Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 28 (3.7.1936)
- Date
- 1936-07-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEiT Nr. 28 — 3. Juli 1936 Seite 5 | S E E F E L D, TIROL 1200 m Streng orthodox "t^3 Abteilung im Hotel Hochalm, Geschw. Scheer Sehr mäßige Preise, beste Verpflegung und Unterkunft Am Dienstag, den 30. Juni, hielten die Juden überall in Polen zwischen 12 und 2 Uhr Nachmittag einen Proteststreik gegen das Urteil ab. In diesen Stunden waren überall die jüdischen Geschäfte geschlossen; es wurde deir jüdischen Pogromopfer gedacht. Noch ein Schandurteil. Vor etwa einem Jahre kamen im Städtchen R z e- '1 ichow, Kreis Siedlec, heftige antijüdische Ausschreitungen vor, in allen jüdischen Häusern wurden die Fenster eingeschlagen, mehrere jüdische Passanten wurden überfallen und niedergeschlagen, dabei wi'rden Jechiel Pal, Malka Celman, Mordechai Szulec und David Wolf Weisleder erheblich verletzt. W e i s 1 e d e r erlag einige Tage später seinen Wunden. »ATID1 Jüdisches Kinder-Ferienheim Spital a. Semmering (820 m) für 6—16jährige (Pädagogische Leitung A. Taglicht), modernst erstrangig. Ständige ärztliobe Aufsicht Sport, Schwimmen, vorzügliche rituelle Verpflegung. Mast- und Diätkur. Fremdsprachige Konversation. Sekretariat: IX., SchwarzipanierstraBe -13/3 Tel. A 36-3-73 Von der Synagoge, wo Weisleder betrauert wurde, begab sich die versammelte Menge zum P olizeikommandanten Motacz und ersuchte ihn um Schutz von Leben und Eigentum der jüdischen B e v|ö t k e r u n„g. Während die Juden vor dem Polizeihaus warteten, wurden mehrere von ihnen von Huligans blutig geschlagen. Der Starosta weigerte sich, die Juden zu empfangen und ließ acht von ihnen verhaften. Vor einigen Tagen fand vor dem Siedlecer Kreisgericht der Prozeß gegen die antisemitischen Huligans statt. Alle wurden freigesprochen. Am 30. Juni fand der Prozeß gegen die erwähnten acht Juden statt, die alie zu 6 Monaten Gefängnis veruteilt wurden. Pension und Restaurant TAUBER, Afabazia Erstklassige orth. koschere Küche, Zimmer mit jedem Komiort, volle Pension von 25 Lire aufw. I Alle Preise I ■ tief reduziert ■ TUCHHAUS TABAK, u sauartes Nr. 5 r Original englische und französische Damen- und Herrenstoffe Zionisten und Araber. Die in Palästina wohnhaften Mitglieder des Zionistischen Actions-Committees, die in der abgelaufenen Woche in Jerusalem tagten, erließen eine Proklamation. In dieser Proklamation wird der britischen Palästina-Verwaltung vorgeworfen, daß sie das Uebel nicht gleich zu Beginn des „Krieges gegen den Jischuw und die Erlösungshoifnung des jüdischen Volkes" ausgerottet habe. Die nicht genügend energische Haltung der Regierung sei schuld daran, daß das Land sich jetzt in einem Zustand des Aufruhrs beiinde. Nur ein einziger von denen, die Morde an Juden verübt haben, sei bisher vor Gericht gestellt worden. Nach wochenlanger Verzögerung seien die Forderungen der Angegriffenen nach Selbstverteidigungsmöglichkeit nur ungenügend erfüllt worden. Der von der Regierung gezeigte Mangel an Energie habe die opportunistischen Organisatoren der Unruhen ermutigt und sie glauben lassen, daß auf diesem Wege der Sieg winke. Der Umstand, daß die Juden der Betätigungsmögiichkeit im öffentlichen Dienst, in der Polizei und im Grenzschutz beraubt waren, habe es der Regierung unmöglich gemacht, in der Zeit der Not entsprechend vorzugehen. Ferner wird Kritik