Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 28 (3.7.1936)
- Date
- 1936-07-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite? Leben vernichtet, die wirtschaftliche Existenz der Juden untergräbt und dadurch den Einzelnen und die Gemeinschaft in einen Zustand der Verzweiflung treibt. Wir wollen und können nicht untätig zuschauen, wie sich ein Teil der Welt, durch Emissäre des Nationalsozialismus verhetzt, anschickt, Juden und Judentum anzugreifen. Beinahe 300.000 Juden sind im Weltkriege in den Reihen der kämpfenden Armeen der verschiedenen Fronten gefallen, unter ihnen die mehr als 12.000 jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres; sie fielen iür ihre Vaterländer, aber auch dafür, daß ihre Angehörigen und ihre Nachkommen als Vollmenschen und Vollbürger mit allen Pflichten und allen Rechten angesehen werden. Die Juden haben in allen Armeen gekämpft, es haben auch Juden auf Juden geschossen, und manches jüdische Leben wurde durch die Kugel eines anderen Juden ausgelöscht. Umso tragischer wirkt es, daß, in Auswirkung antisemitischer Verhetzung, jüdische Vaterlandstreue nicht voll gewertet wird. Unzählig sind die Episoden von gegenseitiger Hilfe an der Kampfiront zwischen Juden und Christen, unzählig die Beweise tiefer, gegenseitig geübter Kameradschaft. Heute aber werden wir in vielen Ländern entrechtet und diffamiert. In einem großen Lande werden die Namen gefallener Juden aus Heldendenkmäiern und Gedenktafeln herausgekratzt. Man schämt sich der gefallenen Juden, man will, daß die heranwachsende Jugend vergißt, daß Juden einst für ihr Vaterland starben. In der wirtschaftlichen Not, die dem Frieden folgte, suchte man den Juden zum Sündenbock zu stempeln, man machte ihn für den Ausbruch des Krieges, für den unvorteilhaften Frieden, die Arbeitslosigkeit usw. verantwortlich. Für viele ist der Judenhaß mehr ein Geschäft als der Ausfluß einer Ueberzeugung. Die Gleichberechtigung der Juden — von Deutschland nicht zu reden — ist vielfach ein Fetzen Papier ohne Kraft und Bedeutung. Präsident Hauptmann v. Friedmann schloß: „Der Kongreß vertritt eine halbe Million organisierter jüdischer Frontsoldaten. Mit allen anderen Millionen Frontkämpfern wollen wir gemeinsam für die Menschheitsideale eintreten, iür die Völkerversöhnung arbeiten, auf daß jenes Zeitalter zur Wirklichkeit werde, in welchem die Menschen zur Einsicht kommen, daß sie alle Kinder eines Vaters sind, und daß nur gegenseitige Hilfe, gegenseitige Unterstützung und gegenseitiges Verstehen das Wohl Aller begründen kann. Der Kongreß muß eine große Manifestation des festen Willens der jüdischen Frontsoldaten werden, wie ein Mann aufzustehen und mit allen Mitteln die Pest des Antisemitismus zu bekämpfen. Wir werden aber auch gegen jene Juden auftreten, die durch ihr Benehmen und durch ihre Handlungen Antisemitismus erzeugen. Mit diesem unserem Willen verbinden wir das Gelöbnis zu unserem Vaterland und unser Motto lautet: Treue zum Vaterland! Treue zum Judentum!" Die Rede des Präsidenten v. Friedmann wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Es folgten Begrüßungsansprachen der offiziell erschienenen Persönlichkeiten und der Führer der einzelnen Länderdelegationen. Feldmarschalleutnant Weiss v. Tihany hielt die folgende Ansprache: „Als der älteste der österreichischen Frontsoldaten bringe ich die Grüße unserer alten, braven, guten kaiserlichen und königlichen österreichisch-ungarischen Armee. Diese Armee hat keine Juden frage gekannt. Die alten österreichisch-ungarischen Soldaten haben nur brave Soldaten gekannt im D.enste und brave Kameraden im Frieden in und außer Dienst. Wir sind Kameraden, die gegenseitige Hochschätzung und Gleichheit der Ideale, Gleichheit des immer verläßlichen, immer bewährten und wahrhaft im Feuer gehärteten Soldatengeistes zusammengeschweißt und zusammengeschmiedet hat." Die gesamte Versammlung erhob sich von ihren Sitzen und brachte dem heldenmütigen greisen Heerführer brausende Ovationen dar. Mit dem Absingen der Hymne der jüdischen Frontsoldaten von Leo V a 1 b e r g und des Marschliedes des Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs fand die eindrucksvolle Eröffnungssitzung ihren Abschluß. Am