Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1936-07-31 · Heft 32 (31.7.1936) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 32 (31.7.1936)
Date
1936-07-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3062972-3064606-3064637--20774-3086055
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

DIB! WAHRHEIT "Nrl 32 — 31. Juli 1936 Seite Weiche soziale Erscheinung wirkt im jüdischen Arbeitsnachweis zinneist deprimierend? Unter den vielen Tausenden vorgemerkter , jüdischer Arbeitslosen sieht man im „Jüdischen Arbeitsnachweis" viel Unglück, Not und Leid. Man trägf das jüdische Schicksal, wie man kann und muß. v. .Und '.doch wirkt nichts so deprimierend wie d i e G l e ic h g ü 11 i gk e i t der j üd|sche n A r-be^i t g e b e rs.chatf^ e n.jüdischen m ä n rf I iehe n Arbeitslosen *&ege%übe r; in deren Reihen qualifizierte Arbeiter und Großkaufleute von gestern glücklich wären, eine Dienerstelle zu erlangen, um den Hunger ihrer Angehörigen zu stillen. Jüdische Unternehmer! Wenn Ihr Angestellte braucht, wendet euch an den „Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis"; 1., Kohlmessergasse 4, Tel U 27-0-65. Pßflsion und Rsstaurtnt TAUBER, Atait Erstklassige Orth, koschere Küche, Zimmer mit jedem Komfort, volle Pension von 25 Lire aufw. Der sogenannte Jüdische Weltkongreß. Eine bittere ernste Satire. Wir finden in einem revisionstischen Blatt die folgende, sehr treffende Ironisierung des Jüdischen Weltkongresses, für den jüdischnationale Spektakelmacher in aller Welt jetzt die „jüdische Gasse" mobilisieren. Nachdem alle in Betracht kommenden, wirklich großen, jüdischen Organisationen ihre Teilnahme am jüdischen Weltkongreß abgesagt haben — scheint seine Abhaltung gesichert. Das Programm wird beiläufig folgendermaßen aussehen: 1. tag: Gemeinsames Nachtmahl. Begrüßungsrede Weizmanns (Dank an England). 2. Tag: Konferenzen mit Millionären, Gentlemans und anderen Philosophen. Abends. Feierliche Eröffnung mit Frackzwang und Beleuchtungseffekten. Inhalt der Reden: Dank dem Völkerbünde, England, Polen und Rumänien. Die Lage deir Juden ist „noch nicht" besorgniserregend, denn sehr aussichtsreiche Territorien in Madagaskar, am Nord- und Südpol und in Birobidzan sind vorhanden. Genugtuung über das Hitlerregime, das den Transfer abschloß und nur den reichen Juden die Auswanderung ermöglicht, wodurch die Lage der Juden in dem anglosächsischen Ländern sich nicht verschlechtert. 3. Tag: Sitzungen der .Ausschüsse: Kultur-Wissenschaft — Für'Untersuchung der letzten arabischen Unfälle — Liga gegen den Antisemitismus — Wissetmschaftliche Untersuchung des Judenhasses — Rasse oder Volk — Jewish Agency und1 die Weltfrage jüdischer Handelslehrlinge — Einheitsfront zwischen Arabern und Juden. Abends: Plenarversammlung, d. h. gemeinsame Sitzung alter Vorsitzenden, Ehrenpräsidenten und solcher, die es werden wollen. Große Kundgebungen für Weizmann, Stefan Wise, Thälmann, unschuldig verurteilte Araber und Wauchope. Begrüßungstelegramme an Thomas, Selassia den I., und Leon Blum. Nachtsitzung: Vereinheitlichung aller Beschlüsse der Ausschüsse durch ein besonderes Redaktionskomitee. Vorsitzender Dr. Nahum Goldmann. Nach kurzer Begrüßung zieht der Vorsitzende die fertigen, seit Jahren bewährten Resolutionen aus der Tasche, die einstimmig beschlossen werden. 4. Tas: Ausflüge der Kongreßteilnehmer. Abends Presseempfang. Däs verteilte Bulletin hat folgenden Inhalt: „Der jüdische Weltkongreß hat im Beisein .von After 300 Delegierten aus 86 Ländern in Genf getagt. . Das Interesse der ganzen Welt konzentrierte sich auf ihre Arbeit und Beschlüsse. Es waren die berufenen Vertreter aller Länder zugezogen, denn berufen ist, der von uns auserwählt. Es wurde dafür Sorge getragen, daß der äußere Rahmen ein richtiges Bild des .