweiterten Sinne die ganze Judenheit zu dauerndem Dank verpflichtet bleibt. Samuel.

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