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Die Wahrheit · 1936-08-14 · Heft 34 (14.8.1936) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 34 (14.8.1936)
Date
1936-08-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 34 — 14. August 1936 DIE WAHRHEIT Die Lage in Palästina. Bisher 58 Jüdische Tote. Der 45jährige aus Polen eingewanderte Siedler Seef L i n d e n f e 1 d, aus dqr neuen Kolonie Tagla, wurde auf der Straße nach Chedera ermordet Lindenfeld fuhr mit seiner Frau auf einem Wagen nach Chedera, um dort Gemüse zu verkaufen. Auf halbem Wege begegnete ihnen ein Auto, dessen jüdischer Chauffeur die Frau Lindenfelds einlud, mitzufahren. Als der allein auf dem Wagen gebliebene Kolonist viele Stunden später noch nicht Mi Chedera eingetroffen war, ging man ihn suchen und fand ihn neben seinem Wagen ermordet. Das Pferd war weggeführt worden. In der Nacht zum Freitag ist in einer Orangenpflanzung in der Vorstadtsiedlung Hatikwa bei Tel Aviv der aus Konstantinopel eingewanderte 27jähr. Reuben L e v i erschossen worden. Der Tote wurde in Tel Aviv unter starker Beteiligung der Bevölkerung zu Grabe getragen. Dem Tel Aviver Vizebürgermeister Rokach wurde nicht gestattet, anläßlich der Beisetzung eine Rede vor dem Rathaus in Tel Aviv zu halten. Auf dem Friedhof geißelte er das Vorgehen der arabischen Terroristen, die ihren Heldenmut im Hinterhalt beweisen. Mögen sich doch, rief er aus, uns in offenem Kampf entgegentreten und ihren Mut zeigen. Bei iBinem Besuch im Akko wurde dar e n g 1 ische Archäologe Allen Row von zwei arabischen Jugendlichen durch Messerstiche verletzt. Der am 1. August bei' etaem Spaziergang in Haifa von arabischen Terroristen schwer verwundete 20jährige sephardische Jude Jos ei Ka 1 eb ist seinem Verletzungen erlegeu-. Der Bürgermeister der jüdischen Kolonie Mizpah am Genezareth-See wurde bei einem Bombenanschlag getötet. Er ist das 58. jüdische Todesopfer. In einem Haus in der jüdischen Kolonie Rosch-Pinah, an der Grenze der Kolonie, wurde eine Bombe geschleudert, bei deren Explosion vier Juden und eine 23jährige jüdische Frau, verletzt wurden. Frauen und Kinder der in Tel Aviv lebenden jüdischen Flüchtlinge aus Jaffa veranstalteten am 6. August vor dem Amt des Distriktskommissars etne Kundgebung. In dem Demortstrafionszug wurden Transparente mitgeführt, auf denen die Forderung der Flüchtlinge nach Brot zu lesen war. Der Zug begab sich sodann zu dem Amtsgebäude der Jüdischen Gemeinde Jaffa/Tel Aviv. Hier wurde dein Demonstranten erklärt, daß sofort Verhandlungen mit High Commissioner Sir Arthur Wauchope über die Regelung der Flüchfffingsfrage aufgenommen werden würden. Nach einer Havas-Meldung hat die Palästinaadministration der englischen Mandatarmacht bekanntgegeben, daß?ste eine Entschädigung für die während der gegenwärtigen Wirren erlittenen Schäden nicht zahlen werde. Die BaSfour-Deklaration — nur ein Experiment. In der soeben erschienen Nummer der Zeitschrift „Great Britain and the East" wird erklärt, die Regierung lehne offenbar eine vorübergehende Einstellung der Einwanderung als Mittel zur Wiederherstellung der Ordnung in Palästina ab. Aber nach der in einem bis zwei Monaten zu erwartenden Beendigung der Unruhen werde die Frag© neuerlich erwogen werden. Die Entscheidung werde vermutlich von keinem der Streitteiie begrüßt werden. Was immer entschieden wierden sollte — so heißt es in dem Leitartikel — das Mandat bleibt aufrecht. Darüber kann nicht der geringste Zweifel bestehen. Aber das Mandat aufrechterhalten ist, wie jedermann wissen sollte, an sich kerne Politik: die Politik liegt in der Interpretation. Verschiedene Interpretationen sind möglich. Die Juden legen den Nachdruck auf den „Aufbau" eines Jüdischen Nationalheims in Palästina, manche von ihnen gehen so weit zu sagen, daß dies der primäre Zweck des Mandates sei und ohne ihn England überhaupt nicht in Palästina