Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 32 (31.7.1936)
- Date
- 1936-07-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/3062972-3064606-3064637--20773-3086054- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 Nn 32 — 31. Juli 1936 DIE WAHRHEIT Die Auswanderung aus Deutsehland. Die Presseabteilung der Reichsvertre- Europa-Wanderung, tung der Juden in Deutschland veröffentn^ ■,,. . licht folgende Mitteilung: Die 1933 nach Westeuropa Aus- Der Wanderungsausschuß der Reichsvertregewanderten sind auf . . . 36.000 tung der Juden in Deutschland hat eine Unterzu schätzen, davon sind zurück- _ suchung der bisher verfügbaren Materialien über gewandert nach östlichen Landern 3000 die Statistik der Auswanderung von Juden in weitergewandert nach Palästina 3000 Deutschland gemeinsam mit dem Hilfsverein weftergewandert nach Uebersee 8000 14.000 der Juden in Deutschland und dem P aso daß insgesamt in westeuropäischen lä'Stina-Amt durchgeführt Diese Unterau- Ländern ■ verblie|>e)i; sind "... . ... 22.000 chung soll dem Zweck dienen, für die Erörterung „_ . *. „ ,.. ., .... der Wanderungsfragen und der Wanderungs- D.ese 22000 m Europa verbhebenen Auspfenung leine einheitliche zahlenmäßige -Grundlage ^anderer verteilen sich auf: festzustellen und damit etwaige Unklarheiten oder Westeuropa h (Belgien, England, Differenzen in bisher erfolgten privaten Publika- ™inkr.öch Holland) . 15.600 Honen zu beseitigen. Mittelu. Sudgeuropa (Schweiz, Das Ergebnis dieser Untersuchung stellt eine Oesterreich Italien, Tschechobei dem Fehlen völlig ausreichender exakte* Un- ' /"Soslawien) .... 3000 tarfagen unter Berücksichtigung aller für die Warn- Gordische Land% . ' A ' ' 1WU <iemngsbewegung maßgebenden Faktoren vorge- Sudwesteuropa (Spanien, Portunommene Schätzung dar. Zugrunde gelegt wurden f-' . * '['',' ' ' ' ' ^„ hierbei für die Palästina-Wanderung die statisti- Sonstige europ. Lander .... 400 22.000 sehen Veröffentlichungen der Jewish Agency, für Rückwanderung die Wanderung nach den übrigen Ländern die yon Jud€n ausIändischer StaatsangehÖ- Zahl derjenigenj Auswanderer, deren Wanderung rigkeit in jhre He:imat]änder, besonders mit Mitteln nidischer Organisationen durchgenach Osteuropa' (Polen, Randstaaten, führt wurde. Dabei mußten die Zahlen derjenigen Balkan) . . 18.000 Auswanderer, die ohne Unterstützung der jüdi- „ .. ' ■«>•*•• *. ' ' " ,' ' _l ftAn sehen Organisationen und daher auch ohne Re- Palastina-Wanderung .... 31.000 gistrierung ausgewandert sind, durch Schätzung Uebersee- Wa n d e r u n g. ermitteßt werden. Das Verhältnis der freien zur Vereinigte Staaten von Nordunterstützten Auswanderung wies in den letzten arnejika . ........ 9500 Jahren starke Schwankungen auf. Es kann ange- Brasilien *<•> ...... 4500 nommen werden, daß die freie Auswanderung Argentinien . . . . . . 2000 mindesDens ebenso groß wie die unterstützte Aus- Chile . . . . 600 Wanderung gewesen ist, ja zeitweilig sogar das Uebrige süd- und zentralameri- Doppelte der unterstützten Auswanderung erkamsctie Ländep- . . . . . . 2000 reicht blatte. Südafrika .: iip . . . . . . 3000 Im einzelnen ergibt sich für die Zeit vom Sonst überseeische Länder . . 400 22.000 1. Februar 1933 bis 1. April 1936 nach der Rieh- 93.000 tung der Auswanderung in die verschiedenen Län- ~. - ,, , ' . . , . , . der folgendes Gesamtbild: - P'e.Za^J&r®™^JudeV n,„^utech- , land betrug "fläch der Volkszahlung ■■■MiMlMMMMUMWMMttWtM 16. Juni 1933, Y ...... ,499.682 NeöMna KOckeng±M 1%^ M . Die Zahl der j^ubet^ VendMiMh M f 1 H'^"'WiL land am April T936 kann'unter Be- Wohaxlmmsr- ■ ■ Wmw rücksichtigung der gesamtein Auswande- ».