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Die Wahrheit · 1936-07-10 · Heft 29 (10.7.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 29 (10.7.1936)
Date
1936-07-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 29 — 10. Juli 1936 Seite 5 S E E F E L D» 1200 m Streng orthodox ^gvj Abteilung im Hotel Hochalm, Geschw. Scheer Sehr mäßige Preise, beste Verpflegung und Unterkunft edle Persönlichkeit des Verstorbenen würdigte. Sein Name werde in der Reihe der Großen der Wiener Kultusgemeinde stets würdig bestehen bleiben. Dann nahm der Präsident Dr. Friedmann Abschied von Dr. Feuchtwang. Hierauf überbrachte der Nikolsburger Oberrabbiner Dr. W i 11 m a n n die innigen Abschiedsgrüße seiner Geburtsgemeinde, die ihn zu ihrem Ehrenbürger ernannt habe. Es sprach ferner für die B. B.-Verbände Kommerzialrat Dr. G1 a 11 a u e r und schließlich am offenen Grab der Schwiegersohn des Verstorbenen, der Rotterdamer Oberrabbiner David, der in längerer gediegener Rede das Wirken Dr. Feuchtwangs als Rabbiner, Mensch und Familienvater würdigte. Jttdisches Kinder-Ferienheim JITIR'* Spital a Semmering (320 m) fjHlflV für 6—16jährige (Pädagogischä Leitung A. Tagliduj. modernst erstrangig. Ständige ärztliche Aufsioht Sport, Schwimmen, vorzügliche rituelle Verpflegung. Mast- und Diätkur. Fremdsprachige Konversation. Sekretariat: IX., Sd»waiz»panieistiaBe 12/3 Tel. A 36-3-73 Auf zahlreiche Anfragen sei festgestellt, daß anläßlich des Ablebens des Herrn Oberrabbiners Dr. David Feuchtwang, die Amtsdirektion der Kultusgemeinde weder der „Union österreichischer Juden" noch den ehemaligen unionistischen Kuliusvorstehern — mit Ausnahme des Herrn Dr. Jakob Ornstein, der als Präsident der Allianz geladen wurde — Eintrittskarten für die Trauerandacht im Seitenstettentempel und zum Begräbnis auf dem Zentralfriedhof zukommen ließ. Auch „Die Wahrheit" wurde zu diesen Trauerfeiern nicht eingeladen. Dennoch haben — aus Pietät für den auch in den Kreisen der „Union" hochverehrten Toten — prominente Mitglieder derselben an den Trauerfeierlichkeiten teilgenommen. Pension und Restaurant TAUBER, Abbazia Erstklassige orth. koschere Küche. Zimmer mit jedem Komfort, volle Pension von 25 Lire auiw. Die Situation in Palästina. Die Bandentätigkeit der arabischen Aufrührer hat sich nach einigen Ruhetagen wiederum verschärft. Am Sonntag, den 5. Juli, kam es zu einer Reihe arabischer Ueberfälle auf britische Militärpatrouillen, sowie zu Bombenwürfen und Brandstiftungen. Im Zentrum der Stadt Jerusalem verübte eine Terrorgruppe einen Feuerüberfall auf eine Gruppe Juden, von denen zwei schwer und eine Reihe anderer leichter verletzt wurden. Drei bei der Jerusalemer Wasserleitung beschäftigte jüdische Arbeiter wurden auf dem Wege zur Arbeit in der Nähe des Viertels Mea Schearim durch den Bombenwurf eines Arabers verletzt Es sind dies der 2ljährige David Schmidt aus Kaminicz in Polen und die 24jährigen Zwillingsbrüder Jakob und Elijahu Kupperman, ebenfalls aus Polen stammend. Die Verletzungen des einen der Brüder. Kupperman sind sehr schwerer Natur. 4000 Soldaten riegelten das Gebiet zwischen der Bahnlinie Jerusalem—Jaffa und Lydda—Pulka ab und drangen systematisch gegen das Innere des Gebietes vor. Bei Einbruch des Abends war der Ring bereits sehr klein. Zahlreiche arabische Trupps wurden bewaffnet angetroffen. Sie ließen sich widerstandslos entwaffnen. Vereiteltes Attentat auf den High Commissioner? „News C h r o n i c l e", London, berichtet aus Jerusalem, daß High Commissioner Sir Arthur Wauchope vor einigen Tagen wie durch ein Wunder einem auf ihn geplanten Anschlag entgangen ist. Zwei Araber hätten ihm an der nach Jaffa führenden Straße an der Peripherie der Stadt aufgelauert. Die