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Die Wahrheit · 1936-07-31 · Heft 32 (31.7.1936) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 32 (31.7.1936)
Date
1936-07-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Nr. 31. Juli 1936 DIE WAHRHEIT als Hakoah-Schwimmer zum Wiener Stromtneister gebracht nach dieser sportlichen Höchstleistung sich aber auch auf politischem Gebiete als erfolgreicher Absolvent der zionistischen Sportschule ejrwiesen, indem er nach Palästina übersiedelte. Er scheint aber nicht bloß ein guter, sondern auch ein treuer Jünger der Wiener Zionistenführer gewesm zu sein, denn als er diese durchaus nicht ins Heilige Land nachkommen sah, weil sie sich in der „Galuth" wohler fühlen, hielt auch er es drüben nicht mehr aus, sondern kehrte zu seinen geliebten Wiener Lehrmeistern heim. Vielleicht fand er auch die „Jüdische Heimstätte" nicht ganz im Einklang mit den begeisterten Anpreisungen der niesigen ReTdamezionistetn. und so flockte es ihn, das nicht minder begeisterte Lob des Berliners Kareski für die Verwirklichung der jüdischnationalen Belange durch die Nürnberger Gesetze an Ort und Stelle auf seine Berechtigung zu überprüfen . . . Weniger Ideelle Gründe sind angeblich für die anderen Hakoahner, die trotz des für sie geltendem Makkabi-Verbotes in Berlin starten wollen, maßgebend. So will der Ringer F i n s c u s in Berlin um einen öste|rreich8schen Gewerbeschein ringen und der Läufer König, der Türke ist. dort um die Heim atb e r ech tig u n g in Oesterreich laufen. Da auch im alten Griechenland die Olympia- Sieger auf Kosten ihrer Heimatstädte öffentlich äusgespeist wurden, wollen wir mit modernen Olympioniken, die durch Teilnahme an den Spielen ihren Broterwerb zu verbessern trachten, nicht allzu streng ins Gericht gehen. Was wir aber unbedingt verlangen, ist eine Stellungnahme der österreichischen Makkabi-Kreisleitung zu der durch die Disziplinlosigkeit seiner Mitglieder veränderten Lage. Die wackeren Damen Delutsch und Langer hätten sich über den Verzicht auf Olympia-Preise und die unverdiente Maßregelung seitens der Sportbehörden sicherlich mit dem erhebenden Bewußtsein getröstet, damit ihren Teil zur Rettung der jüdischen Ehre beigetragen zu haben. Da sie aber diese Ehrenrettung an der Disziplinlosigkeit ihrer Klubkollegen zuschanden werden sehen, müssen sie ihr Opfer als überflüssig erkennen und daher umso schmerzlicher empfinden. Auch die bestgemeinten Lobeshymnen jüdischer und christlicher Bewunderer ihrer Charakterstärke werden sie nicht über die bittere Erfahrung trösten, daß ihre ..National"- und Klubgenossen, bloß weil sie weniger Nackensteife besitzen, mit Olympia-Medaillen behängt heimkehren. Einer geschlossenen, solidarischen Weigerung aller jüdischen Sportler gegenüber hätten sich die Sportbehörden vermutlich doch eines Besseren besonnen. Man kann es aber dem Schwimmverband nicht verübeln, daß er die Verschlechterung seiner olympischen Siegeschancen durch die Abstinenz seiner jüdischen Meisterinnen schwer ahndet, wenn er sehen muß, daß die jüdischen Meister anderer Sportdisziplinen die österreichischen Aussichten willig erhöhen. Es ist sehr verwunderlich, daß gerade Organe der Vaterländischen Front die Absage von Judith Deutsch als Mangel an vaterländischem Gefühl anprangern. Indem die Vaterländische Front betont, daß Oesterreich ein christlicher Ständestaat ist, hebt sie selbst das Primat der religiösen Gefühle im Staate hervor. Ebenso wie die Christen haben die Juden das gute Recht, ia die Pflicht, Solidarität .im Dienste Cait Pension Echstein Neu renoviert! Semmering HOTEL ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang der Glaubensgemeinschaft zu üben, und es ist sehr zu bedauern, daß dies in bezug auf die Olympiade nicht mit größerer Konsequenz geschehen ist. Da sich die Dinge aber nun einmal so beschämend gestaltet haben, müssen die jüdischen Sportler trachten, das, was sie dem Judentum schuldig geblieben sind, im Dienste des österreichischen Vaterlands wettzumachen. Da sie das Kämpfen nicht lassen wollen, müssen sie siegen. Die Fähigkeit dazu besitzen sie, daher haben sie auch die Pflicht dazu. 9edenkfeier für Stefan £ux in Prag. Zum Gedenken an Stefan Lux, der während dei Tagung der Völkerbundversammlung in Genf sein Leben opferte, um das Weltgewissen gegen die Verbrechen des .Nazismus wachzurütteln, veranstaltete die