Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 33 (7.8.1936)
- Date
- 1936-08-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite <5 Nr. 33 — 7. August 1936 tf. b. b. DIE WAHRHEIT Kalender-, Sidra-, Perek-, Omer- und Haftorah-Tafel Oebetat&iräen Aw 5696 August 1936 trüb abds. 7.00 Aw 19. 7.20 1 Kkew (5.B.M.) I snn \ » 20- Haftora 1 810 8 00 ( Watamner tijon? 816 1 5. Perek 1 7.00 | „21. bis 25. | 7.00 abds. Freitag, 7. Augost 7.20 Samstag, S. August 8.10 Sonntag, 9. bis tno Donnerst., 13. Aug. J anderen Unterhausmitglied gab, wonach er noch nicht in der Lage sei, eine Erklärung über die Absicht der Regierung abzugeben, außer der: Die Regierung werde rechtzeitig und nach wesentlichen Gesichtspunkten ihre Entschlüsse fassen. Sir Nicholas fragte weiter, ob der Minister nicht das Gefühl habe, daß solche Antworten in der zur Frage stehenden Angelegenheit allzu unbestimmt seien. „Darf ich", fuhr er fort, „um eine endgültige Erklärung bitten, damit die in der Judenheit bestehende ernste Befürchtung gemildert werde?" Ormsby-Gore erwiderte: „Meine Antwort lautet klar dahin, daß ich keine Antwort geben kann. Ueber die Sache wird noch beschlossen werden." Diese Erklärung des Kolonienministers hat in allen Kreisen des Jischuw tiefe Unzufriedenheit und Erregung hervorgerufen. Es wird darauf hingewiesen, daß eine solche Erklärung den Arabern Aussicht gibt, daß ihr Kampf gegen die jüdische Einwanderung von Erfolg sein kann; eine solche Aussicht sei dazu angetan, die Araber zur Fortsetzung ihrer Auf r u h r t ä t i gk e i t zu ermutigen. Die Erklärung Ormsby-Gores stehe auch in Widerspruch zu vorausgehenden strikten Erklärungen der Regierung, daß sie Gewalt und Terror nicht weichen werde und insbesondere nicht an eine Einstellung der jüdischen Einwanderung denke. Die Unruhen In Spanien und die Juden. Vor kurzem meldeten französische Zeitungen, daß die Lage der Juden in Spanisch-Marokko, dem Ausgangspunkt der spanischen faschistischen Erhebung des Generaiis Franco, gegenwärtig eine sehr tragische und ungewisse sei und daß z. B. die gesamte jüdische Gemeinde in MeJilla in ein Konzentrationslager gebracht worden ist In dem gleichen Zusammenhang wurde mitgeteilt, daß deutsche Agenten eine sehr einflußreiche Rolle in der Aufstandsbewegung spielen. Nunmehr kommen auch aus Spanien Meldungen, die besagen, daß in Spanien selbst die Un: ruhen sich sehr traurig auf die kleine jüdische Gemeinde auswirken. Die von den Militärs 'geführte Auf s tandspa rtei ist offen antisemitisch. Im Radio Sevilla, das in der Hand der Aufständischen ist, erklärte einer der Führer des Militärs in einer Ansprache, daß das „internationale Judentum" einer der Helfershelfer dier spanischen Linken sei. Bereits während des letzten Wahlkampfes hatte die Partei der spanischen Faschisten ..Falange Espanol" mit antisemitischen Schlagworten operiert Der gegenwärtige Putsch wird von dem Bankier March, dem Inhaber der antisemitischen Zeitung ..informaciones". die jetzt von der Linksregierung in Madrid verboten wurde, finanziert. Die Linksregierung ist zwar nicht antisemitisch, aber infolge der schwierigen Lage des Arbeitsmarktes