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Die Wahrheit · 1936-07-17 · Heft 30 (17.7.1936) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 30 (17.7.1936)
Date
1936-07-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 30 — 17. Juli 1936 Seite 7 Bin Weltkongreß der Religionen. In London tagt ein Weltkongreß der Religionen. Einer von dessen Sitzungen präsidierte der Chefrabbiner des Britischen Reiches Dr. J. H. Hertz und benützte diese Gelegenheit, die Aufgaben des Kongresses vom jüdischen Standpunkt aus zu beleuchten. Er wandte sich gegen die Gefahr, daß ein solcher Kongreß Halbgebildeten den Eindruck vermitteln könnte, daß alle Religionen einander sehr ähnlich sind und daß man sie eigentlich zu einer Universalreligion vereinigen könnte. Das sei ebensowenig möglich, wie aus einer Vermischung aller Sprachen das Entstehen einer Weltsprache zu erwarten. Da aber die Religionen nicht auf gleicher Ebene stehen, sei es, wie ein englisch-jüdischer Lehrer erklärt habe, Aufgabe des Judentums, ebensosehr die Welt zu lehren, daß es falsche Götter und ialsche Ideale gibt, wie sie dem wahren Gott näher zu brin- S e n. Auch seien die Religionen nicht nur in Glaubenssachen, Dogma und philosophischer Theorie verschieden, sondern auch bezüglich des Nachdrucks, den sie auf die ethischen Pflichten des Menschen legen. Anders aber falle die Beurteilung eines Weltkongresses der Religionen aus, fuhr der Chief-Rabbi fort, wenn klargestellt wird, daß es die einzige Aufgabe eines solchen Kongresses ist, allgemeine Uebel, die über die Menschheit gekommen sind, zu bekämpfen und das gemeinsame Wohl der Menschheit zu fördern, unter den Anhängern der verschiedenen Bekenntnisse den Geist der Kameradschaft und Brüderlichkeit zu wecken, dessen die Völker der Erde heute so sehr bedürfen: und bei Währung ihrer Eigenart nach Rasse und Glauben sie in der Bemühung zusammenzuschließen, die Menschheit von dem Haßerbe der Vergangenheit freizumachen und sie gegen die Gefahr der Selbstvernichtung durch Brudermord in der Gegenwart zu stärken. Auf diesem Wege ganz besonders kann die Religion heute der schwergeprüften Menschheit einen unendlichen Dienst erweisen. Pflichterfüllung gegenüber der Gemeinschaft. Auf der in Sartatoga Springs abgehaltenen Jahresversammlung des jüdischen Ordens Brit Abraham hielt der Gouverneur des Staates New York, Colonel Herbert H. Lehman, der Mitglied des Ordens ist, eine Ansprache, in der er erklärte, die jüdische Religion lehre Pflichterfüllung gegenüber der Gemeinschaft. Deshalb müßten die j ü d i s c h e n Bürger Anteil neh^men an den öffentlichen Angelegenheiten des Staates und seiner Führung. Gouverneur Lehman wandte sich gegen die Behauptung, daß das jüdische Volk nur von materialistischen Interessen bewegt sei, und hob rühmend die von Juden aus Idealismus vollbrachten Taten hervor. Die Versammlung bereitete Gouverneur Lehman eine stürmische Ovation. Griechenland erschwert Proselytenmacherei. Die griechische Parlamentskommission für Verfassungsreform hat einstimmig beschlossen, in die neue Verfassung eine Bestimmung aufzunehmen, die den Religionsübertrittwesentlicherschwert. Der Religionswechsel Minderjähriger unter 21 Jahren wird überhaupt verboten. Im übrigen wird denjenigen, die einen Religionsübertritt vorzunehmen gedenken, zur Pflicht gemacht, vorher ein Austrittsgesuch an das Oberhaupt ihres bisherigen Religionsbekenntnisses zu richten, damit ein letzter Versuch gemacht werden könne, die Gesuchsteller zum Festhalten an dem alten Glauben zu bewegen. Man glaubt, daß durch diese neuen Verfassungsbestimmungen der umfangreichen Taufpropaganda, der in letzter Zeit jüdische Knaben und Mädchen in erheblicher Zahl erlegen sind, ein Riegel vorgeschoben werden wird. Jüdische Rechtsanwälte als Verteidiger von Antisemiten. Starkes Aufsehen erregte eine Verhandlung vor dem Warschauer Berufungsgericht, bei der zwei jüdische Rechtsanwälte als vom Gericht bestellte Offizialverteidiger antisemitischer Exzödernten auftraten. Die Bestellung der Juden erfolgte, weil der berüchtigte antisemitische Anwalt Kowalski, der die Verteidigung bei der Verhandlung in erster Instanz geführt hatte, zu der Berufungsverhandlung nicht erschienen war. Die Angeklagteini hatten im Februar d. J. in dem Dorf Lencziee bei Lodz drei jüdische Händler schwer mißhandelt und durch Messerstiche vetrletzt Das Lodzer Kreisgericht hatte einen der Täter zu drei