Sonntag vormittag erfolgte in Gegenwart der ausländischen Delegierten eine Kranzniederlegung am Sarge des ermordeten Bundeskanzlers Dr. D o 11 f u ß durch eine Abordnung des Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs, worauf sich die Delegierten in die Ehrenhalle des österreichischen Heldendenkmals am äußeren Burgtor begaben, um auch dort einen Kranz niederzulegen. Um 10 Uhr vormittags fand auf der jüdischen Abteilung des Zentralfriedhofs eine Heldengedenkfeier statt. Am Montag begaben sich die Delegierten nach Baden, wo sie durch den Vizebürgermeister von Baden und Mitgliedern der Stadtvertretung empfangen wurden. Dienstag fanden Empiänge bei verschiedenen Gesandtschaften und beim Bürgermeister Schmitz statt. Mittwoch abends fand im Großen Musikvereinssaal ein Festkonzert statt, bei dem u. a. Jaromir Weinberger als Gastdirigent bei der Uraufführung seiner Kompositionen mitwirkte. Es ist allgemein übel vermerkt wurden, daß weder bei dem feierlichen Festgottesdienst im Großen Leopoldstädter Tempel, noch bei der Eröffnungssitzung im Musikvereinssaale ein Mitglied des derzeitigen Präsidiums der Wiener Isr. Kultusgemeinde anwesend war, daß vielmehr im Tempel, der doch der Gemeinde gehört, der gesamte jetzige jiidischnationale Kultusvorstand durch seine Abwesenheit glänzte und daß beim Eröffnungsabend, an dem so prominente inländische und ausländische offizielle Persönlichkeiten dem Kongreß ihre Reverenz erwiesen, das derzeitige Kultuspräsidium es für richtig fand, durch ein Mitglied seines Rumpfvorstandes eine „Botschaft" verlesen zu lassen, in der dieser Rumpfvorstand recht anmaßend als „Repräsentanz der gesamten Judenschatt Wiens" bezeichnet wird. Diese Absentierungspolitik angesichts eines Kongresses, zu dem so viele ausländische Glaubensgenossen erschienen sind, die auch vom Bürgermeister Schmitz begrüßt wurden, beweist so recht die Verstiegenheit des jüdischnationalea Parteiegoismr.s. Billigste, angenehmste Erholung Am nintiPfl^PP für Erwachsene, besonders für am yiuiwaistx, Kinder Eisen orthod nw3 Pension. Aussicht ant den See. Erstkl. ung. und Wiener Küche. Pensionspreis von S 5.—, bei größerer Familie noch billiger. Elsen Pension Bristol, Balaton Szarszo Dr. Herzield-Essen, vorläuiiger Vorsitzender des Centrai-Vereins. Nach einhelligem Beschluß der stellvertretenden Vorsitzenden des Central-Vereines übt Rechtsanwalt Dr. Herzfeld-Essen vorläufig das Amt des Vorsitzenden des Centrai-Vereins aus. Gastspiel Morris Schwartz. Das war auf einer Wiener Bühne noch nicht da, daß der Leiter eines ausgezeichneten Gastensembles am Schlüsse der mit großer Begeisterung aufgenommenen Aufführung eines überaus interessanten Stückes, umgeben von seinen prächtigen Mitwirkenden, vor die Rampe tritt und da>s Publikum in beweglichen Worten ersucht, für einen stärkeren Besuch der Aufführungen Propaganda zu machen. Also geschehen im Wiener B ü rgertheater am Dienstag abends am Schlüsse der gediegenen Vorstellung von ,,.I o s c h e Kalb", die der Referent mit Absicht an diesem Abend sich ansah. Die Premiere, das wußte ei, war sehr gut besucht, die Frage war nur, ob es auch die anderen Aufführungen sein würden. Denn der Kreis des Wiener Publikums, das dieses russische Jiddisch versteht, ist von vornherein nur ein kleiner und außerdem durch jahrelange Tradition an gewisse leichtere Kost gewöhnt. Aber in Wien, wo Gastspiele chinesischer und japanischer Schauspieler besucht und bejubelt werden, sollte man einem Morris Schwartz und seiner grandiosen Truppe nicht Reverenz erweisen?! Es wäre traurig, wenn.die begeisterten Kritiken der Wiener Tagespresse nicht im Publikum die Resonanz fänden, daß man diese herrliche Aufführung sich ansieht. Diesem wahren Panegyrikus im Wiener Blätterwald muß sich auch der Referent anschließen. Es ist erhabenste Kunst, die da geboten wird. Die Einzelleistungen (Jizchak Grudberg, Alex Stein, Esther Goldenberg, Eni Liton i.nd vor allem natürlich Morris Schwartz selbst) sind wunderbar, die Wirkung stellt sich aber vornehmlich durch die Gesamtleistung namentlich in den Massenszenen ein. Da erweist Morris Schwartz. der Regisseur, seine überragende Kunst. Er arbeitet mit Menschen, mit Licht, mit