Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 34 (14.8.1936)
- Date
- 1936-08-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr:_34 — 14. August 1936 Seite 5 Wien lM Seitenstettengasse 2 XLp Zentralfrledhof neben dem L Tor __Samitag gm»chlo»aanl Jltutter. Noch ehe du zum Menschen wurdest, Hat deine Mutter schon Für dich den Lebenshauch geatmet Und früher als das Sonnenlicht Erstrahlte ihre Liebe dir. Es lodert diese Flamme nicht Und nicht dem Fackelscheine* Gleicht die stete Glut. Wann hast du, Mutter, nicht gelitten Um der Kinder willen? Doch ist dein liebevoller Geist Im gleichen Maße stark Zu alten, allen Zeiten Oskar Rosenzweig. £in jUdisdkes *€of£ege in Instand. Auch in England, wo jüdischen Knaben selbst die vornehmsten Internate von Eton und Har- .row offen stehen, ist jetzt der Wunsch und das Bedürfnis aufgetaucht, ein rein jüdisches College zu errichten. Sämtliche jüdische Gemeinden Englands haben groGe finanzielle Opfer gebracht, um diese Schule in Preston Pack, einem mitten in einem Park gelegenen Landstädtchen im nächster Nähe dies größten englischen Seebades B r i g h t o n aufzubauen. Ein jüdischer Architekt A. V. P o 1 i c k o w s k i ist der Baumeister des Gebäudes, das in fast allen großen englischen Zeitungen abgebadet ist und als u n- «-■rreichtes Muster eines modernen Schulgebäudes dargestellt wird, unerreichbar schon deswegen, weil dem Architekten per Kubikfuß 18 Pence zur Verfügung standen, während der Staat für die teuersten Schulbauten nur 10% Pence per Kubikfuß opfert. Vom rein ästhetischen Standpunkt kann uns Kontinentalen dieser merkwürdige Glaskasten mit seinen Tragbalken von geschweißtem Stahl kaum gefallen, besonders wenn man ihn mit den schönen, aber unpraktischen gotischen Bauten von Eton vergleicht, von denen wir in Wien eine Kopie £n unserem Akademischen Gymnasium haben; aber man begreift leicht, daß das Haus ein »Maximum von Licht, Luft und Feuersicherheit bietet. Englisch-jüdischem Sinn entspricht, daß an der Schule, die im Herbst; eröffnet wird, sämtliche Lehrer Christen sein werden: nur der Headmaster '(Direktor) ist ein jüdischer Gell ehrte r, dem der gesamte hebräische Unterricht anvertraut ist, auf den besonderer Wert gelegt wird. Da auch 'die Lehrkräfte besser gezahlt werden als in den anderen Colleges ist zu erwarten, daß eine Elite von Lehrern sich der Schule zur Verfügung steilen wird. Mögen aus ihr recht viele bedeutende Männer hervorgehen, zum Segen Großbritanniens und zur Ehre des . Judentums. C. Benedikt. Die Knessio Mechino in Marienbad. Als Ausklang der Knessio Mechino, die in der Vorwoche in Marienbad stattfand und für die agudistische Weltbewegung bedeutsame Beschlüsse faßte, fairud im großen Saale des Kurhauses eine öffentliche Versammlung statt, an welcher die weitesten Kreise der Marienbader Kurlgäste teilnahmen. Als erster Redner sprach Doktor Isaac Breuer, Jerusalem, über die „Ausein- .andersetzung zwischen dem Gottesvolk und dem zionistischen Volk in Gottes Land". Der Direktor der Palästinazentrale Dr. Safomon Ehrmann referierte über die religiöse Lage der Juden in 'Deutschland und schilderte den „Weg vom Liberalismus über den jüdischen Nationalismus zum Agudismus". Der politische Sekretär der •Aguda-Executive, IL A. Goodman, London, r-J{eaiitäteH~!hichpxütutui!-. j Hausverwaltungu. Realitätenvermitderprü- * fang erleichtert Ihnen erstkl. Fachmann. Kos- : terilose Auskunft üb. diesen gewinnbringenden selbständigen Beruf unter „Realitätenbranche" behandelte die aktuellen politischen Probleme der Judenheit und bezeichnete den Jüdischen Weltkongreß als „unbotmäßig und gefährlich für das Judentum". Die Reden wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen- Den Vorsitz führte Rabbiner Jonathan Horov i c z, Jerusalem. Generalkonsul Hugo Ornstein gestorben. Einen schweren Schicksalsschlag hat der allverehrte Ehrenpräsident der „Union", Herr Doktor Jakob