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Die Wahrheit · 1936-08-07 · Heft 33 (7.8.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 33 (7.8.1936)
Date
1936-08-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 5 Die Lage in Palästina. Bereits 53 jüdisdie Tote. Zwei jüdische Hilfspolizisten, der 22jährige Jehoasch Zoller und der 23jährige Jizchak Kalib c h e w s k i, beide aus Polen stammend und seit einiger Zeit der Wachmannschaft der jüdischen Kolonie Yokneam bei Haifa, zwischen dem Karmel und den Bergen Sebulun gelegen, zugeteilt, gingen Sonntag nachts auf eine Wachpatrouille und kamen nicht mehr zurück. Am Montag morgens fand man sie erschossen in der Nähe der Kolonie auf. Der 'Kopf des einen war von einem Dum-Dum-Geschoß getroffen und vollkommen zerschmettert. Das tragische Ableben der beiden jungen Juden hat die Judenheit in Nordpalästina tief erschüttert. Die Benutzung von Dum-Dum-Geschoßen durch die Terroristen hat stärkste Empörung hervorgerufen. Jehoasch Zoller und Jizchak Kalischewski sind das 52. und 53. jüdische Todesopfer seit Beginn der Unruhen. Die Haifaer Polizei hat am Dienstag drei arabische Einwohner des Dorfes Rehaina im Zusammenhang mit der Ermordung der zwei jüdischen Hilfspolizisten Zoller iniiiiiniiimiiiniiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiniiiiiino Wien l.| Seiienstetiengasse 2 XI., Zentralfriedhof neben dem L Tor _Samstag goacfalomacnl iernt durch eine Araberbande gesprengt. Das in hohem Bogen emporsprudelnde 0 e 1 wurde von der Bande in Brand gesteckt. Obwohl die Bande in die Richtung Transjordanien floh, nimmt man an, daß es sich um palästinensische Saboteure handelt. Zwei privat angestellte jüdische Wächter, die vor 14 Tagen in den äußeren Teilen von Jerusalem verhaftet wurden, weil sie Waffen bei sich trugen, sind zu sechs und sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Urteil sprach Richter P1 a n k e 11. Die Namen der Wächter sind Aron Nahama und Chajim Maufes. Der Richter zog die Erklärung der Angeklagten, daß sie die Waffen lediglich zu Verteid'igungsz wecken bei sich trugen, weil die Gebäude der von ihnen bewachten Steinmetzerei vorher zweimal durch Araber in Brand gesteckt wurden, nicht in Betracht. Der Oberste Gerichtshof Palästinas hat nach seiner Entscheidung, durch die die Verhängung von Kollektiv strafen als ungesetzlich erklärt wird, nunmehr gegen eine weitere Maßnahme der Verwaltungsbehörden, nämlich gegen die Internierung politischer Agitatoren in Konzentrationslagern, Stellung genommen. Das Gericht hat die Behörden aufgefordert, die Gründe darzulegen, warum der Jerusalemer Rechtsanwalt und Führer des Streikkomitees Sidky Hassan Dajani nicht aus dem Konzentrationslager entlassen werden könne. Es handelt sich hier um einen P r o b e f a 11, und Kalischewski verhaftet. In der Wohnung des einen Arabers wurde ein deutsches Gewehr gefunden. Gleichfalls am Sonntag wurde der arabische Polizeiinspektor Achmed Naif in Haifa erschossen. Er hat sich in der Bekämpfung der Terroristen energisch hervorgetan, weswegen er den Haß der Terroristen auf sich zog. Die nationalistischen Araber in Haifa haben währen des Begräbnisses des PolLzeiinspektors Achmed Naif, das mit militärischen Ehren erfolgte, die Moschee verbarrikadiert, um zu verhindern, daß eine religiöse Feier für Naif abgestillten werde. Wie Reuter meldete, wurde die Naphtha-Röhrenleitung (Pipe Line), die von den Petroleumfeldern des Irak nach Haifa führt und die der Irak Petroleum .Company gehört, etwa zwei Meilen vom Jordan ent- Pension und Restaurant TAUBER, Abbazia Erstklassige orth. koschere Küche. Zimmer mit jedem Komfort, volle Pension von 25 Lire aufw. der für alle Internierungen in Konzentrationslagern maßgebend sei könnte, da das Gericht sich auf die aus dem englischen in das palästinensische Recht übernommenen Garantien für die Freiheit der Person beruft. Gut informierte Kreise glauben, daß die Palästina-Regierung wahrscheinlich schon in der nächsten-Zeit sich gezwungen sehen wird, den Belagerungszustand über das ganze