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Die Wahrheit · 1936-07-03 · Heft 28 (3.7.1936) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 28 (3.7.1936)
Date
1936-07-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 2b — 3. Juli 1936 Seite 3 Kontrolle ausgeübt. Bei einem Araber, der nach Aegypten ausreisen wollte, wurden wichtige Briefe beschlagnahmt, die er dem ägyptischen Komitee zur Unterstützung der Streikbewegung in Palästina übergeben sollte. „Doar Hajom" meidet, daß die Regierung einen Betrag von 1000 Pfund konfisziert habe, der von New Yorker Arabern an den Großmufti für das Streikkomitee gesandt worden war. Zwischen Tel Aviv und den jüdischen Kolonien dürfen nunmehr nur fünf Autobuskolonnen täglich auf Anordnung der Regierung verkehren. Die Kolonnen werden stark militärisch geschützt. Bei einem Empfang für High Commissioner Sir Arthur Wauchope fln> Haifa gab dieser neuerlich der Entschlossenheit der Regierung Ausdruck, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, um dem Terror ein Ende zu bereiten. Der High Commissioner erklärte, er sei überzeugt, daß die Bevölkerung umso weniger zu leiden haben werde, je mehr Arbeit wieder aufgenommen wird. Er sei entschlossen, alle militärischen und sonstigen Maßnahmen zu ergreifen, bis die Sicherheit von Leben und Eigentum im Lande völlig wiederhergestellt sein wird. Ruhe in Transjordanien. Im Gegensatz zu den letzten auch in der Tagespressa wiederg'egebenen Sensationsmeldungen über Pläne transjordanischer Beduinen, in Palästina einzufallen, wird von amtlicher englischer Seite mitgeteilt, daß sich die Lage in Tra ns jo rdanieni im Gegenteil 1 beruhigt hat und daß man in amtlichen britischen Kreisen volles "Vertrauen hegt, daß es dem Emiir Abdullah gelingen werde, seine Untertanen von jeder Unruhe fernzuhalten. Der Korrespondent der United Press meldet, Emir Abdullah habe sich bereit erklärt, eine Friedenskonferenz arabischer Führer zu leiten. Im Verlaufe einer Unterredung mit der United Press 'lehnte der Emir jede Verantwortung für die Aufstandsbewegung in Palästina ab und fügte sogar hinzu, daß er gern bereit sei, jüdischen Flüchtlingen, die ihn um Schutz bäten, seinen Beistand zu gewähren. Ein Freund unseres Blattes stellt uns folgenden Briet aus Tel Aviv zur Verfügung. Sehr geehrter Herr! Für Ihre freundlichen Zeilen besten Dank sagend, wollte ich innner abwarten, um bessere Nachrichten von hier zu berichten. Leider hat sich die Lage noch verschlechtert und werden Sie aus den Zeitungen gewiß mehr erfahren, als wir hier wissen. Der Streik ist seit 9 Wochen noch nicht zu Ende und was dies iür d:e Kaufmannschart bedeutet, brauche ich nicht zu erwähnen. Die gesamte Industrie, soweit man von den wciiigea größeren Konzernunternehmungen sprechen kann, steht fast still. Dadurch ist die Arbeitslosigkeit genug groß geworden, was sich auf die allgemeine Geschäftslage auswirkt. Man kann feststellen, daß viele Einwanderer nach Süd-Afrika und Amerika abreisen, um dort ihre Existenz zu suchen. Die vielen Brände haben bereits großen Schaden angerichtet und werden die Versicherungen die Schäden vieliach nicht regulieren. Es ist anzunehmen, daß die Britische Regierung gegen die Araber nicht vorgehen will, da das Einschreiten nur eine Geste bedeutet. Die palästinensischen Juden haben geglaubt, daß sich die englische Regierung für sie einsetzen werde, und sind jetzt sehr enttäuscht. Vor Jahresfrist habe ich Leuten, die ich in dieser Angelegenheit sprach, klargelegt, daß ein friedliches Arbeiten mit dei' Arabern besser sei, als das gespannte Verhältnis, da die Juden doch die Minderheft sind. Es sind hier scheinbar große Fehler geschehen und ist dies ein Armutszeunis für die jüdischnationalen Zionisten. Die Geschäftslage ist sehr schlecht, weil kein Kaufmann