Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 37 (4.9.1936)
- Date
- 1936-09-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 37 — 4. September 1936 DIE WAHRMEI' Der Wahlschlager der „Union" oder vom richtigen und falschen Zionismus. In der gleichen Nummer der „Stimme", in der auf der ersten Seite Chaim W e i z m a n n auf d i e Suspension der jüdischen Einwanderung nach Palästina und damit auf den vollständigen Zusammenbruch des jüdischnationalen und politischen Zionismus, vorsichtig vorbereitet, vor dessen phantastischen Zielen wir stets gewarnt haben und dessen unheilvolle Folgen für das Aufbauwerk wir seit Jahrzehnten vorhersagten, entblödet sich der Tintenkuli des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich nicht, die „Union" unter dem Tit e 1 „Abessinien als Wahlschlager" zu verhöhnen, weil sie sich pflichtgemäß und schon seit vielen Monaten mit der Frage der Eignung Abessiniens für die Aufnahme heimatlos gewordener Glaubensgenossen befaßt. Hämisch sagt der jüdischnationale - zionistische Satiriker gegen sich selbst zum Schlüsse: „Die Union muß sich also nach einem anderen Land um- Caf£ Pension Echstein Semmerlng Neu renoviert! ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ sehen..und das auf der letzten Seite der gleichen Nummer, in der die Einstellung der Einwanderung nach Palästina angekündigt wird. Da kann man wohl nur sagen: „Sie spotten ihrer selbst und wissen nicht wie". Für die österreichischen Juden will und braucht die „Union" sich nicht nach einem anderen Lande umzusehen. Und für die Glaubensgenossen, die auswandern müssen oder wollen, hat die „Union" neben Palästina auch die übrigen Möglichkeiten nie aus dem Auge verloren. Der „Union" handelt es sich selbstredend immer nur darum, nach Gelegenheiten für die Ansiedlung unglücklicher Glaubensgenossen, die sich in der Gefahr befinden, das Teuerste, ihre Heimat, zu verlieren, Ausschau zu halten, und pflichtgemäß wird sie durch das Geschrei verblendeter und schuldbewußter Nationalisten, die durch ihre mondsüchtige Politik Hunderttausende von Glaubensgenossen in die Gefahr gebracht haben, ihre neue Heimat „Palästina" zu verlieren, sich nicht davon abhalten lassen, ihre Aufgabe weiter verfolgen, neben Palästina, wo immer in der Welt, Heimstätten ihren verzweifelten Glaubensbrüdern bereiten zu helfen. Allerdings an politische Ziele und jüdischen Nationalismus, an Judenstaat oder gar Judenstaaten, an „geschlossene Ansiedlung jüdischer Kolonisten" als Voraussetzung für alle diese Produkte eines, besten Falles, irrealen Gehirnes, denkt die „Union" nicht, sie wünscht aufrichtig und innig ihren unglücklicheren Glaubensbrüdern auf der gleichen Grundlage eine neue Heimat zu schaffen, auf der sie, dem Himmel sei Dank, die österreichischen Juden genießen, sich ihr verbunden, völlig verbunden fühlen und sich ihrer erfreuen, auf der Grundlage gleicher Rechte und gleicher Pflichten. Wohin die jüdischnationa'len Ambitionen selbst in einem Lande wie Palästina führen, das erleben wir schaudernd seit vier Monaten am Leibe unserer emigrierten Glaubensgenossen. Seit vielen Jahren und oft und oft haben wir die Gefahren aufgezeigt, die die jüdischnationalen politischen Ziele in Palästina bei der arabischen Umwelt hervorrufen müssen. Wir haben immer wieder gesagt, daß England, die Mandatsmacht, nicht in der Lage sein wird, die reißenden Ströme des arabischen Nationalismus einzudämmen, weil zweifellos die Lebensinteressen Englands als Weltmacht die Rücksichtnahme auf die mohammedanische Welt und die Araber gebieterisch fordert. Das war noch vor dem Triumph Italiens in Abessinien, vor dem Aufstand der spanischen