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Die Wahrheit · 1936-08-07 · Heft 33 (7.8.1936) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 33 (7.8.1936)
Date
1936-08-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 33 — 7. August 1936 Seite 3 Restaurant Stefanie T£?D II., TaborstraBe 12 Hugo Um Julie Hetlinger, geb. Zollner Bekannt gute Küche, gepflegte Getränke, aufmerksamste Bedienung, zeitgemäße Preise, reichhaltige billige Menüs, sowie alle Spezialitäten, schöner schattiger Garten Frechheöt erscheinen, daß die Juden auch heute noch mit Sprach beherrschung und Intellekt arbeiten, während sich die übrige Menschheit immer leidenschaftlicher zu dem Prinzip bekennt, das Anatole France einem reaktionäran Führer in seinem Dreyfus-Roman „Prof. Bergeret in Paris" den Mund legt: „Müt Dummheit kommt man auf der Welt immer noch am weitesten." Zum Aerger aller Glockemeiers setzt sich der jüdische Intellekt auch in dar geistig verfinsterten Welt von heute gelegentlich durch, wie u. a. die Verleihung des „Miller- Preises", der hohen internationalen Auszeichnung für besondere zahnärztliche Forschungen, an den Wiener Universitätsprofessor Doktor B. Gottlieb im Rahmen des hier tagenden Zahnärztekongresses beweist, und die jüdische Sprachbeherrschung wird gerade jetzt in Wien in besonders triumphaler Welse in Erscheinung treten. Vom 8. bis 15. August tagt nämlich hier ein Kongreß der Esperantisten, die das geistige Erbe des jüdischen Sprachschöpfers Zamenhof verwalten und weiterjlden. All© Nationen, mit Ausnahme der Reichsdeutschen, werden auf diesem Kongreß vertreten sein. Die Absenz der deutschen Esperantisten hat schon ihre Gründe. Abgesehen davon, daß es im Wesen des Esperanto, der „linguo internacia" liegt, den Geist der Völkerverständigung, den Verkehr mit allen Völkern der Erde zu pflegen, ist. Espeiranto als solhes Produkt jüdischen Geistes. Der Erfinder des Esperanto war der jüdische Augenarzt Dr. L. L. Zamenhof, der bitteren Hohn und Spott seiner Erfindung wegen hattet erfahren müssen und um seltner genialen Schöpfung willen in materielle Not geriet. Dabei zählte Zamenhof zu den größten Bewunderern des Deutschtums. Wissenschaftliche Gegner machen ihm sogar den Vorwurf, daß er seiner Hochschätzung der deutschen Sprache zu weit gegangen sei, denn die heute in mehr als 100 Ländern gesprochene Weltsprache sei in ihren wichtigsten Elementen deutsch, bedeute sprachlich die' Weltherrschaft desi Deutschen. Und weiß man auch, daß Dr. Zamenhof die srößte deutsche Dichtung aller Welt zugänglich machte, indem er u. a. Goethes ..Faust" ins Psperanto übertrug? Man muß sich damit abfinden, daß Esperanto im Dritten Reiche ebenso wenig beliebt ist wie jede andere jüdische Schöpfung. Darum ist es wünschenswert, daß die jüdischen Sportler, soweit sie sich nuini einmal zur Teilnahme an der Berliner Olympiade entschlossen haben, dort den eindeutigen Beweis erbringen, daß die jüdische Sprachbeherrschung auch vor jener Sprache nicht Halt macht, die heute auf der ganzen Welt und besonders im Dritten Reiche dfe> beliebteste Umgangsprache ist: die Sprache der Muskelkraft und der Faust. Mit dieser Sprache können sich die Juden sogar den Nazis verständlich machen und die Führer, die etwa Augenzeugen der blendenden Eleganz waren, mit der unser Robert Fein seine 342,5 kg stemmte, werden vielleicht zu ahmen beginnen, daß die Juden, die solche Stemmmeister hervorbringen, auch unter der schweren Last der ihren Schultern aufgebürdeten Verleumdungen nicht zusammenbrechen werden. Anläßlich des Esperanto-Weltkongresses findet Sonntag, den 9. d. M., 8 Uhr früh, im Seitenstettem- Tempel ein Festgottesdienst für die ausländischen jüdischen Teilnehmer des Kongresses statt. Die Festpredigt wiyd Rabbiner Dr. Benjamin Murmelstein in Esperanto halten. Die Wiener Judenschaft wird sicher gerne Gelegenheit nehmen, durch Teilnahme an dem Gottesdienst Fühlung mit den ausländischen Glaubensgenossen zu nehmen. tärnziltlzHc 6. bis 12. September 1936 Technische und LandwirtschaftlicheMesse bis 13. Sept. Luxus- und Gebrauchsartikel / Möbel / „ Gas im Haushalt" / „Elektrizität im Haushalt" / „Kunst im Handwerk" / Österreichische Zeitungs- und Zeitschriftenschau / Textilien und Bekleidung / Wiener Strickmode Pelzmode TECHNISCHE MESSE Bau- und Straßenbaumesse / „Was Österreicher erfinden" / Rundrunkmesse / „Der Realitäten-Vermittler und -Verwalter" / Bürobedarfsmesse / Ausstellung der Österr. Tabak-Regie / Gewerbliche Kollektiv- Ausstellungen / Lebensmittel-Ausstellung Sonderausstellungen Britisch-Indiens, Frankreichs, Hollands, Italiens und Ungarns Land- und forstwirtschaftliche Musterschau mit Sonderschau „österreichisches Bauerntum" Bundesweinkost ZUCHTVIEHMESSE: 11. bis 13. September Bedeutende Fahrpreis-Ermäfligungen! Messeaasweise » S 6.