eine Reise im Lande wagt. Ich z. B. habe seit 9 Wochen auf den Bonded Lager in Jaffa Ware lagernd und kann 2V? Tons Material nicht hereinbekommen, weil die Speditionsbeamten nicht ihr Leben in Jaffa riskieren wollen. Vor 10 Tagen war ich in Jaffa, um mich zu überzeugen, und konnte feststellen, da;'; die Lage sehr kritisch ist. Es sind alle Geschäfte geschlossen, mit Ausnahme eines: des englischen Nahrungsmittelgeschäftes „Spinnays". Wird diese unruhige Zeit noch 4 Wochen dauern, so wird der Aufbau des Judenheimes um Jahre zurückgeworfen und ist es überhaupt eine Frage, ob es ein jüdisches Palästina geben wird. Restaurant Stefanie Tk^3 Ii., TaborstraBa 12 Hugo u.Julie Herlinger,geb. Zöllner Bekannt gute Küche, gepßegte Getränke, aufmerksamste Bedienung, zeitgemäße Preise, reichhaltige billige Menüs, sowie alle Spezialitäten, schöner schattiger Garten Besorgt Eure BÜCher durch die Buchhandlung HI^MÄMN f HflCCmMIiR Wien IL, Ecke Taborsfraße 52 Mäßige Preise! Gro&e Auswahl! Moderne Leihbücherei Gebühr 10 Grosch. per Tag sonst nichts Anfrag.: Tel.R41-4-20 Kataloge gratis! arbeiten, wie Professor Lenard, Professor iür Astronomie in Heidelberg, der sich nicht schämt zu erklären: „Die Wissenschaft ist nicht universell, die Wissenschaft ist rassisch, die Wissenschaft ist deutsch". Professor Lenard ist der Erfinder einer „deutschen Physik"! Mit solchen „Intellektuellen" ist keinerlei Verständigung m ö g I i c h." Abgeordneter Andre Philip, Professor der Rechte an der Universität Lyon: „Ich bin bereit, an einer Feier der Universität Heidelberg teilzunehmen an dem Tag, an dein diese in ihrer Gesamtheit mit allen ihren Mitgliedern die Rückkehr zu den Traditionen der wissenschaftlichen Objektivität und der geistigen Sauberkeit feiern wird. Es ist vollkommen überflüssig, sich zu bemühen, um die Untergebenen des Propaganda in in is t e r i u m s zu treffen." Auch die folgenden Erklärungen der Professoren der Universität Oxford sind charakteristisch. Professor Gifbert Murray erklärt: „Ich bin vollkommen einverstanden mit der Entscheidung unserer Universitätsbehörden in bezug auf die Ablehnung, da die Universität Heidelberg 44 Professoren entlassen hat, teils wegen ihrer freiheitlichen Gesinnung, teils wegen ihres jüdischen Blutes. Das ist eine unerhörte und unerträgliche T a t s a c h e." Der Schatzmeister des Deutschen Clubs an der Universität Oxt'ord Professor M. Crowsnun erklärt: „Es ist vollkommen u u m ö g 1 i c h, daß eine englische Universität den Anschein erweck t, daß sie die Zustände in Deutschland billigt. Wenn man diese Zustände aber nicht billigt, dann ist es besser, es auch in einer entschiedenen Form zu sagen." Proiessor B r i e r I y, ebenfalls von der Universität Oxford, erklärte: „Die deutschen Universitäten haben sich selbst außerhalb der internationalen Gemeinschalt der Universitäten gestellt." Sehr stark war auch die Bewegung unter den Studenten gegen die Beteiligung an den Heidelberger Feierlichkeiten. An der Columbia-Universität hat eine Unterschriftensammlung unter Studenten und Professoren 1000 Unterschriften für den Widerruf der Zusage erbracht. Die Studenten des City College in New York haben einstimmig beschlossen, die Beteiligung abzulehnen. In der Presse hat diese Boykottbewegung ein lebhaftes Echo gefunden. In der Londoner „T i m e s" schrieb der Professor an der Universität Birmingham, Charles Robertson, einen viet beachteten Artikel. Er erklärte u. x: „Wir haben die Einladung abgelehnt, nicht weil wir Insulaner sind, unwissende oder Stimmungen unterworfene Menschen, sondern weil wir gute Europäer sind, die die Verantwortung als Hüter der Wahrheit ernst nehmen. Das was in Deutschland geschehen ist, ist ein brutaler Angriff aui die Fundamente des wissenschaftlichen Lebens." „Der christliche Ständest