Jahren, die beiden anderen zu zw ei Jahren Gefängnis verurteilt. Die jüdischen Offizialverteidiger sahen sich einer schwierigen Situation gegenüber. Sie machten geltend, daß die Angeklagten nur das Werkzeug sogenannter „patriotischer Führer" gewesen seien, die ihnen eingeredet hätten, Angriffe auf Juden würden stratlos bleiben. Die Angeklagten hätten diesen Versicherungen Glauben geschenkt. Darum möge der Gerichtshof nur milde Strafen verhängen. Das Berufungsgericht hat das Urteil des Erstgerichts bestätigt. Sir Isaac Isaacs im Krönungsausschuß. Sir lsaac Isaacs, der vor kurzem nach Erreichung der Altersgrenze von seinem Posten zurückgetretene Generalgouvernetir von Australien, wurde zum Repräsentanten Australiens;m Ausschuß zur Ausarbeitung der Pläne tür die Krönungsieier König Georgs VIII. ernannt. Sir Isaac Isaacs weilt gegenwärtig in London und war in den letzten Wochen anläßlich seines Rücktrittes vom Amte Gegenstand ehrender Aufmerksamkeit seitens des englischen Hofes, der Regierung und der Gesellschaft. Das jüdische Gymnasium in Budapest und seine Erfolge Der Umsturz so vieler Werke und Werte nach dem Kriege hat in ganz Europa eine Renaissance des jüdischen Schulwesens hervorgerufen. Die neuen jüdischem Mittelschulen in Deutschland. Tschechien. Rumänien, in den Ostrandländern, Polen. Finnland sind ein beredtes Zeugnis dafür. Das bedeutendste Schulwerk unter allen dürfte doch das Gymnasium der Pester Israelitischen Gemeinde sein, das ebenfalls 1919 als Stiftung ins Leben gerufen, heute in seinem monumentalen Prachtbau am Rande des Stadtwäldchens sowohl das Knabengymnasium mit seinen 600. als das Mädchengymnasium mit seinen 700 Hörern beherbergt Seine künstlerisch ausgestattete Schulsynagoge, seine Aula und sein Treppenhaus mit den dem Anschauungsunterricht dienenden herrlichen Prunkfenstern bilden eine Sehenswürdigkeit der Hauptstadt, ebenso wie die Schulen selbst zu den bestbekannten, behördlich viel gelobten Mittelschulen Budapests gehören. Jetzt sind die Jahresausweise für 1935—36 erschienen, zwei umfangreiche, eingehende Berichte von Oberdirektor Koloman Wirth (Mädchen) und Salomon Goldberger (Knaben), den seit Anfang bewährten Leitern der Anstalten. Wir blättern in denselben. Vor allem fallen uns die serienhaften Sporterfolge der Jungen ins Auge. An nicht weniger als 21 Wettbewerben nahmen sie im Laufe des Jahres teil, keiner, bei dem sie nicht erste und zweite Preise errangen. Kein Wunder: ist es doch diese jüdische Anstalt, deren Turnprofessor und Sportleiter. Zoltan Dückstein zu den anerkanntesten Fachleuten Europas gehört und die durch drei Jahre den silbernen Wanderpreis des ..besten Sportiers Budapests" hütete, nachdem je ein Primaner sich diesen Ehrentitel erworben hatte. Dieses Jahr waren es die unteren Klassen der Knaben, die im Stafetten- und Rückenschwimmen die ersten unter den Budapester Mittelschulen wurden. Aber die jüdischen Gymnasiasten stellten natürlich auch in den geistigen Kämpfen ihren Mann. In den sogenannten Landesstudien-Wettbewerben, die alljährlich unter den ausgewählten Abiturienten sämtlicher Mittelschulen Ungarns veranstaltet werden, haben sie bisher schon manches Lob und Los gewonnen: heuer wurde ein Schüler der VII. Klasse in Latein Zweiter, eine junge Kollegin in Mathematik Dritte. Das Knabengymnasium rangiert in der sechsten Reihe aller Anstalten. Diesen Spitzenleistungen entsprechen auch die Resultate der Reifeprüfungen. Unter 28 Abiturientinnen einer Gruppe wurden nicht weniger als 12 mit Vorzug reif und nur insgesamt 5 genügend: ein Resultat wie es in der Geschichte der Abiturien einzig dastehen dürfte: auch im Knabengymnasium sab es dieses Jahr keinen Vierer. Der Lehrkörper beider Anstalten, ebenso wie die Erhalterin derselben, die Pester Israelitische Gemeinde, dürfen auf diese Erfolge stolz sein. Dr. A. Fürst. „Nie Sollst du mich befragen!" Jüdische Institutionen in Deutschland erhielten von der Geheimpolizei die Weisung, keinerlei Kontakt mit ausländischen Besuchern, die etwa die Judenfrage zu studieren wünschen sollten, zu unterhalten. Solche Besucher, die sich in dieser Sache an Juden wenden, sind an die Geheimpolizei zu verweisen. Anderseits hat das Propagandaministerium die Führerschaften angewiesen, die ausländischen Besucher in die speziellen jüdischen Cafäs am Kurfürstendamm zu führen, um ihnen zu zeigen, daß die Juden sich frei bewegen dürfen. In Wirklichkeit werden dieses