— bei der Wiener Messe-Aktiengesellschaft, Wien VII., Messepalast — Eintrittskarten (mm einmaligen Besuch der Rotunde oder des Hessepalastes nnd der Neuen Burg) aS2.50 bei den Kassenschaltern der Messehäuser. Polnischer Zionismus Lösung der Judenfrage? Auf diese Frage finden wir in einer r e i c h sdeutschen jüdischen Zeitschrift folgende kluge Antwort: Kamm — auch wenn man einmal von den unendlichen, im Augenbläck wieder besonders akuten Schwierigkeiten absieht, die in Palästina selbst der Aufnahme jüdischer Massen im Wege stehen — von einer Lösung der Judenfrage in diesem Zusammenhange überhaupt gesprochen werden? Das könnte vielleicht geschehen, wenn es sich bei dem Experiment, das der Zionismus in Deutschland zu demonstrieren beabsichtigt, wirklich um den Ablauf physikalischer oder chemischer Vorgänge handelte; denn im Bereiche der naturgesetzlichen Kausalität kaim vom Teil auf das Ganze unter bestimmten Voraussetzungen geschlossen werden. Anders steht es jedoch in der begrifflich nur schwer zu fassenden wogenden Menschenwelt, wo das Schicksal einer Gruppe für die Gesamtheit nur wenig oder nichts besagt. Selbst wenn das außerordentlich Unwahrscheintfnzfge Jüdische flandelssdrale El Kaufmännische Wirtschaftsschule für Knaben und Mädchen. Unterricht nach dem normalen Lehrplan der Handelsschulen. Wien II., TaborstraBe 39 Telephon Nr. A 45-6-57 Aufnahme in der Direktionskanzlei; An Werktagen, außer Samstag, von 10 bis 12 und 3 bis 5 0 Prospekte gratis Erstkl. Lehrkräfte liehe Tatsache werden sollte, daß das Judentum in Deutschland zionisilert und in allen seinen Schichten altern auf Palästina ausgerichtet werden könnte, so hätte man sich der Lösung der Judenfrage damit noch um keinen Schritt genähert. Denn so verhält es sich in Wirklichkeit mit dter Lösung der Judenfrage: dem Teilexperim e n t, und sei es noch so umfassend und fehlerfrei, wohnt keine Beweiskraft inne. Gelingt es scheinbar hier, so flackert dort verstärkt die Judenfrage auf. Eine individuelle Gruppen Verpflanzung aus Deutschland nach Palästina — wäre sie selbst möglich und wünschenswert — geschähe auf Kosten der jüdischen Welt Osteuropas, für dte' sie nicht Lösung, sondern verhängnisvolle Verschärfung ihrer Lebensumstände bedeuten würde. Und so muß es immer und überall sein: es gibt keine Lösung der Judenfrage, solange es Juden gibt, es sei denn, wir hätten Lust, sie mit einem ungeheuerlifchen Verlust an jüdischer Substanz zu bezahlen. Die Judenfrage beginnt und endet mit dem Dasein von Juden überhaupt. Wäre sie nicht aufgebrannt einzigartig und gewaltig, als das jüdische Volk am Sinai in die Geschichte einr.och nicht. Allerdings muß von jedem Handwerker — tos verlangt die Gewerkschaft — der Nachweis mindestens fünfjähriger Praxis inklusive der Lehrzeit erbracht weiden. Auch für Frauen ist im Handwerk Platz. Masseusen, Schneiderinnen und Modistinnen werden chnell Arbeit finden, sofern sie ihr Fach verstehen. Die Berufsaussichten für Frauen sind überhaupt — in be cheidenem Rahmen — nicht schlecht, wenn auch manche Berufe, wie der der Sozialarbeiterin noch ganz ausfallen. Kindergärtnerinnen z. B., die ihr Examen iiaben, sind gesucht. Auch Krankenschwestern, für die aber eine viel schwerere Vorbildung verlangt wird als in Deutschland. Wie denn überhaupt nicht zu verkennen ist. daß Abschlußprüfungen und Zeugnisse hier eine nicht seringe Rolle spielen und daneben die „experience", die Erfahrung. Im Haushalt war es bisher kaum üblich, Weiße zu beschäftigen, aber gute Erfahrungen, die einige Hausirauen mit jüdischen jungen Mädchen aus Deutschland Kinderpflegerinnen oder als Art Hausdame mit Kochen — für die grobe Arbeit ist der Boy da — gemacht haben, hat auch andere zu solchen Versuchen trmutigt. Allerdings stößt man bei den Hausfrauen vielfach auf die gleichen Hemmungen, wie wir sie in Deutschland zu überwinden hatten, nur verstärkt "dadurch, daß man eben Weiße im Haushalt überhaupt nicht gewohnt «ar. Auf der anderen Seite darf auch nicht verkannt »erden, daß die Zusammenarbeit mit den Schwarzen als Angestellte im gleichen Hause für den Neuling gewisse Schwierigkeiten bietet. Die Lage der zuwandernden Akademiker ist natürlich sehr schwer. Die meisten Juristen arbeiten als. Buchhalter oder kleinere Handlungsgehilfen, nur von einem einzigen, einem früheren Berliner Strafverteidiger, ist mir bekannt geworden, daß er wieder — wie die Vorschrift ist, wenn er praktizieren will — neu studiert, wobei ihm die vier Studienjahre angerechnet worden sind. Auch Aerzte und Medizinstudenten müssen nach den allgemeinen englischen Gesetzen neu studieren. Zurzeit besuchen in Johannesburg und Kapstadt insgesamt etwa 15 in Deutschland schon approbierte Aerzte die Universität und einige wenige noch nicht approbierte. Einige sind auch schon niedergelassen. Aber abgesehen davon, daß das Studium sehr teuer und so schwer ist. daß man nicht mit Freizeit für Nebenerwerb rechnen darf, sind die Großstädte ohnehin mit Aerzten überfüllt. Unter ihnen wie unter den Medizinstudenten gibt es prozentual viele eingeborene Juden. In den kleineren Plätzen bestehen noch Niederlassungsmöglichkeiten. Gerade bei den akademischen und den kaufmännischen Berufen muß festgestellt werden, daß die berufliche Gliederung der südafrikanischen Juden nicht glücklich ist. Die Jugend erkennt das auch an und beginnt zum Teil, sich mehr dem Handwerk zuzuwenden. Um so erheblicher ist es, daß die These von Dr. Singalowski: es gibt keine überflüssigen Juden, sondern nur überflüssige Berufe, hier Verständnis in der Oeffentlichkeit zu finden beginnt. Schon sind Vorarbeiten im Gange, um Knaben und Frauen an Ort und Stelle für aussichtsreiche Handwerkszweige auszubilden und neuen Industrien zuzuführen. Die Tatsache, daß es in diesem Lande keine sozialen Unterschiede zwischen Weißen und Weißen gleich welcher ßerufsgruppe gibt, erleich'crt solche Tendenzen. Zur Frage der Landwirtschaft. Ein kurzes Wort noch zur Frage der Landwirtschaft, d. h. des Farmens. Es gfbt eine verhältnismäßig große Zahl jüdischer Farmer im Lande, und es ist auch kürzlich gelegentlich der Versuch einer Farmbewirtschaftung mit Juden aus Deutschland gemacht worden. Er ist gescheitert. Dieser mißglückte Versuch wird einem häufig als Beweis für die Unmöglichkeit entgegengehalten, hier mit Juden aus Deutschland zu rarmen. Aber schuld waren zweifellos die Auswahl gänzlich ungeschulter Menschen, der Mangel an Instruktion und andere vermeidbare Gründe. Tatsache ist aber, daß das Farmen in Südafrika überhaupt eine problematische Sache ist. Die Landwirtschaft ist weitgehend zuschußbedürftig. die Regierung hat erst im letzten Jahr 7 Millionen Pfund an Farmer gegeben. Das Land ist zum großen Teil trocken, man versucht jetzt überall, durch Staudämme die Bewässerung zu regulieren. Die Viehwirtschaft ist vielfach mehr Viehhandel als Viehzucht, und jede Viehzucht setzt eine Gemischtwirtschaft voraus, damit der Farmer die Nahrung für das Vieh selbst produzieren kann. Bei der riesenhaften Ausdehnung des Landes und seinen völlig verschiedenartigen klimatischen und Bodenverhältnissen lassen sich allgemeingültige Regeln überhaupt nicht aufstellen. Die Schwarzen-Frage, auch hier gibt es Arbeitsreservate, das Fehlen aller landwirtschaftlichen Maschinen — wenn man sie einführt, hat man noch nicht die Ersatzteile — erschweren das Problem. Aber trotzdem sollte unter Zusammenarbeit der wirklich sachverständigen Kreise zunächst einmal der Versuch einer Lehrfarm gemacht werder. Sie stehen solchem Versuch, wie ich bei einer Unterhaltung mit dem südafrikanischen „Mais-König" feststeilen konnte, nicht durchaus ablehnend gegenüber. Fest steht das eine: Zum Farmen in Südafrika gehört sehr viel Geld, denn nur die großen Betriebe können rentabel sein. Kleinsiedlungen im europäischen Stil kommen zumindest vorläufig gar nicht in Frage. (Fortsetzung folgt.)

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