«OHN.WienIUTUOBSTMSSENr.22 **£ÄK|.t , Telephon R 40-7-14 Volkszählung erfolgt ist und der natür- Samstag geschlossen, liehen Bevölkerungsverminderung auf . 409.000 MM9#9MMMMMm#m###m###m«m* geschätzt werden. ■.'••'■ ' ■ '> ■.,; Tragik der jüdischen Arbeitslosigkeit. Die Erwachsenen und die Jugendlichen. Von Dr. A. Schm-erler (Wien). Ist eine Berufsumsehlektung derzeit möglich? Merzn. rranenheilbad} Tafzmannsdorfi -8 (Dnrgenland) .... | natürliche Kohlensäurespradelbäder. \ «Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei rituelle Re-J . stauiants. — Auskünfte und Prospekte: Generalvertretung; Wien I., Kohlmarkt 8 Tel. ü ^5-104 S •Neu: Moorpackungen und Moorkompressen in! .! i, allen Apotheken erhältlich. .. ..'■''• l & Mineral', Moor- und Die jüdische Arbeitslosigkeit ist ein. Problem der Notlage' weiter Kreise der jüdischen Bevölkerung; infolge ihrer sozialen und wirtschaftspolitischen Struktur und infolge der Gesamtwirtschaftslage. Sind doch jüdische Arbeiter und Angestellte aus der Urproduktion (Landwirtschaft, Bergbau) und aus wichtigen verarbeitenden Gewerben und Industrien (Eisen, Metall, Graphik, Chemie, Elektrizität) fast ausgeschlossen! Durch einschränkende Maßnahmen im Handel und Verkehr verschwinden allmählich ganze Berufe: Vertreter, Reisende, . Bank- und Speditionsbeamte, Ratennändler, Hausierer, Marktfahrer, Inkassanten usw. Dazu kommt, daß unter .den zählreichen jüdischen ungelernten Arbeitern sich die m Krisenzeiten erfolgende Arbeitsbeschaf*- fung der öffentlichen Hand (Straßenbau, Flußregulierung, Siedluhgsaktion) nicht auswirkt. Im öffentlichen Dienst findet man schwer UnterkunftsmöglichkeiL . v -Man ist oft der Meinung, daß eine Berufsurrtschichtuhg Remedur schaffen könnte; ' allein fcel gründlicher Erfassung des Problems gelangt man. zur Üeberzeugung, daß bei den gegebenen Verhältnissen,vqn einer Umschichtung^ d. h. von einer den Kinder, denn iür sie besteht die Arbeitslosigkeit auf allen Gebieten. Eine'Tatsache'muß festgehalten werden: Unsere männliche Jugend zeigt heute wenig, bzw.' gär kein Interesse für den Verkaufs- und Bürocferui. Sie zeigt wenig Interesse für kaufmännische Berufstätigkeit, denn sie kennt allzu gut das Schicksal ihrer erwerbslosen Eltern. Der Großteil der schulentlassenen Jugend strebt Lehrstellen bei Mechanikern, Elektrotechnikern, Friseuren, Fleischhauern, Bäckern, Buchdruckern, Optikern, Gärtnern, Schneidern usw. an. In allen diesen Berufen sind die jüdischen Berufsanwärter fast ausgespert. Eine große Zahl von Berufen (Graphik, Chemie, Elektrizität) verschließt sich ihr automatisch. Oft ist der jüdische Unternehmer im erwünschten Berui ohne Beschäftigung und kann daher die entsprechende Ausbildung nicht gewähren, die sozialen Lasten nicht tragen. Viele Berufe sind industrialisiert, bzw. mechanisiert — wie z. B. die Kleiderkonfektion — und können daher keine Lehrlinge aufnehmen. Die Lösung der Aufgabe der Umschichtung in einer Zeit, in der alle Tore verschlossen sind, ist ungemein erschwert; doch müssen wir an die Aufgabe herangehen, der Jugend praktische Berufe zu erschließen. Nur wenn die jüdische Oeffentlichkeit in dieser vitalen Frage willig;nnd verständnisvoll mitgehen wird, könnte man die Schwierigkeiten und Hindernisse der Arbeitslosigkeit der, jüdischen Jugendlichen zum Teil beseitigen. >•? Bei den gegebenen Verhältnissen muß in Ermangelung erwünschter handwerklicher Lehrstellen ein Großteil der männlichen Jugend, die Vorliebe für technische Berufe hat, die. technischen Fachschulen in Anspruch nehmen, deren ''Lehrziel in" der