Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 36 (28.8.1936)
- Date
- 1936-08-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE "WAHRHEIT Mr. 36 's~r*. 28. August 1936 Seite 3 An unsere & £ (ßeziefker f 7ene fF. ST. (SexieAev unserer Zeitung, die mit dem (Hegteicn -der fOexugsge&fifkr im Äficftstande sind, werden gebeten, die fällige Srebiifir /reundlidisf zu fifiein>eisen. jDie Jfdminisiratfion, Vor emer Enteignung der Juden in Deutschland? Es mehren sich die sehr ernst zu nehmenden Stimmen, die davon wissen wollen, daß jetzt, nach der Olympiade, die maßgebenden Stellen im Dritten Reich daran gehen, neue R egelungen für die jüdische Bevölkerung zu treffen, die insbesondere den jüdischen .Wirtschaftssektor sehr einengen, sowie die Expropriierung jüdischen Vermögens vorbereiten sollen. Der Londoner „Daily Herald" erfährt aus Berlin, daß der bevorstehende Nürnberger NSDAP-Kongreß eine Bewegung zur „Enteignung aller von Juden seit dem Weltkrieg erworbenen Vermögen" einleiten soll. Der Kongress soll weiter die Konfiskation aller unbeweglichen Güter von Juden beschließen. Der Berliner Korrespondent der United Press erfährt, daß für Juden Deutschland eine Sonderpaßregelung getroffen werden wird; Juden werden kurztoefristete PässQ erhalten, damit ihr Auslandsaufenthalt verkürzt und erschwert wird. Ferner wird in einflußreichen Kreisen von einer Eigentuirosibeschränkung für Juden gesprochen, u. a. sollen Juden keinen Grundbesitz erwerben können. Einige Gerüchte wollen sogar wissen, daß die Juden in Zu-r kumft überhaupt nicht mehr Grundbesitz werden haben dürfen. Alle diese Informationen finden ihre Bekräftigung in Andeutungen des Blattes der obersten SA- Führung in Deutschland „Der SA-Mann". Im Anschluß an eine — übrigens allzu hoch gegriffene — Schätzung der heute noch in Deutschland im Eigentum von Juden befindlichen Vermögen auf zwanzig Milliarden Reichsmark schreibt das Blatt: „Die Judenfrage läßt sich, nicht einfach durch Auswanderungen oder Ausweisungen lösen. Es wird vielleicht sogar in manchen Fällen besser sein, ein Jude steht unter Aufsicht des Reiches, als daß er im Ausland gegen sein ehemaliges Wirtsvolk hetzt, das ihn und seine Ahnen durch über ein Jahrtausend mit einer unglaublichen Duldsamkeit und Großzügigkeit in seinem Land hat leben lassen! Wir haben auch wenig Verständnis dafür, daß Juden schwerbeladen mit erschlichenen, ergaunerten, erpreßten und erwucherten Reichtümern über die Grenze ziehen. Es handelt sich wahrhaftig nicht darum, die Juden bloß hinauszulassen. Wir würden die Judenfrage sehr schlecht gelöst haben, wenn wir bloß alle in Deutschland lebenden Juden ausgewiesen hätten, damit diese dann im Ausland Gelegenheit haben, über uns herzufallen, wie das Beispiel in Spanien deutlich zeigt (?). Der Jude muß für unser Volk unschädlich gemacht werden. Auf welchem Wege dies geschieht, ob wir für die Juden eine Konzentrationskolonie schaffen, ob wir sie nach Moskau schicken oder ob wir sie einmal nach dem Mond expedieren, ist zunächst nicht aktuell. Wenn der Jude isoliert ist, wenn der Jude nur mit Juden Geschäfte machen kann, wenn der Jude für seine Einflüsterungen nirgends ein williges Ohr findet, dann haben wir zunächst innerhalb unserer Grenzen die Judenfrage gelöst." Das Deutsche Nachrichten-Büro verbreitete anläßlich der Erhöhung der MUrtärdienstzeit auf zwei Jahre eilten Artikel dttr „Nationalsozialistischen Korrespondenz", des