Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 36 (28.8.1936)
- Date
- 1936-08-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 36 — 28. August 1936 Seite 5 Jlodecne StioaümtksschuCe SsSÄ uc<l Volüntemat. /tt/>/4u..*Mn»r£n;»i fnr Miitel-, Haupt- und Volksschüter lUUfUHUtaqSneiHt (N:,chbi!te, Sprachen. Sport, Musifc.) Anmeldungen: Or. IRE ME WURKICELD, Wien Vi!., Zieelerijasse 03, Telephon B .19 1 21 L setzten, haben große Warenvorräte geschaffen, für die es augenblicklich keine Absatzmöglichkeit gibt. Das hat zu Arbeite rentlassu ngen geführt. Viele Fabriken werden zu völliger Betriebseinstellung genötigt sein, falls die gegenwärtigen Zustände in Palästina noch längere Zeit andauern. Weit weniger bedenklich wäre die Lage der Industrie, wenn nicht so viele Artikel, die heute schon in guter Qualität in Palästina hergestellt werden, noch immer aus dem Ausland bezogen würden. Das gilt z. B. von Wirkwaren, Möbeln und Zemient. Fast achtzig Prozent dieser Waren, für die im letzten Jahr über 850.000 Pfund an das Ausland bezahl wurden, seien im Lande selbst erhältlich. Austritt angesehener Rechtsanwälte aus dem „Arischen Anwaltsverband". Der erste und der zweite Präsident der Wiener Rechtsanwaltskammer, Dr. Mayer und Dr. Krasser, sowie mehrere angesehene sind aus dem Verbände deutsch-arischer Rechtsanwälte, dessen Vorsitzender Dr. Viktor Tscii adesch ist, ausgeschieden. Wie von maßgebender Seite erklärt wird, war bei diesem Schritt ausschlaggebend, daß der „Arische Anwaltsverband" auf die Agenden der Rechtsanwaltskammer Einfluß nehmen wollte. Ueberdies steht man im Präsidium der Kammer auf dem Standpunkt, daß für die rassenpolitischen Tendenzen des „Arischen Rechtsanwaltsverbandes", für die merkwürdigerweise „Die Reichspost" Reklame macht, die gesetzlichen Grundlagen fehlen. Wenn der ständische Aufbau im Anwaltsstand vollendet ist — so wird erklärt — dürfte auch der Verband deutsch-arischer Rechtsanwälte seine Grundlage verlieren. Kürzlich wurde bekanntlich dem -Arischen Anwaltsverband" von maßgebenden holländischen Anwaltskreisen wegen dessen antisemitischer An* biederung eine scharfe Abfuhr erteilt. Kongreß des Internationalen Verbandes der Ligen gegen Antisemitismus. Vom 19. bis 21. September wird in Paris die „Föderation Internationale des Ligues contre l'Antisemitäsme" ihren Kongreß abhalten. Nach den bisherigen Anmeldungen werden Delegierte aus folgenden Ländern anwesend sein: Frankreich, Tschechoslowakei, Schweiz, Belgien, Oesterreich, England, Holland, Dänemark, Spanien, Aegypten, Palästina usw. Die Delegierten werden über die Lage in den einzelnen Ländern berichten. Es werden ferner Referate über die Entwicklung der antisemitischen Bewegung in der Welt gehalten werden. Endlich soll auf dem Kongreß die Frage der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen im Abwehrkampf untersucht werden. Die neue Leitung des Central-Vereins der Juden in Deutschland. Nachdem die Satzungsänderungen des Centrai-Vereins durch Eintragung in das Vereinsregister rechtswirksam geworden sind, ist die Leitung' des Vereins vom Hauptvorstand neu gewählt worden. Vorsitzender wurde Rechtsanwalt Dr. H e r zfeld-Essen, der bisher Stellvertreter des Vorsitzenden gewesen ist. Dr. Rudolf C a 11 m a n n- Köln, Dr. Rudolf G e i g e r - Frankfurt am Main, Ernst Wal lach-Berlin und Dr. Bruno Weil- Berlin, sind, wie bisher, Stellvertreter des Vorsitzenden. Der Arbeitsausschuß hat einen Beirat gewählt, der aus dem Präsidium und folgenden Herren besteht: Dr. Hans Fritz Abraham-Berlin, Dr. Kurt Alexander-Krefeld, Dr. Friedrich Brodnitz-Berlin, Dr. Franz Eugen Fuchs-Berlin. Dr. Erich Bry-Breslau, Dr. Otto Hirsch-Berlin, Dr. David Krombach-Essen, Karl Löwenstein- Aachen, Ferdinand Samoje-Berlin, Rabbiner Dr. Manfred Swarsensky-Berlin. Zum Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses wurde Alfred Panofsky-Berlin wiedergewählt. Die geschäftsführenden Syndici Dr. Alfred Hirschberg und Dr. Hans Reichmann sind in der Eigenschaft als ermächtigte Syndici bestätigt worden. fiietzsdie und des ftassensdnvindet. Die antisemitischen Schwindler, die Nietzsche in einen Rassenantisemiten