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Die Wahrheit · 1936-07-24 · Heft 31 (24.7.1936) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 31 (24.7.1936)
Date
1936-07-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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seile Nr. 31 — 24. Juli 1936 DIE WAHRHEIT HOFG ASTEIN KURMAUS WESTEND / STRENG Aufsicht der Adas lisroel Schiffschul, Wien. Thermalbäder :m Hause WIENER KÜCHE // MÄSSIGE PREISE M Judengemeinden gebildet hat, übergeht Grau mit Stillschweigen. Aber auch er 'ist wohl der Meinung, daß die Juden ein typisches Händlervolk sind, das unter allen Umständen und zu allen Zeiten dank seiner Veranlagung Handel treiben muß. Handel ist, wie Georg Simmel einmal dargelegt hat, an sich eine Aufgabe des .^Fremden", weil dieser enge Beziehungen zum Ausland unterhält Die Juden, die lange Zeit in Europa das Hauptkontingent an „Fremden" bildeten, treten daher chon frühzeitig als Händler auf und hatten den frühmittelalterlichen Handel weitgehend monopolisiert. Man muß aber beachten, daß dies erst nach den großen Judenverfolgungen zu Ende des weströmischen Reiches geschah und vorher die Juden sich in der Hauptsache als Landwirte, Krieger und Staatsbeamte wirtschaftlich fortbrachten. Die Monopolisierung des Handels durch soziale Gruppen, die, ähnlich wie die Juden, „auf Wanderschaff sind, ist eine ganz allgemeine Erscheinung und kein Spezifikum des Judentums: Die Armenier in der Levante, die Mohammedaner in Ostafrika, die Parsen in Indien, alles Gruppen, die in der „Diaspora" leben, sind Händler. Uebrigens muß man betonen, daß die Juden im Spätmittelalter, respektive im Frühkapitalismus, längst nicht mehr die Hauptrolle im Handel gespielt haben (was Grau ebenfalls verschweigt): Mit dem Aufschwung der Kreuzfahrerstaaten, Genuas, Pisas, Venedigs usw. entglitt ihnen der Handel mehr und mehr, und auch in der Geldleihe bekamen sie eine übermächtige Konkurrenz. Es genügen die Namen Fugger and Welser zu nennen, um die Rolle des Judentums richtig einzuschätzen. Es ist aber auch nicht möglich, die bill'igen Preise der Juden, die die Ursache für ihre erfolgreiche Wirtschaftstätigkeit sein sollen, lediglich durch den „Sozialwucher" zu erklären, wie Grau es tut (S. 42): abgesehen davon, daß der große Brockhaus unter Sozialwucher: Preistreiberei, übermäßige Preissteigerung versteht und der ökonomisch so trefflich geschulte Grau also die billigen Preise durch die hohen Preise erklärt! Was er meint, ist folgendes: Die Juden könnten es sich durch ihre Einnahmen aus dem Wucher und dem Massenverkauf des Hehlergutes leisten, die Konkurrenz durch billige Preise aus dem Wege zu räumen. Man kann an diesem Beispüel ersehen, wie dilletantisch es ist, „die Juden" als homogene Einheit zu behandeln; es ist doch klar — wenigstens bis zum Beweis des Gegenteils! —, daß der Jude, der vom „Wucher" und vom Hehlen lebt, nicht identisch ist mit den jüdischen Handwerkern oder den jüdischen Warenhändlern, welche die dem christlichen Handwerk verhaßte Preisschleuderei treiben. Die Tatsache, daß der Jude A Profite beim Geldborgen einhefimst, kann doch den Juden B nicht veranlassen, die Preise seiner Textilwaren herabzusetzen. Daher müßte man wohl die Preisgestaltung der jüdischen Waren auf andere Ursachen zurückführen, als auf den Sozialwucher. Dies festzustellen Hst nicht unsere Aufgabe, sondern muß von einem Autor, der über das „jüdische Wirtschaftsgebaren" Belangvolles schreiben will, verlangt werden. Zusammenfassend läßt sich also von Graus Buch sagen, es ist zwar einerseits geeignet, übertriebene Vorstellungen von dem Einfluß der Juden auf den Zusammenbruch der feudalen Wirtschaft gerade 'in antisemitischen Kreisen zu beseitigen, da es eindeutig feststellt, daß die Juden am Zusammenbruch der mittelalterlichen Zunftwirtschaft nicht die efinzige Schuld tragen, sondern dafür nur einen „respektablen Beitrag" geleistet haben. Andererseits aber behandelt es die jüdische Wirtschaftstätigkeit ohne tiefere Sachkenntnis und dient daher dazu, — was ja wohl die Absicht ist — die herkömmlichen antisemitischen Argumente scheinbar durch die „Lehren der GescWichte'' zu fundieren, da das Bild erweckt wird, die wirtschaftliche Existenz der Juden im