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Die Wahrheit · 1936-07-03 · Heft 28 (3.7.1936) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 28 (3.7.1936)
Date
1936-07-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 28 Juli 193C DIE WAHRHEIT Wir lassen uns nicht entmutigen! Das Besondere Stadtamt des Wiener Magistrats hat die Eingaben, die die „Union österreichischer Juden" wegen der Protektions- und Korruptionswirtschaft des derzeitigen üüdischnaüonalen Kultusvorstandes an den Magistrat als erste Instanz richtete, dahin beantwortet, daß sie keinen Anlaß sieht, „eine Behebung von Beschlüssen des Kultusvorstandes zu verfügen oder sonstige Vorkehrungen ... 7M treffen" „Die Stimme" vom 2. d. M. bringt diese Entscheidung an leitender Sielle in großer Aufmachung und knüpft daran eine ausführliche Polemik gegen die „Union" und einzelne ihrer Führer. Die Jüdischnationalen irren, wenn sie glauben, daß diese Entscheidung, auf die wir übrigens noch zurückkommen, ihnen Anlaß zu einem Triumphgeheul geben kann. Schließlich ist für die Gestaltung der Dinge in der Seitenstettengasse nicht die Ansicht einer untersten Instanz wesentlich, sondern — abgesehen von den Entscheidungen höherer Instanzen und des Bundesgerichtshofes — die Meinung, das Vertrauen und der Wille der Wählerschaft. Wir vertrauen auf den gesunden Menschenverstand der Wiener Judenschaft, die am Wahltage die endgültige Entscheidung darüber fällen wird, wie die Wiener Juden über die Protektions- und Freunderlwirtschaft der Herren Jüdischnationalen denken. ■BBBBBSBBBBBBBBBBBB Caft Pension Eckstein Semitiering Neu renoviert! Die Situation in Palästina. Bei den jetzigen Kämpfen zwischen den arabischen Aufständischen und britischem Militär in Palästina handelt es sich nicht meh|r um Gefechte zwischen kleineren Posten, sondern um größere Kampfhandlungen, bei denen auf beiden Seiten große Einheiten eingesetzt werden. Die von militärischer Seite jetzt gemachten großen Anstrengungen lassen darauf schließen, daß es die militärische oberste Leitung darauf absieht, die Kämpfe durch Vernichtung des Gegners möglichst bald zu beenden. Bei den Kämpfen am Wochenende sind 64 arabische Aufrührer gefallen. WTie der Jerusalemejr Korrespondent des „Daily H e r a 1 d" meldet, unternehmen jetzt 1600 Seaforth-Hochländer und Kgl. Schottische Füsiliere, unterstützt von Panzerwagen, Tanks und Flugzeugen, in dien Bergen von Nablus eine konzentrische Aktion mit der Absicht, die dort sich verbergende Bandenarmee auszutilgen und so die Wurzeln der Unruhen zu treffen. Die Berge von Nablus, unter ihnen die biblischen Gerizim und Ebal, bilden nicht nur die Zuflucht der Banden, sondern auch ihre Operationsbasis. Man schätzt, daß die von dort aus operierende Hauptbande etwa 500 Mann stark ist. Den britischen Truppen ist es bereits geglückt, die Hauptbande nahezu zu umzingeln, so daß deren Nahrungsmittelzufuhjr fast abgeschnitten ist. In den Kreisen der Palästina-Regierung stellt man eine zunehmende Streikmüdigkeit unter den Arabern fest Die Vertreter der ausländischen Telegraphen-Agenturen wurden aus englischen Kreisen dahin informiert, daß man mit Feuilleton. Abessinien — eine jüdische Zufluchtsstätte. Vortrag des Herrn Fürsorgerates Nathan P o 11 a k. gehalten in der „Union". (Schluß.) Aber nicht Arbeit allein schaiit Lebensmöglichkeit und Reichtum. Es genügt nicht, einfach hinzugehen und zu arbeiten. Afrika kann nur Arbeit geben, wenn gleichzeitig eine internationale Organisation der Wirtschaft den Absatz der Arbeitsprodukte gewährleistet. Unsero Aufgabe ist es in erster Linie, uns ein geneigtes Ohr beim König von Italien und dem größten und erfolgreichsten Mann der Jetzizeit. dem Duce Mussolini, zu verschaffen, um „freies Tor für Abessinien" zu verlanger:. Sicherlich hegt mancher Zweifel, ob diese Forderung erfüllbar ist! Wir