Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 29 (10.7.1936)
- Date
- 1936-07-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 29 — 10. Juli 1936 Seite 7 GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE g XVIII., WÄHRIHGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen ausgestellt sind; c) auf Gruad der Staaisgesetze erworbene Rechte (Elieiecht — Recthsrähigkeit verheirateter Frauen); d) Ehetrennung; e) das Recht, als Kläger oder Beklagter vor den Gerichten zu erscheinen. Der Oberkommissar empfahl der Konferenz, die auf Grund mehrjähriger Erfahrung zustandegekommene Flüchtlingskon ve n tion von 1933 mit gewissen Aenderungen anzunehmen. Schließlich wies der Oberkommissar noch auf einen dritten Punkt der Tagesordnung hin, nämlich auf die Frage der Erleichterung der Ausgabe von Identitätspapieren. Reisedokumenten usw. durch das Geburtsland. Aui Wunsch des Vertreters Belgiens stellte der Vorsitzende Guani fest, daß die Konferenz ihre Beratungen a.u f die Ausgewanderten aus Deutschland einschränken solle. Dagegen verlas der Vertreter Norwegens im Namen seiner Regierung eine Erklärung, in der die Konferenz aufgefordert wird, die Angelegenheit womöglich unter dem Gesichtspunkt des Gesamtproblems der Flüchtlinge zu behandeln. Die Konferenz beschloß, nur einzelne Sitzungen öffentlich abzuhalten; doch sollen Vertreter der Privatorganisationen im Hinblick auf ihr Interesse an der Lösung der Frage eingeladen werden, den Beratungen beizuwohnen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurden die von dem Oberkommissar erstatteten Vorschläge für eine provisorische Regelung des Rechtsstatus der Deutschland- Flüchtlinge von der Konferenz zur Grundlage der Diskussion genommen. Dann begann die allgemeine Aussprache, in der es zu starken Meinungsverschiedenheiten kam. Die Konferenz einigte sich schließlich aui folgenden Wortlaut: „Die Signatarstaaten werden den aus. Deutschland Geflüchteten, die ermächtigt sind, aui ihrem Gebiet zu wohnen, ein Identiiätszeugnis oder ein anderes Dokument, das den gleichen Zweck erfüllt, abstellen.'- Die Konferenz nahm die provisorischen Regelungen an. Die Vertreter von 15 Staaten arbeiteten die Richtigen für die Ausgabe und Erneuerung der Identitätsausweise aus. Weiters wurde festgelegt, daß das Personaisiatut der Flüchtlinge, die ihre ursprüngliche Zuständigkeit beibehalten haben, nach den Vorschriften festgesetzt werden wird, die sich in jedem Lande auf die Ausländer beziehen, die ihre ursprüngliche Staatszugehörigkeit beibehalten haben. Den Flüchtlingen werden die Vorteile zuerkannt werden, die aus der Rechtshilfe sich ergeben. Das Abkommen würde bedeuten, daß die Flüchtlinge Interimspässe bekämen, die sie nicht nur zur Ausreise, sondern auch zur Wiedereinreise in jene Länder berechtigen würden, die das Abkommen ratifizieren. Außerdem werden die ausgebürgerten Personen gewisse Vorteile in der Bewilligung von Arbeitserlaubnissen haben, die sie bisher mit der Begründung nicht hatten, daß ihre Ursprungsländer sie nicht als eigene Staatsbürger anerkennen. Die Vertreter der jüdischen Organisationen aui der Konferenz. Aui der Konferenz waren der Council for German Jewry durch Prot. Norman B e n t w i c h, das American Joint Distribution Committee durch Dr. Bernhard Kahn, die Jewish Agency for Palesline durch Dr. Nahum Gold mann, die deutschen Flüchtlinge in Frankreich durch Prof. Georg Bernhard, die deutschen Emigration der Tschechoslowakei durch Kurt Großmann vertreten. Billigste, angenehmste Erholung 9111 PlättenSee für Erwacnsene, besonders für ^■■■■■■■■b Kinder. Eisen orthod. "ftTD Pension. Aussicht aut den See. Erstkl. ung. und Wiener Küche Pensionspreis von S 5.