Mittelalter hätte auf der Hehlerei, auf dem Wucher und auf der Preisschleuderei beruht. Was an diesen Behauptungen dran ist, haben Wir gezeigt: es wird nötig sein, auch die weiteren Werke von Wilhelm Grau, des Häuplings der antisemitischen ..GescWichtswi-ssenschait". kritisch unter die Lupe zu nehmen. („Der christliche Ständestaat.") «MMNNOMNNNmMMMMONMM MÖBEL Moderne Küchen- Vorzimmer- Wohnzimmer- F. KOHR, Wien II., TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. Die IrieDfedern der Palästina-Unruhen. Die traurigen Ereignisse der letzten Monate haben Palästina zu einer ständigen Rubrik in den Tageszeitungen verhoffen. Da diese Berichte sich zumeist mit einer Wiedergabe der Reutermeldungen begnügten, haben wir uns an einen in Palästina ansässigen österreichischen Juden mit dem Ersuchen gewendet, uns Genaueres über die Triebfedern und die Vorgeschichte dieses Versuchs einer arabischen Revolution mitzuteilen. Bekanntlich brachten die Friedensverträge für Palästina, Syrien und den Irak die Mandatsverwaltung, dieyschon an sich einen wesentlichen Fortschritt gegenüber der türkischen Gewalt- und Schreckensherrschaft darstellte und außerdem völlige Autonomie nach Erreichung der politischen Refife verhieß. Der Irak, ein fast rein arabisches Gebiet, dessen Bevölkerung auf einem wesentlich niedrigeren kulturellen Niveau steht als die Araber Palästinas, erhielt schon vor mehreren Jahren ein Statut, das die englische Verwaltung durch eine weitgehende Autonomie mit englischen Beratern ersetzte. Eine ähnliche Verfassung war auch das Ziel der arabischen Politik in Syrien, in Palästina. Die Syrer konnten ihre Wünsche vor einem halben Jahr durch einen fünfzigtägigen Streik und blutige Unruhen durchsejtzen, für Palästina boten die Engländer die Büdung eines gesetzgebenden Rats, in dem die Mandatsverwaltung durch Beamte und ernannte Mitglieder einer Majorität sicher war und dessen Beschlüsse außerdem nur durch Zustimmung des High Commissioner, des englischen Gouverneurs, Gesetzeskraft erlangen sollten. Noch während der Debatte über diesen Plan in den arabischen Zeitungen machten die extremen Nationalisten einen Versuch, ihre Forderung nach gewaltsamer Durchsetzung des nationalen Ziels in die Tat umzusetzen: eine Räuberbande, die im Sommer des vergangenen Jahres die Straßen unsicher machte, wurde nach mehrtägiger Verfolgung umstellt und nach schwerem Kampf gefangen. Da zeigte es sich, daß die „Räuber" Führer der nationalistischen Jugend waren, die auf diese Weise ein Beispiel geben und auch die für ihre Kampagne notwendigen Mittel auftreiben wollten. Das Leichenbegängnis der bei dem Zusammenstoß mit der Polizei getöteten Märtyrer wurde zu einer der machtvollsten arabischen Demonstrationen, die Haifa bis dahin gesehen hätte. Sie waren nicht umsonst gestorben, ihr Beispiel machte Schule. Immer wieder kam es seitdem zu kleineren Terrorakten und Ueberfällen, die eine Atmosphäre steigender Spannung im Lande schufen. Der erwähnte Erfolg der syrischen Bewegung, der Sieg der nationalistischen Partei in Aegypten und vor allem die Auswirkungen des äthiopischen Konflikts feuerten die extremem Elemente an. Anfang April erschien an der Straße Telt-Aviv—Haifa eine neue Räuberbande, hielt Autos auf, raubte die Insassen aus und schoß sie nieder, wenn sie Juden waren. Einen, der bei Hitler schwor, Deutscher und Christ zu sein, ließen sie laufen. Auch sie erklärten den Beraubten, daß die Beute zur Bewaffnung des arabischen Volks dienen solle. Freitag, den 17. April, wurde ein Opfer des Straßenüberfalls in Tel-AvjVi begraben. Eine anschließende Demonstration wurde von deir Polizei in brutaler Weise gesprengt. Am gleichen Tag fand man in der Nähe der jüdischen Siedlung Peltach-Tikwah zwei ermordete Araber. Während die arabischen Blätter von einem jüdischen Rachemord schrieben, zeigte es sich andererseits, daß einer der Ermordeten ein vielfach verhaßter Polizeispitzel war. Die sich nun überstürzenden Ereignisse ließen es nicht zu einer offenen Klärung kommen. Tags darauf wurden einige Araber, die sich auf dem Samstagskorso am Tel-Aviver Strand zeigten, verprügelt und das gab die Grundlage zu dem in Jaffa verbreiteten Gerücht, drei Hauraner wären in Tel-Aviv erschlagen: worden. Die Hauraner sind die Bewohner des an Palästina anschließenden syrischein Berglandes, auf niedrigster Kulturstufe stehende Araber, die, Herzu. frauenheilbad; Tafzmannsdorf! (Burgenland) Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäuiesprudelbäder.! Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei rituelle Re-J stnuiants. — Auskünfte und Prospekte: Generalvertretung [ Wien 1., KohlmarktS Tel. U ^5-104 | Neu: Moorpackungen und Moorkompressen inj allen Apoihektrn erhältlich. i größtenteils als Saisonarbeiter, bei nichtqualifizierter Arbeit selbst die anspruchslosen Einheimischen unterbieten. Diese Wilden, vom Straßenmob unterstützt, durch Gerüchte und die: Aussicht auf Plünderung angestachelt, überfielen am Sonntag in Jaffa jüdische Passanten und raubten jüdische Läden aus. Die ersten neun Todesopfer fielen. Die weitere Entwicklung, die Ausbreitung der Bewegung von Jaffa auf das ganze Land, die Erklä; rung des arabischen Streiks, die Aufstellung der drei Forderungen sind bekannte Tatsachen. Das Verlangen nach einer autonomen Regierung entspricht der allgemeinen Richtung der panarabischiem Bewegung. Die beiden andern Forderungen richten sich gegen die Juden: Sistierung der jüdischen Einwanlde|rung und Verbot des Boden Verkaufs an Juden. Diese beiden Forderungen nehmen in der arabischen Presse die erste Stelle ein und haben in den letzten Wochen des Streiks den Schrei nach der unerreichbar gewordenen nationalen Regierung völlig zum Verstummen gebracht. Dem nüchternen Beobachter ist es zunächst unverständlich, woher dieser flammende Haß gegen die Juden stammt Die Juden haben dem Lande eine ungeahnte Entwicklung gebracht und es zu einer Oase des Wohlstands inmitten der arabischen Staaten gemacht, die durch Mangel an Kapital und Mangel an Initiative, durch schlechte Regierung und die Krise auf dem Weltrohstoffmarkt immer mehr verarmten. Solange normale Verhältnisse herrschten, gab es ebensowenig arabische wie jüdische Arbeitslose, auch die Tausendp, einwandernder Araber aus Syrien, aus Transjor-t danien, aus dem Irak wurden vom Produktionsprozeß sofort aufgenommen. Von einer Verdrängung der arabischen Arbeit durch jüdische in dem Sinn, daß die „verdrängten" Araber nicht sofort anderwärts Arbeit gefunden hätten, kann nicht die- Rede sein. Die arabischen Grundbesitzer verkauften unwesentliche Teile ihres Besitzes, die noch dazu meist unbenutzt waren, zu horrenden Preisen an die Juden und wurdeni reich daran. Auch sie haben kein Interesse an judenfeindicher Politik. Die einzigen, die von der jüdischen Einwanderung etwas zu befürchten haben, sind die einflußreichen arabischen Familien in den Städten, das arabische Bürgertum, das durch eine nationale Revolution an die Macht käme. Sie sind im wesentlichen die Stütze der extremen nationalistischen Partei, die in letzter Zeit immer mehr die Führung der arabischen Politik erobert. Die alten Parteien waren meist Cliquen, die sich um einen Mann, eine Familie scharten. Sie bekämpften sich untereinander aufs erbittertste, obwohl weltanschauliche Gegensätze zwischen ihnen kaum bestanden. Auch die scharfe Trennung zwischen mohammedanischen und christlichen Arabern, die sich gegenseitig hassen! und verachten, mehr oft als die gemeinsamen Feinde, die Juden oder die Engländer, auch diese Abneigung geht weniger auf die religiöse Differenz zurück, als auf altererbte Cliquenfehden. Daß solche Parteien nie eine Massenbewegung entfesseln konnten, ist verständlich. Dazu fehlte es ihnen zu sehr an populären Zielen, durch die sie sich unterscheiden hätten können. Andern Aufbau zeigt die radikal-nationalistische Partei. Sie kann! sich vor allem auf die arabische Pfadfinderorgantsation stützen, die auch militärisch einen nicht zu unterschätzenden Faktor darstellt Sie ist auch der einzige organisierte Propagandaapparat der arabischen Bewegung. Ihre Aufzüge mit klingendem Spiel und wehenden Fahnen, in der durch eine Unizahl bunter, flatternder Bänder belebten Pfadfinderuniform, haben ihnen bei ihren primitiven Landsleuten Sympathie und Ansehen geschaffen. Abordnungen, aus den Söhnen einflußreicher Familien bestehend, machen Studienreisen ins Ausland, wo sie von befreundeten Verbänden

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