„jüdischen Volkes" wiaderspiegle, darum legte das Vorbereitungskomitee Gewicht darauf, daß nur Delegierte mit guten Manieren und Frack zugelassen werden. In Anbetracht der aufreibenden Arbeiten, die nach dem Kongreß in Karlsbad und Marienbad fortgesetzt werden, wurde von einer demokratischen Wahl Abstand genommen, damit nur solche Vertreter des Volkes mitarbeiten,;die sich diese Opfer für Israel auch leisten können. Das Ergebnis des Kongresses ist zufriedenstellend. Die Einheätsresolutiow .gipfelte, in der Forderung: Sofortige Sammelaktion für die Hinterbliebenen der meuchlings ermordeten Juden, Araber, Abessinier. An der Spitze des Ehrenkomitees steht Dr. Weizmann. Der Widerhall dieser Aktion ist ungeheuer. N. N. erlegte unter dem Eindrucke der tiefen Baßstimme des Vize-Ehrenvorsitzenden jadische Knltuagemelnde Snbotica (Jugoslawen) KONKURS. Die Jüdische Kultusgemeinde in SuboÜca sucht einen zweiten Kantor, der auch : Schochet-Ubodelc ist. Offeneren können Personen unter dem.. 40. Lebensjahre, die die Qualifikation eines Schochet-Ubodek's besitzen, eine angenehme, musikalisch geschulte Singstimme haben und fähig sind, den Gottesdienst mit Orgel u. Chor zu versehen; Vorzug haben jene, die Chor einstudieren und leiten verstehen. Die Offerte sind bis 10. August 1936 an die Adresse der Kultusgemeinde zu senden; .und die persönlichen Dokumente wie auch die entsprechenden Zeugnisse im Ong nal oder in beglaubigter Abschritt beizulegen. Reisespesen werden nur den Berufenen veigütet. ,D£R, VORSTAND. Stephan Wise sofort 2000 Fr. Die Aktion geht weiter. Spenden an die Zionistische Organisation: Departement: Jüdischer Weltkongreß, Abteilung: Für gefallene Juden, Araber Und Abessinier, London, Russelstreet." Die Leser der „Wahrheit" wissen aus deren wiederholten Veröffentlichungen genügend Bescheid über den demnächst in Genf stattfindenden „J ü d ischen Weltkongreß", der, von einem Weltkongreß weit entfernt, in Wahrheit nur eine Debattierversammlung, beschickt von politisch-zionistischen Organisationen verschiedener Länder, darstellen wird. Alle maßgebenden jüdischen Organisationen des Auslandes, so von Amerika, England, Frankreich, Holland, Ungarn, auch von Deutschland, prominente zwischenstaatliche religiöse und charitative jüdische Körperschaften, wie diet Agudas Jisroel, die Alltance lsraehte, ja sogar die Revisionisten haben eine Beteiligung an diesem Gastspiel des Herrn Nahum Goldmann, das nur Wasser auf dfe Mühle der Antisemitein treiben kann, entschieden abgelehnt. Unsere österreichischen jüdischnationalen Wichtigtuer müssen aber natürlich dabei sein. Die beiden jüdischnatflonalen Blätter, seinerzeit die Verfechter der weitestgehenden Demokratie, so zum Beispiel des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes in die Kultusgemeinde ohne Unterschied des Geschlechtes, veröffentlichen in ihren letzten Ausgaben ein Communique, in dem mitgeteilt wird, daß das „vorbereitende Komitee für den jüdischen Weltkongreß" beschlossen hat, von Wahlen Abstand zu nehmen, und sich auf eine gemeinsame Liste geeinigt hat. Diese Delegiertenliste wird gleichzeitig bekanntgegeben und man findet in ihr natürlich nur Namen vorn Vertretern jüdischnationaler Organisationen, insbesondere natürlich den des Herrn Oberbaurates Stricker, des geistigen Vaters des Kunschak'schen Entwurfes zu einem österreichischen Judengesetz, das alle österreichischen Juden zwingen soll, eine jüdische Nation zu bilden. Aber es ist auch in dieser Gesellschaft eine Vereinigung genannt, deren Teilnahme an diesem sogenannten „Jüdischen. Weltkongreß" stärkstes Befremden auslösen muß. „Es tut einem in der Seele weh," wenn man hervorragende Vertrefer^Jdes „Bündes' -Jüd?seher Fron-tsoldaten", der doch gerade in der letzten Zeit aus eigener Erfahrung feststellen konnte, welcher Kadavergehorsam von den Austrozionisten verlangt wird, in Gesellschaft dieses Parteiklüngels sehen muß. Dollfußgedenkgottesdienst des Bundes $ jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs. Am 23. d. M. fand in der "'architektonisch unvergleichlich schönen Synagoge in der Zirkusgasse, die das Präsidium der sephardisehen Gemeinde zur Verfügung gestellt hat, der Gedenkgottesdienst für weifend Bundeskanzler Br. Engelbert D o 11 f u B statt. Zu diesem Gottesdienst hatten sich unter anderen eingefunden: In Vertretung des Herrn. Bundeskanzler Dr. Kurt v.