Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 33 (7.8.1936)
- Date
- 1936-08-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haiti 1× ep/1044690
- Rawicz 1× ep/1048078
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Nr. 33 — 7. August 1936 trat, so wäre sie mit seiner nationalen Daseinsform schon längst dahingegangen. So aber wurde sie iein selig-unseliger Begleiter, großartige Leistungen emportürmend an dem immer drohenden Abgrund. Der Zionismus ist ein großer und edler Gedanke, Palästina ist eine Zuflucht und eine wesentliche Hoffnung. Aber beides bringt nicht und soll nicht bringen: die Lösung der Judenfrage. Immer wird es und soll es auch die anderen jüdischen Lebensbezirke geben, denen ihr Dasein inmitten der Welt, ihre Durchtränkung mit allen Schätzen des Geistes und der Kultur zugleich Grundlage und Ziel ist. Solange diese Bezirke jüdisch sein werden, wird in ihnen die Judenfrage nicht zum Schweigen kommen. Und solange die Judenfrage nicht schweigt, werden in ihnen Antworten auf die Judenfrage gehört werden, die das Judentum vorwärtsbringen und bereichern. Wir sind auf unserem Wege durch die Welt nicht nur auf die Inseln der Sicherheit angewiesen, sondern auch auf die Zonen der Gefahr. Denn aus der Gefährdung allein, aus dem ständigen Prozeß von Absplitterung und Wiederbesinnung können uns die Kräfte zuwachsen, deren auch eine neue jüdische Gemeinschaft in Palästina nicht entraten kann. Die Zerstreuung der Juden über die Erde. 16,291.000 Juden in der Welt. Der bekannte Statistiker Dr. Erwin Rawicz gibt in der „C. V.-Zeitung", Organ des Centrai-Vereins der Juden in Deutschland, einen Ueberblick über die Verteilung der Juden in der gesamten Welt. Er weist auf die Arbeiten der Statistiker Alfred N o s s i ig, Arthur R u pp i n und einer Reihe nichtjüdischer Statistiker hin, aus deren Arbeiten sich die Entwicklungsreihe der jüdischen Bevölkerung etwa vom Jahre 1800 ab verfolgen läßt. Für das Jahr 1800 darf man eine Zahl von 2% Millionen Juden ansetzen, die mit verschwindenden Ausnahmen ihre Heimat dn Europa und in den Randstaaten des n'ichteuropäischen Mittelmeerbeckens haben. Es gehen 50 Jahre ins Land, in denen sich die Bevölkerung Europas und Amerikas in gigantischer Weise vermehrt hat Es sind die Jahre, in denen in der Ueberzahl der Kulturstaaten für die Juden die Sonne der Freiheit zu leuchten begonnen hatte. Für die Zeit um die Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es einen statistisch sehr wichtigen Anhaltspunkt für die Gesamtzahl der Juden in den Angaben des Freiherrn v. Redern, die im „Jüdischen Volksblatt" des Jahres 1859 der jüdischen Welt übermittelt wurden. Es ergibt sich für das Jahr 1850 eine Gesamtzahl von 3,250.000 Juden in Europa. Außerhalb Europas hat um diese Zeit die Zahl der Juden ebenfalls beachtliche Größenordnungen angenommen; im nichteuropäischen Teil des Mittelmeers ist sie auf 500.000 bis 600.000 zu schätzen, in Amerika hatten sich um 1850 bereits etwa 50.000 Juden angesiedelt. So ergibt sich für 1850 auf dem ganzen Erdball etwa eine Zahl von •4,0 bis 4,2 Millionen Juden. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg, der fortschreitenden Gleichstellung der Juden, den großen hygienischen Errungenschaften auf dem Gebiete der Verminderung der Säuglingssterblichkeit erhöht sich die Zahl der Juden progressiv. Im Jahre 1880 liegt die Zahl bei nahe 6 Millionen, im Jahre 1900 ist sie fast viermal so hoch wie 100 Jahre vorher; sie liegt bei der Jahrhundertwende nahe bei 10 Millionen. Das erste Drittel des 20. Jahrhunderts bringt eine weitere Steigerung um weit mehr als 50 Prozent bis zu der Gegenwartszahl von knapp 16,25 Millionen jüdischer Menschen auf dem ganzen Erdball. Im Laufe von 135 Jahren hat sich die Zahl der jüdischen Menschen um das Sechsfache erhöht. Es liegt die Frage nahe, ob dieses rapide Wachstum als eine Parallelerscheinung zur quantitativen Entwicklung der Gesamtheit der Menschheit