Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 31 (24.7.1936)
- Date
- 1936-07-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 31 — 24. Juli 1936 DIE WAHRHEIT zeigegeld von 50 Pfund gefordert Zur dritten Gruppe werden Einwanderer gerechnet, die weder Angehörige, noch einen Garanten in Australien haben, aber ein Barvermögen von mindestens 200 Pfund mitbringen. Sämtliche Einwanderer müssen gewisse durch das wirtschaftliche Interesse des Landes diktierte Bedingungen erfüllen und im Besitz einer vom australischen Innenministerium ausgestellten Einwanderungserlaubnis sein. Guter Leumund und volle Gesundheit sind in jedem Fall Voraussetzung der Einwanderung. Die griechische Regierung hat eine Verordnung erlassen, durch die die in Saloniki wohnenden Ausländer aufgefordert werden, die Stadt zu verlassen und sich in Altgriechenland niederzulassen. Durch diese Verordnung sollen jüdische Familien fremder Staatsangehörigkeit, die dauernd in Saloniki ansäßig sind, nicht berührt werden, wohl aber diejenigen Juden, die vor kurzem aus dem Ausland gekommen sind. In einer der größten griechischen Tageszeitungen, wird ein scharfer Angriff gegen jüdische An- Siedlung in Cypern veröffentlicht. „Seit einigen Jahren", heißt es in dem Artikel, „läßt sich eine steigende Tendenz zur Ansiedlung jüdischer Kauileute, Industrieller und Grundbesitzer in Cypern feststellen. In täglich steigendem Umfang werden landwirtschaftliche Besitzungen aufgekauft, da die Bauern und Grundbesitzer ihren Boden wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten verkaufen. Es entwickelt sich allmählich auf der griechischen Insel eine jüdische Kolonisation, die mehr Sicherheit bietet als die 'in Palästina, wo die Araber gegen die Juden revoltiert haben. Diese Tendenz wird offenkundig von der englischen Verwaltung aus dein Grunde gefördert, daß eine allmähliche Aenderung der ethnischen Zusammensetzung der Insel einerseits die englische Macht festigen, andererseits die Möglichkeit der Ueberführung jüdischer Siedler aus Palästina, aus den Gebieten, wo die Araber am unnachgiebigsten sind, herbeiführen könnte. Sollte die Invasion jüdischer Eindringlinge fortdauern, so könnte die dortige griechische Bevölkerung dies als schwere Verletzung ihrer Interessen empfinden. Sie würde dann nicht zögern, ihren Groll zu zeigen." Das Versagen des Völkerbunds in der Flüchtlingssache kritisiert die „Basler Nationaizeitung". Sie wirft dem jetzt mit dieser Frage befaßten Beauftragten des Völkerbunds Sir N e i 11 Malcolm vor: „Der alte Herr hat sein Amt lediglich als Mittlerstellung für den Verkehr mit den Regierungen aufgefaßt und sich sorgfältig gehütet, mit der Not der Flüchtlinge im Einzelnen in Berührung zu kommen. Bei einem Besuch in Prag z. B. hat er durch seinen Sekretär den Unterstützungsstellen, die ihn zur Besichtigung ihrer Hilfswerke einluden, erklären lassen, daß er dafür kein Interesse habe. Der Kontakt mit der Not der Men- Die besten Elsei Wirstist selAwirea 3 mal täglich frisch bei IBEEL. Hin u., Pnlintfile 33 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. sehen, die er zu betreuen hätte, fehlt also vollkommen und damit die Kenntnis der vielgestaltigen Aufgabe. Für die endgültige Gestaltung des Amtes, über die in der ordentlichen Session der Völkerbundversammlung im September beschlossen werden soll, wäre dringend notwendig, daß Zuständigkeit und Aufgabenbereich des Kommissars nunmehr wirklich wirksam im Sinne eines aktiven Flüchtlingsschutzes festgelegt werden und daß dafür auch eine zu persönlicher Fühlungnahme mit den Schutzbefohlenen und ihren Nöten und Bedürfnissen bereite, aktive Persönlichkeit bestellt wird." Die Suggestion des Namens Moriz. Wie erinnerlich, wurde vor Kurzem der Universitätsprofessor Dr. Schlick von einem psychopathisch belasteten Hörer erschossen, ein tragisches Geschick, das, wie man meinen sollte, allgemein menschliche Teilnahme erwecken mußte. Sein Vorname Moriz hat ihn aber in gewissen Kreisen eine Beurteilung finden lassen, die das katholische Wochenblatt „Der christliche Ständestaat" zu folgenden zwei scharfen Abwehrglossen veranlaßte: Gegen gemeine Verleumdung eines Toten. Die anonymen Auslassungen eines gewissen „Professor Dr. Austriacus" über den tragischen Tod von Professor Dr. Schlick in der „Schöneren