—,bei giöDerer Fa-nilie noch billiger. Eisen Pension Bristol, Balaton Szarszo Die Beschlüsse des IL Welt» kongresses jüdischer Frontkämpfer. Der II. Weltkongreß jüdischer Frontkämpfer hat seine Arbeiten beendet. In einer Vollversammlung der Delegierten unter dem Vorsitz des Kongreßpräsidenten Bundesführer Hauptmann a. D. Edler von Friedmann legten die fünf Kommissionen das Ergebnis ihrer Beratungen vor, das einhellige Zustimmung fand. Folgende Resolutionen wurden beschlossen: Der von den Delegierten der einzelnen Länder gegebene Situationsbericht bringt die Erkenntnis, daß ein Teil der Judenheit in seinen Heimatländern volle Gleichberechtigung entweder gar nicht oder nur nominell genießt. Nur jene Nationen, die in der Behandlung der Juden den herrschenden Grundgesetzen der Ethik folgen, können als kulturell hochstehend bezeichnet werden. Die heutige Lage der Juden der ganzen Welt erfordert nach Ansicht des Weltkongresses die Bildung einer Einheitsfront. Der II. Weltkongreß betont die Notwendigkeit des Einflusses der Landesorganisationen auf die Erziehung der jüdischen Jugend im Frontkämpfergeist auf unpolitischer Grundlage, damit diese Jugend geistig und körperlich den Kampf für Vaterland und Judentum gegen den Antisemitismus führen kann. Um der jüdischen Jugend die Möglichkeit zu geben, die Lage der Juden in den anderen Ländern kennenzulernen, beschließt der Kongreß, »ür einen kontinuierlichen Austausch der Jugend Sorge zu tragen. Der Kongreß beschloß die Schaffung eines „Comite du Congres Mondial des Anciens Combattants Juifs" mit dem Sitz in Wien, das die Aufgabe hat, sich mit allen Fragen der jüdischen Frontsoldaten zu befassen und sich besonders die Durchführung der Beschlüsse des II. Weltkongresses angelegen sein zu lassen. In dieses Komitee wurden gewählt: Zum Präsidenten Bundesführer Hauptmann a. D. Edler v. Friedmann, zu Vizepräsidenten K r a d i t o r (Vereinigte Staaten von Nordamerika), Sarna (England), Vanikoff (Frankreich), zum Generalsekretär Oberlt. Ernst Stiaßny. Außerdem besteht das Komitee aus je einem Vertreter der am Weltkongreß beteiligten Länderorganisationen. Das Komitee wird in einer Monatsschrift in Form eines Bulletins über bedeutungsvolle Aktionen und Ereignisse berichten. Den Länderorganisationen wird die Errichtung von Heldendenkmälern für jüdische Gefallene» vorgeschlagen. Auf Vorschlag der amerikanischen Delegation beschloß der Kongreß einstimmig zur Erinnerung an die unter den Fahnen ihrer Nationen gefallenen jüdischen Frontkämpfer aller Länder die Errichtung eines Memorial Conservatory of Music (Erinnerungskonservatorium für Musik) in Palästina, welche Stiftung für die jüdischen Heldentaten, Vaterlandsliebe und Pflichterfüllung der Juden Zeugnis ablegen soll. Den Organisationen der einzelnen Staaten ist zu empfehlen, mit gleichartigen nichtjüdischen Organisationen Verbindung zu halten und zu pflegen und in diesen Reihen aufklärend im Sinne der Bestrebungen jüdischer Frontsoldaten zu wirken. Der II. Weltkongreß jüdischer Frontkämpfer, die Repräsentanz von 400.000 Frontsoldaten der meisten am Kriege beteiligten Staaten, empfindet es schmerzlich, daß die Ideale der Gleichheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit, für welche sie gekämpft und für die viele ihrer Brüder in Verteidigung der Grenze und Unabhängigkeit ihrer Länder fielen, trotz der von ihnen gebrachten großen Blutopfer nicht verwirklicht, sondern in vielen Fällen ins Gegenteil verkehrt wurden, so daß diese Ideale jetzt gegenüber dem Judentum, welches Beim Bethausverein „Ohe! Abraham" gelangt die Stelle emes KANTORS zur Besetzung. Bewerber, die einen streng religiösen Lebenswandel führen, sämtliche kantorale Funktionen zu versehen in der Lage, und überdies gute BaA-Koire sind^ wollen ihre Offerte bis 1. August a. c. an den Obmann des Vereines, Herrn S. Kotin, Wien, L. Werdertorgasse 14, schriftlich einsenden. Unbedingte Voraussetzung ist ein Alter unter 40 Jahren und österreichische Bundesbürgerschaft. Schmuchung von Grauen and Gräbern LeopoldDeutscbJieRXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentraliriedhot I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedlioi IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen dem Vaterland Gut und Blut zum Opfer gebracht hat, nicht gelten. Die schwere wirtschaftliche Krise der ganzen Menschheit ist nicht mir eine Folge der Wirtschaftsnot. sondern vor allem das Ergebnis eines rücksichtslosen Religions- und Rassenkampfes, der vom Nationalsozialismus mit den verwertlichsten Mitteln, bewußten Lügen, offiziellen Fälschungen der tatsächlichen Begebenheiten geführt wird. Dieser spezifische Antisemitimus dient zur Maskierung der wahren Ziele des Nationalsozialismus, die im Buche „Mein Kampf festgelegt sind und die nur den einen Zweck haben, den Weltfrieden, die Freiheit aller Völker, die Unabhängigkeit aller Staaten und die Grundlagen der Zivilisation zu vernichten. Der Weltkongreß fordert aus diesen Gründen: 1. Im wohlverstandenen Interesse eines jeden Staates das gesetzliche Verbot der Rasseniietze und antisemitischen Propaganda in Wort und Schrift und die Erklärung der antisemitischen Bewegung als staatsfeindlich, wie dies bereits in der Schweiz, den Niederlanden, Norwegen, den Vereinigten Staaten von Nordamerika, Kanada, Südafrika und Brasilien geschah. 2. Die Auflösung der antisemitischen Organisationen, die die wirtschaftliche Vernichtung der Juden bezwecken, damit zur Lockerung des Gemeinschaftslebens beitragen, was zur Umwälzung im Staate führen kann. Solche Aktionen sollen als Verbrechen unter Strafe gestellt werden. _ 3. Der Weltkongreß fordert in diesem Kampfe gegen den Antisemitismus die Judenheit aller Länder aui, eine surke einheitliche Front zu schaffen, die durch entsprechende Gegenpropaganda Broschüren, Lehrbücher, Zeitungen, Propagandafilme, Radio usw. einen erfolgreichen Abwehrkampf zu üihren befähigt ist. Die jüdischen Frontkämpier fühlen sich beruien, die Initiative hierzu in den einzelnen Ländern zu ergreifen. 4. Die jüdischen Frontkämpier honen, daß in diesem Kampie um Menschheitsrechte alle kulturellen Organisationen und Institutionen und alle rechtlich denkenden Menschen sich ihnen anschließen werden. Sie sind überzeugt, daß alie nichtjüdischen Frontkämpfer sie in diesem Kampfe unterstützen werden. 5. Pflicht der jüdischen Frontkämpfer ist es, ihre Brüder gegen antisemitische Angriiie zu verteidigen. 6. Zwecks Abwehr gegen Antisemitismus haben alle jüdischen Frontkämpfer innerhalb ihrer Länder dahin zu wirken, daß alle Juden, soweit sie nicht Abnehmer heimischer Produkte sein können, die Erzeugnisse jener Länder bevorzugen, in denen die volle politische und wirtschaftliche Gleichberechtigung der Juden gewährleistet und durchgeführt erscheint. Insbesondere wird allen zur Pflicht gemacht, konsequent den restlosen Abwehrboykott deutscher Waren und Leistungen aus dem nationalsozialistischen Deutschen Reich weiter durchzuführen, die demnächst stattfindenden Olympischen Spiele nicht zu besuchen und nicht an ihnen teilzunehmen. Der Weltkongreß bittet die britische Regierung, den Juden das Recht und die Möglichkeit zu geben, an der Verteidigung des jüdischen Aufbauwerkes in Palastina teil zu haben. Die wehrfähigen jüdischen Männer dürfen nicht bei Seite stehen, wenn der englische Soldat dort kämpft Die militärische Erziehung der Juden in Palästina ist ein unabweisliches Gebot zur Sicherung des Landes. Die jüdischen Frontkämpier sind beruien, an dieser militärischen Ausbildung mitzuwirken, sie werden ein Element der Disziplin, Besonnenheit und militärischen Erfahrung bilden, deshalb sollen Möglichkeiten für die Einwanderung und Ansiedlung ehemaliger jüdischer Frontkämpfer geschaffen werden. Zu diesem Zwecke sollen dio jüdischen Frontkämpferorganisationen auch eine entsprechende Vertretung in der Jewish Agency erlangen. Der Kongreß hält die Ansiedlung von Juden auch in außerpalästinensischen Ländern für unabweislich notwendig. Zur bleibenden Erinnerung und zum ehrenden Andenken an die im Weltkrieg für Deutschland gefallenen 12.000 Juden, deren Andenken von dem derzeitigen