aa t", das mutige österreichische katholische Wochenblatt, schreibt in seiner letzten Nummer zu diesen Ablehnungen Neu-Heidelbergs: Jede solche Ablehnung ist ein Bekenntnis zum abendländischen Geist. Man wendet sich nicht gegen die großen Traditionen Heidelbergs, — im Gegenteil, man bekennt sich zu ihnen, wenn man es ablehnt, den heutigen deutschen Universitätsbetrieb und die Grundsätze, nach denen er vom allmächtigen Staat geregelt wird, als eine legitime Fortsetzung anzusehen oder gar sich auf zweifelhaften Feiern als Zeuge für diese Legitimität und die Vereinbarkeit von Geist und Nationalsozialismus herumreichen zu lassen. Alles, was den Irrtum aufkommen lassen könnte, als sei das Deutschland von heute noch das Deutschland von gestern und als läge kein Anlaß für einen geistigen und anständigen Menschen vor. sich zur sogenannten „nationalen Erhebung" des Dritten Reiches an- Gegen Neu~Heidelber&. In der Vorwoche fanden in Heidelberg die Feierlichkeiten anläßlich des 550. Jahrestages der Gründung der Heidelberger Universität statt. Die „Deutschen Informationen" veröffentlichen auf Grund der letzten Mitteilungen folgende Liste der erfolgten Ablehnungen: England: die Universitäten von Oxford, Cambridge, Sheffield, Birmingham. Auf Grund dieser Ablehnungen wurde die Einladung an alle anderen englischen Universitäten zurückgezogen. Holland: die Universitäten von Amsterdam und Leiden. Schweden: die Universität von Lund. Norwegen: die Universität Oslo. Schweiz: die Universität von Basel. U. S. A.: die Universitäten von Virginia, von Y a 1 e und Dutzende andere. Auf Grund der Boykottbewegung hat die Universität Heidelberg zur Vermeidung sicherer Ablehnungen darauf verzichtet, die Universitäten von Belgien und Spanien einzuladen. Frankreich: die „Weltstudentenbewegung für Frieden, Freiheit und Kultur" hat eine Rundfrage unter französischen Universitätsprofessoren Leset den Morgen Verbreitet den Morgan Inseriert im Morgen &s ist €ucr Watt €s fütjft mit £ud} €s bznkt mit €u<% €s äämpft für €ud)! über die Beteiligung der französischen Universitäten an den Heidelberger Feierlichkeiten unternommen. Die Professoren Ch. G u i g n ebert (Paris), M. Zoretti (Caen), Jacques C h a p e 1 o n (Paris), Louis L e r o u x (Paris), Andre Philip (Lyon), Georges Friedmann (Paris), sowie zahlreiche andere sprachen sich gegen die Beteiligung aus. Die „Deutschen Informationen" veröffentlichen aus der Fülle der Antworten die folgenden Erklärungen: M. Zoretti, Secretaire du Syndicat de l'Enseiguement Superieur, Professor an der Universität von Caen: „Bekanntlich bereitet man zwei Dinge für Heidelberg vor. Erstens die offizielle Feier, zu der man die Universitäten eingeladen hat. Zweitens versucht die deutsche Regierung einen internationalen Kongreß der Universitätsprofessoren einzuberufen, der am Vorabend der Heidelberger Feierlichkeiten stattfinden soll. Was die erste Einladung betrifft, so ist es die Sache jedes einzelnen Universitätssenats, sich mit ihr zu beschäftigen. Wir unsererseits bemühen uns, jede französische Universität davon zu überzeugen, daß es notwendig ist, die Beteiligung an den Feierlichkeiten in Heidelberg abzulehnen. Viele Universitäten haben bereits abgelehnt. Unserer Meinung nach sollte man sich an den Feierlichkeiten eines Landes nicht beteiligen, welches die wissenschaftliche Freiheit unterdrückt. Was die zweite Einladung betrifft, haben wir eindeutig abgelehnt und ich selbst habe ein Ablehnungsschreiben an Maclean, Professor in Cardiff, Secretaire de l'Association Internationale des Professeurs de Facultes gerichtet. Es ist stets wichtig iür uns, ausländische Professoren und Gelehrte zu treifen. Aber wir lehnen es ab, mit solchen unmöglichen Leuten zusammenzu-

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