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Die Wahrheit · 1936-07-17 · Heft 30 (17.7.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 30 (17.7.1936)
Date
1936-07-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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■DIE WAHRHEIT Nr. 30 — 17. Juli 1936 Seite 3 Der jüdische Weltrekordstemmer Robert Fein düirife der einzige österreichische Vertreter sein, der bei der Olympiade Chancen hätte, die goldene Medaille zu erringen. Seine Leistungen sind nicht zu überbieten! Der frühere langjährige Vertreter Deutschlands bei internationalen Tenniskämpfen (Davis- Cup usw.) Daniel Preron ist Jude. Tschechiens bester Tennisspieler (siehe oben!) J1 echt ist Jude! Bei der diesjährigen Wmtarolympiade spielte im d e u t s c h e n Hockey-Team der Jude E. B a 1 f. So sehen wir, daß sich auf allen bisherigen Olympiaden jüdische Sportler erfolgreich durchgesetzt haben. Dr. Bernblum. Pension und Restaurant TAUBER, Anhazia Erstklassige orth. koschere Küche. Zimmer mit jedem Komfort, volle Pension von 25 Lire auiw. Die Lage in Rumänien. Von Bernhard Rippel (Bukarest). Obwohl die Judenschaft in der ganzen Weit das friedlichste bürgerliche Element bildet, die jüdischen Bürger sich allenthalben spontan den Gesetzen fügen, ihren regen Geist, Leib und Seele sowie ihr Hab und Gut dem Wohle ihrer Heimatländer in opferwilliger Weise zur Verfügung stellen und zur Förderung alles Schönen und Guten mit allen Kräften beitragen, mit einem Worte, obwohl die Juden ihrer heiligen Lehre und Tradition gemäß, die treuesten und anhänglichsten Patrioten sind, wird dennoch gegen sie immer wieder die sengende Flamme des Hasses angefacht, müssen sie bei jeder Gelegenheit die Schmach deir Zurücksetzung als Bürger, den Stempel der Minderwertigkeit als Minorität letzten Grades ertragen. Auch in unserem Heimatlande Großrumänien ist <eiine nationalistische, richtiger eine antisemitische Strömung in Bewegung. Denn Nationalismus ohne Antisemitismus ist hier undenkbar. Die Ursachen und Tendenzen mögen dahingestellt bleiben. Tatsache ist, daß die antisemitischen und faschistischen Parteien sich vereinigt haben und im Parlamente eünen ansehnlichein Block bilden. Ebenso unteugbar ist es, daß die enormen Summen, die aus Deutschland für Propagandazwecke in Rumänien aufgewendet und von dem rumänischen Zeitungen mit nicht weniger als zehn Milliarden Lei beziffert ■werden, zur Aufrichtung des Hakenkreuzes und zur Verbreitung des Antisemitismus nicht unwesentlich beigetragen haben. Dies beweisen die zahlreichem besoldeten Agitatoren, die „Blauhemden", sowie die Sturmbataillone, die nach deutschem Muster gebildet und organisiert sind, wie nicht minder die täglich steh mehrenden Zeitungen und Schmähschriften mit ausgesprochen antisemitischem Charakter.' Dieses Massenaufgebot dient also in erster Reihe zur Propagierung des Antisemitismus, zur Bekämpfung der fünf Prozent Juden, die sich zumeist um ihr tägfliches Brot schwer rackern müssen. Anstatt daß die wahren Interessen des Landes geschützt, dessen innere und äußere Feinde bekämpft, die Kultur und Moral gehoben, und die Ordnung und Gesetzlichkeit gefestigt werden, werden die drohenden Gefahren außer Acht gelassen; nur die Juden bilden die Zielscheibe für alle giftigen Pfeile der Hetze, der Verleumdung und d'es Hasses. Die besonnenen und reifen Politiker verurteilen dieses wüste Treiben, das von ihnen als brutal und dem Lande schädlich bezeichnet wird, die anderen aber scheinen für den Menschheitsgedanken noch nicht reif genug zu sein) oder aber sie sind von ihrem Eigennutze zu sehr befangen. Denn das Geschäft und der Eigennutz bilden hier eine stärkere Triebkraft afls das hohe Ideal das wahren Patriotismus. Und wenn ein bedeutender Mann sagte, daß unter