Zukunft" verdienen die allerschärfste Zurückweisung. Der Geist, der aus diesen Zeilen spricht, ist weder sachlich, noch logisch, noch anständig — geschweige denn katholisch. Jeder anständige Mensch muß aufs schärfste dagegen protestieren, daß der tragische Tod eines edlen, gütigen Gelehrten dazu benutzt wird, um gemeine antisemitische Propaganda ziu treiben, die überdies völlig an den Haaren herbeigezogen ist, da Professor Schlick reiner A r<i e r war. 1 Wo kommt man hin, wenn man die Ermordung eines Vertreters einer wissenschaftlichen Richtung, die man für falsch hält, deshalb zu beschönigen und zu entschuldigen sucht! Ich brauche Herrn „Austriacus", dem offenbar jede Kompetenz für eine sachliche Kritik der Schlickschen Philosophie abgeht, nicht zu versichern, daß ich auf einem völlig anderen philosophischen Boden stehe als der verehrte verstorbene Kollege. Aber sachliche Meinungsverschiedenheit auf philosophischem Gebiet entbindet uns nicht von gerechter Beurteilung einer Persönlichkeit und von der tiefen Empörung über die furchtbare, frevelhafte Tat eines Mörders. Der Verfasser scheint das Sprichwort „De mortuis nil n'isi bene" so wenig zu kennen, daß er einen wehrlosen Toten fröhlich verleumdet. Wenn der Verfasser nur ein Hundertstel von der edlen Menschlichkeit Professor Schlicks besäße, von seiner Toleranz und Gerechtigkeit, Güte und aufrechten Gesinnung, so könnto er zufrieden sein. Ich habe mich geschämt, daß jemand, der s'ich als Katholik bezeichnet, eine solche Gesinnung an den Tag legt. Diese Gesinnung ist von der katholischen Weltanschauung so weltenweit entfernt, daß ich Herrn „Austriacus" jede Befugnis abspreche, sich als Wortführer der katholischen Philosophie aufzuspielen. Daß ein führendes katholisches Blatt solche Auslassungen aufnimmt, kann nicht genug bedauert werden. Gott schütze uns vor solchen Katholiken! Dietrich v. H i 1 d e b r a n d, Universitätsprofessor. Der Elefant und die jüdische Frage. Die „Schönere Zukunft" widmet dem Andenken des von der Hand eines Geisteskranken erschossenen Universitätsprofessors Moriz Schlick einen mehr als sonderbaren Nachruf. Auch wenn man, wie der Verfasser dieser Zeilen, ein abgesagter Gegner der Schlickschen Philosophie ist, wird man die Darstellung dieser Philosophie in dem Nachruf mehr als sonderbar finden. Der Verfasser des Nachrufs, der sich Prof. Dr. Austriacus nennt, also auch im Gewände des Pseudonyms auf den Doktortitel Wert legt, verwechselt den Physikalismus der Schlickschen Weltanschauung mit dem physikalischen Materialismus und läßt dadurch an der Berechtigung auch seines Professortitels schwere Zweifel aufkommen. Um so genauer kennt er sich in der Psychiatrie aus. Die bisher ausführlichste Berichterstattung über den Tatbestand, nämlich die in der „Reichspost", meldete die auf Jahre zurückgehende erschütternde Verfolgung des Philosophen durch den zweifellos verfolgungswahnsinnigen Täter. Prof. Dr. Austriacus weiß jedoch, „manchen Anzeichen nach", daß der unglückliche Täter nicht von Anfang an geisteskrank war, sondern es erst unter dem Einfluß der Schlickschen Philosophie geworden ist. Diese „manchen Anzeichen" dürfte Prof. Dr. Austriacus an sich selbst beobachtet haben, da die Entstehung einer Geisteskrankheit gelegentlich philosophischer Vorlesungen zu entdecken, ihm vorbehalten blieb. Ebenso sollte Prof. Dr. Austriacus nach manchen Anzeichen an sich selbst forschen, die es seinem Geisteszustand ermöglichten, als Konsequenz der unglückseligen Tat eine radikale Lösung der Jmdenfrage zu fordern. Prof. Schlick war kein Jude. Prof. Dr. Austriacus weiß es nicht und behauptet es auch nicht. Aber der Vorname Moriz hat ihn beunruhigt und in seiner schriftstellerischen Tätigkeit sofort die manchen Anzeichen hervorgerufen, die von einem Kriminalfall über den Verfolgungswahnsinn zum Antisemitismus überleiten. Es gibt eine alte Anekdote. Den Vertretern verschiedener Nationen wurde einmal aufgetragen, eine Beschreibung des Elefanten zu liefern. Der Engländer kaufte sich einen Tropenhelm, ging nach Indien und brachte ein Buch mit: „Wie ich meinen ersten Elefanten schoß". Der Franzose begab sich in den zoologischen Garten, unterhielt sich mit dem Wärter und Besorgt Eure Bücher durch die Buchhandlung HERMANN TOCHNiR Wien IL, Ecke Taborsfraße 52 