alle sind durch die Absperrungsmaßnahmen der uns umgebenden Staaten so verschüchtert, daß wir den Gedanken gar nicht für ausführbar ansehen können. Aber denken Sie nur 30 oder 40 Jahre zurück. Damals sind Hunderttausende von Menschen, Männer, Greise, Frauen, Mädchen, Kinder, ohne Vermögen, ohne irsend welche Kenntnisse aus allen Staaten, insbesondere Ungarn, Slowakei, Polen, Rußland, Kroatien-Slawonien nach Amerika wahllos hinüber gegangen! Hat sie jemand auch nur gefragt: was sucht Ihr in Amerika? Nein! Und — wie die Erfahrung zeigt — war es für beide Teile :.'ut. Ein Staat kann nur init iberischen aufgebaut werden, mit Menschen, die arbeiten. einem Zusammenbruch dar Streikbewegung der Araber Anfang Juli rechnet; die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel seien nahezu erschöpft. Auf die jüdische Kolonie Atarot, nördlich von Jerusalem, wurde in der Nacht zum 25. Juni ein Feuerüberfall verübt, wobei ein Jude getötet wurde. Dieses 36. jüdische Todesopfer seit Beginn der Unruhen ist der 40jährige Chajim Golowicki, einer der Gründerder Kolonie. Er stammt aus Polen und hinterläßt eiine Witwe und ein fünfzehnjähriges Kind. Der Angriff auf Atarot begann am 24. Juni, .10 Uhr abends und dauerte zweieinhalb Stunden. Die Angreifer umstehen die Kolonie im Halbkreis in einer Entfernung vom kaum 100 Metern und eröffneten gleichzeitig das Feuer. Golowicki fiel bei der ersten Salve. Sofort sammelten sich die Siedler zur Verteidigung und hielten fast eine Stunde lang die Angreifer in Schach, bis starke Abteilungen von Polizei nnd MiJitär zum Entsatz herankamen. Nach der Verjagung der Angreifer wurde die Umgebung der Kolonie von Militärpatrouillen mit Spürhunden abgesucht. Am Donnerstag, den 25. Juni, griffen ungefähr 30 Araber die kleine jüdische Kolonie Kalandia an. Ein Jude wurde getötet. Auch Wer hielten die jüdischen Siedler längere Zeit die Angreifer in Schach, bis eine militärische Verstärkung eintraf und die Angreifer zurückwarf. Es wird geschätzt, daß seit Beginn der Unruhen 140.000 Wald- und Obstbäume, sowie W'einstöcke, ferner die stehenden Saaten auf mit Menschen, die verbrauchen, mit Menschen, die sich vermehren. Arbeit schaift Geld! Damit bin ich beim dritten Teil meines Themas, dem wirtschaftlichen. Ich bin mir bewußt, um welch furchtbar ernste Angelegenheit es sich handelt. Italien wird gerade jetzt zu zeigen haben, ob es solch ungeheuren organisatorischen Aufgaben gewachsen ist und der ins Leben gerufene Wirtschaftsstab die notwendigen Fähigkeiten aufweisen wird. Es geht vor allem um die Ausbeutung der Bodenschätze. Unzweifelhaft verfügt das Land über eine unerschöpfliche Quelle von Reichtümern, deren Ausbeutung äußerst aussichtsvoll erscheint, aber es ist noch alles im Urzustand. Nichts ist da, alles muß erst geschaffen und eingeführt werden. Die Konsumkraft der Eingeborenen als solche spielt überhaupt keine Rolle. Eine Statistik der letzten Zeit hat ergeben, daß für Afrika der Jahresverbrauch pro Kopf die erstaunliche Zahl von S 7.— ergibt. Das ist der Wert eines Menschen für die Volkswirtschaft. In Europa beträgt diese Zahl, im Durchschnitt gerechnet, 700 S pro Jahr, also hundertmal so viel. Welche Möglichkeiten würden sich für die Wirtschaft aller Staaten ergeben, wenn es gelänge, hier eine Angleichung zu erzielen. Welche Artikel würden nicht gebraucht werden?! Es ist nicht denkbar, daß einzelne Kolonisten oder gar private Kolonisationsgesells'chaften eine solche Organisation übernehmen und durchführen. Das kann nur die Aufgabe des Staates sein, und wir hoffen, daß Italien sich dieser in der Weltgeschichte einzig dastehenden Aufgabe unter Zuhilfenahme aller modernen Errungenschaften der Jetztzeit gewachsen zeigen wird. ^ÄSTEIN HOTEL ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang einem Gebiet von über 160 Hektar vernichtet