Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 29 (10.7.1936)
- Date
- 1936-07-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 29 — 10. Juli 1936 Seite 3 Zosanuncnbradi der Besdiimpinngen. Die jüdischnationalen Zeitungen „Die Stimme" und „Die neue Welt" sind sich wiederum in Beschimpfungen wider uns als ihre politischen Gegner ergangen. Das Besondere Stadtamt des Wiener Magistrates hat als erste Instanz die Eingaben, welche die „Union österreichischer Juden" wegen der Protektions- und Korruptionswirtschaft des derzeitigen jüdischnationalen Rumpfvorstandes an den Magistrat gerichtet hat, dahin beantwortet, daß es keinen Anlaß sieht, „eine Behebung von Beschlüssen des Kultusvorstandes zu verfügen oder sonstige Vorkehrungen zu treffen". Es liegt also eine formal-juristische Entscheidung der ersten Instanz vor, welche von den genannten Blättern sofort dazu benützt wird, um uns zu verleumden und zu beschimpfen. „Die Stimme" und „Die neue Welt" haben diese Entscheidung nicht etwa zum Anlasse genommen, ihr Gewissen zu prüfen und sich zu fragen, wie es zu diesen Eingaben an den Magistrat gekommen ist, was denselben vorausgegangen ist usw. Auf die einzelnen Anwürfe in diesen Artikeln werden wir derzeit nicht eingehen, weil uns dies verfrüht erscheint. Hiezu wird der geeignete Zeitpunkt kommen. Das, was die jüdischnationalen Zeitungen den Gründen des Magistrats hinzufügen, ist ganz und gar unrichtig; es wird noch Gelegenheit gegeben sein, die in diesen Artikeln gelegene Demagogie entsprechend anzuprangern. Aber das muß schon heute gesagt werden, daß es den Jüdischnationalen nicht gelingen wird, ihre Absicht zu verwirklichen, nämlich durch unwahre Behauptungen vergessen zu machen, daß sie aus Gemeindemitteln, aus öffentlichen Steuergeldern Shre Parteifreunde — und sogar ohne Rücksicht auf ihre Qualifikation — versorgt haben. Es wird ihnen nicht gelingen, vergessen zu machen, daß sie einerseits immer wieder die Steuerschraube anziehen, andrerseits aber die erhobenen Steuergelder zum Teile für Vereine verwenden, welche ihren politischen Parteizwecken dienen. Sie werden nicht vergessen machen, daß nicht wir es waren, welche die Eingaben irgendwie leichtfertig erstattet hätten, sondern daß s i e es waren, welche durch ihre Verwaltung die Autonomie der Kultusgemeinde in die allerschwerste Gefahr gebracht haben und bringen. Niemals ist durch den Schritt der „Union" die Autonomie der Kultusgemeinde gefährdet worden. Was hierüber in den jüdischnationalen Blättern gesagt wird, ist alles Geschwätz. Die Jüdischnationalen allein sind schuld daran, daß der Kultusvopstand nicht aktionsfähig ist und daß der überwiegende Teil der Wiener jüdischen Bevölkerung kein Vertrauen zu dieser Verwaltung besitzt. Trotz der immer wieder von uns vorgebrachten Verwarnungen, trotzdem wir sogar zu weitgehenden Opfern für ihren Parteifreund Dr. L öw e n h e r z, den die Mehrheit versorgen wollte, uns bereit erklärt hatten, blieb die Majorität standhaft dabei, daß um dieses einen Mannes willen die tiefe Spaltung in die Wiener Judenschaft gebracht, daß in der heutigen Zeit dieser Kampf innerhalb der Wiener Judepschaft zu solcher Vehemenz entfacht werde. Wir wollen den Herrn Präsidenten der Kultusgemeinde hier daran erinnern, daß er selbst wiederholt Personen gegenüber, die mit ihm wegen des Falles Löwenherz sprachen, sich dahin äußerte, daß er ein Gefangener des Dr. Löwenherz sei. Blieb da der Minorität, deren Versuche, diesen Anschlag abzuwehren, immer wieder scheiterten, etwas anderes übrig, als den Weg zu gehen, den jeder aufrechte Mensch geht und zu gehen berechtigt ist, wenn er das Recht und die Moral verletzt sieht? Es blieb ihr nur der gesetzliche Weg zur zuständigen Behörde. Hier wurden nicht nur die Rechte der Minorität verletzt, indem man über sie zur Tagesordnung ging, sondern die Verwaltung der Kultusgemeinde. welche bisher rein und fleckenlos geblieben, mußte in ihrem Ansehen in der Oeffentlichkeit 'schweren Schaden leiden, wenn nicht in klarer Weise gegen Korruption