daran geübt, daß die Regierung es verabsäumt habe, den Städten und Kolonien, die infolge der Unruhen Verluste an Eigentum und Erntegut erlitten haben, beizustehen und die Familien der Getöteten und Verwundeten zu unterstützen. Anderseits wird der Regierung dafür Anerkennung gezollt, daß sie die Abhaltung der Levante-Messe und die Löschung von Schiffsladungen in Tel-Aviv ermöglichte, einige Regierungsämter nach dieser Stadt verlegte, eine jüdische Hilispolizei aufstellte, und insbesondere dafür, daß sie die neue Einwanderungsschedule herausgab. Den englischen Truppen und der Polizei wird hohes Lob für ihren Mut und ihre Treue ausgesprochen. Aber das jüdische Volk, so heißt es in der Proklamation weiter, kann sich nicht damit zufrieden geben, daß andere ihr Leben für die Sicherheit des Jischuw in Gefahr bringen. Wir fordern, daß die jüdischen Siedler in gefährlichen Orten bewaffnet werden, damit sie die Polizei und die Truppen unterstützen. Der Oberste moslemitische Rat hat als Antwort auf die Rede des Kolonienministers Orrasby- G o r e im Unterhaus eine Erklärung veröffentlicht, in der die Politik der Errichtung eines Jüdischen Nationalheims abgelehnt wird. Gleichzeitig wird die Fortführung des Araberstreiks angekündigt. In der vom Großmufti von Jerusalem der Oeffentlichkeit übergebenen Erklärung heißt es: „Der Moslemitische Rat hat wiederholt der Palästinaregierung gegenüber die Meinung geäußert, daß das arabische Volk der Errichtung eines jüdischen Nationalheims in diesem heiligen mohammedanischen Lande niemals seine Zustimmung geben und auch der jüdischen Einwanderung und dem die Existenz der Araber gefährdenden Uebergang arabischen Bodens an Juden nicht zustimmen wird. Der Rat fordert die Einführung einer parlamentarischen Regierung und die Eriüilung der den Arabern 1916 und 1918 gegebenen Versprechungen. Auch erachtet der Rat die gegenwärtige Politik als sehr gefährlich für die heiligen Stätten, darunter für El Aksa (die auf dem Platz des alten Tempels errichtete Omarmoschee). Der Rat ist der Ansicht, daß die Wurzeln der jüdischen Bewegung zur Schaffung eines Nationalheims in Palästina religiöser Art sind und die zionistische Frage darum vor allem eine religiöse ist; denn die Juden haben die ihnen angebotene Errichtung eines Nationalheims in anderen größeren Ländern abgelehnt, weil sie die Wiedererrichtung des Bet Hamikdasch (Heiligen Tempels) erstreben. (!) Dies wurde bereits vor der Shaw-Kommission nachgewiesen. Der Rat findet, daß die Regierung keinen Grund hat, ihre erwiesenermaßen fehlgeschlagene Politik fortzusetzen, die für die Regierung ein Hindernis ist. Darum erachtet der Rat den Streik als eines der legalen Mittel, die Regierung davon zu überzeugen, daß eine aggressive Politik gegenüber den Arabern das Volk nur noch mehr erbittern wird." BEAfRIIB AD IMICHAEEERBAD III., Linke Bahngasse 9, nächst Stadtpark | XVIII., Mlchaelerslr. 