Araber lagen noch wenige Minuten, bevor das Auto des High, Commissioner, der das Konzentrationslager in Sarafend besucht hatte, | Alle Preise | ■ tief reduziert ■ TUCntlAllS TAD AK, i., saizignes Nr. 5 Original englische und französische Damen- und Herrenstofie Der am 29. Juni bei der Verteidigung der Kolonie Sichron Jaakob verwundete jüdische Wächter Schalom Smulewicz ist am Samstag im Hadassa-Krankenhaus zu Haifa seinen Verletzungen erlegen. Smulewicz ist das 40. jüdische Todesopfer seit Beginn der Unruhen. Am Mittwoch, den l. Juli, wurde die jüdische Kolonie C h e d e r a von Arabern angegriffen. Bei der Verteidigung der Kolonie wurde der jüdische Chauffeur Jizchak Gläser von einer Kugel tödlich getroffen. Zum ersten Mal seit Beginn der Unruhen ist in der Nacht zum Sonntag ein Angriff gegen die durch ihre heldenmütige Verteidigung im Jahre 1929 bekannte Kolonie Hulda gerichtet worden. Der Angriff, der von II Uhr abends bis 4 Uhr morgens dauerte, wurde von den Kolonisten und jüdischer Hilfspolizei mit Unterstützung einer später eingetroffenen englischen Maschinengewehrabteilung abgeschlagen. Von den arabischen Angreifern wurden mehrere verwundet. Arabische Terroristen versuchten auch, jüdische Orangenpflanzungen bei Rechowot zu vernichten. Es entwickelte sich ein Feuergefecht, das anderthalb Stunden dauerte. Der Angriff wurde durch jüdische Hilfspolizei abgewehrt. Die Siedlung RamatRachel war fünf Tage lang ohne Wasser, weil die Röhren durch Terroristen beschädigt' wurden. Der Kolonienrat von Rischon le Zion hat in den arabischen Dörfern der Umgebung Flugblätter in arabischer Sprache verteilen lassen, in denen die Mukhtars unter Berufung auf die fünfzig Jahre friedlichen Zusammenlebens zwischen den Kolonisten und ihren arabischen Nachbarn aufgefordert werden, auf die Einstellung des von den arabischen Jugendlichen geübten Terrors hinzuwirken. Am Montag, den 6. Juli, ist eine militärische Aktion in Angriff genommen worden, die die un> iassendste seit Beginn der Unruhen ist. Mehr als vorbeikam, mit in Anschlag gebrachtem Gewehr im Hinterhalt. Sie wurden durch das Fernglas von zwei Soldaten entdeckt, die die Gegend von einem Wachtturm auf einem Waisenhaus bei Jerusalem beobachteten. Als die Patrouille herbeieilte, verschwanden die Araber. Sämtliche arabischen Tageszeitungen in Palästina verboten. Das Organ der Mufti-Partei „El Liwaa", der „Feiestin", das Blatt Ragheb Bey Nashashibis, und das Organ der Istiklal-Partei „Difaa" sind für eine Woche verboten worden. Es erscheinen somit in Palästina zurzeit keine arabischen Tageszeitungen. 400 Personen in Jerusalem an Fischvergiftung erkrankt. Eine aus Bagdad mit primitiven Transportmitteln durch die heiße syrische Wüste beförderte und unterwegs verdorbene Fischsendung, welche ausschließlich an die arme Jerusalemer Bevölkerung verkauft wurde, hat eine Mas>senvergiftung verursacht. Es werden bisher rund 400 Erkrankungen und ein Todesfall gemeldet. Acht Jahre Zuchthaus für einen Brandstifter. Richter Copeland hat einen Araber wegen Brandstiftung zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Bei der Urteilsverkündung erklärte er, es habe ein strenges Urteil gefällt werden müssen, damit dasVerbrechenderBrandstiftung nicht Nachahmung findet. Einer von den beiden Funkern der englischen Luftstreitkräfte, die angeklagt waren, den jüdischen Wächter MoscheMisrachi in einer Plantage zwischen Tel Aviv und Lydda g etötet zu haben, ist zu zwei Jahren Gefängnis in Aegypten verurteilt worden. Der zweite Angeklagte wurde freigesprochen. Arabische Streikmüdigkeit. Zahlreiche arabische Kaufleute in Jaffa haben die früher in Jaffa ansässigen Juden aufgefordert, in die Stadt zurückzukehren. Die Araber