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Die Wahrheit · 1936-08-28 · Heft 36 (28.8.1936) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 36 (28.8.1936)
Date
1936-08-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 36 — 28. August 1936 DIE WAHRHEIT Anläßlich der hohen Feiertage findet wie alljährlich der FEST GOTTESDIENST im „ADge GOtteS" IX., Nußdorferstraße 75. statt. Kartenverkauf an Sonn- und Feiertasen 9—12 Uhr. an Wochentagen v. 3—5 Uhr. Karten v. S 4.— aufw. Vorstand des Tempelvereines IX., Müllnergasse Vorstand Bikur Chaulim IX., Liechtensteinstr. 113 Der Allgemeine Kranken- und Unterstützungsverein „Monleiiore und Nächstenliebe" veranstaltet wie alljährlich, anläßlich der hohen Feiertage, im Hotel „DaurlSdier Hol" Wien II., Obere Augartenstraße 5, einen FESIGOITESDIINST Der Kartenverkauf findet ab 1. September an Wochentagen von 9—12 Uhr vorm. und von 2—6 Uhr nachm., Sonntag von 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends statt. den und daß weitere 25 Streikführer, unter ihnen der bekannte Führer der IstakJal-Partei Auni Abdul Hadi und der Leiter des Transportarbeiterstreiks Hassan Sidky Dajani, verständigt wurden, daß isie demnächst das Konzentrationslager verlassen werden. Diese Nachgiebigkeit der Regierung hat aber den Obersten Arabischen Ausschuß nicht dazu bewegen können, die unlängst von der Regierung wiederum eingeleiteten Verhandlungen zwecks Beendigung von Streik und Terror weiterzuführen. Die Verhandlungen wurden abgebrochen, weil die vom Mufti geleitete Partei es abgelehnt hat, sich an irgendein Abkommen zu binden, solange die nach London entsandte inoffizielle arabische Delegation nicht nach Palästina zurückgekehrt ist. Die hebräische Tageszeitung „Haarez" fordert, daß entweder der Präsident der Jewish Agency, Dr. Chaim Weizmann, oder der Vorsitzende der Exekutive, David Ben Gurion, mit Rücksicht auf die in Jerusalem stattfindenden Verhandlungen mit ausländischen arabischen Staatsmännern, insbesondere im Hinblick auf die bevorstehende Ankunft des Kronprinzen Teisal von Saudi-Arabien, sofort nach Jerusalem zurückkehre. (Es ist tatsächlich merkwürdig, daß in solch aufgeregten Zeiten die zionistischen Führer oft monatelang vom Unruheherd Palästina abwesend sind. D. Red.) Entwicklang und Aufgaben der judischen Kolonisation. Von W. S t e rnfeld. (Schluß.) Ueber die jüdischen Kolonisationsbestrebungen in Palästina informieren folgende Ziffern: Im Jahre 1919 zählte Palästina 475.000 Mohammedaner und 55.000 Juden. 1934 hatte das Land 843.000 mohammedanische Bevölkerung und etwa 300.000 Juden, heute beziffert man die Zahl der letzteren auf 375.000. Etwa 1,350000 Dunam, d. s. 135.000 ha, sind in jüdischer Hand. Davon entfallen 350.000 Dunam auf den Besitz der Jewish- Ägency, 350.000 auf die Pica und ca. 550.000 Dunam auf Privatgesellschaften und Einzelbesitz. Während der Grundbesitz der Pica sich in den letzten Jahren nicht bedeutend verändert hat, hat der Grund und Boden der Jewish-Agency sehr erheblich zugenommen. Bis zum Jahre 1919 waren von der Jewish-Agency 10 Siedlungen, mit einem Gesamtterritorium von 9335 Dunam und von 164 Juden bewirtschaftet, errichtet worden. Heute bestehen 52 Siedlungen der Jewish-Agency mit einem Areal von 186.000 Dunam und 11.106 jüdischen landwirtschaftlich tätigen Bewohnern. Von diesen 11.106 Juden arbeiten 3568 in 20 Kollektivwirtschaften, 3331 in 16 Moschawimwirtschaften und 4207 in 16 unterstützten Siedlungea (Diese Zahlen sind dem Werke Alfred Bonnes: „Palästina" entnommen). — Der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung seit der Volkszählung vom November 1931 bis Dezember 1935 beträgt nach Schätzung der Exekutive der Jewish-Agency vom 17. April 1936 200.000 Personen. Dreiviertel der heutigen jüdischen Bevölkerung sitzt in den Städten, nämlich 284.000, — 256.000 davon in den Städten Tel-Aviv, Haifa und Jerusalem. — Die städtische Bevölkerung hat seit dem Jahre 1922 um 220%, die der Kolonien dagegen um mehr als 500% zugenommen. Nach der Zählung von 1931 lebten damals 27.000 Juden in der palästinensischen Landwirtschaft, d. h. 18% der damals errechneten