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Die Wahrheit · 1936-07-31 · Heft 32 (31.7.1936) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 32 (31.7.1936)
Date
1936-07-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 32 — 31. Juli 1936 DIE WAHRHEIT danke des Kanzlers gewesen ist. Wir waren ein kleines Volk, wohnten in einem kleinen Lande, ringsum waren wir von Feinden umgeben. Mächtige erhoben sich wider uns. Jedesmal mußte es scheinen, daß diese kleine Schar von der Uebermacht zermalmt wird. Wir sind aber durch die Jahrtausende erhalten geblieben, weil an uns das Wort des Propheten in Erfüllung ging: Nicht auf die äußere Größe, nicht auf die Waffengewalt kommt es an. sondern am den Geist Der jüdische Geist, die jüdische Kultur waren mächtiger als jedes Heer. Dollfuß hat als Frontsoldat für das große Oesterreich gekämpft, für welches unzählige Juden ihr Leben hingegeben haben, für welches die vielen Tausende jüdischer Frontkämpfer gekämpft und geblutet haben. Als nun dieses Oesterreich trotz Opier und Meldenkampf sich in das heutige, kleinere Oesterreich verwandeln mußte, da glaubten sehr viele, daß es zur völligen Bedeutungslosigkeit verurteilt ist, daß es, entwaffnet und hilflos, unter den großen, mächtigen Reichen Europas seine Selbständigkeit nicht wird behalten können. Sie verzweifelten an Oesterreichs Zukunft, weil ihnen det Glaube fehlte. Dr. Engelbert Dolliuß hielt fest am Worte Gottes: Nicht auf die Größe, nicht auf die Macht, auf den Geist kommt es an. Er hat erkannt, daß dieses sogenannte kleine Oesterreich an Geist und an Kultur eine Großmacht sei. Er glaubte unerschütterlich daran, daß dieser Geist Oesterreichs Unabhängigkeit und Bedeutung begründen wird. Um dieses Ideal sollten alle in diesem Lande sich vereinigen zum großen Werk des Wiederaufbaues. Dieses Werk, das Dr. Dollfuß begründet hat. welches jetzt von seinem Freund und Mitarbeiter Bundeskanzler Dr. Sch-u sehnige fortgesetzt und weitergeführt wird, leuchtet allen Oesterreichern vor. Wir Juden, beseelt vom Gebot Gottes, das Wohlergehen des Vaterlandes anzustreben, wir haben alle für dieses Werk, das auf dem Geist begründet ist, ein Herz voll mit Liebe und Begeisterung. Ohne Unterschied der Parteirichtung und der Weltanschauung vereinigt sich heute das ganze österreichische Judenrum im Gebet. Herr der Welt, beschütze und segne das österreichische Vaterland, verleihe ihm Deine heilige Gnade! Nach der Gedenkrede, die auf die Anwesenden großen Eindruck machte, brachte Oberkantor Margolies, unterstützt vom Chor, einen Psalm ergreifend zum Vortrag. Mit der Verrichtung des Gebetes für das Seelenheil des verewigten Bundeskanzlers und der Bundeshymne schloß die erhebende Feier. Es ist allgemein aufgefallen, daß der Trauergottesdüemst der jüdischen Frontsoldaten, der sicherlich im türkischen Tempel einen ganz prächtigen Rahmen fand, nicht, wie ursprünglich angekündigt, in einem Wiener Gemeindetempel stattfand. Es heißt, daß die Kultusgemeinde mit Rücksicht auf den von ihr selbst veranstalteten ■ Gedenkgottesdienst die Ueberlassung einer ihrer Synagogen nicht bewilligte. Ganz unverständlich aber ist es, daß keines der derzeitigen jüd&chnationalen Vorstandsmitglieder es der Mühe Wert farid, an der Feier des Frontbundes teilzunehmen und daß die Wiener Kulrusgemeinde nur durch einen Beamten des Schulamtes vertreten war. Die besten Etseo Uorstoefl SelAwiree 3mal täglich frisch bei ■A6EL, Wiei II., Prattrsfrale 33 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Die Lage in Palästina. „Ich sage ganz offen, die Lage ist noch immer ernst. Bewaffneter Aufruhr, Schießereien und Störungen des Verkehrs halten an und Bedrohungen der Pipe Line (Oeüleitung') usw. sind noch sehr ernst." Diesei kürzlich im englischen Unterhaus abgegebene Erklärung des Kolonienministers Ormsby-Gore charakterisiert die Situation im Heiligen Lande in der 15. Woche der Unruhen. Anläßlich dieses traurigen „Jubiläums" stellt auch die hebräische Presse Palästinas fest, daß der arabische Terror trotz der langen Dauer des Aufruhrs nicht nachgelassen hat. Die Zeitungen appellieren an den Jischuw, auch weiterhin seine Selbstbeherrschung zu wahren. Im vollen Bewußtsein seiner Kraft werde der Jischuw die jüdischen Positionen im Lande