wäre. Die Araber andererseits weisen auf die erklärte Verpflichtung der Msndatarmacht hin, nichtjüdische Rechte zu schützen, und fragen, wie diese Verpflichtung, die Völker der Mandatsgebiete zu bevormunden, erfüllt worden sei. Es ist dies die erklärte Politik Englands, eine Politik, die vom Völkerbund selbst akzeptiert wurde, diesen beiden Verpflichtungen gegenüber Juden und Arabern „gleiches Gewicht" zu geben. Hätten wir die gegenwärtige Lage im Heiligen Lande, wenn diese Politik treulich erfüllt worden wäre? Das ist — so wird in dem Artikel weiter ausgeführt — nur eine der vielen Fragen, die die Kgl. Kommission zu beantworten haben wird. Sollte sie z. B. erklären, daß die in letzter Zeit stark vermehrte Einwanderung der Juden durchaus berechtigt war und fortgesetzt werden soll, dann werden wir auf alle Fälle wissen, wo wir stehen, und vermutlich wird die Regierung einem solchen Rat entsprechend handeln. Sollte die Kommission andererseits eine wesentlich verringerte Einwan- LeopoldstSdter Temcelvereln „AESCHEL AWROHOM" Bei den Trauungen in unserem Gotteshause werden von den amtierenden Mitgliedern des Vorstandes Spenden zur Vermehrung des Braotausstattnngsfonds. aus dem arme und ehrbare Brautpaare unterstützt werden, gesammelt. Diese Stipendien werden am 1. Selidiottage. als. Erinnerung an die Einweihung unserer Synagoge, flüssig gemacht. Es werden daher auch im heurigen Jahre arme, würdige und ehrbare Brautpaare am Selichottage (13. September) mit dem Stipendiumbetrage beteilt, wobei denselben eine sehr würdige Gratistrauung geboten wird. Diesbezügliche Gesuche sind rechtzeitig an den Tempekrorstand. II.. Pazmanitengasse 6, zu.richten. Für den Vorstand: «ri.- :_ Aw 5«96 Oskar Sduamek, ■ Wien, im Aujjust ]Q36 _Obmann._ derung anraten, so wird man das ebenfalls hinnehmen müssen. Zum Schluß wird in dem Artikel betont, daß der Aufbau eines Jüdischen Nationalheims auf Grund der Balfour-Deklaration nur ©in Experiment darstellt, und die Möglichkeit einer Neuorientierung der englischen Palästinapolitik angedeutet. Diese Kgl. Kommission — schreibt ,Great Britain and the East" — ist vielleicht nicht dem Wesen nach, bestimmt aber nach Aufbau und Prestige verschieden (von früheren Kommissionen). Es handelt sich hier um eine wirklich große Sache, von der es kaum zuviel gesagt ist daß die Regierung von ihr das Durchschneiden' des gordischen Knotens erwartet. Ueberblickt man das Problem aus großer Perspektive, so wird man sehen, daß das, was in Palästina seit dem Kriege geschieht, ein Experiment ist. Der Urheber der Balfour-Deklaration hat in der Tat mehr als einmal den Aufbau eines jüdischen Nationalheims als ein Experiment bezeichnet. Experimente aber können in der Politik, ebenso wie in der Wissenschaft, nur auf dem Wege von Versuch und Irrtum durchgeführt werden. Nach dem Ergebnis zu urteilen — und welches andere Kriterium gibt es? — haben wir geirrt. Sollen wir Geschehenes ungeschehen machen, die Uhr zurückdrehen, eine neue Linie ziehen? Wir werden es nicht wissen, bevor nicht die Kgl. Kommission ihren Bericht erstattet und die - Regierung diesen Bericht geprüft hat. Eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges in der Leopotdstadt ist das gestern in der Praterstraße Nr. 11 (Lloydhof) unter kolossalem Zustrom des Publikums neu eröffnete Cafe Freiwirth. Nach der gründlichen Renovierung der dort befindlich gewesenen Kaffeehauslokalitäten, welche durchgreifende Umgestaltung nach den gediegenen Entwürfen der tüchtigen Architekten Czuczka und Hakel vorgenommen wurde, bietet das neue Etablissement dem Besucher sofort den Eindruck eines gut bürgerlichen Kaffeehauses, als welches es sein neuer Besitzer, der allseits beliebte und geschätzte Cafetier Rudolf F r e iwirth auch zu führen gedenkt. Aus der Leopoldstadt ist dieser erstklassige Fachmann auf dem Gebiete des Gastgewerbes hervorgegangen, in diesen Bezirk kehrt er