engeren Sprachrohrs des Reichskanzlers, in dem diese Maßnahme mit folgenden Worten begründet wird: „Eine ziffernmäßig kleine, aber im Solde ihrer rassischen Verfilzung einen mächtigen Einfluß ausübende internationale Hetzgruppe versucht, die Welt in das Chaos des kommunisßschen Zusammenbruchs zu stürzen . . ." Auch diese Auslassungen, sowie überhaupt das offenbar auf einen Wink von oben sich in der gesamten deutschen Presse äußernde Bestreben, jede Verwirrung im innerpofirlschen Leben der Völker und in den außenpolitischen Beziehungen, Einzige JOdisdie Handeissdinic In Kaufmännische Wirtsctioftsschule für Knaben und Mädchen. U nerricht nach dem normalen Lohrplan der Handelsschuld n. > ttfien II.. TaborstraBe 39 Telephon Nr. A 45-6-57 Aufnahme in der Direktionskanp'ei; An Werktagen, außer Samstag, von 10 bis 12 und 3 bis 5 © Prospekte gratis 0 Erstkl. Lehrkräfte z. B. auch den spanischen Bürgerkrieg, auf „jüdische Umtriebe" zurückzuführen, sind ein Kennzeichen dafür, daß man im Dritten Reich entschlossen ist, jetzt, nach der Olympiade, den großen Ftldzug gegen die Juden, der vorübergehend gemäßigt war, mit der ganzen Hemmungslosigkeit wieder aufzunehmen. Es wirkt grotesk, daß der Hinweis auf die „rassische Verfflzung" der Moskauer Politik an einem Tage erfolgt, an dem in Moskau die sechzehn Führer der oppositionellen Trotzki-Sinowjew-Gruppe, von denen die Mehrzahl (Sinowjew und Kamenew inbegriffen) jüdischer Abstammung war, hingerichtet wurden, Stalin also die Führung in Sowjetrußland radikal von Juden gereinigt hat. Die Palästina-Unruhen. , In , einer am 23. August veröffentlichten amtlichen Statistik wird die ZahJ . der bis zum Abschluß des vierten Monats nach dem Ausbrach der Palästinaunruhen getöteten und verwundeten Juden, Engländer und Araber bekanntgegeben. Ferner enthält die Statistik Zahlen über Verhaftungen, Verurteilungen und Freisprüche. Die Zahl der unmittelbar durch arabische Attentate getöteten Juden betrug bis zu diesem Zeitpunkt 68 (heute bereits 81). Durch militärische Operationen sind 130 Mohammedaner und 6 Christen gefallen. Die Verluste: der englischen Truppen betragen 11 Mann. Von der arabir sehen Polizei sind 6 Mann gefallen. Sechs Personen (Juden und Araber) sind durch unglück-r liehen Zufall getötet worden, insgesamt sind in den ersten vier. Monaten der. Unruhen 227 Personen umgekommen. Bedeutend höher ist die Zahl der Verwundeten, die bei den Juden allein 200 ausmacht. Von den verwundeten Juden stehen 98 in Krankenhausbehaodlung.' 204 Juden sind im Laufe der Unruhen verurteilt worden. 46 Juden, die verhaftet worden waren, sind freigesprochen worden und 49 Juden warten noch auf die Aburteilung. Von den Arabern wurden 1493 verurteilt, 614 freigesprochen. 284 warten noch auf die Aburteilung. Wie Professor Levi-Billig starb. Der hervorragende Orientalist und Professor an der hebräischen Universität, Dr. Levi-Bil- 1 i g wurde in der Nacht zum 21. August in seiner Wohnung, während er am Schreibtisch saß und arbeitete, durch ein Dum-Dum- Geschoß, das arabische Marodeure von außen durch das Fenster feuerten, getötet. Sein Kopf war durch das gefährliche Geschoß vollkommen zerschmettert. Prof. Levi-Billig, der in London geboren, am Jews College und an der Universität Cambridge graduiert war, stand erst im 39. Lebensjahre: Et war einer der hoffnungsvollsten jüngeren jüdischen Gelehrten. Sem engeres Wissenschaftsgebiet war die Arabistik. Er arbeitete gerade an seinem Buch übejr Restaurant Stefanie "lEO II.