Nationalisten, welche die jahrhundertelange ungefährdete und unumstrittene englische Herrschaft im Mittelmeer bedroht. Nie hätte sich England ohne diese Zeichen und Risse in den festgemauerten Fundamenten seiner Weltherrschaft dazu entschlossen, mit Aegypten um den hohen Preis der faktischen englischen Souveränität einen Pakt zu schließen, der Großbritannien nur eines schaffen soll, die Herrschaft über den Suezkanal. Und ist es politisch denkbar, daß England mit den Arabern Aegyptens einen Friedens- und Freundschaftsvertrag schließt, der vor dem nationalen arabischen Selbstbewußtsein tiefe Verbeugungen macht, die vor Jahren undenkbar gewesen, und daß dasselbe England in Palästina sich vor dem jüdischen Nationalempfinden sozusagen nach der anderen Seite hin verbeugt? Ist nicht vielmehr zu befürchten, daß beim ägyptischen Pakt mit den Arabern auch von „den Brüdern" in Palästina die Rede war? Spricht nicht auch dafür, daß England mit den Arabern des Iraks und lbn Saud über die Ruhe in Palästina oder, besser gesagt, über die Beruhigung der Araber Palästinas verhandelt, daß der Palästina-Aufstand als ein Teil des panarabischen Problems aufgefaßt wird? Hat es unter diesen Umständen einen Sinn, England Vorwürfe wegen Mangel an Energie in der Unterdrückung des Streiks und des arabischen Aufruhrs zu machen? Steht nicht England unter Rasiere Di di gilt und üillü Oesferrelcüische! üoalimis faDriha Ueberau erhältlich dem ungeheuren Druck der Gefahr für seine Mit telmeerherrschaft, d. h. für seine Weltgeltung? Bei dieser Lage der Dinge gibt e doch nur eine Rettung für den Zionis raus — ihn aller seiner politische und nationalen wirklichen oder anj gedichteten Gefahren für den Arabi mus zu entkleiden. Der Zionismus hat unleugbar Palästim und somit auch den Arabern märchenhafte wir schaftliche und soziale Vorteile gebracht. Er h CafI Freiwirth PRATERSTRASSE 11 Als modernes Familien-Cafe vollständig renoviert den heiligen Boden in jeder Weise befruchtet,! i hat den arabischen Arbeitern ein menschenwüi ges Dasein ermöglicht, den Sumpfboden entw | "■' I sert, die Wüsten zu Oasen umgeschaffen, den Ka | i I bewaldet, Epidemien bekämpft. Der Dank dafür ka. }n und darf nicht sein, daß die Opfer, welche dij' Judenschaft der Welt für ihre Glaubensgenosse! _ und Palästina gebracht haben, die in die Hunden.' I von Millionen gehen, zu vergeblichen gemach werden. Es muß ein Ausgleich zwischen de*'. Zionismus, den Juden und den Arabern getroff. ■.-> Die werden, der die Fortsetzung der jüdischen Ei i*r erk: Wanderung ermöglicht. Der Boden für den AiGe; gleich ist der nämliche wie überall in der We1-'^ inen> die Liebe zum gemeinsamen Vaterland, zur gi opag; meinsamen Heimat. ^n. Durc Das ist kein Wahlschlager der „Union", d# nn ein ist ein Keulenschlag der Geschichte gegen die ji?abt wer dischen Nationalisten und Judenstaatler, zu de" versc nen die Austrozionisten insbesondere gehören, 'er Deuts H. 0. Tempelsitze. Im türkisch-israelitischen TempehittIere Wien IL, Zirkusgasse 22, werden für die hohe Feiertage Sitzkarten auch an Nichtmitglieder i allen Preislagen abgegeben. Kanzlei von 2 bi 4 Uhr, Telephon R 43-3-35. nverände ( aupt nicl ibt es ei eutet je in und n Josefstädter Tempel, V1IL, Neudeggergasse liüdische Sitzplätze in guter Lage für die Hohen Feiertage noc abzugeben. Kanzleistunden von 9 bis 13 Uhr und 15 b 19 Uhr. erdienem Vohllahrl tfeuitteton. Uriel Birnbaum. Dichter, Maler, Denker. Eine Monographie von Dr. Arthur Graf Polzer-Hoditz. Es ist eine aJte, doch darum nicht minder traurige Erfahrung, daß die wahrhaft großen Männer, die Herren der Weltgeschichte im Sinne Cariyle's zu ihren Lebzeiten von der gemeinen Menge