anzusehen ist In dieser Form ist die Frage zu verneinen. Um das Jahr 1800 -waren unter 1000 Menschen auf der Erde etwa drei Juden. Für das Jahr 1900 ergaben sich für die ganze Erde etwa 1500 Millionen Menschen, fast das Doppelte als im Jahre 1800. Unter diesen eineinhalb Milliarden Erdbewohnern leben rund 10 Millionen Juden. Um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert errechnet sich demnach eine Quote von etwa 7 Juden unter 1000 Einwohnern. In der Gegenwart leben 2,03 Milliarden Menschen aur der Erde, die Zahl der Juden liegt nahe bei 16K Millionen. Die Relation ergäbt, daß in der Gegenwart unter 1000 Menschen des Erdballs etwa 8 Juden sind, ein Anteil, der im Vergleich mit der Blüteperiode eines eigenen jüdischen Staatswesens im Altertum niedrig erscheint; denn damals dürfte die jüdische Quote innerhalb der nur an einzelnen Stellen besiedelten Teile der Erde eine vielfach höhere gewesen sein. 8 Juden stehen etwa 370 Christen und 622 Nicht- Christen auf dem Erdball gegenüber; das ist das religiöse Bild der Menschheit "in 3er Gegenwart, das die schmale Fläche zeigt, die die jüdische Religion für sich beansprucht es ist ein Bild, das veranschaulicht, gegen welches Uebergewicht anderer Religionen sich das Judentum erhalten hat, obwohl es seit zweieinhalb Jahrtausenden eines politischen und geistigen Zentrums entbehrte Innerhalb der WA Millionen Juden, die heute auf dem Erdball leben, sind drei geographische Zentren, in denen das jüdische Leben pulsiert: Osteuropa, Nordamerika und das Mittelmeerbecken. Allein in Osteuropa leben 7K- Millionen Juden, in den U. S. A. 4'A Millionen Juden, in den Staaten des Mittelmeerbeckens l1/* Millionen Juden. Drei Millionen Juden leben außerhalb dieser drei großen Lebenszentren, weit zerstreut, oft in kleinste Einheiten aufgesplittert. Die jüdische Statistik hat Aufgaben, die weit über wissenschaftliche Ziele hinausreichen, sie hat der praktischen jüdischen Einordnung in der Welt zu dienen. . Die folgende Tabelle gibt ein Bild von der Zerstreuung der Juden über die Erde um die Mitte des Jahres 1936: Europa Deutschland . Litauen . . Estland . . Lettland . . Freistaat Danzig . . Memelgebiet . Dänemark . . Schweden . . Norwegen . . Finnland . . Ungarn . . . Tschecho- Amerika 400.000 177.500 4.500 97.00Ü 10.000 2.300 7.100 7.200 1.400 1.750 440.000 Slowakei . . 330.000 Bulgarien . . 49.000 Griechenland . 98.000 Jugoslawien 70.000 Oesterreich 189.000 Italien . . . 52.000 Frankreich . . 230.000 Spanien . . . 8.200 Portugal . . . 2.600 Gibraltar (Engl.) . . 1.150 Rumänien . . 1,050.000 Polen .... 3.150.000 Rußland (Europ.) . . 2,710.000 Türkei (Europ.) . . 55.000 Schweiz . . . 17.800 Belgien . . . 63.000 Luxemburg . . 2.500 Holland . . . 115.000 Großbritannien 340.000 Irischer Freistaat . . . 4.000 Europa . . . 9,736.000 Afrika Aegypten . . 64.000 Tripolis (Ital.) 16.000 Cyrenaica (Ital.) . . . 5.000 Tunis (Frk.) . 65.000 Algier (Frk.) . 98.000 Marocco (Frk.) . . . 119.500 Marocco (Span.) . . 15.500 Tanger (Int) . 15.300 Abessinien . . 80.000 Erythräa (Ital.) . . . 200 Kenya (Engl.) . ' 100 Uganda (Engl.) 50 Kongo (Belg.) 200 Angola (Port.) 150 Uebriges Mittelafrika . . 900 Südafrik. Union . . . 8O.000 Afrika . . . 560.00» U. S. A. . . . 4,500.000 Oanada . . . 160.000 Mexico . . . 6.000 Salvador . 750 Honduras . . 250 Costarica . . 350 Panama . . . 850 Cuba .... 8.200 Jamaica (Engl.) . . 1.300 Haiti .... 200 Porto Rico (U. S. A.) . 200 Uebriges Westindien . 300 Argentinien 275.000 Brasilien . . 50.000 Chile .... 4.300 Paraguay . . 1.100 Uruguay . . 17.500 Venezuela . . 1.000 Peru .... 900 Columbia . . 500 Ecuador . . . 10U Bolivien . . . 300 Guayana (Engl.) . . 1.900 Amerika . . . 5,031.000 Asien Palästina . . 395.000 Syrien . . . 25.000 Irak .... 90.000 Saudi-Arabien/ Jemen . . . 28.000 Rußland (Asien) . . 240.000 Türkei (Asien) . . 31.000 Persien-Iran . 55.000 Afghanistan 10.000 China und Japan . . . 15.000 Mandschukuo 22.000 Britischindien . . 