Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 31 (24.7.1936)
- Date
- 1936-07-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 3 in den Methoden des nationalen Kampfes geschult werden. Von diesen ausländischen Freunden sollen auch die sehr beträchtlichen Geldmittel stammen, die zur Durchführung der Unruhen notwendig waren. Nicht nur daß die Bewaffnung der Aufständischen mit modernen Gewehren und Maschinengewehren, mit Handgranaten und Bomben große Summen erforderten, mußte man auch am die Taglöhner, die durch den Streik brotlos wurden, an die Fellachen, die ihr Gemüse nicht absetzen! konnten, an die durch die Einstellung jeder Tätigkeit schwer geschädigten Kleinbürger Unterstützungen zahlen. Wenn auch der Araber niederer Klasse von einem Betrag leben kann, der immer wieder unser Staunen erweckt, so kostete das Bei-der-Stange-Halten der Anhängerschaft bei der langen Dauer des Streiks und der gtroßen Zahl der Betroffenen doch Summen, die auch bei Anwendung schärfster Pressionsmittel im Land nicht aufzutreiben waren. Jeitzt, da durch die Wendung der großen Politik niemand mehr ein Interesse an Unruhen in Palästina ha't, können die Araber allein den Kampf nicht weiterführen und die letzten Tage zeigten eine rasche Befriedung des Landes durch energische Aktionen der Engländer, die wohl auch erst jetzt dazu den Rücken frei hatten. * Am 19. Juli waren es drei Monate seit Beginn der Unruhen in Palästina. Zu größeren Kampfhandlungen kam es an diesem Tage nicht, doch wurden aus zahlreichen Orten des Landes weitere Angriffe aus dem Hinterhalt und Sabotageakte gemeldet. In einem Heuschober in Gaza wurden 49 Bomben gefunden und von der Polizei beschlagnahmt. Der Besitzer des Heuschobers wurde verhaftet Arabische Marodeure brachten einen Militärzug in der Nähe von Kakun zam Entgleisen und eröffneten auf ihn ein Gewehrfeuer. Die Truppen erwiderten das Feuer, die Angreifer entflohen. Das Militär hatte keine Toten. In der Nähe von Petach Tikwa wurden vier Araber, die 760 Pfund Munition mit sich führten, verhaftet. Bombenwürfe werden aus Gaza, Beer Scheba und den Vororten von Tel Aviv gemeldet. Ein Schaden entstand nicht. In Gaza wurde eine große Menge Schießpulver beschlagnahmt, es erfolgten in diesem Zusammenhang mehrere Verhaftungen, darunter eines Armeniers. Die Passagiere eines von der Kolonie Montefiore nach Jerusalem fahrenden Autobusses entkamen mit knapper Not einer Katastrophe. An der Peripherie von Jerusalem warf ein Araber eine Bombe in den Autobus, die aber nicht explodierte. Der Araber entfloh. Bewaffneter arabischer Mob raubte einen jüdischen Laden in einer Vorstadt aus und setzte 'ihn dann in Brand. Der Brand wurde sofort gelöscht. Im Jerusalemer Viertel Nevej Schaanan wurden zwei Juden wegen Besitzes von Waffen und Munition verhaftet. Ein scharfer Angriff auf die jüdische Kolonie Ajn Charod im Emek Jezreel wurde von Truppen und Polizei zurückgewiesen. Angriffe auf Ramat Kewesch, Kirjat Anawim und Kalmania wurden von jüdischen Hilfspolizisten zurückgewiesen. Beim Angriff auf Kalmania wurde der jüdische Wächter Abraham Goretzky leicht verletzt. Arabische Rotten griffen Polizeipatrouillen in Akko, Jagur, Haifa, an der Hebron-Straße, in der Nähe von Tulkarem, bei Khan Luban, ferner das Militärlager in Nablus an. In Haifa wurden mehrere Araber wegen Besitzes von Waffen und Munition und wegen Terrorisierung der Bevölkerung verhaftet. In der Nähe eines Tel Aviver Polizeipostens wurde im Sande eine große Bombe vergraben aufgefunden. Sie war so konstruiert, daß sie mittels eines langen an ihr befestigten Kabels elektrisch zur Explosion gebracht werden konnte. Durch die rechtzeitige Entdeckung wurde eine schwere Katastrophe verhütet Während jetzt, zu Beginn des vierten Monats der Unruhen, 48 jüdische Tote gezählt werden, sind etwa 200 jüdische Verwundete noch in Behandlung. Diese Lage