* Schuschnigg dessen Personadadjutant Obstlt. B a r t e 1, für das Bundesministerium für Landesverteidigung Obstlt. Reicher, für den Polizeipräsidenten von Wien, Städthauptmann-Stellvertreter OberpoHzeirat Richter, Hof rat Dr. Humpel für das Generalinspektorat der Sicherheitswache. Für die Gendarmerie- Generaldirektion im Bundeskanzleramt Major Schmied e k, der Kommandant der Sicherheitswache II. Polizeioberstlt. Nessberger. Für die Vaterländische Front I. und für deren Bezirksführer Gmj. Dr. von Zobernigg, Hauptmann Dr. Steiner, für die Vaterländische Front II. Herr Syko'ra und Herr Koczik, ferner Vertretungen der anderen Bezirksstellen der Vaterländischen Front, eine Vertretung der Frontmiliz, der Bundesiührer des Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterrefichs. Hauptmann a. D. Siegmund Edt v. Fried mann, dessen Stellvertreter Oblt. i. d. Res. DipL Kfm. Stiassny und die gesamte Bundesführung, der Präsident der sephardischen Gemeinde Siegmund He skia, mit den Hefren Dr. Menasse und Maissa. eine Deputation des Ring österreichischer Soldaten und verschiedener Kameradsohaftsverbände, Vertretungen der jüdischen Korporationen und Parteien, n. v. a4 BEATRIIBADIPIICHAEIERBAD Ufr, Umkm Bah—y»— », nächst Stadtpark | XVWL, MJcfcMtorstr. 1*. alefcat yclkwper Jfcvea gegen Rheuma, ,Gk*t, fiw±ias, gegenErUWunjw w^tig« AKerse^eiriiin*en uitw. Der Tempel hatte Trauerschmuck angelegt und war in den österreichischen Farben geschmückt. Vor dem AJtar stand ein Ehrenzug des Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs mit Fahne. Mit der goklenen Tapferkeitsmedaille geschmückte Kameraden hielten die Ehrenwache. Nach dem Orgelpräludium brachte ein Chor unter Leitung des Herrn Oberkantor L ö w i t einen deutschen Choral wirkungsvoll zum Vortrag. Nun begab sich der Bundesiührer des Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs, Hauptmann a. D. Edler v. F r»e dm a n n zum Altar und entzündete dort ein Seelenlicht Nach einer Trauerminute hielt Rabbiner Dr. Murmelstein eine Gedenkrede, in welcher er unter anderem ausiührte: Zwei Jahre sind vergangen, seitdem Oesterreich seines großen Führers beraubt wurde, und in wehmutvoller Erinnerung wenden sich unzählige Herzen der lichtvollen Gestalt des Märtyrerkanzlers zu. In einer Zeit der Verwirrung und Zerstreuung hat er es vermocht, Klarheit und Vertrauen zu schalten, den Glauben an ein neues, wiedererstandenes Oesterreich für alle Zeiten zu verankern. Es ist ihm die Aufgabe zuteil geworden; in stürmischen Zeiten die Geschicke Oesterreichs zu lenken, sein Gottvertraueu, sein Glaube an die himmlische Gerechtigkeit haben ihm Kraft und Ausdauer verliehen, auszuharren und nicht zu verzweifeln. Auch in den letzten Augenblicken seines Lebens, afs er von Mörderhand getroffen wurde, blieb sein Gtautoe unerschüttert, er wußte., daß, von . seinem Blute getränkt, .die Idee des neuen Oesterreich, zu. voller Blüte heranreifen wird. Wenn nun kl diesen" Tagen alle Kender dieses Landes seiner gedenken, so ist es selbstverständlich, daß auch wir Juden» mit1 Oesterreich in Preud und, Leid auf das innigste verbunden, uns voll und. gan? der allgemeinen Trauer anschließen. Wenn man abftr die Gestalt und'das Werk, des großen Kanzlers nähe/ betrachtet, in seine Gedankenwelt siebt'«u vertiefen 'sucht, so muß man. erkenneft. daß wir, Juden ganz besonders dazu berufen sind,' die Bedeotung tf'eS"EJr. Easelhert Dol^.uß zu erfassen,und zu würdige»,.fcliehfc nuj- "desaatö, weü er «nerschrocken, an der Qleichberechjtigung aller Bürger festgehalten. und dfeseHn 'dW'von;'ihmvgeschaflß^h-.VMas*»rite v*rankert%fca£.*vsaaäerfi ■we'A wir im Laufe unserer Geschichte an uns seibat erfäfifetf" 'häfi'en1, "wfe rieftög Tihd 'wahr der TJrari<fg?-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.