24.000 Uebriges Innerasien . 800 Asten .... 936.006 Australien/Südsee Austral. Staatenb. 25.000 Neuseeland 2.900 Hawai/Fidschi- Ins. (U. S. A.) 100 Australien/ Südsee . . 28.000 Erdball . . . 16,291.000 Herzu. rranenneubadi Talzmannsdorfj (Durgenland) j Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäuresprudelbäder.: Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei ntuelle Re-; snmants. — Auskünfte und Prospekte: Generalvertretung Wien 1., KohlmarktS Tel. U ^5-104 : Neu: Moorpackungen und Moorkompressen in: allen Apotheken erhältlich. j Der Faschistenterror im Londoner East End. Die Frage, welche Maßnahmen die englische Regierung gegenüber dem verstärkten Terror der englischen Faschisten in gewissen Stadtgegenden Londons treffen würde und getroffen hat, war wiederum Gegenstand einer parlamentarischen Anfrage im Unterhaus. Der Abgeordnete James Hall fragte den Innenminister Sir John Simon, welche Maßnahmen er erwäge, um Mitglieder der British Union of Fascists von Einschüchterungsversuchen gegenüber Personen abzuhalten, die in jüdischen Läden kaufen wollten. Sir John Simon erwiderte, daß der Polizeikommissar für die Hauptstadt ihn dahin informiert habe, die Polizei schenke dieser Angelegenheit besondere Aufmerksamkeit. Abgeordneter Hall: Weiß der Innenminister, daß seit der Zeit, wo ich diese Angelegenheit zur Sprache gebracht habe, sich die Einschüchterungsversuche gegenüber Käufern und Geschäftsleuten vergrößert haben, daß Geschäftsleute angegriffen, daß alte Leute belästigt wurden, und daß in einem Falle die herbeigerufene Dia besten Eisen Warst 3mal täglich frisch bei löBEb, Wiefl PraterstraBe 33 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten. Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Polizei den Täter laufen ließ? Darf ich fragen, ob der Innenminister darauf vorbereitet sein wird, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen, und verhindern wird, daß die Judenschaft genötigt sei, Selbstschutzmaßnahmen zu treffen, und ob diese gefühllose Verfolgung unterbunden werden wird? Innenminister Sir John Simon erwiderte, wenn der Abgeordnete besondere Informationen besitze, so würde er sehr erfreut sein, sie zu erhalten, und er wünsche alles Mögliche zu tun, und auch der Polizeikommissar hege den gleichen Wunsch. Der Abgeordnete Sir Percy Harris fragte sodann, ob der Innenminister wisse, daß Rundschreiben, die zum Boykott jüdischer Kaufleute auffordern, in weitestem Umfange verbreitet würden, und ob er ihm eine Abschrift eines solchen Rundschreibens übermitteln solle. Sir John Simon stimmte dem zu. Der Generalstaatsanwalt von England Sir Donald Somervell, hat angekündigt, daß er ein Verfahren gegen die Zeitschrift „The F a s c i s t", das Organ der von M o s 1 e y geführten British Union of Fascists, wegen eines in der Nummer vom 4. Juli erschienenen Artikels einleiten werde, in dem gegen d'e Juden die Beschuldigung des Gebrauchs von Menschenblut zu rituellen Zwecken erhoben wird. Eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges in der Leopoldstadt wird das nächsten Donnerstag in der Praterstraße 11 (Lloydhof) neu eröffnete Cafe Freiwirth sein. Nach der gründlichen Renovierung der dort befindlich gewesenen Kaffeehauslokalitäten, welche durchgreifende Umgestaltung nach den gediegenen Entwürfen der tüchtigen Architekten Czuczka und Hakel vorgenommen wurde, bietet das neue Etablissement dem Besucher sofort den Eindruck eines gut bürgerlichen Kaffeehauses, als welches es sein neuer Besitzer, der allseits beliebte und geschätzte Gafetier Rudolf Fre w i r t h auch zu führen gedenkt. Aus der Leopoldstadt ist dieser erstklassige Fachmann auf dem Gebiete des Gastgewerbes hervorgegangen, in diesen Bezirk kehrt er nun zur Freude seiner vielen Anhänger zurück, die 'hm an seiner neuen, allen Ansprüchen eines bürgerJ liehen Kaffeehausbesuchers Rechnung tragenden Wirkungsstätte sicherlich treue Gefolgschaft leisten werden