Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 31 (24.7.1936)
- Date
- 1936-07-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 31 — 24. Juli 1936 Seite 7 GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHl WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE: XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-31 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für Koscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Der jüdische Geist am Werke. Epochale Krebs-Therapie aus Deutschland vertriebener Gelehrter. Die „Schweizerische Medizinische Wochenschrift" berichtet in drei Aufsätzen über eine neue Krebstherapie aus Deutschland vertriebener Gelehrter, die bereits ans Wunderbare grenzende Erfolge aufzuweisen hat. Im Laufe einer fünfmonatigen klinischen Erfahrung hat sich die Therapie außerordentlich bewährt. Sie wurde von dem früheren Direktor des Instituts für Krebsforschung an der Universität Berlin und langjährigen Generalsekretär des Deutschen Zentralkomitees zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheit;' '-Prof. F. Blumenthal, der nach Hitlers Machtantritt aus Deutschland vertrieben wurde und jetzt in Belgrad wirkt, erarbeitet. Sein Häuptmitarbeiter ist der gleichfalls aus Deutschland vertriebene E. Jacobs. Bei der größten Zahl der Behandelten handelte es sich um verzweifelte Fälle. Viele dieser Patienten befinden sich heute auf dem Weg weitestgehender Besserung; eine Anzahl von ihnen ist schon dem nornormalen Leben zurückgegeben, sie sind von Schmerzen, Beschwerden und von ihren Geschwülsten befreit. Die Behandlung besteht aus Injektionen unter gleichzeitiger Darreichung von Tabletten und gelegentlicher Anwendung von Salbe. Dr. Josef Wettenstein gegen Tuberkulose. Seit Jahren arbeitet der Budapester jüdische Arzt Dr. Josef Wettenstein an einem Mittel gegen Tuberkulose, das er „Comain" nennt. Nunmehr veröffentlichen bekannte Mediziner authentische Darstellungen dieses Heilverfahrens, das bereits viele Tausende Tuberkulöse dem Leben wiedergegeben hat, vielfach auch in Fällen, die von hervorragenden Internisten ais unrettbar bezeichnet worden waren. Vor einiger Zeit hat Mussolini Dr. Wettenstein nach Rom eingeladen und mit ihm über Produktion des „Comain" in Italien verhandelt. Im ungarischen Parlament wurden einige Male Interpellationen eingebracht, die die. ungarische Regierung, auf die Tatsache aufmerksam machen sollten, daß Dr. Wettenstein nur deshalb keine Klinik für seine wissenschaftlichen Zwecke bekommen kann und auch sonst sabotiert wird, weil er Jude ist. Zuletzt wurde Dr. Wettenstein von einem hervorragenden Wiener Internisten, einem Christen, nach Wien eingeladen, in dessen Klinik er die Behandlung von 30 schweren Tuberkulosefällen übernahm. Wie der Internist jetzt mitteilt, sind die in ganz kurzer Zeit erreichten Heilresultate verblüffend. Ein Jude erhält den Grand Prix de Rome. Die höchste Auszeichnung des französischen Staates für künstlerische Leistungen, der Grand Prix de Rome, wurde in der Abteilung Musik dem jüdischen Musiker und Komponisten Marcel Stern für die Kantate „Gisele" zugesprochen. Der junge Musiker erhielt bereits im vorigen Jahr den zweiten großen Preis und verschiedene andere Ehrenpreise. Der Leiter der liturgischen Abteilung der Pariser Rabbinats'schule, Prof. Leon Algazi, ist an die Pariser „Scola Cantorum" berufen worden, wo er einen Kurs über jüdische Musik abhalten wird. Antijüdischer Terror in Polen. In dem Städtchen Wiszkow in der Woiwodschaft Warschau haben die Nationaldemokraten eine