Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 32 (31.7.1936)
- Date
- 1936-07-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 40 Groschen' Die Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer luden" üincheint jeden Freitag um Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 52. Jahrgang Wien, 31. Juli 1936 Nummer 32 Olympiseher Sommernachtstraum. Rasiere Didignt und billig Die nächsten Wochen steht die Welt im Zeichen der Olympischen Spiele, die statutengemäß den schönen Zweck haben, „Amateuren aller Nationen auf dem Boden der Gleichberechtigung und unter so vollkommenen Bedingungen wie möglich", den friedlichen Wettkampf in allen sportlichen Disziplinen zu ermöglichen. An die Stelle der wirtschaftlichen Sonderinteressen, des Rassenhasses und der religiösen Unduldsamkeit, die die Menschheit feindlich spalten, tritt die Besinnung auf die einigenden Tendenzen des Menschengeschlechts, statt der Bestialität des modernen Krieges werden ritterlichere Formen des Kräftemessens der Jugend aller Erdteile Gelegenheit zur Abreagierung ihrer überschüssigen Energien bieten. Ein schöner Traum wird der Welt beschert: die beseeligende Vorstellung, daß es immer so sein könnte, und daß die olympische Arena zum Saatboden für den edien Keim des ewigen Friedens wird, was ja wohl auch die Absicht der modernen Neubeieber des antiken Olympia-Gedankens gewesen ist. Aber leider hat Romain Rolland recht: „Die erhabenste Idee bleibt ohne Wirkung bis zu dem Tage, an dem sie ansteckend wird; dies aber geschieht nicht durch ihren eigenen Wert, sondern durch den der menschlichen Gruppen, die ihr erst Blut und Gestalt geben." Die menschlichen Gruppen, die dem olympischen Gedanken heuer Blut und Gestalt zu geben bestimmt sind, sind bekanntlich die Stützen des Dritten Reiches: S.-A.-Mannen, die beim Ordnerdienste ihre Armschleifen mit dem Hakenkreuz durch eine Binde mit den fünf olympischen Ringen — beileibe nicht ersetzen, sondern auf ausdrücklichen Befehl bloß überdecken werden, und Führer, deren Auffassung von ihrer Pflicht als Veranstalter der Olympiade aus einem v e rwaulichen Zirkular erhellt, durch das der Landwirtschaftsminister Walter Darre, ein Antisemit' aus der Schule Streichers, die ländlichen Beamten auffordert, allen Olympiade-Gästen höflich, zu begegnen, auch wenn sich Juden unter ihnen befinden sollten, da die deutsche Regierung sich gegenüber dem Internationalen Olympischen Ausschuß, verpflichtet habe, die Olympiade-Gäste zu schützen. In keinem Falle — so fährt Darre fort ^- " „jüdischen Provokateuren" eine Handhabe geben, Zwischenfälle zu verursachen und Wasser auf die Mühlen der „feindlichen Propaganda" im Ausland zu treiben. Die Klebezettel mit den antijüdischen Losungen müssenfür die Zeit! der Olympiade entfernt werden. Das Zirkular schließt: „Die Gru ridh a11u n g des deufcsch e n Volkes gegenüber dem Jirdentum bleibt unverändert." Der schöne Traum vom ewigen Frieden darf im Dritten Reith nicht mehr sein als ein Sornmernachtstraum. In einem Lande, f in dem des weisen Nathans Parabel von den d r e;i Ringen als geistige Rassenschande gilt, können die fünf olympischen Friedensringe kein dauerndes Asyl finden1. Es ist nur gerade Urlaubszeit und so haben auch die Führer des Dritten Reiches ihre politischen Propaganda-Schlager sozusagen nach Olympia auf Sommerfrische geschickt, lüm sifch ihrer durch die Pause erhöhten Schlagkraft nachher umso wirkungsvoller zu bedienen. Auch das Problem: „Wie sage ich das meinem Kinde?" haben sie bereits zu ihrer Zufriedenheit gelöst, indem sie die Hitler-Jugend folgende ■ verifizierte Variation des oben zitierten Darre-Zirkulärs singen