tschechoslowakische Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus eine Kundgebung, in dei Dr. Arnold Hahn ein Lebensbild seines Freundes Stefan Lux zeichnete, eine Reihe Gedichte und Aufzeichnungen des Schriftstellers Lux, sowie seine vor dem Freitod in Genf geschriebenen Briefe vorlas. Diese wie mit granitner Feder niedergeschriebenen, eine ruhige Würde, philosphische Ueberlegenheit und sogar eine feine Selbstironie atmenden Briefe widerlegen schlagend die vom Deutschen Nachrichtenbüro verbreitete und auch von manchen antinationalsozialistischen, ja sogar jüdischen Kreisen geglaubte Version, daß Stefan Lux in geistiger Zerrüttung gehandelt habe. Aus seiner vornehmen, selbstauiopiernd heldischen Einstellung heraus hat Stefan Lux nur zu folgerichtig gehandelt. Gewiß hat er auch andere Pläne erwogen, um der Bewegung gegen den Nazismus neue Impulse zu geben, allein zu deren Ausführung brauchte er Kapital, und das hatte er nicht. Und so entschloß er sich, das einzige und letzte Kapital, das er besaß, sein Leben, zu opfern. Dr. Arnold Hahn appellierte an die Prager Juden und an die Juden überhaupt, dah'in zu wirken, daß die Resonanz der Opfertat Stefan Lux' möglichst stark sei und bleibe, damit sie ihre Wirkung tue und Stefan Lux als ein jüdischer Held, der er war, in die Geschichte eingehe. Um zu zeigen, welche Wirkung Stefan Lux' Opfertat in Genf ausgeübt hat, verlas der Redner die Trauerreden, die am Grabe Stefan Lux' auf dem Genfer jüdischen Friedhot gehalten wurden. Robert Dell, der Präsident des Verbandes der beirn Völkerbund beglaubigten Journalisten, versicherte, daß Stefan Lux im vollkommenen Gleichgewicht war und daß er kaltblütig und mit genauer Abwägung der Wirkung seiner Tat gehandelt hat. „Wir können", schloß Dell, „vor Deinem Sarge, Stefan Lux, versichern, daß wir nie die Sache der menschlichen Solidarität verlassen werden, für welche Du Dein Leben geopfert hast, und daß wir niemals gegenüber dem Verbrechen neutral bleiben werden". Der Präsident der Jüdischen Gemeinde in Genf, M. Levy-Wallisch, sagte: „. . . Im Namen der Israelitischen Gemeinde von Genf will ich in ihren friedlichen Acker die sterbliche Hülle eines Märtyrers aufnehmen. Stefan Lux, ich verneige mich ehrerbietigst vor dem Grabe, das Du stoisch freiwillig geöffnet hast Ich wünsche, daß Deine Frau und Dein Kind den Trost haben mögen, daß in einer nahen Zukunft Deine Entsagung und Dein Opfer nicht vergeblich gewesen sind. Ich wünsche, daß die Menschen menschlich werden und daß die religiösen und rassischen Verfolgungen aufhören mögen. Adieu, Stefan Lux, der Du der antiken Heroen würdig bist. Schon erhebt sich sehr rein Dem Andenken, der Du Dein Leben gegeben hast für ein Ideal der Eintracht, Du nobles Opfer der Unduldsamkeit!" Der Oberrabbiner von Genf, M. S. Poljakov, wie Stefan Lux ehemaliger Frontkämpfer und Kriegsverwundeter, sagte, Stefan Lux habe sich nach wohlerwogenem Vorsatz und nach reiflicher Ueberlegung den Tod gegeben. In einem Lande, für welches er sein Blut vergossen hat, sah er seine Religionsgenossen geplündert, ruiniert und zu einem langsamen Tode verurteilt. Und der Jude Stefan Lux stellte sich die Frage: Als wir unser Vaterland verteidigten, machten die Granaten und die Kugeln keinen Unterschied zwischen Katholiken, Protestanten und Juden. Warum schweigt jetzt die zivilisierte Welt? Und wie ein Soldat, der einen letzten Appell ausruft, einen Trompetenstoß hinausstößt, um Seuitteton. Südafrikanische Impressionen. IIL Reiseberichte Mai—Juli 1936. Von Dr. Margarete Edel he im, Berlin. Es ist sehr schwer, ein Bild von der wirtschaftlichen Situation der Einwanderer, die in den letzten drei Jahren — übrigens in absolut kleiner Zahl — hierhergekommen sind, zu gewinnen; denn sie sind von den . jüdischen Organisationen statistisch nicht erfaßt Die Zahl von etwa 2200 bis Ende 1935, die der Regierungsvertreter hier 'im Parlament kürzlich nannte, umfaßt die gesamte Einwanderung aus Deutschland, nicht nur die jüdische. Aber es gibt gewisse Probleme, die für alle Einwanderer gelten und die vor allem die Neueinwanderung immer schwieriger gestalten. Was nämlich oben von den Proportionen der Landkarte gesagt wurde, gilt umgekehrt für die wahre Größe des Landes. Wenn wir uns die Landkarte ansehen oder von den Entfernungen im Lande hören (Kapstadt—Johannesburg 36 D-Ztig- Stunden. Durban—Johannesburg 19 Stunden), dann glauben wir, ein Riesenland