Ornstein erlitten. Sein inniggeliebter Bruder, Generalkonsul Hugo Ornstein, ist am vergangenen Sonntag im Deutschlandsberg, wo er zur Sommerfrische weite, einem SchlaganfaH erlegen. Der Verblichene, der erst vor kurzem seinen 71. Geburtstag beging, war eine in internationalen Kreisen bekannte und allseits hochgeschätzte Persönlichkeit. Er zählte als führender Mann der Kaffeebranche zu den bedeutendsten Kaufleuten Südamerikas. Seit fast 20 Jahren widmete er als österreichischer Honorar-Generalkonsul in Brasilien seine hervorragenden Kräfte dem Dienste des Vaterlandes, besonders ausgeprägt waren sein Kunstsinn und sein philanthropisches Gefühl; zahllos sind die hochherzigen Leistungen des Dahingegangenen für künstlerische und Wohttätigkeitszwecke. Er wurde, einem letzten Wunsche entsprechend, in der Familiengruft in Wessel y beigesetzt. An seiner Bahre trauern seine in Brünn wohnhafte Tochter Frau Dora Gottlieb, vier Enkel und sein Bruder Herr Dr. Jakob Ornstein, dem sich die allgemeine herzliche Teilnahme zuwendet, wie die überaus zahlreichen Beileidskuwdgebungen beweisen. Der Herr Staatssekretär für auswärtige Angelegenheit Doktor Schmidt! hat ihm folgendes Telegramm gesandt: „Anläßlich dies Ablebens Ihres als langjähriger österreichischer Generalkonsul hochverdienten Bruders übermittle ich namens des auswärtigen Dienstes aufrichtiges Beileid mit der Ver Sicherung, daß das Außenamt dem Verblichenen stets ein ehrendes Gedenken bewahren wird." Am Grabe wurde auch im Auftrag des Auswärtigen Amtes ein schöner Krane niedargelegt. Auch der erste ungarische Olympionike ein Jude. Karl Kärpäti, der von der ungarischen Mannschaft in Berlin Olympikone im Ringen geworden ist, gehört der jüdischen Glaubensgem e 'i n sc h a f t an. Sein Vater ist Pächter und Grundbesitzer in Debrecen. Der 30jährige Kärpäti hat mit beispielloser Energie vor vier Jahren innerhalb zwei Monaten das Material der letzten zwei Gymnasialklassen bewältigt, um die Reifeprüfung ablegen zu können, weil er sonst nicht in die Landeshochschule für Körperkultur hätte aufgenommen werden können. Er wurde bald Trainer des Ringerverbandes. Nach seiner Rückkehr wird er im jüdischen Gymnasium zu Debrecen einen Posten als Körperkulturproi e s s o r erhalten. — Die ungarische Florettsiegerin Ilona E1 e k ist H a 1 b j ü d i n. Jüdische Handelsschule. Die neugegründete jüdische Handelsschule für Knaben und Mädchen in Wien. II. Taborstraße 39, Tel. A-45-6-57 arbeitet nach dem gleichen Lehrplan wie alle anderen zweiklassigen Handelsschulen, er wurde aber mit schulbehördl'cher Genehmigung der spezifisch jüdischen Struktur der Schule angepaßt. Am Sabbath und jüdischen Feiertagen findet kein Unterricht statt. Außer Englisch und Französisch wird Hebräisch obligat gelehrt, ebenso jüdische Religion und Geschichte. Die Leiter der Schule sowohl wie die Lehrkräfte sirnd ausnahmslos Juden, besitzen außer ihrer fachlichen Befähigung auch eine jahrelange kaufmännische wirtschaftliche wie auch pädagogisch erzieherische Erfahrung und Praxis und kommt ihnen aus diesem Grund eine erstrangige theoretische wie praktische Qualifikation zu. Die jüdischen Eltern, die ihre Kinder der neuen Anstalt anvertrauen, nützen dadurch nicht nur diesen selbst in geistiger und materieller Hinsicht, sondern auch dem gesamten Judentum, indem sie mithelfen, einen jüdischen Nachwuchs zu schaffen. Außer dem Normalunterricht werden Sonderkurse für Absolventen von Mittelschulen aller Typen abgehalten werden, in denen diese, sowie bereits im Berufsleben stehende Damen und Herren ihre Allgemeinbildung durch kaufmännisches Wissen ergänzen können. Es werden Sonderkurse in kaufmännische Fächer, Hebräisch, sonstige Fremdsprachen, Stenographie, Maschinenschreiben und sonstige verschiedene Spezialkurse abgehalten werden. Zu bemerken wäre noch, daß die Direktion der Lehranstalt nach Absolvierung, für baldige Anstellung sorgt Sclunuckung ¥oa Grauen and Gräbern LeopoldDeutscftÄXl einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor. Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhot IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Gemeindedkronifc Gottesdienst anläßlich des Esperantokongresses. Anläßlich der Eröffnung des Esperantokongresses fand Sonntag, den 9. d., im Seitenstettentempel ein feierlicher Gottesdienst statt. Es erschien eine Delegation des Esperantokongresses mit Dr. Zamenhof aus Warschau, dem Sohn des Erfinders der Esperantosprache. Die Festrede hielt überaus eindrucksvoll Rabbiner Dr. B. M u rmcHstein in Esperanto. Die kantoralen Funktionen versah Oberkatitor Fischer mit Chor. Seit Monaten hat die „Einheit" eine Neuerung eingeführt, es wird daselbst ein gut zubereitetes, schmackhaftes und ausreichendes Essen, bestehend aus: Suppe, Fleisch, Gemüse und Mehlspeise um nur 50 Groschen verabreicht. Die Gäste werden von Kellnern bei weißgedeckten Tischen bedient. Dadurch bietet die „Einheit" ganzen Familien, welche sonst nicht in der Lage wären, sich ein Mittagmahl zu gönnen, die Möglichkeit, täglich ein Essen mit Fleisch für billiges Geld zu erhalten. Die Besucherzahl, welche täglich zunimmt beweist die Wichtigkeit und Dringlichkeit dieser neuen Einrichtung der „Einheit", Verein zur Errichtung und Erhaltung von Volksspeisehallen und Mittelstandsküchen. Wien II., Malzgasse 12. Barmizwah. Am 8. d. M. fand in Sauerbrunn die Bairmizwah des Knaben Zwi W i 111 i n, Sohn des Herrn Dir. Gerson W i 111 i n, statt. Pension and Restaurant TAUBER, Abbazia Erstklassige orth. koschere Küche, Zimmer mit jedem Komfort, volle Pension von _ 25 Lire aufw._ Trauung. Sonntag, den 9. d. M., iand im überfüllten Pazmaniten-Tempei die Trauung dos Fräuleins Alice Pisk, Tochter des Herrn und Frau Otto Pisk, mit Herrn Ernst Posamentier, Sohn des Herrn und Frau Heinrich Posamentier, statt. Die starke Beteiligung bewies die große Beliebtheit der beiden Familien in weiten Kreisen, namentlich war der Vorstand des Pazmaniten-Tempels, mit Obmann Oskar S c h r am e k an der Spitze, sehr zahlreich vertreten, um auf diese Weise den Vorstandskollegen Otto Pisk zu ehren. Auf die Anhänglichkeit der Familie Pisk an den Pazmaniten-Tempei wies auch Rabbiner Dr. Z. Taube s in seiner Ansprache hin, in der er weiters deren schönen Familiensinn und ihre Religiosität hervorhob, wie auch den Umstand unterstrich, daß der Bräutigam, der Sohn braver Eltern, seit jungen Jahren fleißig sein Gewerbe betreibe. Der Trauungsakt vollzog sich überaus eindrucksvoll, die Feier wurde eingeleitet und abgeschlossen durch herrliche Harmoniumklänge, Oberkantor J. L. Müller rezitierte, begleitet von dem ausgezeichneten Chor unter Leitung von Dirigent Hirschmann, die Gesänge ausgezeichnet: sehr schön klang auch ein Solo des Chorherrn R e v e s z. Brauteltern und Brautpaar waren Gegenstand herzlichster Gratulationen. Goldene Hochzeit. Herr Bundesstaatlicher Fürsorgerat Ludwig Medak, Ehrenpräsident des Josefstädter Tempelvereines, langjähriges Mitglied der ..Union", feiert am 15. d. M. die goldene Hochzeit mit seiner Gemahlin, Frau Johanna Medak, geb. K o rs o w e r. Todesfälle. Vergangenen Freitag fand unter starker Beteiligung das Leichenbegängnis des verstorbenen Dr. Josef Friedmann statt. Der Verblichene war einer der angesehensten Aerzte der Leopoldstadt und war seit Jahren Obmann der Sektion II der „Bereitschaft". Als solcher hat er eine äußerst segensreiche Tätigkeit auf karitativen Gebiete entfaltet und Ln unzähligen Fällen die Not jüdischer Familien gelindert. Sein allzu früher HeJmgang wird allseits lebhaft beklagt: die allgemeine Teilnahme wendet sich seiner ebenfalls durch ihren Wohltätigkeitssinn bekannten Gattin zu. Sdtaierfln) als WT «iMBVIIlll bei Direktorswitwe mit kultiviertem Haushalt, event. Nachhilfe inkl. Qbermütelsdiule, Klavier gesucht. Frau Grün, Ii., Czerningasse Nr. 3/8