Vermfttlühg"äiter''für die technischen Arbeiten in Industrie und Gewerbe erforderlichen theoretischen und praktischen Kenntnisse besteht- Durch den Besuch dieser Schulen können dann Schlosser, Mechaniker, Gas-, Wasserleitungs- und Elektroinstallateure, technische Betriebsleiter usw. beruflich ausgebildet werden. Wie ist die Lage der jüdischen weiblichen Jug'end auf dem Arbeitsmarkt? Die Berufswege für Mädchen sind viel günstiger als die für die männliche Jugend. Hier besteht die Tendenz, sich auf die typisch fraulichen Berufe zurückzuziehen. Dazu kommt, daß, die heutige Frau sSh bewußt ist, daß sie als Leiterin des Haushaltes, als Gattin und Mutter die ihr in ihrem eigenen Wirkungskreis zukommenden Arbeiten selbst zu leisten hat. Die Führung des eigenen Haushaltes setzt hauswirtschaftliche Bildung, wie Koch- und Nähkenntnisse, Häuswirtschaftskunde, Gesundheits- und Kinderpflege, Erziehungslehre, Gartenbau u. a. voraus; denn nur diese Kenntnisse können das Gedeihen der Familie gewährleisten. Bei vielen Frauen ist heute steigendes Interesse für Fürsorge-, Pflege- ' und Erziehungsberufe wahrzunehmen. In der Tat finden Frauen nach entsprechender Ausbildung e;n Betätigungsfeld als Kindergärtnerinnen, . Kinder- und Krankenpflegerinnen, Erzieherinpen, Kunstgewerblerinrien usw.. Ein großer Teil der Hauptschülerinnen findet die Mö8Ucnkeit der beruflichen Ausbildung für Verkauf und Büro. Ein Teil der Lehrstellensucherideh will das Schheidergewerbe und die Modisterei erlernen. Auch hier ° müß die behördlich genehmigte' Fachschule für Schneiderei den Mangel an Lehrstellen ersetzen:. ' "*" Was ist für die Berufswahl ^ts^eiderKl?:--.....o.vi?, Bei det- Berufswahl -orirken . sich die < drei ,;> Faktoren, aus,.,.. und, z^t-i- .die,^ §erufsneigun^,-und...-;dfe Berufsmöglichkeit. Die Vorliebe des Kindes für eineij hesömmtea^erut,wird, im :Wege detj. Berufsbeja,turig Leset den ilnrn— €s ist €uer Watt -WwvgVBB'-- 3 Vtt&reitet den 1 & filfjjt mit €u$ ^•igj^;-- ^Inseriert im , jl^tehMt^miii €u$z F< '6Smrtff tlir Fttrßi ■ >;|MonMHr ts»5. .f.l;U •!. Kulfipn iUT {.UGgi: Realitäten des .Wirtschaftslebens entsprechenden rationellen Ueberführung jüdischer Schichten in werktätige Berufe, u.nter Bedacht nähme a u f die Interessen der nichtjüdischen Bevölkerung nicht die Rede sein kann. Bei der jetzigen Struktur der Wirtschaft wäre die umschichtungsweise Ueberführung der Erwachsenen zur Industrie und zum Gewerbe nur durch Aufnahme von Juden a|s Arbeiter, in dje schon bestehenden Fabriken und Werkstätten möglich. .Allein diese Aufnahme stößt auf Schwierigkeiten^ da nicht nur der nichtjüdische, sondern auch der jüdische Fabriksibesitzer nicht gewillt ist, jüdische Arbeiter zu,, beschäftigen. Traurig wirkt das Ausschalten *des jüdischen Menschen aus dem Wirtschaftsprozeß; das durch die Njch'tanstellüng von Juden in, jüdischen Unternehmungen vor sich geht Diese Erscheinung ist bedenklich, denn sie bedeutet selbstverursachte Mihderbewertühg; Mihder- ^erechtigUBg-%ndi'iS«f(tetvenlichtung? kern'"Wunder, idaß bei den jüdischen. Arbeitslosen Nottage, Hunger, Qb- ^c^o^gkelt,^^'" ^wiegen,. Dje: yerbswsen"isi ^oes»r^gniserfegend\ j;: Welche Berufswahl, trifft die. j&Üsche Jugend an- •gesichts -2 #ilv ^„»nz, der Bewältigung einfacher;. ^Berufswahl für Kinder und Kterai:i£ern'effi;-^ Gedächtnisses usw. Die Eb- ^schwer lösbajtep g^l«CB,-afeer( «^»ÖWMerritftt^l^a^^ ünajäe!>*Stiitliche Befuri| Äes Problem der Berufswahl für jüdische Eltern und ihre sind dann bei der Berufswahl ausschlaggebend Ä -»\piw«»^''^;*ni#«c»*^^ Fähigkeit der Berufsanwärter, geschulte Psychotechnt-