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Die Wahrheit · 1936-07-17 · Heft 30 (17.7.1936) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 30 (17.7.1936)
Date
1936-07-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 30 — .17. Juli 1936 DIE WAHRHEIT Judenhaß im Sportgewande. u \ Der Antisemitismus im Sportbetrieb ist auf dem Gebiete des alten und des neuen Oesterreich leider nichts Unbekanntes. Während sich aber früher die Feindseligkeit gegen die Juden offen und ehrlich als Sehnsucht nach dem Arierparagraphen, also nach Fernhaltung der Juden vom Sportleben äußerte, betätigt man gegenwärtig den entgegengesetzten Eifer zur Erreichung — desselben Zieles. Jetzt will man die jüdischen Sportler mit allen Mitteln, die den einzelnen Sportverbänden zustehen, geradezu zwingen, sich um die olympischen Medaillen zu bewerben, und die Juden, die das ablehnen, wieil sie sich die Ehrenpreise diesmal nur um den Preis ihrer Ehre holen könnten, werden in einer Weise gemaßregelt, die praktisch ihre Ausschaltung aus dem Sport bewirkt. Die Meisterschwimmerin der Wiener Hakoah, Fräulein Judith Deutsch, wurde, wie unsere Leser bereits wissen, von der österreichischen Sport- und Turnfront auf die Dauer von zwei Jahren suspendiert, weil sie nicht zur Berliner Olympiade wollte. Aus demselben Grund hat der tschechoslowakische Schwimm- HOFGASTEIN KURMAUS WESTEND / STRENG ICD Aufsicht der Adu lisroel Schiffschul, Wien. Thermalbäder im Hause WIENER KÜCHE // MKSSIGE PREISE verband über die Vereine Hagibor (Prag), Bar Kochba (Brünn) und Bar Kochba (Preßburg) ein Auslandstartverbot für zwei Jahre und eine Geldstrafe von je 4000 Tschechokronen verhängt, obwohl weder das Olympia-Komitee der Tschechoslowakei noch das tschechoslowakische Außenministerium einen Zwang auf die jüdischen Sportler ausgeübt wissen wollten. Anderswo hat man von einem solchen Gewissenszwang auch tatsächlich abgesehen. Will den Ouden, die Weltmeisterin Hollands, hat schon vor Wochen erklärt, als Jüdin in Berlin nicht starten zu können, was sowohl vom holländischen Schwimmverband als -auch vom dortigen Olympischen Komitee zur Kenntnis genommen wurde, obwohl Holland in diesem Falle auf Goldmedaillen verzichten muß. Warum geht das nicht auch in den Nachfolgestaaten Alt-Oesterreichs? Hier heiligt noch immer derselbe traditionelle Zweck die Mittel und die derzeit zur Anwendung gebrachten haben vor dem aufrichtigen Bekenntnis zum Arierparagraphen den Vorteil, daß dieser Paragraph seine Anhänger bei der internationalen Sportwelt vielfach in Verruf brachte, während man jetzt das peinliche Stigma auf die Juden abwälzt, indem man ihnen Unsportlichkeit und Pflichtvergessenheit gegenüber dem Vaterland vorwirft Mit blassem Neide müßten alle Juden, deren Talente nicht auf sportlichem, sondern auf geistigem und beruflichem Gebiet liegen, den heißen Eifer wahrnehmen, mit denen die Sportbehörden den ihnen unterstellten Juden den Weg zum Erfolg bahnen möchten, lägen die wahren Motive dieses ungewohnten Dranges nicht allzu durchsichtig unter der dünnen Hülle objektiver Sportförderung zutage. Man braucht ja bloß die eine Tatsache zu berücksichtigen, daß just dieselben Zeitungen, die früher für den Arierparagraphen im Sport — sogar im Bergsport, obwohl die Touristik ihre Ausüber nicht in den engen Grenzen eines Schwimmbassins oder Fußhallplatzes zusammendrängt — schwärmten, jetzt die einzigen sind, die den Maßregelungen der jüdischen Sportler, die nicht nach Berlin wollen, freudig zustimmen — dann weiß man, wieviel es geschlagen hat. Die Jüdischnationalen verdunkeln bloß diese klare Erkenntnis durch die Verleumdung, daß die nichtnationalen Juden für die Beteiligung an der Berliner Olympiade