hundert Bürgern im allgemeinen ein Idealist, neunundzwanzig Egoisten und siebzig Dummköpfe vorhanden sind, so ist dieser Ausspruch derzeit wesentlich zu modifizieren, indem jetzt auf t au sein d Bürger ein Idealist, achthundert Egoisten und hundertneunundneunzig Dummköpfe zählen. Es vergeht kein Tag, ohne daß die Zeitung Mitteilungen über Skandal- und Betreicherumgsprozesse gegen führende Männer und Politiker veröffentlichen. Die wütendsten Judengegner, die öffentlich die Vernichtung der Juden predigen, stehen hinter den Kulissen mit Juden und jüdischen Unternehmungen in engstem Kontakte. In diesem Belange ist der Zeitungskrieg, der jetzt in Bukarest zwischen den demokratischen und den nationalistischen Blättern ausgefochten wird, besonders interessant. Da wird nämlich dokumentarisch nachgewiesen, daß die ertragiertesten Antisemiten und ihre Zeitungen von Juden enorme Summen teils direkt als Subventionen einkassieren, teils aber unter verschleierten Titeln bedeutende jüdische Benefizien genießen. Dieser Zeitungskrieg ist derart schonungslos und verhetzend zugleich, daß in den jüngsten Tagen sogar, wie in diesem Blatte bereits gemeldet, einige Redakteure demokratischer Zeitungen auf offener Straße überfallen und brutal mißhandelt, ihre Zeitunget» auf öffentlichen Plätzen brennenden Scheiterhaufen überliefert wurden. Daß bei derlei Gelegenheit auch die Juden von den nationalistischen Hitzköpfen nicht verschont geblieben sind, ist nur selbstverständlich. Es kam wenige Tage später in Bukarest und Kischinew zu schweren antisemitischen Ausschreitungen. Dabei hat aber auch die Regierung keinen leichten Standpunkt. Sie will wohl die Ordnung aufrechthalten, kann aber die nationalistische Strömung nicht hindern, wodurch wieder die rohen Elemente ermutigt werden. Auch der Umstand, daß an der Spitze der französischen Regierung derzeit ein Jude steht, sowie die Wirrere in Palästina haben die Situation der rumänischen Juden keineswegs günstiger gestaltet. Im Gegenteil. Dadurch wurde döm antisemitischen Kreisen nur frisches Wasser auf ihre Mühle geliefert. Frei'iich ist auch die Demokratie nicht machtlos, aber der Zwiespalt unter den demokratischen Parteien und der Hader in deren Schöße hat bei den Antisemiten einige Hoffnung erweckt und sie zu einer regeren Tätigkeit veranlaßt. Unter Assistenz griechisch-orthodoxer Priester ließ Alexander Cuza, der Sohn des rumänischen antisemitischen Apostels Prof. George Cuza, etwa 30.000 Bauern, die sich in Orhei, Bessarabien, versammelt hatten, den E t d abnehmen, Rumänien von den Juden zu befreien. Cuza erklärte: Es gebe heute in der Welt nur zwei Menschengruppen': Gläubige und Nichtgläubige des Hakenkreuzes. Die letzteren seien die Mächte der Finsternis. Das Hakenkreuz sei ein altes rumänisches SymböP, das von Deutschland übernommen, wurde. Hitlers antisemitisches Programm wurde ebenfalls schon viel früher von Cuza in Rumänien verfochten. Die Hakenkreuzparteien, erklärte Cuza, werden demnächst die Regierung Rumäniens übernehmen. Tatsächlich schien dieses Ziel in greifbare Nähe gerückt, als Titulescu jüngst eigens von Genf nach Bukarest kam, um seine Demission als Außenminister anzubieten. Der König hat diese aber nicht angenommen, sondern den liberalen Staatsmann zum Ausharren bewogen. So bleibt dem aufgewühlten Lande wenigstens der Mann erhalten, der in Genf das Wort geprägt hat, nicht der Völkerbund sei reformbedürftig, sondern die Menschen, und wegen dieses Ausspruchs von dem unglücklichen Vorkämpfer der deutschen Juden, BEATRIX» AD IPIICHAEIERBAD III., Link« Bahngassa 9f nielist Stadtpark | XVIII., Mlcfcaelarstr. 