worden sind. Die Zahl dar jüdischen Sonderpolizisten, die zur speziellen Bewachung der jüdischen Siedlungen und der jüdischen Wohnviertel in den Städten eingestellt wurden, hat bereits die Ziffer 1800 erreicht. Die Jewish Agency hat bekanntlich von der Regierung die Einsteilllung von 2500 jüdischen Sonderpolizisten gefordert. Der Leiter der Palästinapolizei, R. G. B. Spicer, hat zwei jüdischen Polizisten. die die Mürder des am 19. April getöteten Elileser Bisutzky ergriffen und die Jaffaer Polizeistation vor den Folgen eines Bombenanschlages dadurch gerettet haben, daß sie eine brennende Bombe unter Lebensgefahr unschädlich machten, Tapferkeitsauszeichnungen verliehen. Außerdem wurden ein jüdischer Polizist und ein jüdischer Polizeikorporal zu einer Auszeichnung vorgeschlagen. Der arabische Ort Lydda, der ein Eisenbahnknotenpunkt der Linien Jerusaliern—Haifa und Jerusalem—Jaffa ist, und in dessen Nähe wegen der Gemeingefährlichkeit der dortigen arabischen Bevölkerung sich ein Flugplatz befindet, wurde von der Palästinaregierung mit einer Kollektivstrafe von 5000 Pfund bedacht. Die Höhe der Strafe hat unter den Arabern von Lydda Entsetzen verursacht. Eine Abordnung der Araber von Lydda forderte den Mufti zur Bezahlung der Lydda auferlegten 'Kollektivstrafe auf. Der Mufti erwiderte, er könne diesem Ersuchen auch nicht teilweise entsprechen. Er könne, sagte er, dem Fonds zur Errichtung einer arabischen Universität nichts mehr entnehmen, da das Geld zur Bezahlung der Mitglieder des Obersten Arabischen Ausschusses verwendet worden ist. Ueber Hebron, wo in den letzten Tagen wachsende Unruhe herrschte, ist der A u snahmezustand verhängt. Auch über Lydda sowie über alle Eisenbahnlinien wurde der Ausnahmezustand verhängt. Das Haus eines arabischen Streikführers in Lydda wurde auf Grund der letzten Notverordnung niedergerissen. Die Palästinaregierung hat eine allgemeine Briefzensur für Auslandssendungen eingeführt. Zu diesem Zweck wurde eine Zensurstelle mit 26 Beamten errichtet. Auch über die nach dem Auslande reisenden Personen wird eine strenge Vor allem aber ist die Frage der Kolonien eine rein finanzielle Frage. Mit den notwendigen Handwerkszeugen für den Bau primitiver Hütten beginnend, über die technische Ausrüstung von Farmen und größeren Betrieben, bis zu. dem Aufbau von Bergwerken imd Fabriken, dies alles erfordert Kapital, ein Kapita!, das auf lange Sicht angelegt wird! Aber es ist zu berücksichtigen, daß es wesentlich vernünftiger wäre, Kapitalien in den afrikanischen Boden zu investieren, der sie im Laufe der Jahre mit Zinsen und Zinseszinsen amortisieren würde und zugleich ein unendliches Tätigkeitsfeld für Millionen von Arbeitssuchenden erschließen würde, als es in den Gewölben der Nationalbanken zu thesaurieren. Geld muß rollen, sonst hat es für die Wirtschaft keinen Wert! Was haben wir zu tun, um den Gedanken zur Tat werden zu lassen? Ich habe bis jetzt auf ei-gene Faust meine Schritte in Italien unternommen, um den Gedanken zu popularisieren. Ich erhebe keine Priorität auf diesen Plan, denn viele haben den gleichen Gedanken gehabt, daß hier eine einzige Gelegenheit geboten sei, um den erwerbslosen Juden eine Heimstätte zu verschafien. Mein Verdienst ist es nur, daß ich den Mut habe, mit diesem Gedanken in die Oeffentlichkeit zu treten und dieses Verdienst teile ich mit dem Vorstand der Union österreichischer Juden. Darum geht meine Bitte an denselben, daß diese älteste und angesehenste Organisation der Juden Oesterreichs den Gedanken aufnehme und durch ihre Verbindungen an die in- und ausländischen Wohlfahrtsinstitutionen, Vereine und Kultusgemeinden weiterleite. Und so darf ich — auch als gläubiger Jude — mit dem bekannten, ewig wahren Satze schließen: „Hilf Dir selbst — dann wird Gott Dir helien!"

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