nun zur Freude seiner vielen Anhänger zurück, die 'hm an seiner neuen, allen Ansprüchen eines bürgerlichen Kaffeehausbesuchers Rechnung tragenden Wirkungsstätte sicherlich treue Gefolgschaft leisten werden. Das neue Kaffeehaus könnte ruhig in der Stadt stehen, aber es hat Preise, die 'seinen Besuch von breiten bürgerlichen Schichten ermöglichen. Herza. fraoenhellbad; Tafzmannsdorfj CBurgeniand) \ j Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäurespradelbäder. S I Billiger Pensionspreis inklusive Heilbä.ler. Zwei rituelle Re-• j stsmants. — Auskünfte und Prospekte: Generalvertretung• | Wien L, Kohlmarkt 8 Tel. f -'5-104 5 jNeu: Moorpackungen und Moorkompressen in! | allen Apoilielten erhältlich. Der Völkerbund soll deutsche Judenfrage prüfen. Acht Weitverbände, unter ihnen das A m e r; c a ii J e w i s h C o m m i 11 e e, die amerikanischen B'n a i B"rith Logen, die Aliiance Israelite Universelle und die französische Liga für Menschenrechte haben dem Völkerbund eine mit Dokumenten belegte Petition unterbreitet, in der gefordert wird, daß die nächste Völkerbunds Versammlung sich mit der Lage der Juden in Deutschland befasse. In der Petfttion wird darauf hingewiesen, daß die gesetzgeberischen Maßnahmen in Deutschland in ihren Auswirkungen auch internationale Rechtsverhältnisse berühren und daß die Masscnausw a nderung die Gefahr einer Verschärfung schwieriger Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt anderer Länder mit sich bringe. Die besten Eisen Morstaal SelAvares 3mal täglich frisch bei 1A6EL, Wien II., Pratmtrile 33 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiifschui). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— auiw. Hochzeiten, ■Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Mit Typhusbazillen gegen die Juden. In dem Prozeß gegen die „S c h w a r z e L e>- gion" von Detroit, zu deren Zielen insbesondere auch antisemitischer Terror gehörte, gab der Staatsanwalt MacRea bekannt, daß einer der Angeklagten, der Drucker der Legion William Guthrie, ihm mitgeteilt habe, die Terroristen hätten geplant, viele Juden von Detroit mit Typhusbazillen zu infizieren. Die Durchführung dieses Planes habe er verhindert, indem er sich weigerte, seinen Keiler für die Herstellung von Typhuskulturn zur Verfügung zu stellen, und mit der Anzeige bei der Polizei gedroht habe. Auch habe er den Verschwörern, zu denen ein hoher Beamter der Legion, ein Apotheker und ein Bakteriologe gehörten, erklärt, die Sache könnte zu einem Fall „F r a n k e n s t e i n" werden und zur Vernichtung der ganzen Stadt führen. Man hatte beabsichtigt, Bazillen aus den gezüchteten Kulturen der den betreffenden Personen gelieferten Milch und dem Käse beizumischen. Im Zusammenhang mit dem in dem Prozeß gegen die ..Schwarze Legion" aufgedeckten Plan der Terroristen, Juden in Detroit mit Typhusbazillen zu infizieren, hat der Sanitätsausschuß von Detroit den Bakteriologen Charles T. Mac Cutcheon, an den ein hoher Funktionär der „Schwarzen Legjon" mit dem Vorschlag herangetreten war, Typhuskulturen zwecks Infizierung Detroiter Juden anzulegen, aus dem Dienst entlassen, weil er seinen Vorgesetzten von den Plänen der ..Schwarzen Legion" nicht Mitteilung gemacht hatte. Briefkasten. D. R. Wir sind in der Lage, Ihnen mitzuteilen, daß das Manuskript der von der Jewish Publicatio.i Society of America in Philadelphia herausgegebenen Buches „V i e n n a" von Dr. Max Qrunwald, dessen Besprechung in der heutigen Nummer erfolgt, bereits im Juni 1933 druckfertig vorlag, die Ungunst der Zeiten aber, wie aus dem Vorwort der Herausgeber hervorgeht, die Drucklegung bisher verzöget hat: f-.rne-r. daß chne Hinzuziehung des Autors aus ökonomischen Rücksichten Kürzungen vorgenommen wurden und, wie gleichfalls die Vorrede besagt, der Druck zum großen Te l ohne seine Korrekturen erfolgt ist.

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