erklären sich bereit, ihnen Wohnungen und Läden zu vermieten, sie zu bewachen und im Notfall zu verteidigen. Gleichzeitig haben sich bedeutende arabische Kaufleute an jüdische Firmen in Tel Aviv um Darlehen und Kredite gegen Hypotheken auf ihre Häuser und Pflanzungen gewandt. Allgemein wird dies dahin gedeutet, daß die arabische Kaufmannschaft des Streiks müde und entschlossen ist, sich von den politischen Extremisten loszusagen. Die antisemitischen Unruhen in Algerien. In verschiedenen Orten Algeriens, so u. a. in Oran, Bu Saada und in Constantine — die letztere Stadt war bekanntlich vor zwei Jahren Schauplatz eines blutigen Judenpogroms, bei dem mehrere Juden den Tod fanden — kam es in den letzten Tagen zu antijüdischen Unruhen, indem von Agitatoren aufgehetzte Teile der arabischen Bevölkerung Juden überfielen und mißhandelten. Der schwerste Zusammenstoß ereignete sich in B u S a a d a, wo ein Jude namens Felix Attia von Arabern gelyncht wurde. Der Jude, ein Gutsinspektor, hatte in einem der Zusammenstöße, die sich zwischen Arabern und Juden ereigneten, einen Araber niedergeschlagen und schwer verletzt. Er wurde verhaftet und von einigen Polizeibeamten zum Lokalaugenschein geführt. Ein Haufen Araber überfiel die Gruppe, entwaffnete die Polizeibeamten und schnitt dem Juden die Kehle durch. Es wurden Polizeiverstärkungen herangeholt, die die Arabermenge zersprengten und mehrere Verhaftungen vornahmen. In Oran wurde nach mehrfachen Ueberfällen der Araber auf jüdische Einwohner das jüdische Stadtviertel unter militärischen Schutz gestellt. Bei der Abwehr dieser Ueberfälle kam es zu einem Feuergefecht zwischen Arabern und Polizei, bei dem ein Araber getötet, zwei französische Polizisten und viele Araber verletzt wurden. Auch Juden wurden durch fehlgegangene Schüsse verletzt. In Constantine kam es zu heftigen antisemitischen Ausschreitungen, die ihren Ausgangspunkt in einer Protestdemonstration jüdischer Einwohner gegen den Geschichtsprofessor am Gymnasium hatten, der ein führendes Mitglied der Croix de Feu ist und sich an der antijüdischen Hetze beteiligte. Die tiefere Ursache dieser Unruhen, die in Algerien selbst inzwischen etwas nachgelassen haben, in Tunis aber ihre blutige Fortsetzung fanden, liegt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Bevölkerung und in der Unzufriedenheit über die Arbeitsverhältnisse. Eine gewisse Rückwirkung haben auch die palästinensischen Araberunruhen. Nach dem Beispiel der palästinensischen Araber wollen die algerischen Araber offenbar durch Inszenierung antijüdischer Exzesse einen Druck auf die Regierung ausüben, damit diese die gewünschten wirtschaftlichen Maßnahmen treffe. Die französische Presse fordert denn auch von der Regierung, daß sie sich nicht mit der Unterdrückung der Unruhen begnüge, sondern durch wirtschaftliche Maßnahmen der Unzufriedenheit unter der arabischen Bevölkerung den Boden entziehe. Vier Todesopfer des Nationalsozialismus. Der 52jährige aus Deutschland emigrierte Jüdische Großkaufmann Dr. Karl Bacharach-Simon, seine 45 Jahre alte Frau Franziska Bacha-' räch und die beiden Kinder des Ehepaares, der I3jährige Wolf und die 10jährige Stefanie, wurden in ihrer Wohnung in Valencia, durch Leuchtgasvergiftet, totaufgefunden. Die Familie wohnte früher in M ü n c h e n, wo sich Dr. Bacharach, Abkömmling einer alt angesehenen jüdischen Familie, als Großkaufmann betätigte. Nach dem Machtantritt Hitlers wurde er sehr verfolgt. Nach Erlaß der Nürnberger Gesetze verließ die Familie Deutschland. Aber auch über die Grenze hinaus wurde sie durch die Gestapo verfolgt. Das brachte ihr viel Entbehrung und Sorgen, so daß sie den Freitod wählte.

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