13f n Sehst Volksoper Dampf-, Hannen-, Seit Wimm- und Heilbäder Kuren gegen Rheuma, Gicht, Ischias, gegen Erkältungen, vorzeitige Alterserscheinungen usw. Stefan Lux, der jüngst im Völkerbundpalais für sein Kampfziel sein Leben opferte, in seinem Abschiedsbrief an den englischen Außenminister Eden (Siehe auch den Artikel „Fiat Lux"! Die Red.) als einer der berufenen Träger des Weltkampis gegen den Antisemitismus gewertet wurde. Mag solcher Optimismus des deutschen Emigranten angesichts der heutigen Lage in ganz Europa auch allzuweit gesteckt erscheinen — in seinem eigenen Lande könnte Titulescu durch die längst fällige Reform der rumänischen Menschen im Sinne der rassischen und konfessiarreMen Duldsamkeit sicherlich unverwelkbaren Lorbeer ernten. Der Tod des Oberrabbiners Feuchtwang. ] Bundespräsident M i k 1 a s hat an die Wiener Kultusgemeinde folgendes Sehreiben gerichtet: „Mit aufrichtigem Bedauern haben meine Frau und ich die Nachricht vom unerwartet raschen Ableben des Herrn Oberrabbiners der Wiener jüdischen Gemeinde, seiner Ehrwiirden des Herrn Dr. David Feuchtwang, erhalten. In dem Dahingeschiedenen verliert die Wiener jüdische Gemeinde eine durch hohe Geistesgaben und edle Gesinnung des Herzens ausgezeichnete Persönlichkeit, einen frommen, gottestürchtigen Seeleniiihrer und treuen Bekenner seines Glaubens, der auch in hohem Maße die Achtung Andersgläubiger genoß. Im Namen meiner leider erkrankten Gattin, die des Verstorbenen Mitarbeit auch auf humanitärer und karitativem Gebiete besonders zu schätzen wußte, sowie im eigenen Namen bitte ich das verehrliche Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde, aus Anlaß des schweren Verlustes, den die Wiener jüdische Gemeinde durch den Heimgang ihres langjährigen ausgezeichneten Oberrabbiners erlitten hat, den Ausdruck wärmsten Beileids entgegenzunehmen." Kardinai-Erzbischof Dr. I n n i t z e r sandte folgendes Beileidschreiben: „Mit aufrichtigem Bedauern habe ich die Kunde vom Ableben seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners Dr. Feuchtwang vernommen. Ich bitte, den Ausdruck meiner autrichtigsten Teilnahme zu empfangen. Der Dahingegangene war ein sittlich hochstehender, fein gebildeter Mann, dem niemand die Achtung versagen konnte, stets hilfsbereit und edeldenkend. Sein Andenken wird immer in Ehren sein." „Neues Wiener Tagblatt" erinnert daran, daß der Vater des verstorbenen Oberrabbiners von Wien, der spätere Oberrabbiner von Nikolsburg, der erste deutsche Literaturlehrer der späteren Kaiserin Elisabeth, ihrer Schwestern Helene und Marie (späteren Königin von Neapel) gewesen ist. Auf Vorschlag des Germanisten Lachmann wählte der freisinnige Herzog Max von Bayern den jungen jüdischen Germanistikstudenten Feuchtwang zum Literaturlehrer seiner Töchter. Die große Heine-Schwärmerei der Kaiserin Elisabeth ging auf ihren ersten Literaturlehrer zurück und es ist wohl auch seinem Einfluß zuzuschreiben, wenn die schwerkranke und alternde Kaiserin Elisabeth mit dem jüdischen Dichter Seligmann Heller sich in das S t udium der mittelalterlich-spanischenDicht e r, des Jehuda Halevi und des Gabirol, vertieite. Gouverneur Lehman kandidiert zum dritten Male. Aui Drängen Präsident Rooisevelts und seiner Freunde hat sich Colonel Herbert H. Lehman entschlossen, seine Kandidatur für das Amt des Staatsgouverneurs von New York zum dritten Male anzumelden, da allgemein die Ueberzeugung herrscht, daß der Erfolg der Demokratischen Partei von dieser Kandidatur abhängt. Ehrung Sir Robert Monds. Die Society oi Chemical Industries überreichte Sir Robert Mond, Bruder des ersten und Onkel des jetzigen Lord Melchett, in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die chemische Wissenschaft die Goldene Rudolf Messel-Medaille. Diese Medaille, die in jedem zweiten Jahr verliehen wird, ist eine der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen Englands.

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