nicht ausländerfreundJich, insbesondere Gegner jeder Ne ai ein Wanderung. Die Massenflucht von Ausländem aus Spanien," unter denen sich auch eine Reihe von Juden befindet, hat in rrrrchen Fällen vielleicht weniger die Sorge um die persönliche Sicherheit zur Ursache als die Ueberzeugung, daß die ohnehin von der Krise stark ergriffene spanische Wirtschaft durch die Revolution weiteren schweren Schaden erleiden wird. Wenn in Barcelona Requirierungen in einigen, jüdischen Emigranten gehörenden Geschäften, insbesondere Lebensmittelhandlungen, vorgenommen wurden, so testen die Inhaber dieses Schicksal mit ihren spanischen Branchengenossen. Während des Vernichtungsfeldzuges der Anarchisten Zeitungen vom Verleger veraendet. Journal expedie par l'edlteur. Falls Adressat verzogen, nicht nachsenden; mit neuer Adresse zurück an „Die Wahrheit", Wien II., HelnestraBe 13/13 leopoldsfödler Tempe^vercin Aeschel Awrohoin II., Pazmanifengassc 6, Tel. R 47-8-63 Anmeioangen v. Aufgeboten, Trauungen (audmnt. freiem niminenu. Barminraus Partalenvarkehr in Werktagen ron 2 bis Uhr oacb. mlttags, in Sonotogen von 10 bis 12 Uhr vormittags früh 6.30 6.30 u. 9.00 Gebetatnaden Aw 5696 Ekew (5. B. M.) 20. Haftora Wataumer zijon 5. Perek abdi. 7.20 |^ T.15 gegen die Kirchen in Barcelona, die fast alle in Brand gesteckt wurden, drang ein Trupp in das Bethaus der jüdischem Gemeinde ein und fragte nach den „curats" (Priestern). Die Schmucklosigkeit des Betsaales hielt die Eindringler von Ausschreitungen zurück. Spanien war seit der Judenaustreibung im Jahre 1492 judenrein, erst in den letzten Jahren sind einige Tausend Juden dort eingewandert, die schwer um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen. Ein großer Teil von ihnen scheint durch die Unruhen wieder heimatlos geworden zu sein. In den von den Aufständischen besetzten Gebieten verbreiten die stark unter dem Einfluß der deutschen Nazis stehenden spanischen Faschisten Aufrufe, in denen sie die Vertreibung aller Juden aus Spanien im Falle ihres Sieges ankündigen. Knessio Mechino in Marienbad. Im Festsaale des Hotels Continental zu Marienbad wurde am Dienstag, den 4. August, vormittags, der vorbereitende Weltkongreß (Knessio Mechino) der Weltorganisation der Agudas Jisroel bei Anwesenheit von mehr als 100 Delegierten aus 14 Ländern und zahlreichen Gästen aus fast allen Teilen der Welt feierlich eröffnet. Die Eröffnungsansprache hielt der Vorsitzende des Zentralrates der Agudas Jisroel, der frühere Deputierte des polnischen Sejm Oberrabbiner Aaron L e w i n aus Rzeszow. der die erschienenen Vertreter der tschechoslowakischen Behörden, die Vertreter der Marienbader Kultusgemeinde, die anwesenden Großrabbiner und Rabbiner, insbesondere den „Gerer Rebbe", die Mitglieder des Zentralrates der Agudah und die Vertreter der tschechoslowakischen Landes- und Jugendorganisation recht herzlich begrüßte und sodann in einem mit großer Spannung angehörten Referat sich mit den gegenwärtigen Problemen des jüdischen Volkes auseinandersetzte. Unter Ianganhaitendem Beifall betrat nun der Präsident der Weltorganisation der Agudas Jisroel, Herr Jacob R o s e n h e i m, die