Musik, für die Leon K u t z i n verantwortlich ist. Es wäre schade, wenn Morris Schwartz, der vor Jahren hier solche Triumpie gefeiert und seit damals mit seinem New Yorker Ensemble überall Erfolge geerntet hat, die Kunststadt Wien enttäuscht von seinem jüdischen Publikum verlassen mußte. Pension Adria, Abbazia Kleine Familien-Pension mit flieSandem Kaltu. Warmwasser. Zentrale Lage, nächste Nähe von Kuroark und Bäder. Zimmer mit und ohne Verpflegung bei sargfäitigstsr 3edionung und billigsten Preisen. Schmuchung yoü Grotten und Gräbern LeopoldDeutsciiJienXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhoi IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen GemeindedhiTonik. König Georg im jüdischen Saloniki. König George Hvon Griechenland, der nach einer Reise durch Mazedonien in Saloniki eingetroiien ist, nahm am letzten Freitag an einem F e s t g o 11 e sdienst in der S a 1 o n i k i e r H a u p t s y n a g o g e B e t S c Ii a u 1 teil. Die jüdischen Geschälte hatten anläßlich des Synagogenbesuehs des Königs bereits um 5 Uhr nachmittags geschlossen. Bei der Synagoge hatte sich eine zehntausendköpfige jüdische Menge eingefunden, um dem König zu huldigen. Schüler aller jüdischen Schulen bildeten ein Ehrenspalier. In der festlich beleuchteten und mit Teppichen reich geschmückten Synagoge hielt Oberrabbiner Doktor K o r e t z im Rahmen des Gottesdienstes eine Ansprache, in der er der Loyalität der jüdischen Bevölkerung Ausdruck gab. Der König dankte bewegt für die Treuekundgebung der jüdischen Bevölkerung von Saloniki. Für die Neubesetzung der Lehrkanzel für Judais t i k an der Universität Saloniki, deren Inhaber, der Korfuaner Jude Proiessor Iazare Belleli, die Altersgrenze erreicht, wurde vom Universitätssenat Oberrabbiner Dr. Zwi K o r e t z an erster Stelle vorgeschlagen. Oberrabbiner Koretz wurde zu dieser Nominierung von Unterrichtsminister L o u v a r i s, der sich in Begleitung des Königs in Saloniki befindet, herzlich beglückwünscht. Ende einer einst großen jüdischen Gemeinde. Die bayerische Synagogengemein d e H a r b u r g, die früher zu den größten des Landes zählte, ist auf fünf Seelen zusammengeschrumpft und wurde nun a u fg e 1 ö s t. Vor kurzem fand in der Synagoge, die im Jahre 1754 errichtet wurde, eine A b s c h i e d sf e i e r statt, zu der sich viele ehemalige Mitglieder der Gemeinde eingefunden hatten. Generalversammlung der Pester israelitischen Kultusgemeinde. Die Pester Isr. Kultusgemeinde hielt im Festsaale ihrs Stammhauses unter dem Vorsitz des Gemeindepräsidenten Hofrates Samuel Stern eine Generalversammlung ab, deren erster Teil dem Andenken des einstigen Justizministers Wilhelm V a z s o n y i anläßlich der zehnten Jahrzeit seines Todes und Paul Sandors, des Alterspräsidenten des ungarischen Reichstages, der vor kurzem verstorben ist, geweiht war. Präsident Samuel Stern führte aus: Wilhelm Vazsonyi und Paul Sandor waren zwei große Persönlichkeiten des ungarischen Judentums. Sie sind auch nach ihrem Tode ragende Vorbilder dafür, wie man dem ungarischen Vaterlande opi er willig dienen und zugleich mit selbstbewußter Treue beim Glauben unserer Vorfahren ausharren soll. Vaterland und Glaube: zu einer unlösbaren Einheit waren sie in diesen Männern verschmolzen, deren Lebenswurzeln fest im Boden der ungarischen Verfassung gesenkt waren und die daher stets nur auf Grund ihres Ungartums für die Rechte ihrer Glaubensgemeinschaft eintraten. Den Lehren Vazsonyis nacheiiernd, klammern wir uns nur auf Grund des Rechtsgleichheitsprinzips an unsere Rechte und kämpien iür sie mit der Mannhaftigkeit, die uns Paul Sandor gezeigt hat. Indem wir dem Geiste dieser Großen huldigen, wollen wir auch dem dritten Mitglied des groGen Trios unserer geistigen Führer, dem Mitglied des Oberhauses Josef Veszi aus unserer Generalversammlung huldigende Grüße entbieten, und ihm die besten Wünsche zw seiner W e.'.::- Gesuche um Neuaufnahme ganz oder halbverwaister Knaben im schulpflichtigen Alter ins BARON SPRINdER'SCHE WAISENHAUS. XIV., GoldschlagstraBe 84 werden nur bis 20. August entgegengenommen. Solche mit nötigen Dokumenten versehen, sind an das Waiseohaus- Kuratorium, Wien I., Aagustinerstraöe 8, zu richten