Land zu verhängen, um endlich Ruhe und Ordnung im Lande herzustellen und den Boden für die Arbeit der Kgl. Untersuchungskorrrmission zu bereiten. Jüdische Einwanderung nach Palästina — weiterhin problematisch. In der Sitzung des englischen Unterhauses am Mittwoch, 29. Juli, hat der Kolonienminister Ormsby- Gore, wie angekündigt, die Namen der Mitglieder der Royal Commission, die nach Palästina zu entsenden ist, um die Wünsche und Beschwerden von Arabern und Juden entgegenzunehmen, offiziell bekanntgegeben. Es sind dies: Der Vorsitzende E a r 1 Peel war von 1922 bis 1924 und von 1928 bis 1929 Staatssekretär für Indien. Er war früher Verkehrsminister und Lordsiegelbewahrer, Mitglied der indischen Round Table-Konferenz und der Round Table-Konferenz für Burma. Er ist 69 Jahre alt. Sir Horace R u m b o 1 d war früher englischer Botschafter in Berlin, Madrid und Konstantinopel, Bevollmächtigter bei den Frfedensverhandlungen in Lausanne und Mitglied der Sachverständigenkommission des Völkerbundsrates, die das Problem der Fürsorge für die aus Deutschland Ausgewanderten zu begutachten hatte. Er beherrscht fließend die arabische Sprache. Sir Laurie Hammond ist Gouverneur von Assam und Chefsekretär der Regierung von Bihar und Orissa gewesen. Sir Morris Carter war früher Oberster Richter von Uganda und Tanganyka, sowie Vorsitzender der Bodenkommission von Süd-Rhodesien. Sir Harold Morris ist Vorsitzender des Nationalen Lohnrates für die Eisenbahnen und Präsident des Gewerbegerichts. Professor Reginald Coupland ist Professor der Kolonialgeschichte an der Universität Oxford. Er war 1923 Mitglied der Kgl. Kommission für den höheren Verwaltungsdienst in Indien. Gleichzeitig mit der Mitteilung über die Zusammensetzung der Kgl. Untersuchungskommission für Palästina machte der Kolonienminister Ormsby-Gore tu der Frage einer zeitweiligen Einstellung der Schmflckung von Grüften und Grauem LeopoldBeutschJienXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zontralfriedhoi I. Tor. Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhot' IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen jüdischen Einwanderung nach Palästina unbestimmte und ausweichende Erklärungen. Die Aussprache nahm folgenden Verlauf: In Beantwortung der von Captain Peter Mac- Donald an den Kolonienminister gerichteten Frage nach der Zusammensetzung der Kgl. Kommission, den ungefähren Zeitpunkt ihrer Entsendung nach Palästina und der voraussichtlichen Zeit, die bis zur Erstattung des Berichtes der Kommission verstreichen werde, bemerkte Minister Ormsby-Gore, er werde mit Erlaubnis des Hauses auf diese und eine Reihe anderer Anfragen in einer zusammenfassenden Erklärung antworten. Die Aulgaben der Kommission werden folgende sein: Die tieferen Ursachen der Unruhen festzustellen, die Mitte April in Palästina ausbrachen; üie Art der Durchführung des Palästinamandats in bezug aui die Verpflichtung der Mandatannacht gegenüber Arabern und Juden zu untersuchen; festzustellen, ob aui Grund richtiger Auslegung der Mandatsbestimmungen Araber oder Juden gerechtfertigte Beschwerden wegen der Art haben, in der das Mandat durchgeführt wurde oder wird; und, falls die Kommission der Ueberzeugung ist, daß irgend welche solcher Beschwerden begründet sind, Vorschläge für ihre Beseitigung und die Verhinderung ihrer Wiederholung zu machen. Es ist noch nicht möglich, fuhr der Minister fort, zu erklären, an welchem Datum die Kommission nach Palästina abreisen wird; aber es ist nicht geplant, daß die Kommission ihre Arbeit in Palästina beginnen soll, bevor die Ordnung dort wiederhergestellt ist (laute andauernde .tlört, rtört-Rufe). Wenn eine Kgl. Kommission ernannt wurde, so hat sie die vollständige Kontrolle über ihr Verfahren, so daß es mir unmöglich ist, eine ungefähre Angabe der Zeit zu machen, die verstreichen wird, bevor der Bericht der Kommission zur Verfügung stehen wird. Was den Vorschlag betrifft, daß während der Arbeiten der Kommission die Einwanderung vorübergehend eingestellt werden soll, so bin ich nicht in der