bewachen und sich durch die Araber nicht provozieren lassen. Die Ereignisse der letzten Tage beweisen die Richtigkeit der zitierten maßgeblichen Aeußerungen über die unverändert ernste Lage in Palästina. Wohl den bestialischesten Anschlag seil Beginn der Unruhen leisteten sich arabische Marodeure am vergangenen Donnerstag. Ein Araber schlenderte mittags eine Bombein die jemenitische Talmud Thora-Schule in der Brennerstraße von Tel Aviv, wo Hunderte Kinder weilten. Die Bombe explodierte und verletzte sieben Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren, zwei von ihnen so erheblich, daß sie in das Krankenhaus geschafft werden mußten. Die Wirkung des Bombenanschlags wurde dadurch abgeschwächt, daß die Bombe an der Umzäunung des Schulgebäudes abprallte, und eine andere als die vom Attentäter gewollte Richtung nahm. Sonst wäre das Unglück ein weit größeres gewesen. Ein jüdischer Passant, der Zeuge des Anschlags war, verfolgte den flüchtenden Terroristen, wurde aber von einer Gruppe Araber, ansciieinend Genossen des Attentäters, aufgehalten und schwer geschlagen, so daß ihm ein Arm gebrochen wurde. Auch er wurde in das Hadassa-Hospital gebracht. Fast gleichzeitig wurde eine Bombe gegen das Regierungsgebäude in Jaffa geschleudert. Einige Minuten später explodierte eine dritte Bombe in der Nähe des Jaffaer Postgebäudes. Die Empörung über den Bombenanschlag gegen die Talmud Thora-Schule ist unerhört groß; der High Commissioner Sir Wauchope bedauerte den Angriff lebhaft. Bürgermeister Meir Dizengoff erklärte in einem Aufruf: Ich bin bis in die Tiefen meiner Seele erschüttert. Ich appelliere an die aufgeklärte öffentliche Meinung in der Welt, ihrer Verurteilung und ihrem Abscheu über ein so gemeines Verbrechen Ausdruck zu geben. Ich fordere die für dis jetzigen Gewaltakte verantwortlichen-Personen-in Palästina und ihre Anhänger im Auslande auf, solchen in der Geschichte der Menschheit beispiellosen mörderischen Angriffen auf Kinder ein Ende zu machen. Alle anständigen Männer und Frauen werden einig sein in der Verurteilung solcher Verbrechen. Abschiedsabend Morris Schwartz heute Freitag, den 31. Juli, halb 9 Uhr abends, in der Rolandbühne, II., Praterstraße. Buntes Programm. Im 1. Teil Einakter, im 2. Teil seine berühmten „Konzerf-Nummern, wie sie von seinen Schallplatten bekannt sind. Die hebräische Presse unterstreicht aus dem Aufruf des Bürgermeisters Dizengoff besonders die Stelle, in der darauf hingewiesen wird, daß das barbarische Attentat auf Kinder bis heute von den arabischen Führern, die bei jeder Gelegenheit betonen, daß sie einen „friedlichen Streik" führen, nicht verurteilt worden ist, und meint, daß damit die „Friedfertigkeit" der für die jetzige arabische Bewegung Verantwortlichen ihr wahres Gesicht gezeigt hat. Würde die Regierung, um den Arabern entgegenzukommen, die jüdische Einwanderung zeitweilig einstellen, so würde dies als eine Belohnung an Leute, die unschuldiges Kinderblut vergießen, aufgefaßt werden müssen. Man erinnert sich daran, daß die arabischen Marodeure schon früher Angriffe auf Kinder verübten; sie versuchten, das .Jerusalemer Säuglingsheim der WIZO niederzubrennen, und beschossen das Jerusalemer jüdische Waisenhaus. Ein tragischer Unglücksfall ereignete sich bei der jüdischen Landwirtschaftlichen Kadoorie- Schule auf dem Berge Tabor. Einer der Wächter der Schule, der aus Polen eingewanderte 29jährige Israel W e r t h e i m, wurde durch einen unglücklichen Zufall durch die- Kugel aus dem Gewehr eines Kameraden getroffen und lebensgefährlich verletzt. Er erlag bald darauf seinen Wunden. Er hinterläßt Frau und Kind. Wertheim ist das 50. jüdische Todesopier seit Beginn der Unruhen. Während einer Schießerei in Haifa zwischen einem arabischen Polizisten und einem bewaffneten Araber geriet der unversehens zwischen die Käp^ejfibäen gef&inmene 60ifUög#l$li& M enäseiit Steinberg, der s!eit,40 Jäliien in Palästina lebt, In solche Aufregung, daß er an einem Herzschlag verstarb. Der Araber wurde von dem Polizisten-erschossen. I, Der "Beginn' def latffenderi Woche war durch ein Wiederaufflackern ddr Kämpfe zwischen 'Ära-1 . bern und britischem Militär gekennzeichnet. Britisehe Truppeneinheiteri" begannen wiederum eine lenergisclie^Säuberungsaktion Jm .Gebirge«,Von miJi- Leopoldstädter Tempelverein „AESCHEL AWROHOM" Bei den Trauungen in unserem Gotteshause werden von den amtierenden Mitgliedern des Vorstandes Spenden zur Vermehrung des Brautausstattungsfonds, aus dem arme und ehrbare Brautpaare unterstützt werden, gesammelt. Diese Stipendien werden am 1. Selichottage. als Erinnerung an die Einweihung unserer Synagoge, flüssig gemacht. Es werden daher auch im heurigen Jahre arme, würdige und ehrbare Brautpaare am Selichottage (13. September) mit dem Stipendiumbetrage beteilt, wobei denselben eine sehr würdige Gratistrauung geboten wird. Diesbezügliche Gesuche sind rechtzeitig an den TempeWorstand. 11.. Pazmanitengasse 6. zu richten. Für den Vorstand: Wien im ^w 5696 Oskar Sdiiameh, August 1936 Obmann. tärischer Seite wird mitgeteilt, daß bei einem Gefecht am Montag zwischen britischen Truppen und Arabern in den Hügeln von Judäa 12 Araber getötet wurden. Aeroplane griffen ein und bewarfen die Araberbande mit Bomben. 10 Gewehre und viel Munition wurden beschlagnahmt. Vor dem Kampf hatten die Araber den staatlichen Forst an der Straße Jerusalem—Jaffa in Brand gesteckt. Zu einer der blutigsten Kampfhandlungen seit Beginn der Unruhen kam es am Dienstag im S amaria-Gebirge unweit Nablus. Eine Gruppe von etwa 200 arabischen Aufständischen griff eine aus 20 Soldaten bestehende Patrouille an, als diese auf Lastkraftwagen eine unübersichtliche Steilkurve der Straße Jerusalem-Nablus herauffuhr. Bei Beginn des Feuerüberfalls wurde ein englischer Soldat getötet und einige Soldaten verletzt. Die Engländer erwiderten das Feuer aus Maschinengewehren, doch gerieten sie infolge der großen Uebermacht der Angreifer instarke Bedrängnis. Erst nach VA Stunden traf zur Verstärkung eine Abteilung von 200 Mann ein, die die nun flüchtenden Araber zu umzingeln versuchte. Auch hier nahmen Flugzeuge an der Kampfhandlung teil. Sechs tote Araber blieben auf dem Kampfplatz. Die Militäraktionen gegen die Aufständischen haben sich nunmehr von den judäischen auf die samaritianischen Berge verschoben. Der Waad Leumi (jüdischer Nationalrat), das Jerusalemer Rabbinat und die Leitung der Agudas Jisroel forderten in Aufrufen die jüdische Bevölkerung auf, am 9. Ab, Montag abend und Dienstag, den traditionellen Marsch zur Klagemauer und das Exekutieren der Kinot (Klagelieder) anderKlagemauerzu unterlassen. Begründet wurden diese Aufrufe und Maßnahmen mit der Verbreitung aufreizender Legenden durch die Araber. Die Legenden lauteten dahin, daß die Juden am 9. Ab machtvolle Manifestationen an der Klagemauer planen. Es war heuer das erstemal seit Jahrhunderten, daß Juden am 9. Ab nicht an der Klagemauer die Kinot sprachen. Der Distriktskommissar von Jerusalem Major Campbell gab den jüdischen Institutionen die Zusicherung, daß durch das Fehlen von betenden Juden an der Klagemauer am diesjährigen 9. Ab kein Präjudiz geschaffen wurde und daß das Recht der Juden, am 9. Ab an der Klagemauer zu weilen, fortbesteht. Die Spannung erfuhr eine Verschärfung dadurch, daß auf den Montag, den Vorabend des 9. Ab, der 100. Streiktag der Araber fiel, der ursprünglich zum Anlaß feierlicher Manifestationen genommen werden sollte. Anscheinend auf Weisung des Obersien Arabischen Ausschusses sahen aber die Araber von den geplanten außerordentlichen Manifestationen am 100. Streiktag ab. In den Moscheen ganz Palästinas fanden Gottesdienste statt, wobei die folgende Parole verkündet wurde: „Das Endziel der arabischen Bestrebungen ist gewiß erreichbar, der Tag des Sieges nähert sich schnell." Die arabische Presse prahlt damit, daß der Streik auch 200 und 300 Tage wird fortgesetzt werden können. Nur in T i b e r i a s kam es am 100. Streiktag zu einer außergewöhnlichen Manifestation, die schwere Folgen hatte. Die arabischen Demonstranten versuchten, in das jüdische Viertel einzudringen, wurden aber von Polizei und Truppen zurückgetrieben. Zwei Juden und 12 Araber wurden verletzt. Arn Montag Abend, dem,yorabend,des.% Ab, wurden die Be&fimmungen ties A\isnanrr«¥üstandes zwischen 10.30 Und 11 Uhr abends aufgehoben, damit die jüdischen Beter nach der Rezirierung der Kinot aus. den Synagogen nach Hsmse gehen "können. *Der =9. Air ye^^j^'pteiii^uhig. *'

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