eintreten. Die „Stimme" vom 10. Juli teilte mit, daß sich eine große jüdische Sportorganisation an den zionistischen Schriftsteller Josef Kastein in Haifa .um seine Meinung Leset den Morgen Verbreitet den Morgen Inseriert im Morgen €s ist euer Watt es füQft mit eud} es benfit mit eud) es kämpft für eudj} in dieser Frage gewendet habe, und veröffentlichte seine Antwort Diese Antwort heißt selbstverständlich „Kein Jude zur Olympiade!" Sie wäre aber viel wirkungsvoller ausgefallen, wenn Kastein sie kurz und bündig gefaßt hätte. Statt dessen verfiel er in eine Langatmigkeit, deren Kosten größtenteils — die Assimilanten bestreiten müssen, denen u. a. nachgesagt wird: „Der Assimilant läßt sied nur zu gerne überreden, daß seine Stellung als Staatsbürger ihm einen Generaldispens von der Teilnahme am jüdischen Sektor des Lebens erteilt." Dem gegenüber verweisen wir auf unsere Stellungnahme zur Olympiade in der „Wahrheit" vom 26. Juni und vom 10. Juli, und auch in der Wiener Tagespresse, soweit sie von der antisemitischen Konkurrenz als „verjudet" qualifiziert wird, ist keine einzige Aeußerung zur Olympiade erschienen, die als Selbstdispensierung irgend eines Juden von der Teilnahme am jüdischen Sektor des & MÖBEL Moderne Küchen- Vorzimmer- Wohnzlmmer- F. HOHN, Wien II, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. Herza. rraaenhellbadi Tafiniannsdorf] (Burgenland) | Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäuresprudelbäder.! | Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei rituelle Re-i! stsuraats. —Auskünfte und Prospekte: Generalvertretung; i Wien 1., Kohlmarkt 3 Tel. U i5-lU4 j ■Neu: Moorpackungen und Moorkompressen inj! allen Apotheken erbältlich.! Lebens gedeutet werden könnte. Weit eher erscheint diese Deutung jenen jüdischnationalen Sportlern gegenüber am Platze, die, obwohl Mitglieder des „Makkabi", der seinen Anhängern die Teilnahme an der Berliner Olympiade verboten hat, ihrer jüngst verlautbarten offiziellen Einreihung in das definitive Olympia-Team Oesterreichs bisher kein Dementi entgegengesetzt haben. Es wird Herrn Kastein nicht gelingen, diese diversen tlakoahner als — Assimilanten vom jüdischnationalen Schuldkonto zu streichen, obwohl es beinahe den Anschein hat, als ob das der Zweck der ganzen Stilübung gewesen sei. Wir Assimilanten haben es gar nicht nötig, in Fragen der jüdischen Ehre die Interpretationskunst schriftstellerischer Autoritäten zu bemühen; wir können uns in diesem Punkte voll und ganz auf unseren eigenen gesunden Instinkt verlassen. Von Athen bis £os Angeles. Jtädisdke Sieger auf den Ctumnis€hen knieten der Vergangenheit. Angesichts der bevorstehenden Olympiade im Dritten Reich, das die jüdischen Sportler ächtet, ist es von besonderem Interesse, auf die vergangenen Olympiade Rückschau zu halten und uns der jüdischen Sportsleute zu erinnern, denen es in diesen Kämpfen gelang, einen Sieg zu erringen. Im Jahre 1896 fand-die .erste Olympiade auf klassischer, geweihter Stätte in Athen statt und hier schon gelang es einem jüdischen Sportler, sich in die Siegerliste einzuschreiben. Der Turner A. F1 a t o w, ein für damalige Verhältnisse überragender Könner, errang die Goldmedaille im Barrenturnen, belegte am Reck den zweiten Platz und war auch Mitglied der siegreichen Barren- und Reckmannschaft, der in F. F1 a t o w ein weiterer jüdischer Teilnehmer angehörte. Im Jahre 1900, bei der zweiten Olympiade in Paris, begann der Stern Meier Prinsteins, eines der größten jüdischen Leichtathleten aller Zeiten, aufzugehen. Er gewann den Dreisprung mit der für damals unerhörten Leistung von 14,47 Meter und belegte auch im Weitsprung mit 7,17 Meter, um nur einen Zentimeter geschlagen, hinter