jüdischen Bevölkerung. Für Ende 1935 bezifferte die Jewish-Agency die auf der Scholle und von ihr lebenden Juden in Erez-Israel auf 46.000, d. s. 14% der heutigen jüdischen Bevölkerung. Die Verteilung der Eingewanderten auf die verschiedenen Kategorien bietet für die Jahre 1932/34 folgendes Bild: "c h u 5 telte mit lärlgen *e Em 3 CO e-g c im s " " S c Bemit Angel Arbel Angel 6 PalSt' nende 1932 9.553 1.574 3.708 215 1.227 1933 30.322 7.060 18.953 533 2.846 1934 42.359 11.022 22.035 2.423 6.879 Derzeit sind von den in Palästina lebenden Juden 23% in Industrie und Handwerk beschäftigt, bzw. leben von ihnen, 20% ernähren sich vom Handel, 14% arbeiten auf der Scholle, 12,7% im Bauwesen, 12,4% üben freie •Berufe aus, 6,1% gehören dem Transportwesen und seiinen Berufen an, 3% sind in der Hauswirtschaft tätig, .2,4% in öffentlichen Betrieben beschäftigt und 6% sind J?entner. Nichts ist nach den gemachten Erfahrungen in Südamerika, den Vereinigten Staaten, in der Ukraine und der Krim, in Birobidjan und vornehmlich in Palästina falscher als die Behauptung, daß die Juden sich nicht ebenso sehr zu manueller Arbelt und insbesondere zur Landwirtschaft eigneten wie andere Völker. Gewiß sind manche von ihnen körperlich oder durch einseitige geistige Interessen zu diesen Berufen nicht befähigt, aber dieser Prozentsatz liegt sicherlich nicht wesentlich höher als bei allen andern europäischen Nationen. Man sollte nicht verkennen, daß die Erfolge in der Landwirtschaft in den oben genannten Gebieten erzielt wurden von Menschen, deren berufliche Vorkenntnisse meistens sehr gering waren und für deren Ausbildung nur wenige fachlich geschulte Kräfte zur Verfügung standen. Bei den durch die Ica und Pica in Südamerika und Palästina angesetzten Juden handelte es sich vielfach sogar um solche Juden, die schon wegen ihres vorgeschrittenen Alters als zur beruflichen Umschichtung ungeeignet hätten bezeichnet werden müssen. Dennoch gelangen die Versuche in überraschendem Maße, weil eben die psychische Bereitschaft vorhanden war, die die physischen Kräfte stärkte und die äußeren Schwierigkeiten in hartem Kampfe überwand. Auch im Deutschland der Weimarer Republik wurde manches bezüglich der Umschichtung der Juden unternommen. So entstanden die landwirtschaftliche und handwerkfiche Ausbildungsstätte Neuendorf und das Lehr- und Mustergut Winkel. Unter Einfluß des bekannten Soziologen und Bodenreformers Professor Dr. Franz Oppenheimer wurde dann mit Beteiligung fast aller jüdischen Organisationen der „Reichsbund für jüdische Siedlung" ins Leben gerufen und ihm die „Judische Landarbeit" als Siedlungsorgaii angegliedert, die in Groß-Gaglow die erste rein jüdfische Siedlung auf deutschem Boden errichtete. Es wurden hier 35 Gärtnerstellen, 10 Handwerkerstellen errichtet. Die Ansiedlung der Bewerber erfolgte nach dem in Preußen üblichen Rentengutsverfahren, das für die Stelleneigentümer große Erleichterungen für den Erwerb, bei Verzinsung und Amortisation gewährte. — Fast alle diese Gründungen standen unter dem Einfluß des Agronomen und preußischen Domänenverwalters Salomon Dyk. der. bereits im Jahre 1910 In Palästina die erste jüdische Siedlung auf genossenschaftlicher Grundlage nach den Ideen seines Lehrers Oppenheimer errichtet hatte. Als dann der preußische Staat unter der Regierung Braun sich an der Oppenheimerschen „Gemeinnützigen Siedlungs-Treuhandgesellschaft" beteiligte, wurden auch auf dem ehemaligen preußischen Staatsgut Bärenklau unter Leitung Dyks hinge Juden in der Landwirtschaft ausgebildet. Die jüdische Siedlung Groß-Gaglow wurde im Jahre 1935 auf Weisung der jetzigen preußischen Regierung aufgelöst, — die Oppenhermersche Siediungsgesellschaft ist längst seinem Einfluß entzogen. Die errichteten Ausbildungsstätten aber haben bei der geänderten Situation der Juden in Deutschland eine ungeheure Bedeutung für die EmigrationswHligen im Reiche erlangt, so daß zahlreiche weitere Lehrgüter geschaffen werden mußten. Der Umschwung in Deutschland hat auch in den Weststaaten zur Errichtung mancher Lehrstätten und landwirtschaftn'cher und handwerklicher Schulen geführt, deren