erfährt eine interessante Illustrierung durch die Veröffentlichung der Statistischen Abteilung der Palästina-Regierung, derzufolge Palästina zu den Ländern gehört die die höchste prozentuelle Geburtenziffer aufweisen. Und zwar sind es die angeblich von den Juden so stark verdrängten und in ihrem nationalen Leben „geiährdeten" Mohammeddan e r, die mit 63.2 Promill die höchste Geburtenziffer erreichten, während die Juden unter allen Konfessionen mit 31.9 Promill die niedrigste Geburtenziffer aufweisen. Da kann man über die Araber doch nur staunen: „Und darum Räuber und Mörder!" Infolge der durch die Unruhen entstandenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten macht sich unter den Arabern Palästinas ein verstärkter Widerstand gegen die Streikbewegung geltend. Die Uneinigkeit in arabischen Kreisen wächst. Der Vorsitzende der Jewish-Agency Ben Gurion, der jetzt m London weilt bestätigt diese Tatsache und erklärt: Die Streiklage wäre längst eine weit schlimmere als sie ist, würde der Streik nicht durch ständige ermutigende Berichte der arabischen Delegation in London in Gang Der kürzlich in Paris stattgehabten Internationalen jüdischen Auswanderungskonferenz ist von der Hias-Ica Emigration Association (HICEM) ein umfassender Tätigkeitsbericht vorgelegt worden, der eine ins Einzelne gehende Uebersicht über die Entwicklung jüdischer Auswanderungsbewegung im letzten Jahrzehnt bietet. In dem Bericht wird darauf hingewiesen, daß das Auswanderungsbedürinis der jüdischen Massen des Ostens unvermindert anhält. Das ist daraus zu ersehen, daß der Jahresdurchschnitt der jüdischen Auswanderung aus den osteuropaischen Ländern im Jahrzehnt 1925—1935 gegenüber den Jahren 1881—1925 (in denen er 81.000 Menschen betrug) nur um 40 Prozent auf etwa 50.000 gefallen ist, obwohl Einwanderungssperre und Einwanderungserschwerung in den meisten in Betracht kommenden Ländern die Möglichkeit einer Wanderbewegung außerordentlich einschränken. Im letzten Jahr, 1935, hat die Auswanderung mit 81.50Ü Seelen den Jahresdurchschnitt der Vorkriegszeit sogar überschritten, während es im gleichen Jahre unter den Nichtjuden Ost- und Südosteuropas eine Auswanderung so gut wie überhaupt nicht gab. Die Richtung der jüdischen Auswanderung hat in den letzten zehn Jahren eine durchgreifende Aenderung erfahren. Während in den Jahren 1881—1925 72 Prozent der jüdischen Auswanderer aus Osteuropa in die Vereinigten Staaten von Nordamerika gingen, 10 Prozent nach Südamerika, 4 Prozent nach Palästina, 2 Prozent nach Südafrika und 12 Prozent nach europäischen und anderen Ländern, sind in den letzten zehn Jahren von allen osteuropäisch-jüdischen Auswanderern 40,5 Prozent nach Palästina, 17,6 Prozent nach Nordamerika, 21,7 Prozent nach Südamerika, 3,5 Prozent nach Südafrika und 16,7 Prozent in andere Länder gegangen. Aber nicht nur die Zielrichtung, sondern auch der ganze Charakter der Auswanderung ist ein anderer geworden. Zu einer Zeit in der es keine Ein- \.vanderungsbeschränkungen gab, spielte auch die Frage einer Auswahl der Einwanderer auf Grund besonderer Eignung keine Rolle. Heute jedoch ist die Lage weitaus komplizierter: richtige Auswahl der Wanderer hat größte Bedeutung erlangt. Die Aufgabe der jüdischen Hilfsorganisationen im Zeitalter der Einwanderungsbeschränkung besteht nicht mehr bloß in moralischer und juristischer Unterstützung, sondern auch in der Auswahl und Ausbildung eines produktiven Einwanderungselements, das geeignet ist, sich den Erfordernissen der Einwanderungsländer anzupassen. Wachsende Judengemeinden im Fernen Osten. Der Bericht erörtert weiter den Stand der jüdischen Emigration nach dem Fernen Osten. In Shanghai sind in den letzten fünfzehn Jahren etwa 5000 russische Juden aus Charbin eingetroffen; 2000 jüdische Einwanderer kamen aus Tientsin. Jüdische Gemeinden entstanden auch in Tsingtau, Hankau, Dairen