lassen: •»(. „Half Ruhe, Brüder, Ruhe jetzt, Nicht offen, nur (nicht laut gehetzt, Ihr müßt noch bis zurn Herbste watrten, Sonst spielt ihr Juda in di«? Karten. Ist erst Olympia vorbei, Dann kommt die Reinemacherei. Dann kommen all die großen Sachen, Die uns von Herzen Fredde machen, Dann packen wir den Judenmann Noch einmal ganz gehörig-an. Nimm dich in acht, o Israel, Und mach dich aus dem:iStaube schnell, Nimm dann gleich mit die Glaubens-Pfaffen, Die haben hier nichts meTir zu schaffen. Auch ohne ihren Heil'gerischein Ziehn wir einst in Walhalla ein." Die Wiener Hakenkreuzler haben das Programm „Nicht offen, nur nicht laut gehetzt!" bei ihren skandalösem Demonstrationen anläßlich des Wiener Olympfo-Festzuges wahrheh nicht beachtet. Was vom jüdischen.Standpunkt zu diesem merkwürdigen, aber niemanden überraschenden „OIympia"-Programm zu sagjejn ist, haben wir in unserem Blatte bereits, mehrmals ausführlich und eindeutig klargelegt; und uns dabei in erfreulicher Uebereinstimmung! mit dem Makkabi- Weltverband, der Organisation der jüdischnationalen Sportler, gefunden, der die Teilnahme an der Berliner Olympiade als .mit der jüdischen Ehre unvereinbar bezeichnete und daher seinen Mitgliedern verbot. Aber leider entpuppte sich auch die Autorität von Makkabi-Beschlüssen in den Makkabi-Kreisen als ein — Sommernachtstraum: Das Startverbot hat zur allgemeinen Verwunderung bloß auf einige Schwimmer und Schwimmerinnen Eindruck gemacht. Wie unsere Leser bereits wissen, hat Oesterretchlscbes Quaiif&ts-rahrikal Ueberau erhältlich die holländische Weltmeisterin Will den Ouden schon vor Wochen dem Schwimmverband ihres Landes mitgeteilt, daß sie als Jüdin in Berlin nicht starten wolle, und damit jenes achtungsvolle Verständnis gefunden, das in Holland allen mit Glaubens- und Gewissensfragen zusammenhängenden Entschlüssen gegenüber traditionell ist. Dagegen wurden die jüdischen Schwimmvereine von Prag, Brünn und Preßburg vom tschechoslowakischen Schwimmverband mit zweijähriger Auslandsperre, bestraft, die Wiener Hakoahnerin Judith Deutsch vom österreichischen Schwimmyerbande auf zwei Jahre gänzlich gesperrt. Dasselbe Schicksal hat nunmehr auch ihre Klubkollegin Ruth Langer getroffen. Damit beschämt aber diesejs halbe Kind die .reifen Männer in der blauweißen Hakoahdreß, dte der aus Berlin winkenden Versuchung leider nicht die gleiche Charakterstärke entgegenzustellen haben. Die „Stimme", die ihre Pappenheimer kennt, roch schon lange Lunte und da in einer peinlichen SStuation. jeder instinktiv seine Charaktereigenschaften bloßlegt, hat sich die „Stimme" zunächst mit einer ganz gemeinen Verleumdung zu helfen gesucht, indem sie eine viel" spaltige Polemik gegen die — Assimilanten als amgebfiche Fürsprecher der Berliner Olympiade losließ. Erst nachdem wir diese Verdrehung der Tatsachen energisch zurückgewiesen hatten, ent/- schloß sich die „Stimme", mit der Wahrheit herauszurücken, und dtese ist überaus erheiternd. Man erfuhr durch das jüdischfiationale Blatt, daß der Hakoahner Alfred Guth sogar auf eigene Kosten zur Berliner Olympiade fährt. Er hatte es v VERWALTUNGEN ^# SÄTZE - HYPOTHEKENf5f> KÄUFE - VERKÄUFE^pjW Dlpl.-Kanta. r R. SZILAGYI iei. »r. tum IX, ROTENLÖWENG. 3 TEL. A 10-Ö-OÖ Mitglieder und Freunde der „Union", des „Unlon-Klub'S des „Union-Frauen-Klub'' und der „Jugend-Union" H treffen sich wahrend der Sommermonate bei jedem Wetter, jeden Mittwoch, ab 8 Uhr abends Im reser- ";; vierten Teil des Restaurant Deutschberger, Prater, Ausstellungsstraße (vis-a-vis dem Lustspieltheater), »'••'•:i woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache und geselliger Unterhaltung gegeben ist.