bedeutendste wohl diejenige in Holland ist, in der zur Zeit eine große Anzahl junger Juden für ihre künftige. Kolonisationstätigkeit vorbereitet wird. Oasregen sind andere Versuche, die von rein privater Herzn. rrauenneimad! Tatzmannsdorfj (Dnrgeniaiid) [ ■ Mineral-, Moor- und natürliche Kolilensäuresprudelfaäder. S : Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei rituelle Re- : : staurants. —Auskünfte und Prospekte: Generalvertretung ■; Wien L, KohlmarktS Tel. U >S-104! •Neu: Moorpackungen und Moorkompressen in!; allen Apotheken erhältlich. I Seite und mit privaten Mitteln besonders in Frankreich unternommen wurden, restlos fehlgeschlagen, hauptsächlich wohl deshalb, weil es diesen meist selbst emigrierten Juden an den notwendigen Kenntmsson fehlte und weil sie nicht verstanden, die erforderlichen Hilfskräfte zur Verwirklichung 'ihrer Idee heranzuziehen. Die Ausbildung und Erziehung der jüdischen Jugend zu manueller Tätigkeit und zur Kolonisation ist eine Aufigäbe, deren Bedeutung heute von den meisten Juden erkannt wird. Nur wenn sie zur Basis des ganzen jüdischen Aufbauwerkes gemacht wird, kann dieses selbst gelingen. Der Völkerbund hat enttäuscht Dr. Paul Hertz, der zusammen mit Kurt Qroßmann die deutsche Emigration in der Tschechoslowakei auf der intersraaffiiehen Konferenz für die deutschen Flüchtinge in Genf vertreten) hat, berichtet in einem Prager Blatte über die Ergebnisse dieser Konferenz wie folgt: Die Hoffnung auf den Völkerbund, der durch seinen großen Vorkämpfer Nansen fiir die Flüchtlinge aus Rußland und Armenien ein vorbildliches Werk geschaffen hat, ist bisher bitter enttäuscht worden. Aus Furcht vor dem Stirnrunzeln der deutschen Machthaber ist 1933 dem Hochkommissar James Mac- Donald jedie wirksame Befugnis versagt worden. Sein Demissionsbrief mit der aufrüttelnden Anklage gegen die deutsche Schmach war die wirksamste Handlung einer mehr als zweijährigen Tätigkeit Seinem Nachfolger, dem pensionierten englischen General Sir Neill Malcolm, sind größere Befugnisse eingeräumt worden. Sein Amt ist eine Einrichtung des Völkerbundes. Und als der Völkerbundrat im Frühjahr beschloß, daß der neue Emigrantenkommissar eine Staatenkonferenz einberufen solle* da dachte man nicht nur am1 die Schaffung einer Vereinbarung über die Rechtslage der Flüchtlinge, es solte auch ihre wirtschaftliche Eingliederung durch Bestimmungen über ihre Verteilung auf die einzelnen Länder in Angriff genommen werden. Diese Absicht ist aber nicht innegehalten worden. Die Konferenz, die vom 2. bis 4. Juli in Genf stattfand und die von fünfzehn Staaten beschickt war, hat sich lediglich mit der Aufgabe beschäftigt, ein vorläufiges Rechtsstatut zu entwerfen, das die beteiligten Staaten zu einer einheitlichen Praxis im Aufe-nthaltsrecht und bei der Paßartelung gegenüber den Flüchtlingen veranlassen soll. Alle sozialen Probleme blieben unerörtert Vom den Rechten der Emigranten an die Aufenthaltsstaaten war weit weniger die Rede als von dem Rechten der Staaten gegenüber den hilflosen Flüchtlingen. Allgemeine menschliche und politische Erwägungen spielten1 eine weit geringere Rolle als das Bedürfnis der Staaten, sich mit dem Stichwort „Sicherheit und Ordnung" vor neuen Flüchtlingen zu schützein!. Schwierige Lage derPalästinamdustrie. In einer von der Jerusalemer Ortsgruppe des palästinensischen Industriellenverbandes veranstalteten Pressekonferenz wurde die schwierige Lage geschildert, in die die Industrie Palästinas Snfolgei deir Unruhen geraten ist Der Referent wies darauf hin, daß die Industrie schon anläßlich des Ausbruchs des italienisch-abessmischen Konflikts, infolge der dadurch entstandenen Panik, schwer zu leiden hatte. Nach vorübergehender Besserung der Lage kam es zu den Unruhen, die die Situation der Industrie in kritischer Weise verschlechtertem!. Auf atlen Wirtschaftsgebieten, mit Ausnahme der Lebensmittel- und Papierindustrie, sei ein Niedergang festzustellen!. Eine Anzahl von Fabriken Sei durch die Unruhen vollkommen zugrunde gerichtet worden; diejenigen, die das Erzeugungstempo nicht herab-

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