Stellung genommen wurde. Besteht denn die Autonomie der Kultusgemeinde darin, daß eine Majorität machen kann, was sie will, und muß die Minorität alles über sich ergehen lassen und für richtig anerkennen, was die Majorität tun will, wenn es ihrem innersten Reinlichkeits- und Rechtlichkeitsgefühle widerspricht? Die beabsichtigte Besetzung der Stelle des Amtsdirektors mit Dr. Löwenherz hat in der jüdischen Oeffentlichkeit und nicht nur bei den Unionisten die schärfste Mißbilligung erfahren. Das Gerechtigkeitsgefühl der auf die bisherige Verwaltung mit Recht stolzen Juden bäumte sich dagegen auf, daß gegen den Willen der Minorität und trotz aller Versuche derselben, den Frieden aufrechtzuerhalten, der diktatorische Wille einer einzelnen Person gegen die gesamte jüdische Oeffentlichkeit entscheiden soll. Es darf die Autonomie der Gemeinde nicht dazu mißbraucht werden, Protektionswirtschaft zu betreiben. Wer mit dieser Wirtschaft nichts gemein haben will, muß berechtigt sein, die vom Gesetz hiezu eingesetzte zuständige Behörde anzurufen, und es ist eine Heuchelei, wenn diejenigen, gegen deren Wirtschaft die Anzeige erstattet wurde, von „Denunziation" reden wollen. Statt von ihrem Vorhaben Abstand zu nehmen, statt zu bekennen, paßt es ihnen natürlich besser, die anderen zu beschimpfen und Handlungen dadurch vor Anfechtung zu sichern, daß sie jeden, der diese Handhingen der zuständigen Behörde zur Anzeige bringt und deren Einschreiten begehrt, Denunzianten nennen! Gutgehendes Wöfeces SatHUUn-J(a(feehaus. nur gegen Kassa zu verkaufen. Unter „Gute Kapitalsanlage" an die Administration Restaurant Stefanie -.: 1ÜD II.. TaborslraB« 12 Hugo u.Julie Herlinger, geb. Zöllner Bekannt gute Küche, gepflegte Getränke, aufmerksamste Bedienung, zeitgemäße Preise, reichhaltige billige Menüs, sowie alle Spezialitäten, schöner schattiger Garten MfifsnJ n Der Wiener Magistrat hat in seiner Entscheidung erklärt, daß er keinen Anlaß habe, Beschlüsse des Kultusvorstandes aufzuheben. Mit der juristischen Seite der Frage wollen wir uns hier nicht befassen. Ueber die moralische Seite, nämlich über die Protektions- und Freunderlwirtschaft werden die jüdischen Wähler zu urteilen haben. „Die Stimme" hat es für richtig befunden, einzelne Personen der „Union" herauszugreifen und sie grundlos zu beschimpfen. Sie schreibt mit keinem Worte darüber, welche Bemühungen von der der „Union" angehörigen Minorität immer wieder aufgewendet wurden, um die Jüdischnationalen von der Handlung abzuhalten, welche in den Augen der gesamten Oeffentlichkeit das Ansehen der Gemeinde schädigt. „Die Stimme" schreibt kein Wort darüber, daß der Weg an den Magistrat erst dann beschritten wurde, als die Majorität trotz allen Einwänden, trotz allen Hinweisen auf die Felgen dieses Vorgeiiens über die Minorität hinwegging, als ob sie überhaupt nicht vorhanden wäre. Das Exekutiv-Komitee der „Union" hat einhellig zur Wahrung des Ansehens der Gemeinde, im Interesse der Reinheit und dei Sauberkeit der Verwaltung derselben die Eingaben an den Magistrat erstattet. Es ist wieder eine Heuchelei, wenn in der „Stimme" behauptet wird, daß immer der Grundsatz galt, alle Streitigkeiten im Innern der Gemeinde zu bereinigen. Hat es vielleicht die „Union" daran fehlen lassen, an der Bereinigung mitzuwirken, oder war es vielmehr die Majorität, welche alles abgelehnt hat, nur um ihren Amtsdirektor zu bestellen, ihren Willen der Minorität aufzuzwingen und sie unter ihr Joch zu beugen? Ist es jemals in der Geschichte der Wie-' ner Kultusgemeinde vorgekommen, daß ein Vizepräsident sein Amt niedergelegt hat, um als Amtsdirektor bestellt zu werden, ist es jemals vorgekommen, daß eine Bestellung des Amtsdirektors gegen den Willen einer erheblichen Minorität und trotz Kenntnis der Folgen durchgesetzt wurde? Das Exekutiv-Komitee, welches jedes Wort der Eingaben kannte, trägt die volle Verantwortung vor der jüdischen Oeffentlichkeit und vor dem eigenen Gewissen. Die Angriffe, welche „Die Stimme" und „Die neue Welt" in würdiger