seinem Landsmann, dem Amerikaner Kranzlein; den zweiten Platz. Aber schon 1904 in St. Louis bewies Prinstein, daß er der Weltbeste war. Er hatte einen großartigen Doppelerfölg. Im Weitsprung 'siegte er mit der Weltrekordleistung von 7,34 Meter und im Dreisprung mit einem Sprung von 14,33 Meter. Und dann vollbrachte er die hervorragende Leistung, auch auf der sogenannten Zwischenolympiade, die 1906 wieder in Athen stattfand, den Sieg im Weitsprung mit 7,20 Meter zu erringen, eine Erfolgsserie, die denen der berühmtesten Olympioniken ebenbürtig an die Seite zu stellen ist. Die nächste Olympiade, die im Jahre 1908 in London stattfand, brachte wieder den Aufstieg eines großen jüdischen Sportlers, des Säbelfechters Fuchs, Ungarn. Dieser erregte durch seine bestechende Eleganz und die fast mühelos enscheinende Art seines Fechtens höchste Bewunderung. Fuchs war es auch, der 1912 in Stockholm, der bis dahin glanzvollsten Olympiade, der ungarischen Säbelmannschaft zu ihrem Sieg mitverhalf. — Die dritte jüdische Spörtgröße, die zur Weltberühmtheit gelangte, begann auch ihren Aufstieg auf einer Olympiade. 1920 in Antwerpen gewann Suzanne Lenglen sowohl das Dameneinzel wie auch das gemischte Doppel. Besonders stolz können wir jedoch auf die P a r i s e r 01 y mp i a d e des Jahres 1924 sein. Gelang es doch hier; einem Juden, die begehrteste Medaille, nämlich die, die den Sieg im 100-Meter-Lauf belohnt, zu erringen. Abrahams {England) gewann" in der ausgezeichneten Zeit von 10,6 Sekunden. Auch der Finne K a t z, der später dem Bar Kochba, Berlin, angehörte, errang sehr schöne Erfolge. Er gewann mit Nurmi und Ritola den 3000-Meter-Mannschafts- Iauf und konnte auch im 3000-Meter-Hindernislauf hinter Ritola den zweiten Platz belegen, Beweis dafür, daß er zu Recht Partner dieser beiden Laufwunder geworden ist. 1928 in Amsterdam holten sich jüdische Sportler ebenfalls wertvolle Siege. George K o j a c (U. S. A.), ein phänomenaler Schwimmer, gewann die 100-Meter-Rücken gegen schärfste Konkurrenz in der hervorragenden Zeit von 1:08,2 Minuten. Dann aber war es vor allen Dingen Helene Mayer, die das Florettfechten gewann und damit einen großen Erfolg erzielte. Noch in aller Erinnerung sind die großen Kämpfe des Jahres 1932, wo sich in Los Angeles die Besten der Welt gegenüberstanden. Die Tradition der jüdischen Siege wurde auch hier weitergeführt. Die Amerikanerin C o p e 1 a n d gewann das Diskuswerfen für Frauen und im Säbelfechten belegten in Pi 11 er und Koboss zwei jüdische Fechter den ersten und dritten Platz und führten die ungarische Säbelmannschaft zum Siege. Das Florettfechten für Frauen gewann Ellen Preis (Oesterreich), während Hefene Mayer bekanntlich nur den 5. Platz belegen konnte. Groß war die Zahl der silbernen und bronzenen Medaillen, die jüdische Sportler hier erringen konnten. Winter (Frankreich) im Diskuswerfen, Kurland (Dänemark) im griechisch-römischen Ringkampf der Leichtgewichte und H i r s c h e 1 (Oesterreich) im Ringen der Schwergewichte, sowohl griechisch-römisch wie auch Freistil belegten gute Plätze und holten sich die verdienten Medaillen. Besonders erwähnenswert ist auch der zweite Platz, den der amerikanische Fechter Lewis, der die größten italienischen Florettfechter, wie Marzi und Gaudini, zu Gegnern hatte, erringen konnte. Einer der berühmtesten jüdischen Schwerathleten ist der jetzt 53 Jahre alte Weltmeister und Weltrekordstemmer Berthold Tandler, dessen Weltrekord 172J4 kg dreimaliges „Drücken",, bis heute noch nicht erreicht wurde! Der vor drei Jahren verstorbene Jude Bela Komjaty war der Begründer der ungarischen WasserballweUtmacht. MiaCalESBfti.JifiWttir!

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