planmäßige antijüdische Terror- und Boykottaktion eingeleitet. In einer Massenversammlung wurde die Bevölkerung zum Boykott der Juden aufgefordert. Aus Beiträgen wohlhabender Nationaldemokraten des ganzen Gebietes wurde ein Fonds geschaffen, der die Errichtung von dreißig nichtjüdischen Marktbuden ermöglichte. Beim letzten Markttag hatten die Nationaldemokraten schon in der Nacht die Plätze besetzt, die die jüdischen Markthändler seit Jahrzehnten inne hatten. Die jüdischen Händler schlugen ihre Stände auf neuen Plätzen auf, doch wurden die Kunden gewaltsam am Kaut bei den jüdischen Händlern gehindert. Die Terroristen zwangen Käufer sogar, bereits gekaufte Ware zurückzugeben. Die Polizei hat eine Untersuchung gegen den nationaldemokratischen Führer Domanski eingeleitet, der einen jüdischen Jungen mit 25 Zloty bestechen und ihn dazu verleiten wollte, einen Stein in die Kirche zu werfen. Das so konstruierte jüdische „Attentat" sollte der Auftakt zu antijüdischen Ausschreitungen sein. In der Nähe des Städtchens Lagow bei Kielce wurde der 43jährige jüdische Händler Baruch Mohngarten durch den Bauern Kreplak ermordet. Kreplak wurde verhaftet. Aus einigen anderen Dörfern werden Niederbrennungen jüdischer Anwesen durch antisemitisch verhetzte Bauern gemeldet. Nationaldemokratische Studenten überfielen in dei Janowski-Qasse in Lemberg jüdische Passanten mit eisernen Stöcken und Messern und verletzten die fünf Juden Edmund Heller, Mosche Hecht, Josei oktor der Medizin Jucht in Wien Kost und Quartier gegen Unterricht in ungarischer und französischer Sprache oder Tausch gegen Aufenthalt in einer Villa in Kleinpest % Zuschriften an die Administration der „Wahrheit."' Seidel, Jizchak Pfau, Marjan Zell schwer, andere leicht. Die Schwerverletzten wurden in das Hospital gebracht. An einer anderen Stelle wurde dem Holzhändler Jizchak Kanner ein Auge ausgeschlagen und andere schwere Verwundungen am ganzen Körper beigerügt. Radomer PogromprozeB vertagt. Der Prozeß vor dem Radomer Kreisgericht wegjn des am 29. November 1935 verübten blutigen Ueberfalls auf Juden, die aus KKvovv nach Przytik flüchteten, ist gleich nach der Eröffnung wieder vertagt worden, da mehrere Belastungszeugen nicht erschienen waren. Der neue Prozeßtermin steht noch nicht lest. Sozialarbeit und Rasse. In London tagte jüngst die Dritte Internationale Konferenz für Sozialarbeit, bei der auch der Herzog von Kent als Schirmherr der Konferenz eine Ansprache hielt Es wurde wiederhoit betont, daß soziale Arbeit nicht vereinbart werden könne mit unterschiedlicher Behandlung auf Grund von Rasse oder Religion. Der Beschluß bedeutet eine klare Verurteilung von Gesetzgebung und Praxis in der Sozialarbeit des Dritten Reiches. Unbedankte Ehrlosigkeit. Sämtliche in Deutschland erscheinenden jüdischen Zeitungen haben von den Behörden die Weisung erhalten, nichts über Teilnahme jüdischer Sportier an den Olympischen Spielen zu berichten, noch irgendwelche Kommentare über Juden und Olympiade zu bringen. — Man darf daher um so mehr daraur neugierig sein, ob die jüdischnationalen Sportler, die ins österreichische Olympia-Team eingestellt worden sind, wirklich im Berliner Stadion mit dem Hitler-Gruße zum Start antreten werden. Es wird sie jedenfalls interessieren, daß die jüdische Hochsprungmeisterin Grete Bergmann soeben aus dem reichsdeutschen Olympia- Team ausgestoßen wurde. Sdimackiing?on Gruiten und Gräbern LeQpoldfleutschJienXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhot IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Die