Matilge Preise! Gro&e Auswahl! Moderne Leihbücherei Gebühr 10 Grosdi. per Tag sonst nichts Anfrag.: Tel.R 41 -4-20 Kataloge gratis! verfaßte eine Broschüre: „L'Elephant et ses amours". Der Deutsche studierte die gesamte vorhandene Literatur und publizierte dann ein fünfbändiges Werk: „Einleitung in das Studium der Elephantologie". Der Pole aber, dessen Vaterland noch immer nicht verloren ist, schleuderte eine politische Flugschrift heraus: „Der Elefant und die polnische Frage". Prof. Dr. Austriacus bedarf weder einer Tropenexpedition noch einer Exkursion in Menagerien oder Bibliotheken. Er sitzt ruhig an seinem Schreibtisch in der Nußwaldgasse, und es mag welcher Elefant immer in der Welt herumtrampeln, Prof. Dr. Austriacus weiß ganz sicher, daß er mit der Juden frage zusammenhängt. Er braucht zu seiner Tätigkeit weder Tropenhelme, noch Notizbücher, noch Bibliothekskataloge. Sein literarisches Werkzeug hat er auch nicht bei philosophischen Vorlesungen erworben, sondern auf die Welt mit gebracht: manche Anzeichen eines delirierenden Verfolgungswahnsinns. F, Port Artur — arisch. Als im russisch-japanischen Krieg die russische Festung Port Artur von den Japanern erobert und definitiv unter ihre Herrschaft gestellt wurde, bedauerte man diesem Europa und Amerika vielfach als eine Zurückdrängung der weißen Rasse durch die gelbe. Erst die Rassengelehrten des Dritten Reiches haben vor kurzem dieses deprimierende Gefühl beseitigt. Die Japaner dürfen zwar Port Artur behalten, aber sie wurden, zugleich mit den Türken und Ungarn, zu Ariern ernannt Nunmehr wird in Prag die Arisierung der ostasiatischen Hafenstadt radikal vollendet. Prager Filmproduzenten, darunter auch jüdische, stellen nämlich einen Riesenfilm „Port Artur" her, dessen Mitwirkende, von den Darstellern der tragenden Rollen bis zum kleinten Statisten, ihre rein arische Abstammung beweisen müssen, damit der Film auch in Deutschland vorgeführt werden darf. Ob in Prag genug echte Japaner zur naturgetreuen Besetzung der japanischen Rollen zur Verfügung stehen, ist nebensächlich, da die Gelben auch durch weiße Mimen anstandslos dargestellt werden dürfen. Die Rassenschande beginnt erst dann, wenn ein Jude dasselbe wagt oder gar einen Arier spielen will. Zur Vermeidung dieser Gefahr ist eigens der reichsdeutsche S.-A.-Führer G u h s e zur Kontrollierung des Filmpersonals nach Prag geeilt Dieser Name wird ohne Zweifel in die Weltgeschichte eingehen, da sein Träger um so viel besser als die «instigen russischen Generale Port Artur den Ariern zu erhalten versteht. JOdische Handelsschule Der kommerzielle Beruf ist für die Judenheit nach wie vor von größter Bedeutung. Der Jude wird in den anderen, insbesondere in den öffentlichen Berufen planmäßig ausgeschaltet und findet auch in den freien Berufen keine Entfaltungsmöglichkeit mehr. Tausende hungernder jüdischer Akademiker sind die Opfer und der traurige Beweis dieser Entwicklung. Der junge Jude muß daher noch besser gerüstet ins Leben treten als sein nichtjüdischer Konkurrent. Die neugegründete Jüdische Handelsschule für Knaben und Mädchen in Wien IL, Taborstraßß 39, hat sich, unter Leitung und Mitarbeit hervorragend qualifizierter Lehrkräfte, die Erreichung dieses Zieles zur Aufgabe gestellt. Sie wird die ihr anvertraute Jugend in vaterländischem und in jüdischem Sinn erziehen. Der Lehrplan ist selbstverständlich der gleiche wie an den anderen zweiklassigen Handelsschulen; er wurde aber mit schulbehördlicher Genehmigung der spezifisch jüdischen Struktur der Schule angepaßt. An Sabbath und jüdischen Feiertagen findet kein Unterricht statt Außer Englisch und Französisch wird Hebräisch obligat gelehrt, ebenso jüdische Religion und Geschichte. Der Unterricht findet in lichten, luftigen und allen Erfordernissen der Hygiene entsprechenden Räumen statt und folgt modernsten Prinzipien. Es werden zum Beispiel in Verkaufskunde — einem separaten Fach, das von einem hervorragenden Praktiker gelehrt wird — Wettkämpfe mit Preisen veranstaltet werden, um den Ein geiz des Schülers anzuspornen. Die jüdischen Eltern, die ihre Kinder der neuen Anstalt anvertrauen, nützen dadurch nicht nur diesen selbst;n geistiger und materieller Hinsicht, sondern auch dem gesamten Judentum, indem sie (mithelfen, einen jüdischen Nachwuchs zu schaffen