« TaborstraBe 12 Hugo ii. Julie Herlinger, geb. Zöllner Bekannt gute Küche, gepflegte Getränke, aufmerksamste Bedienung, zeitgemäße Preise, reichhaltige billige Menüs, sowie alle Spezialitäten, schöner schattiger Garten die moslemitische Sekte der Shiiten, deren Erforschung er sich zur Lebensaufgabe gemach* hatte. Mitten in seiner Arbeit traf ihn das tödliche Dum-Dum-Geschoß. Die hebräische Universität war zum Zeichen der Trauer um Prof. Billig den ganzen Tag über geschlossen. An der Bestattung nahmen der gesamte Lehrkörper und die Studentenschaft der Universität teil. Der Kanzler der hebräischen Universität Dr. Judah Leib Magnes, hielt dem Toten die Trauerrede und sagte, Menschen, die in diesem bände leben und Einfluß üben, tragen die Verantwortung für dieses vergossene wertvolle Blurfc. Es soll nicht vergeben und vergessen werden. Am offenen Grabe sprach noch der hervorragende Orientalist Prof. Fritz G o i t e i n. Die Redner erinnerten daran, daß Prof. Billig nicht das erste Opfer aus dem Körper der hebräischen Universität sei, sondern daß bereits eip Dozent der Universität und eine Reihe Studenten, die als Hilfspolizisten Dienst taten, von arabischen „Helden des Hinterhalts" umgebracht wurden. Weitere Bluttaten der „Heiden des Hinterhalts". Ein mit jüdischen Arbeitern und Hilfspolizisten besetzes Auto, das sich von der Siedlung Meschek Haozar nach Kfar Sabia begab, wurde von Arabern aus dem Hinterhalt mit einem Kugelregen überschüttet. Vier Insassen des Autos, der Leiter der Siedlung Meschek Haozar Meir Beikind, der Frau und Kind hinterläßt, der Hilfspolizist Baruch Gurewitsch, das 17jährige Mädchen Schoschana Glaznitzky und der 23jährige Reuben Strauß wurden getötet. Auch am vergangenen Donnerstag wurde ein jüdisches Auto bei R a m 1 e h aus dem Hinterhalt beschossen. Der 23jährige Chauffeur Hans Grünwa 1 d, dessen Eltern in Hamburg leben, war auf der Stelle tot. Am Montag, den 24. August, haben arabische Terroristen versucht, das Haus Dr. Weizmanns in Rechowot m Brand zu stecken. Es wurde nur geringer Schaden angerichtet. Oefahr der Einstellung der jüdischen Einwanderung akut. Die Antwort des Kolonienministeriums auf die ihm von den höheren arabischen Beamten der Palästina- V e r w a 11 u n g vor einiger Zeit unterbreitete Denkschrift ist in Jerusalem eingetroffen. In dem Antwortschreiben wird versichert, daß nach Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung in Palästina die Möglichkeit einer Einstellung der jüdischen Einwanderung durch die Regierung erwogen werden wird. Weiter erklärt das Kolonienministerium in bezug auf die Befürchtungen der Araber vor jüdischer Vorherrschaft in Palästina, daß die Regierung die Vormachtstellung einer einzelnen Gemeinschaft nicht zulassen werde. Zum Schluß wird den Beamten der Dank für ihre treuen und hingebungsvollen Dienste ausgesprochen. Die Vermittlungsaktionen. Die Vermittlungsaktion der Führer arabischer Staaten, insbesondere des Außermrinisters des Irak Nuri Pascha bei der Paläutina-Regierung hat bisnun nur das Ergebnis gehabt, daß 25 arabische Streikführer aus dem Konzentrationslager in Sarafend entlassen wur- Junge &ame mit englischer und französischer Staatsprüfung langjährigen Aufenthalt in Paris, erteilt Unterricht in englischer und französischer Sprache. Beste Referenzen. Tel. A 24-7-53, möglichst. 8-9 Uhr früh