umfälschen wollen, rechnen offenbar damit, daß die „Herdenmenschen", die ohne Leithammel nicht auskommen, die Werke des eigenwilligen Philosophen nie aufschlagen. Denn täten sie es, so würden sie alsbald gewahr, daß Nietzsche nichts verhaßter war als die Plattheiten, die den Gedankengehalt des Rassenantisemitismus bilden. Einige Zitate mögen das beweisen: Ich mag sie nicht, die neuesten Spekulanten in Idealismus, die Antisemiten, welche heute ihre Augen christlich-arisch-biedermännisch verdrehen und durch einen jede Geduld erschöpfenden Mißbrauch des wohlfeilsten Agitationsmittels, der moralischen Attitüde, alle Hornviehelemente des deutschen Volkes aufzuregen versuchen ... (Nietzsche: „Zur Genealogie der Moral.") Es gibt wirklich Menschen, welche eine Sache damit geehrt zu haben glauben, daß sie dieselbe deutsch nennen. Es ist der Gipf el der nationalen Verdummung und Frechheit. (Nietzsche: „Morgenröte.") Wieviel Verlogenheit und Sumpf gehören dazu, un; im heutigen Mischmasch Europas Rassefragen auf zu werfen! (Gesetzt einmal, daß man nicht seine Herkunft in Borneo oder Horneo hat ...). Mit keinem Menschen umgehen, der an dem verlogenen R a s s en s ch w i nd e 1 Anteil hat. (Nietzsche: Werke VIII. 497. 4*8.) ... Wozu es vielleicht nützlich und billig wäre, die antisemitischen Schreihälse des Landes zu verweisen. (Werke VIII. 220.) Als ein Volk der ungeheuerlichsten Mischung und Zusammenrührung von Rassen, vielleicht sogar mit einem Uebergewicht des vor-arischen Elemente, als „Volk der Pension und Restaurant TAUBER, Abbazia Erstklassige orth. koschere Küche. Zimmer mit jedem Komiort, volle Pension von 25 Lire aufw. Mitte" in jedem Verstand, sind die Deutschen unfaßbarer, umfänglicher, widerspruchsvoller, unbekannter, unberechenbarer, überraschender, selbst erschrecklicher, als es andere Völker sich selber sind. (Werke VIII, 209.) Man muß es in Kauf nehmen, wenn einem Volke, das am nationalen Nervenfieber und politischen Ehrgeiz leidet, leiden will, mancherlei Wölken und Störungen über den Geist ziehen, kurz, kleine Anfälle von Verdummung: zum Beispiel bei den Deutschen von heute bald die antifranzösische Dummheit bald die antijüdische, bald die antfpol nische ... (Werke VIII, 218.) Die Bedeutung der jüdischen Handelsschule für die Jttdenschaft und jüdische Jugend. Ungemein schwer ist der gegenwärtige Kampf des Judentums, einerseits angesichts de; furchtbaren wirtschaftlichen Schwierigkeiten, anderseits hat es sich ,gegen die schreckliche Judenhetze und Verfolgungen zu: verteidigen. Der junge Jude muß daher noch besser gerüstet ins Leben treten als sein nichtjüdischer Konkurrent. Der Jude steht daher vor einem Dilemma, wenn er entscheiden soll, in welche Schule er sein Kind am besten sendet. Von ganz besonderer Wichtigkeit sind in dieser Hinsicht die Fachschulen, vor allem die Handelsschulen, da der kommerzielle Beruf für die Judenheit nach wie vor von großer Bedeutung ist. Infolgedessen ist eine jüdische rfandelsschule. Wien IL, Taborstraße 39, Tel. A-45-6-5"' gegründet worden. Die neugegründete jüdische Handeisschule für Knaben und Mädchen arbeitet nach dem gleichen Lehrplan wie alle anderen zweiklassigen Handelsschulen, wurde aber mit schulbehördlicher Genehmigung der spezifisch jüdischen Struktur der Schule angepaßt. Am Sabbath und jüdischen Feiertagen findet kein Unterricht statt. Die Leiter der Schule sowie <fie Lehrkräfte sind ausnahmslos Juden und kommt ihnen eine erstrangige theoretische wie praktische Qualifikation zu. Die jüdischen Eltern, die ihre Kinder der neuen Anstalt anvertrauen, nützen dadurch nicht nur diesen selbst in geistiger und materieller Hinsicht, sondern auch dem gesamten Judentum, indem sie mithelfen, einen jüdischen Nachwuchs zu schaffen. Es werden auch Sonderkurse aller Art für Knaben und Mädchen. Herren und Damen abgehalten werden. Zu bemerken wäre noch, daß die Direktion der Lehranstalt nach Absolvierung; der Schule für baldige- Anstellung sorgt SchmQcftung tob Grüften and Grünen! LeopoldDeutschJienXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor. Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhoi IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Haltaren £iteratuT. N. N. Glatzer, Untersuchungen zur Geschichtslehre der Tannaiten. Berlin, Schocken-Verlag, 1933. Der Verfasser nennt diese meisterhafte Studio bescheiden einen '„Beitrag zur Reltgionsgeschichte". Sie isi aber zugleich eine wertvolle Bereicherung der wissenschaftlichen Talmudforschung, und geeignet, die Teilnahme an diesem Wissenszweige zu wecken und zu stärken. Mit wünschenswertester Klarheit ist das Geschichtsbild der Tannaiten gegen das anderer Kulturkreise abgegrenzt. Die Diesseitigkeit ihrer Weltanschauung in Harmonie mit ihrer Eschatologie. ihre mit gespanntem Idealismus gepaarte Besonnenheit in der Auffassung geschichtlichen Geschehens kann nicht deutlicher dargestellt werden. Für ihren historischen Tiefblick könnte man vielleicht noch darauf hinweisen, wie zutreffend in Megilla 6 eine- Weltkatastroplie für den Fall vorausgesagt wird, daß die Germanen einmal den Zaun durchbrechen sollten, den Rom ihnen gezogen hui. und daß diese Vorahnung der Völkerwanderung ein Echo in der Furcht vor den Germanen findet, die nach Plutarch, Dio Casius und Tacitus (Germania, Kap. .53) seit dem Einfall der Chnbern und Teutonen mit geringen Unterbrechungen die Römer nicht mehr '. erlassen hat. G. Richard Wagner an Judith Gautier. Der großen Reihe französischer Staatsmänner, welche sich literarisch betätigen, reihte sich Louis Barthou würdig an. Seine im Jahre 1932 veröffentlichte Studie: Richard Wagner et Judith Gautier (Documenta inedits) hat besonderes Interesse und Aufsehen erweckt. Ein wenig verspätet — genannte Studie wurde bereits vor zwei -ihren ins Tschechische übertragen —erscheint nun eine deutsche Publikation über dieses Thema. Der hervorragende Schweizer Musikkritiker Dr. Willi Schuh, den wir von der Neuen Züricher Zeitung bestens kennen, ist der Autor des im R o t a p f o 1 - V e r I a g, Zürich, neu erschienenen Buches: „Die Briefe Richard Wi-gners an Judith Gautier". In einer ausführlichen Einleitung unter dem Titel ..Die Freundschaft Richard \V agners mit Judith Gautier" faßt Schuh dieses Intermezzo übersichtlich zusammen. Zu „allen guten Din- I Die besten Eisen Mist-ulftitviiu 3 mal täglich frisch bei IÖ6EL, WißQ H., PraüFSirale 32 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiifschul). Ausgezeiciinete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— auiw. Hochzeiten. Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. gen'" in Wagners Leben, zu Minna. Mathilde und Cosima. gesellt sich nun keine jüdische, sondern eine französische Judith. Während Wagner an „Parsival" arbeitete, schrieb er merkwürdige Briefe an die um siebenunddreißig Jahre jüngere und mit dem Musiker Benedictus eng befreundete Pariser Schriftstellerin Judith Gautier. Trotz der großen Verehrung, welche Judith dem Meister Wagner entgegenbrachte, scheinen dessen Gefühle auf sie keinen Eindruck gemacht zu haben. Außer Judith Gautier bringt uns das Buch Schuhs noch einige französische Freunde Wagners sehr nahe. Ebenso wie mit seinen jüdischen Freunden und Föderom ging Wagner nicht sehr schonend mit seinen französischen Freunden um. Schrieb Wagner, ohne Rücksicht auf seine jüdischen Freunde (Meyerbeer, Löwy) die Broschüre „Das Judentum in der Musik", so mußten die Franzosen (Cabulle Mendes, welcher vorübergehend, mit Judith Gaottier verheiratet war. Villiers de l'Isle-Adam), scharfe Worte in bezug auf ihr Vaterland sowie das Lustspiel „Eine Kapitulation" in den Kauf nehmen. Ein hochinteressantes, aktuelles Buch, das jeder Musikfreund lesen soll. — n. Semeindechroniti. Repräsentanz der jüdischen Gemeinde Lemberg behördlich aufgelöst Nach einer polizeilichen Haussuchung in der Kanzlei der Jüdischen Gemeinde wurden die Bücher beschlagnahmt, Dokumente und .Wahlakte versiegelt. Auf behördliche Anordnung wurde die Amtstätigkeit der Gerne inderepräsentar. z suspendiert und eine neungliedrige Interimskomm i s s i o n, bestehend aus Angehörigen der vaterländischen Richtung, mit der Führung der Oemeindegeschäffco betraut An der Spitze der Kommission stehen Richter W e i c h e r t und der Vertreter des Frontkämpierbundes Dr. Z i r I e r.