Uebereinstimmung gegen Herrn Dr. Josef Ticho erhoben, reichen an diesen Mann nicht heran. Sind die Schreiber der Artikel in der „Stimme" und der „Neuen Welt" wirklich der Meinung, daß es ihnen gelingen wird, die Achtung, die Verehrung und den Respekt, den wir alle für Dr. Josef Ticho haben, auch nur im leisesten zu erschüttern? Glauben die Jüdischnationalen wirklich, daß sie durch ihre demagogischen Hetzschriften die unauslöschlichen Verdienste Doktor Josei Ticho"s für das Wiener Judentum schmälern werden? Glauben die Jüdischnationalen wirklich, daß sich Dr. Josef Ticho und mit ihm alle anderen Mitglieder des Exekutiv-Komitees in irgendeiner Weise werden einschüchtern lassen? Dr. Josef Ticho war und bleibt das Vorbild eines jüdischen Kämpfers, der seit Jahrzehnten seine Krau, sich selbst immer wieder aufopfernd, restlos der Wiener Judenschaft zur Verfügung gestellt hat. Die Tatsache, daß Dr. Josef Ticho und mit ihm die übrigen ehemaligen unionistischen Mitglieder des Kultusvorstandes es mit ihrer Ehre unvereinbar hielten, an der korrupten Versorgung von jüdischnationalen Parteimitgliedern auch nur durch ihre Anwesenheit mitzuwirken, wird von allen nicht durch jüdischnationale Parteipolitik vom richtigen Denken abgeirrten Wiener Juden voll und ganz verstanden werden. Die Wiener Juden haben sehr gut begriffen, warum die unionistischen Kultusvorsteher ihre .Mandate im Kultusvorstande niedergelegt haben. Sie rechnen es ihnen zur Ehre an, daß sie lieber die Mandate niederlegten, bevor sie sich an dieser Protektionswirtschaft mitverantwortlich machten. Es gehörte mehr Mut dazu, aus dem Kultusvorstand auszutreten und für die Wiener Judenschaft mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln den Kampf für die Reinheit und die Sauberkeit der Gemeinde aufzunehmen, als aus Steuergeldern einen provisorischen Amtsdirektor bestellen zu lassen. Wenn in der „Neuen Welt" behauptet wird, daß darüber zu entscheiden sein wird, ob Dr. .lese: Ticho im öffentlichen jüdischen Leben noch etwas zu suchen habe, so kennt man diese Methoden der Diskriminierung von anders her. Es gibt auf diese frivole Behauptung nur eine Antwort: In einem jüdisch-öffentlichen Leben, in dem Ing. Robert Stricker als Vizepräsident einer religiösen Gemeinde ein wichtiges Wort zu sprechen hat. in emern solchen öffentlichen Leben hat Dr. Josef Ticho wirklich nichts zu suchen. Wir werden unentwegt den Kampf gegen die jüdischnationale Verwaltung des Kultusvorstandes weiterführen, wir schrecken davor nicht zurück, von den Jüdischnationalen deshalb als Denunzianten bezeichnet zu werden, weil wir uns an die vorgesetzte österreichische Behörde gewendet haben. Das Gartenfest des „Union-Klubs", das am 24. v. M. im Zögernitz-Casino stattfand, nahm einen sehr stimmungsvollen Verlauf. Es war überaus gut besucht, ein Beweis dafür, daß der Beschluß der Klubleitung, einen Teil des Reingewinnes dem Knabenwaisenhaus, XIX., Probusgasse 2. zu widmen, großen Anklang in den Kreisen der Mitglieder und Freunde der „Union" gefunden . hatte. Das Publikum unterhielt sich vorzüglich bei der abwechslungsreichen Akademie, deren Programm von den Damen Dir. Goldschmidt und Dr. Langer in kunstverständiger Weise zusammengestellt worden war. Die Conference besorgte überaus launig Maria West. Besonderen Beifall errangen der lustige Otto W a 11 b u r g. der Radioliebling Viktor Fleming, die ausgezeichneten Opernsängerinnen Else C a r m i und Lucie G i r o n, sowie das gediegene Heitere Quartett dies Wiener Jüdischen Gesangvereines. Sehr gut gefielen auch die Chansoniere Monika M o n t i, die Tänzerin Marga Heinemann und der bravouröse Kartenkünstler Joe W iiiner. Nach der Akademie spielte die talentierte S u b a k- .1 a z z zum Tanze auf. Für Belustigungen aller Art war vorgesorgt, eine reichhaltige Tombola und das Blumenzelt fanden starken Zuspruch. Um das Gelingen der Veranstaltung halten sich die eifrig tätigen Damen des ..Union-Frauenkhibs". sowie mehrere Mitglieder der Leitung des ..Union- Klubs" sehr verdient gemacht.