Vormundschaft über die deutschen Juden. Das Landgericht Berlin hat eine Entscheidung gefällt, der gemäß ein Jude nicht das Amt eines Vormundes bekleiden dari, selbst wenn das Mündel volljüdisch ist. Begründet wird dies damit, daß der Staat Ehrenämter an Juden grundsätzlich nicht verleihe und das Amt eines Vormundes ein Ehrenamt ist. Der Hafenbau in Tel Aviv. Die Stadtverwaltung von Tel Aviv hat den Ingenieur Armstrong aus Alexandrien, einen Spezialisten iür Hafenbau, eingeladen, ein Gutachten über den am Strande von Tel Aviv errichteten Landungssteg abzugeben und Pläne iür den weiteren Ausbau der Anlegesteile zu entwerfen. Ing. Armstrong erklärte bei der Besichtigung des Stegs, er sei überrascht über eine in so kurzer Zeit vollbrachte hervorragende technische Leistung. Bezüglich der weiteren Pläne hielt er eine Reihe von Konferenzen mit der Hafenkommission ab. Die Hafenmole ist bereits 150 m lang. Fast ununterbrochen werden dort Löschungen von Schiffsladungen vorgenommen. Gegenwärtig ankern an der Molo drei Schitie, unter ihnen die „Atid". Geschäftsverbindungen Oesterreichs mit Palästina. In W i e n ist eine von der Austro-Palästinensischen Handelskammer in Jerusalem organisierte Reisegesellschaft aus Palästina eingetroffen, um mit österreichischen Geschäftsfreunden in Verbindung zu treten. Namens der Handelskammer und des Exportiörderungsinstitutes war Dr. Helmut Boller zur Begrüßung am Bahnhofe erschienen. Palästinensische Kaufleute verhandeln mit österreichischen Firmen wegen eines Austausches von Holz :«;;oa Apielsinen. Bisher hatte Oesterreich nur geringe Mengen Holz nach Palästina ausgeführt, weil andere Länder in Bezug auf die Transportkosten weit günstiger liegen. Für die Bautätigkeit in Palästina kommt insbesondere die Abnahme von Schnitt- und Balkenholz in Betracht. Richte nicht, auf daß Du nicht gerichtet werdest! — — Dieses Wort hätte sich der jüdische Karlsbader Kaufmann H., der dieser Tage eine zur Kur weilende Dame unter dem Verdachte, in seinem Geschälte ein Paar Herrenhandschuhe gestohlen zu haben, verhaften ließ, für sein Vorgehen zur Richtschnur nehmen sollen. Er würde jetzt nicht selbst wegen seiner Handlungsweise, die, wie uns mitgeteilt wird, unter jüdischen Kurgästen Karlsbads Ablehnung und Entrüstung hervorgerufen hat, von diesen verurteilt werden. Wir haben volles Verständnis für den hohen Rechtlichkeitssinn des Herrn H., doch teilen wir die Meinung von Karlsbader jüdischen Kurgästen, die dahin geht, daß der Jude H. sich hätte, wie es in einer an die ..Union österreichischer Juden" gerichteten Zuschrift heißt, „scheuen sollen, eine Jüdin in der ohnedies von wüstestem Antisemitismus durchsetzten sudetendeutschen Bäder-Atmosphäre an den Pranger zu stellen". Jeder Jude — als Angehöriger einer konfessionellen Minorität, deren Schicksal es zu sein scheint, politischen Scharlatanen und Demagogen als Sprungbrett zu dienen — trägt gegenüber der jüdischen Gesamtheit eine schwere Verantwortung. Das Gute und Schöne, das ein Jude vollbringt, wird nur selten der judenschait gutgebucht, dagegen das Schlechte ausnahmslos der gesamten Judenschait doppelt angekreidet. Ohne Zweite! gibt es, wie in jeder Gemeinschaft, auch unter den Juden leider eine nicht geringe Zahl von L'ebeltätern und Gesetzesverletzern. Die erfreulicher- BEAIRIIB AD IFISCHAEIERBAD III., Linke Bahngasse 9. nächst Stadtpark f XVIII., Michaelerstr. 12, nächst Volksoper Dampf-, Wannen-, Schwinim* und Heilbäder Kuren gegen Rheuma. Gicht, Ischias, gegen Erkältungen, vorzeitige Alterserscheinungen usw.