Rednertribüne und hielt sein angekündigtes Referat über die Aufgaben der Agudah. Die Menschheit sagte Jacob Rpsenheim, steht an einer Zeitenwende. Ohnmächtig sieht sie sich drohenden Kriegsgefahren gegenüber, weil sie sich nicht im Namen der Friedensid.ee Gottes zusammenzuschließen vermag, 'n diesem Augenblick hat das Judentum die Aufgabe, inmitten, der Völker, die ihrer eigenen Souveränität irönen. die Souveränität Gottes zu künden. Der Jüdische Weltkongreß, erklärte Rosenheim u. a., ist zu einer reinen Parteiange- 1 e g e n Ii e i t und darum zu einer Farce geworden. Die Aguda lehnt dieses gefährliche Spiel ab, befürwortet aber nach wie vor eine Zusammenarbeit aller bestehenden großen jüdischen Körperschaften auf sachlicher Basis. Die Arbeit für die Diaspora, sagte er, darf ob der Größe der Aufgabe in Palästina nicht vernachlässigt werden. Der Orthodoxie muß der ihr gebührende Einfluß auf die Betreuung der jüdischen Einwanderung eingeräumt werden. In Palästina ist eine Verständigung mit den Arabern anzustreben, weil eine Sicherung durch Tanks und Flugzeuge auf die Dauer untragbar ist. Am Schluß der Eröffnungssitzung wurde die Absendung eines Huldigungstelegramms an den Präsidenten Dr. Edouard Benes beschlossen. Ueber die weiteren Beratungen berichten wir in unserer nächsten Nummer. Todesiall. Vergangenen Dienstag ist hier Kommerzialrat Heinricn Schnabel, der langjährige Seniorchei der Firma Hermann Schnabel, im 83. Lebensjahre gestorben. Er hat die von seinem Vater übernommene Häutehandlung aus kleinsten Anfängen durch unermüdliche Arbeitskraft und glänzendes Organisationstalent zu einer der führenden Finnen der ehemaligen Monarchie gemacht, die über ein Dutzend Filialen verfügte. Kommerzialrat Schnabel, der sich auch in jüdischen Kreisen infolge seiner Wohltätigkeit größter Wertschätzung erfreute, hat bis zu seinem achtzigsten Lebensjahre sein Geschäft geführt, das nach seinem Rücktritt den Betrieb einstellte. Der Verstorbene war iünfundiünfzig Jahns mit einer Schwester des Orthopäden Dozenten Doktor Guido Engelmann in glücklichster Ehe vermählt- Seine beiden älteren Söhne, Viktor und Kommerzialrat Dr. Richard Schnabel, sind die Inhaber der Lederfabrik in Altmannsdorf, sein jüngster Sohn ist in einer Berliner Bank tätig und seine einzige Tochter die Gattin des Verwaltungsrates Adolf Egger der Oesterreichischen Automobilfabriks-A.-G. Die Beisetzung hat wunschgemäß in aller Stille stattgefunden. Aus Bad Ischl wird uns geschrieben: Am Mittwoch,, den 29. v. M., wurde Frau Josefine K o h n, Witwe nach dem vor Jahren verstorbenen Herrn J. K o h n, Restaurateur der Pension Ischler Hoi zu Grabe getragen. Die Beteiligung am Leichenbegängnisse war eine recht große, da die Frau sowohl von den seit Jahren zu ihren Gästen zählenden Sommerfrischlern, als auch von der Ischler christlichen Bevölkerung hochgeehrt und geschätzt wurde. Die Armen dieser schönen Stadt sahen in ihr eine Wohltäterin, die sie verehrten. Wie enttäuscht waren nun alle, als, da Ischl zur L i n z e r Kultusgemeinde gehört, sich kein einziger religiöser Funktionär einfand und so mußte diese so gute, geschätzte, durch Wohltaten bekannte