nicht erkannt werden, und wenn erkannt, so doch einsam und unbedankt, ja angefeindet und mit heftigstem Widerstand bedacht, den Weg ihres erhabenen Berufes wandeln müssen. Diese Erfahrung ist so allgemein, daß manche unserer gemütvollen Logiker daraus den Rückschluß ziehen zu können vermeinten, man dürfe — da Leid das gewöhnliche Schicksal der Größe sei — die Größe ruhig •ihrem Schicksal überlassen. Noch mehr: es sei so etwas wie eine Pflicht, den Auserwählten leiden, darben und hungern zu lassen, denn das Leid mache ja seine Größe aus, er lebe davon, er wachse dabei, er nähre sich damit, fast möchte man glauben, er nähre sich recht eigentlich vom Hunger . . . Eine böse und gefährliche Logik, die natürlich auf einem ganz gemeinen Trugschluß beruht, auf einem billigen Sophisma, wie etwa jenem vom Athener, der behauptet hatte, daß „alle Athener lügen". Die stillschweigende Voraussetzung zum Ausspruch des Atheners ist aber, daß er selbst kein Lügner sei, daß er selbst n'icht zur Herde jenes fühllosen und gedankenlosen Volkes gehöre, das kaltherzig und skrupellos an dem Elend seiner Großen vorübergeht und ungerührt seinem leidvollen Martyrium zuzusehen vermag. Unsere Athener machen aber diese Voraussetzung nicht, denn sie sind äügnerische Athener, billige Sophisten, erzschlechte Logiker und — noch schlechtere Menschen . . . * Um ihre eigene schändliche Haltung zu begründen und zu rechtfertigen, umhüllen sich unsere Logiker sogar mit einem religiösen Mäntelchen, werfen sich in die Brust und berufen sich ungescheut gar auf den lieben Gott selbst, der es eben so gewollt hat . . . Aber sie lügen ... die Athener . . . Gewiß kann man von einem allerhöchsten Standpunkt sagen, daß Gott, als die Ursache aller Erscheinungen, als die Ursache jener tragischen Schicksale unserer Großen sei . . . Aber — und das vergessen unsere vergeßlichen Athener — der Gott, der die Schläge schickt, beschwört sie auch wieder, er, der die Nöte bereitet, bringt auch die Rettung. Denn nicht vom Leide lebt der Auserwählte, sondern trotz des Leides, nicht vom Hunger, sondern trotz des Hungers. Und bestünde die Welt aus lauter ginge alle Größe unjedeutunj!ebt; unials solchen schuftigen Logikern weigerlich vor die Hunde. Daß dem nicht so ist, daß der große Mann und leben bleibt, kommt eben daher, daß sich immelj wieder Menschen finden, die ihm hilfreich zur Seit treten, daß sich Freunde finden, die unbeirrt furchtlos, als eifrige Bekenner und gläubige Apost seiner idealen Berufung, für ihn Zeugnis ablegen. Da der Hergott ihm eben — durch die Hilfe andere Menschen — immer wieder Rettung bringt . . . In ihrer, der Menschen Hand aber liegt welchem Dienste sie sich hingeben mögen, ob der Dienst des Freundes oder Feindes, des Bekenners ode Büttels, mit einem Wort, ob sie des großen Helfer oder Henker werden wollen. In der Person eines hohen Adeligen, eines wahre Grandseigneurs an Geist und Gemüt, ist dem große Uriel Birnbaum endlich ein Helfer, Bekenne und Apostel dieser idealsten Art erstanden. Ein soeben erschienenes Buch, eine Monographi unter dem Titel: „Uriel Birnbaum. Dichter, Maler Denke r", von Dr. Arthur Graf Polzer Hoditz, bildet das erhabene und zugleich erschüt ternde Evangelium vom Schaffen Uriel B i r n b a u m s. Der Autor, altösterreichischer Aristokrat, streng' gläubiger Katholik, ein Mann, der als Kabinettschef de letzten österreichischen Monarchen eine hohe politisch« ebildeter aler vi riel B chiedenhi eine ^uteil ge\> Durc toffes ve um Umf es£aume, d aums ebenslau Mannejeitlichen eligiösen endenzei erk zug Kein .ebenswe Is für al ünstleris So is :rwähnur iefährtin, .ettern i leiben w lücklich md bildn lonen vc