vor uns zu haben. Aber hier ist nicht die Zahl der Quadratkilometer maßgebend, sondert» die Dichte der Bevölkerung. Und bei solcher Betrachtung schmilzt das .Land zusammen; denn die Bevölkerung beträgt nach dem vorletzten Zensus — der letzte ist noch nicht ausgewertet — nur etwa acht Millionen, von denen zwei Millionen Weiße sind. Nim sollte man meinen, daß ein Land von so geringer Bevölkerungsdichte jede Einwanderung arbeitswilliger" weißer Menschen begrüßt Einige'Parteien hier im Lande sind aber keineswegs dieser Ansicht' und haben erst vor wenigen Wochen die Frage der Einwanderung zum Gegenstand einer Parlamentsdebatte gemacht Auf solche Strömungen aber muß eine Einwanderung Rücksicht nehmen und die Verteilung der Menschen zum mindesten so planvoll einrichten, daß nicht Anhäufungen in einzelnen, ohnehin schon übersetzten Berufen entstehen, während in anderen Zweigen fühlbarer Mangel an guten und daher auch willkommenen Arbeitskräften herrscht. Zu diesen politischen Schwierigkeiten treten rein wirtschaftliche und rein menschliche. Die Zahl von knapp zwei Millionen Weißen bei sechs Millionen Schwarzen und Coloureds (d. s. die Mischlinge, die vor allem im Kaplande leben) bestimmt die Konsumkraft der Bevölkerung für gewisse Waren und die Geschmacksrichtung, die für Massenartikel notwendig ist Damit weiß der europäische Kaufmann wenig Bescheid. Zudem ist Südafrika als ein englisches Land in Geschmack und Sitten sehr konservativ und nicht unbedingt erfreut, wenn der Mitteleuropäer glaubt, reformieren zu müssen, was sich bisher für dieses Land als erfolg- und ertragreich gezeigt hat — in diesem Sinne wollen die Städte hier weder europäisch noch amerikanisch, sondern eben afrikanisch sein. Afrika hat als Importland bei seiner Ausdehnung einen ungeheuren Apparat zur Verteilung der Waren nötig. Deshalb ist idäs Land von einem Netz von „Stores" überzogen, die die Waren an die Eingeborenen heranbringen. Diese Läden sind häufig in kleinsten Nestern, meilenweit von der Bahn entfernt Da gibt es fast nur Schwarze, die Farmen der Weißen liegen oft stundenlang ab. In solchen Einöden haben die meisten der Kauleute, die vor Jahrzehnten: hier eingewandert und heute reiche Leute und im "Handel führend sind, angefangen. Ein solches Leben bedeutet aber für die Men-, sehen der heutigen Generation, die'atfs höchstkultivier-' tem. vielleicht verweichlichtem Milieu und aus der Gewohnheit engster geistiger Gemeinschaft mit sozial Oleichgesteliten kommen, e'ine seelische Belastung, die die wenigsten aushalten können. Diese menschlichen Schwierigkeiten setzen manchen sonst vielleicht vorhandenen beruflichen Aniangsmöglichke'iten für Kaufleute eine gewisse Grenze. Für Handwerker und Arbeiter gibt es strenge Vorschriften der Gewerkschaften, denen die Zugewanderten häufig nicht genügen und die mahnen, die handwerkliche Ausbildung ganz gründlich und nicht zu spezialisiert vorzunehmen. Für die Intellektuellen gelten im wesentlichen die gleichen Bestimmungen Wie in England, viele Berufe setzen die südafrikanische Staatsbürgereigenschaft voraus — und schließlich — die Sprache. Wir meinen in Deutschland so oft, englisch sei leicht — das ist richtig, wenn man es lernen will, um sich eben verständigen zu können — aber um es so zu sprechen, daß man im Berufsleben konkurrenzfähig ist, dazu gehört viel mehr, als Wir uns in unserer Schulweisheit träumen lassen. Darum wiederum die Mahnung: Wer auswandern will, muß rechtzeitig die Sprache des Landes lernen, das er als Ziel wählt sonst versäumt er im neuen Lande kostbare Zeit Aber allen diesen Schwierigkeiten stehen die Tatsachen gegenüber, daß in Südafrika eine Wirtschaftsblüte herrscht wie nirgends anders — der Import hat sich im letzten Jahr verdoppelt —, und daß von den Zugewanderten fast alle Arbeitsmöglichkeiten gefunden haben, wenn auch meist noch in sehr bescheidenen Stellungen. Die Eingeborenenfrage. Johannesburg, Ende Mai 1936. In Johannesburg läuft soeben der. Heimatfilm „Cecil Rhodes", die Geschichte der Erschließung der Diamantfelder .von Kimberley, der Eroberung des Witwaterrändes und der Begründung der Süd-Afrikanischen Union (Regie; iBerthold Viertel, Präsident Krüger: Oskar'Homolka). "Dieser Film ist für den Fremden besonders interessant Er zeigt die ökonomischen Grundlagen der „Prosperity" im Lande und die drei großen poli-

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