Frau ohne Sang und Klang der Erde übergeben werden. Wohl fand sich ein 84jähriger Greis, der, selbst erschüttert, aus einem Gebetbuch flüsternd einige hebräische und auch deutsche Worte vorlas, die nur die nächsten Umstehenden hörten, es hatte sich wohj in letzter Minute am Grabe irgend ein Vorstandsmitglied aus Linz infolge plötzlicher Erkrankung entschuldigt, aber das änderte nichts an der Tatsache, der Eindruck blieb der gleiche. Gerade in Ischl hätte sich doch jemand finden sollen, der die soviel gepriesene Zusammengehörigkeit der Juden in der Welt auch bei dem traurigsten Anlasse dokumentieren hätte sollen, die teilnehmende Bevölkerung wartete förmlich darauf und wir Mitglieder der Chewra-Kadischa ebenfalls. Korrrm.-Rat Max Stern.!@ecrdigungen. 29. Juli 1936: Julius Schmitz, 70 Jahre. 13. Bez. (IV. Tor). — Max Braun, 71 Jahre, 14. Bez. (IV. Tor). — Adolf Marmorstein, 64 Jahre, 15. Bez. (IV. Tor). — Rosa Frommer. 67 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Laura Kunstreich, 71 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — David Eisinger, 62 Jahre, 4. Bez. (IV. Tor). — Gustav Mayer, 65 Jahre, 14. Bez. (IV. Tor). — Scbeindl Eugenie Weisinger, 56 Jahre, 12. Bez. (IV. Tor). — Hede Rode, 56 Jahre, 1. Bez. (IV. Tor). _ Oskar Weiniger* 57 Jahre, 19. Bez. (Floridsdorfer Friedhof). 30. Juli: Franziska Burghart, 69 Jahre, 10. Bez. (I. Tor). — Heinrich Schnabel, 82 Jahre. 1. Bez. (I. Tor). — Oskar Prager, 60 Jahre, 4. Bez. (IV. Tor). — Isak Jokl. 64 Jahre, 3. Bez. (IV. Tor). — Wilhelm Flamm, 75 Jahre. 13. Bez. (IV. Tor). — Leib Exelbirt. 65 Jahre, 7. Bez. (IV. Tor). — Hermann Heutier, 46 Jahre, S. Bez. (IV. Tor). — Wanda Teltscher, 13. Jahre. 10. Bez. (IV. Tor). 31. Juli: Regine Tezner, 77 Jahre, 9. Bez. (I. Tor). — Emilie Kuhn, 64 Jahre. 10. Bez. (I. Tor). — Isak Leib Baratz, 90 Jahre. 9. Bez. (IV. Tor). — Eduard Baruch, 79 Jahre, 14. Bez. (IV. Tor). — Oskar Sternschein, 54 Jahre, 13. Bez. (IV. Tor). — Amalie Brück, 76 Jahre, 17. Bez. (IV. Tor). — Gisela Steiner. Velta Bytra (IV. Tor). 2. August: Irma Grünfeld, 63 Jahre, 13; Bez. (I. Tor). — Karoline Pollak, 63 Jahre, 2. Bez. (I. Tor). — Oskar Latzer, 23 Jahre, 7. Bez. (I. Tor). — Resine Davidschon-Löwy, 49 Jahre. Sofia (I. Tor). — Sofie Kutner, 82 Jahre, 2. Bez. (I. TorJ. — Ignatz Links, 78 Jahre. 5. Bez. (IV. Tor). — Karl Goldstein, 71 Jahre, 2. Bez; (IV. Tor). — Max Konn, 75 Jahre, 3. Bez. (IV. Tor). — Salomon Frankenstein, 78 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). Alfred Frank!. 54 Jahre. 9. Bez. (IV. Tor). — Benjamin Lindenbaum 82 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Scheindl Keßler, 85 Jahre. 3. Bez. (IV. Tor). — Arthur Pflaum, 64 Jahre, I. Bez. (IV. Tor). — Mina Biederberg, 61 Jahre, 9. Bez. (IV. Tor). — Otto Piczenik. 29 Jahre, 16. Bez. (IV. Tor). — Rbb. Feiwel Gindes, 62 Jahre, Grodno (IV. Tor). 3. August: Rene Regine Deutsch-Goldschmied, 64 Jahre. 1. Bez. (I. Tor). — Hermine Spitzer, 77 Jahre. 2. Bez. (I. Tor). EijrentBroer. Hersuseeber. Verlerer nd verantwortlicher Schriftleiter.: Oskv Hirxchfeld. Wie» H.. PraterstraBe 2». — Druck: Ixnaz Splti & Sohne. Wiei II.. Robertrass