12, nächst Volksoper Dampf-, Wonnen-, Schwimm- und Heilbäder Kuren gegen Rheuma, Gicht, Ischias, gegen Erkältungen, vorzeitige Alterserscheinungen usw. Juden und Nichtarier in Deutschland wehrdienstpflichtig. Wie amtlich mitgeteilt wird, erhielt der § 15 des Wehrgesetzes eine neue Fassung, die besagt, daß Juden zum nichtaktiven Wehrdienst herangezogen werden können und daß jüdische Mischlinge auch aktiven Wehrdienst zu leisten haben, aber nicht Vorgesetzte werden können. Die Bestimmungen über die Eheschließung zwischen Wehrpflichtigen und Nichtariern haben ebenfalls eine neue Fassung erhalten. Die Dienstleistung von Juden im Kriege bleibt einer besonderen Regelung vorbehalten. „Der Fall Gustloff." Mit Hilfe von Radio, Leitartikeln in der Parteipresse und mit sonstigen im Dritten Reich beliebten Methoden war dort eine Schrift angekündigt worden, die beweisen soll, daß die schweizerische Presse der intellektuelle Urheber des Attentats von Davos ist und daß das „Weltjudentum" den Studenten Frankfurter für diese Tat „gedingt" hat. Einen Spezialisten aus Kairo hat man sich für die Verfertigung kommen lassen. Aus dem Attentat auf Gustloff wurde der „Fall" Gustloff, der Verfasser heißt Wolfgang Diewerge und auf dem Titel prangt „Vorgeschichte und Hintergründe der Bluttat von Davos". Jetzt haben wir ein Exemplar der Schrift, die 114 Seiten stark ist, erhalten. Was ist sie? Statt einer Anklage mit sachlichem Beweismaterial eine Sammlung von schweizerischen Zeitungsausschnitten (dabei auch entstellten), die sich ungünstig über die Nazis in der Schweiz äußern, statt eines Plaidoyers für die deutschen Nazikolonien in der Schweiz ein Sündenregister, das im Laufe der Zeit vor und nach dem Attentat den dort unerwünschten Gästen vorgehalten wird. Ein „Fundamentalbeweis" z. B.: Frankfurter hat die Tat begangen, weil er die — Baseler bürgerliche „National-Zeitung", wie „feststeht", regelmäßig las. (S. 59). Diewerge bringt auch nicht einen einzigen Beweis, keinen Hinweis, wer Frankfurter beauftragt haben könnte; er kann nicht die Tatsache widteTlegen, daß der Jude mit den Emigrantenkreisen überhaupt nicht in Verbindung gestanden hat. Und doch: „Gustloff starb als Vormann des nationalsozialistischen Deutschlands auf einem Auslandsposten durch den Beauftragten einer internationalen Macht." Und der Beweis: Wörtlich erklärte Frankfurter: „Ich habe die Tat begangen, weil ich Jude bin". Aber wo ist der Beweis, daß er Hintermänner hat? Wer hat Frankfurter beauftragt, den Mord auszuführen? Hierüber finden wir nicht eine konkrete Angabe, die für den Untersuchungsrichter von Belang sein kann. Und warum? Weil es eben solche Kreise nicht gibt. Darum wählt man den Begriff „Weltjudentum"; unter dieser Kollektivbezeichnung soll der Leser sich alles vorstellen können, ohne daß der Verfasser belangt werden kann. Aber Juden müssen doch den Frankfurter angestiftet haben — neben der Lektüre der „National-Zeitung". Hierüber nur verlogenes Gerede. Das liegt auf der gleichen Linie, wie versucht wird, den Attentäter auch menschlich herabzusetzen. Wie „feige" war es, den Gustloff im Kanton Graubünden zu ermorden, denn dort gibt es die Todesstrafe nicht mehr! Wie „feige", sich selbst der Polizei zu stellen! Der „Fall Gustloff" hat nichts enthüllt, weil es nichts zu enthüllen gibt. Arabische Angriife gegen das englische Parlament. Im Anschluß an die Erklärung des Kolonienministers vor dem Unterhaus richtet die arabische Zeitung „El L i w a a" maßlose Angriffe gegen das englische Parlament. Sie erhebt gegen das U nterhaus die Beschuldigung, es sei von jüdischem Geld beeinflußt. Die Araber, Scheibe „El Liwaa", würden diesen letzten entscheidenden Kampf nicht aufgeben. Alle Verhandlungen müßten nunmehr abgebrochen werden. In sehr scharfer Weise schreibt auch die Zeitung „A d i f a a". die das englische Parlament als eine Versammlung der „W eisen von Z i o n" bezeichnet.