und anderen chinesischen Städten. Die jüdische Bevölkerung von Pension und Restaurant TAUBER, Abbazia Erstklassige orth. koschere Küche, Zimmer mit jedem Komfort, volle Pension von 25 Lire auiw. gehalten werden. Jetzt aber weiß man, daß diese Ermutigung keine Grundlage habe. Der Streik wird bald zusammenbrechen. Die arabischen Terroristenbanden arten nach und nach zu Banditentrupps aus, die auch die Araber nicht schonen: immer häufiger hört man jetzt von Angriiien und Raubüberfällen auf Araber. In diesen Tagen treffen aus Aegypten 3 weitere Infanteriebataillone, 2 Husarenregimenter, leichte Tanks und mehrere Flugzeugoinheiten ein; die Palästina-Besatzung wird 15.000 Mann stark sein. Der Kreuzer „Sussex" kam nach Haifa. Mandschukuo, China und Japan wird gegenwärtig auf 16.000 Seelen geschätzt, d. s. 11 Prozent der gesamten im Fernen Osten lebenden Europäer. Konstruktive Lösung des Wanderungsproblems verlangt das Berliner jüdische Gemeindeblatt im letzten Leitartikel. Es heißt dort u. a.: „Vielleicht ist es auch heute nicht zu spät, um die außerpalästinensische Wanderung im Lichte der Erkenntnisse zu gestalten, die wir aus den Erfahrungen der letzten 18 Jahre gewonnen haben. Es fehlt die Einsicht, daß es der Schaifung weniger Einwanderungsziele bedarf, von denen jedes eine entsprechend große Aufnahmefähigkeit besitzt und wo die Juden, ähnlich Wie in Palästina, in geschlossenen Territorien und unter Verteilung auf möglichst viele Berufsarten an dem Aufbau der betreffenden Länder sich beteiligen können. Solche Einwanderung wird den Vorzug haben, die Judenfrage nicht zu verschärfen, sie wird umgekehrt viele Elemente zu ihrer Lösung in sich tragen, aber auch eine sichtbare Erleichterung der jüdischen Lage in den größten jüdischen Zentren herbeiführen." Ehemalige Siedler aus Groß-Gaglow in Südamerika. Für die Siedler der ehemaligen jüdischen Mustersiedlung in Groß-Gaglow bei Berlin, die vor einem Jahre behördlich auigelöst worden war, wurde ein neues Siedlungsgebiet in Südamerika gefunden. Es handelt sich dabei um Land, das ganz besonders für aärtnerische Kultur geeignet ist, und von wo aus der Absatz in große Städte möglich ist. Fast alle der auf Groß-Gaglow ansäßig gewesenen Siedlerfamilien werden diese erste geschlossene, selbständige landwirtschaftliche Siedlung von Juden aus Deutschland in Südamerika bilden. Neue Auswanderungsziele. Nach einem Telegramm aus Havanna soll das Mitglied des USA-Kongresses Sirovich dem Präsidenten von Kuba, Gomez, einen Plan zur Ansiedlung von 100.000 deutschen Juden auf Kuba unterbreitet haben. Präsident Gomez soll den Plan günstig aufgenommen haben, ebenso Präsident Roosevelt Diese Sympathiekundgebung ist sehr erfreulich, läßt aber die Frage offen, warum der Präsident der Vereinigten Staaten den deutschen Emigranten nicht einfach die Grenzen seines Landes öffnet. Für die Einwanderung nach Australien sind neue Bestimmungen getroffen worden, durch die die bisherigen Einwanderungsbeschränkungen wesentlich gemildert werden. Es werden Einwanderungsbedingungen für drei Kategorien von Einwanderern festgesetzt. Die erste Kategorie umfaßt Einwanderer, deren nahe Angehörige in Australien ansäßig sind. Von solchen Einwanderern wird kein Vorzeigegeld verlangt Der zweiten Gruppe gehören solche Personen an, die in Australien Freunde besitzen, die Garantie leisten, daß der Einwanderer der Oeffentlichkeit nicht zur Last fallen wird. Von solchen Einwanderern wird ein Vor- Jüdische Auswanderungsprobleme. Mitglieder und Freunde der „Union", des „Union-Klub'S des „Union-Frauen-Klub" und der „Jugend-Union" treffen sich während der Sommermonate bei jedem Wetter, jeden Mittwoch, ab 8 Uhr abends im reservierten Teil des Restaurant Deutschberger, Prater, Ausstellungsstraße (vis-ä-vis dem Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache und geselliger Unterhaltung gegeben ist.