Car6s hauptsächlich von ausländischen, nicht aber von deutschen Juden besucht Pietät. Während bekanntlich die Namen der 12.000 für das deutsche Vaterland im Weltkrieg gefallenen Juden von den reichsdeutschen Gedenktafeln entfernt wurden, sind jetzt eine Straße und ein Platz in Berlin nach dem für seine Partei gefallenen Wilhelm G u s 11 o f f benannt worden. Pension Adria. Abbazla Kleine Familien-Pension 'mit flieflendem'Kalt- V. Warmwassar. Zentrale Lage, nächste Nähe von Kurpark und Bäder. Zimmer mit und ohne Verpflegung bei sorgfältigster Bedienung und □iligsten Preisen. SclunOckona foa Gruiten and GräDern LßopoldDeutschJiEfiXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhoi I. Tor, Tel. U 13-U-40 Zentralfriedhoi IV. Tor. Tel. U 17-0-08 Eigene Hollureo Mohammedaner und Juden in Algerien. Der Führer der Delegation des Departements- Qran, Scheich Zahiri, der gegenwärtig mit den französischen Behörden in Algier Verhandlungen über die Zuerkennung des Wahlrechts an die Eingeborenen führt, äußerte sich in einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter über die Beziehungen zwischen Juden und Mohammedanern in Algerien. Der Scheich verurteilte entschieden die jundenfeindlichen Ausschreitungen, zu denen es in letzter Zeit wieder in Oran und anderen algerischen Städten gekommen ist. Die mohammedanischen Organisationen des Landes, erklärte er, hätten einen Aufruf an alle Mohammedaner erlassen, sich von den judenfeindlichen Agitatoren fern zu halten, die aus persönlichen Motiven ein zweites „Mass akeir von C o n s t a n t i n e" herbeiführen wollen. Die Araber, erklärte er, wollen keinen Rassenkampf. Dagegen lehnte der Scheich es ab, einer Auslieferung der an dem Massaker in Constantine Schuldigen, die noch immer in Freiheit sind, an die Behörden zuzustimmen. Diese . Menschen, sagte er, seien Armselige, Verleitete und nur das Werkzeug in deir Hand von Ausländern gewesen. Sie seien bloß infolge ihrer Armut besonders reizbar. Auf die Frage, wie die algerischen Mohammedaner die gegenwärtige Lagein Palästina beurteilen, antwortete der Scheich, an den Reibungeiti zwischen Arabern und Juden sei der englische Imperialismus schuld. Wir werden fordern, sagte er, daß Frankreiich beim Völlkerbund die Einsetzung einer Untersuchungskommission verlange, die nach Palästina geschickt werden soll. Ferner soll durch den Völkerbund erreicht werden, daß der Friede im Lande wiederhergestellt werde durch ein Abkommen zwischen Juden und Arabern über eine Begrenzung der jüdischen Einwanderung, die, wenn sie in dem jetzigen Tempo weitergeht, zur Vorherrschaft der Juden führen würde. Warum geben die Engländer den Juden nicht einen Teil ihrer ungeheuren Besitzungen, wo die Juden absolute Herren sein könnten? Qemeindedkwoniti. Gründung der ersten Jüdischen Gemeinden ia Abessinien. Der Rat des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens hat beschlossen, den Rechtsanwalt Carlo Alberto V i t e r b o nach Abessinien zu entsenden, um dort die ersten jüdischen Gemeinden, und zwar zunächst in Addis Abeba und in Dire-Daua, zu organisieren. Dreißig Jahre Oberrabbiner von Livorno. Die jüdische Gemeinde Livorno beging in feierlicher Weise das dreißigjährige Amtsjubiläum ihres Oberrabbiners Prof. To äff. Er ist einer der Gründer des Rabbinerseminars von Livorno. Ihm ist auch die Entstehung des jüdischen Museums in Livorno zu verdanken, das zahlreiche seltene und kostbare Gegenstände aus der Geschichte dieser alten Judengemeinde enthält. Goldene Hochzeit Am 13. JuK begeht der frühere Schauspieler des Deutschen Volkstheaters und Vortragsmeister Theodor Weihs mit seiner Gattin Irma, geb. Wachtel, ehemals Sängerin in Budapest und Hamburg, das seltene Fest der goldenen Hochzeit Diese Mitteilung wird die vielen Freunde des Jubilars sicherlich sehr erfreuen, auch seine zahlreichen Verehrer in jüdischen Kreisen, denn Theodor Weihs, ein guter Jude, iolgte stets dem Rufe jüdischer Wohltätigkeit, seine große Kunst in ihren Dienst zu stellen. Der hervorragende Sprechkünstler, der 40 Jahre im Deutschen Volkstheater verdienstvoll wirkte, ist trotz seiner 78 Jahre auch jetzt noch oft im Wiener Radio zu hören. Trauung. Am 5. d. M. fand im Seitenstettentempel die Trauung des Fräuleins Ilse Skutezky, Tochter des Kultusvorstehers aus Hollabrunn, Herrn Emil Skutezky und dessen Gemahlin Rosa, geb. D u b, mit & [

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