Lage, meiner am 22. Juli aui die Frage des Abgeordneten für den Durhamer Wahlkreis Consett erteilten ausführlichen Antwort etwas hinzuzufügen (Ormsby-Gore hatte erklärt, die Entscheidung der Regierung werde rechtzeitig nach wesentlichen Gesichtspunkten getrorren werden und es könne keine Rede davon sein, daß sie sich durch Gewalttat oder Einschüchterungsversuche beeinflussen lassen werde). Der Minister ging sodann zur Beantwortung der Frage des Abgeordneten Colone! Josiah Wedgwood über, welche Schritte in Palästina unternommen worden seien, um das die terroristischen Aktionen leitende Komitee in Jerusalem zu unterdrücken und seine Mitglieder zu deportieren. Kolonienminister Ormsby-Gore erklärte, es sei Sache des High Commissioner, im Lichte seiner Kenntnis der lokalen Verhältnisse zu entscheiden, welche Personen wegen einer mit den gegenwärtigen Unruhen in Zusammenhang stellenden Tätigkeit Beschränkungen unterworfen werden sollen; er sei überzeugt, daß der High Commissioner nicht zögern werde, von seinen Vollmachten in jeder ihm notwendig scheinenden Weise umfassenden Gebrauch zu machen. In Beantwortung einer zweiten Frage desselben Abgeordneten, warum in Palästina nicht, wie es bei ähnlichen Unruhen in Ceylon und Cypern der Fall war. das Standrecht verkündet wurde, antwortete der Minister, dies sei nicht der Fall gewesen, weil im Hinblick aui die dem High Commissioner durch die Palestine Defence Order übertragenen umfassenden Machtbefugnisse es bisher nicht als notwendig oder wünschenswert erschienen sei. In der anschließenden Debatte fragte Abgeordneter Wedgwood, warum ein als Mohammedanerfreund bekannter Lord zum Vorsitzenden der Kgl. Kommission ernannt worden sei. Der Koloiiienminister wies die Behauptung zurück, daß irgendein Mitglied der Kommission. in irgendeinem Sinne für oder gegen Mohammedaner oder Juden voreingenommen sei. Lautete schon die obige Erklärung des Kolonienministers Ormsby-Gore zu der Frage, ob die Regierung eine zeitweilige Einstellung der jüdischen Einwanderung" bis zum Vorliegen des Berichtes der Royal Commission in Betracht zieht, ausweichend und unbestimmt, so läßt die Erklärung, die er in der Unterhaussitzung am 30. Juli zu dieser Frage abgab, das Problem der jüdischen Einwanderung in besorgniserregender Perspektive erscheinen. Auf die Frage von Sir Nicholas Grattan- Doyle, ob der Kolonienminister eine Zusicherung geben könne, daß während der Arbeiten der Kgl. Kommission eine Beschränkung der jüdischen Einwanderung in Palästina nicht erfolgen werde, verwies Minister Ormsby-Gore aui die Antwort, die er am 22. Juli einem Jüdische Handelsschule Der kommerzielle Beruf ist für die Judenheit nach wie vor von größter Bedeutung. Der Jude wird in den anderen, insbesondere in den öffentlichen Berufen planmäßig ausgeschaltet und iindet auch in dem freien Berufen keine Entfaltungsmöglichkeit mehr. Tausende hungernder jüdischer Akademiker sind die Opfer und der traurige Beweis dieser Entwicklung. Der junge Jude muß daher noch besser gerüstet ins Leben treten als sein nichtjüdischer Konkurrent. Die neugegründete Jüdische Handelsschule für Knaben und Mädchen in Wien II., Taborstraße 39, hat sich, anter Leitung und Mitarbeit hervorragend qualifizierter Lehrkräfte, die Erreichung dieses Zieles zur Aufgabe gestellt. Sie wird die ihr anvertraute Jugend in vaterländischem und in jüdischem Sinn erziehen. Der Lehrplan ist selbstverständlich der gleiche wie an den anderen zweiklassigen Handelsschulen: er wurde aber mit schulbehördlicher Genehmigung der spezifisch jüdischen Struktur der Schule angepaßt. An Sahbath und jüdischen Feiertagen findet kein Unterricht statt Außer Englisch und Französisch wird Hebräisch obligat gelehrt, ebenso jüdische Religion und Geschichte. Die jüdischen Eltern, die ihre Kinder der neuen Anstalt anvertrauen, nützen dadurch nicht nur diesen selbst .n geistiger und materieller Hinsicht, sondern auch dem gesamten Judentum, indem sie mithelfen, einen jüdischen Nachwuchs zu schaffen.

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